Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Das Leben und die Schlange: Auf- und Abstieg

Im ersten Teil des Märchens "Schneewittchen" wird das Thema eingeführt: Ganzheit (Weiss, Rot, Schwarz) und ein fruchtbares Leben das Ziel.

By on 23. April 2020

Im ersten Teil des Märchens "Schneewittchen" wird das Thema eingeführt: Ganzheit (Weiss, Rot, Schwarz) und ein fruchtbares Leben das Ziel.

Das Leben und die Schlange – Aufstieg und Abstieg 

Die Schlange, Symbol für das Leben

Die Schlange ist ein Symbol für das Leben. Mit ihrer Fähigkeit sich zu häuten gilt sie auch als Symbol für Tod und Wiedergeburt. Das Leben steigt auf von primitiv zu komplex, und nimmt damit immer höher entwickelte Lebensbereiche ein.

Wie das Leben selber, so kann auch die Schlange als Symbol „gut“ oder „böse“ sein.

Der Aufstieg der „Schlange“  als Symbol für das Leben

Zur Abbildung: Der Aufstieg der „Schlange“  als Symbol für das Leben, dargestellt durch den  Hermesstab (links) beziehungsweise die 7 Chakras und Kundalini (rechts).

Das Leben – 7 Bereiche und 7 Chakras

Sieben Lebensbereiche

Die Ganzheit des Menschen in seiner irdischen Existenz wird in vielen Überlieferungen und Lehren durch sieben Aspekte wiedergegeben.

  • In der sumerischen Überlieferung die Göttin sieben Tore auf dem Weg in die Unterwelt zu passieren.
  • Im babylonischen Gilgamesh-Epos darf Gilgamesh sieben Tage nicht schlafen, wenn er das ewige Leben gewinnen will.
  • Die jüdische Überlieferung spricht von sieben Schöpfungstagen. 
  • Die hinduistische Lehre kennt sieben Chakras.

7 Chakras als Verknüpfungszentren zwischen bewussten und unbewussten Funktionen

Die Chakras gelten als Energiezentren und Verknüpfungsstellen zwischen Geist und Materie (zwischen bewussten Funktionen und dem Körper). Sie stellen sieben verschiedenen Lebensbereiche des Menschen dar. Diese reichen von eher unbewussten Körperfunktionen (Triebe, Emotionen) bis zu den bewussten Funktionen (Sprache, Abstraktionsvermögen).

[Weiterlesen: Die Sieben – Ganzheit der irdischen Realität]

Macht oder Liebe?

In jedem Bereich des Lebens ist der Mensch gefordert, sich zu entscheiden: Wählt er den Weg der Liebe oder den Weg des Egos und der Macht? Die sieben Lebensbereiche sind durch die sieben Chakras symbolisiert (s. Die Sieben – Ganzheit der irdischen Realität).

Aufstieg des Lebens

Der Aufstieg – Entwicklung des Lebens

Von primitiv zu komplex

Das Leben hat sich von einfachen Organismen, Einzellern zu hochkomplexen Mechanismen wie der Mensch entwickelt. Ebenso beginnt das Leben jedes Menschen mit  einer einzigen, befruchteten Zelle, die sich teilt und so zu immer komplexeren Strukturen heranwächst.
Das geborene Leben steigt ebenfalls auf: von Trieb und Bedürfnisbefriedigung, über gezielte Bewegungen und Handlungen zum Ausdruck von Gefühlen, weiter zu Kommunikation und zuletzt zu Bewusstsein (Reflexions- und Abstraktionsvermögen).

Vom Selbsterhaltungstrieb zum Ego

Mit dem Leben ist auch der Lebenstrieb aufgestiegen. Beim Menschen, der über ein Bewusstsein verfügt, hat er sich der Selbsterhaltungstrieb zum Ego entwickelt. Die Schlange ist darum in manchen Überlieferungen auch ein Symbol für das Ego.

Der Aufstieg der Schlange und das Ego 

Die Schlange «Kundalini» – Austieg von unbewusst zu bewusst

Gemäss der Lehre der Chakras symbolisiert die Schlange, Kundalini, die Lebenskraft. Diese «schläft» zusammengerollt beim untersten Chakra, dem Wurzelchakra, Symbol für das Leben («Mutter») und kann «geweckt» werden. Schlaf symbolisiert in den Überlieferungen Unbewusstheit. Sie alle rufen den Menschen auf, zu erwachen und sein Leben in allen Bereichen bewusst in die Hand zu nehmen.

Das Bewusstsein, das Ego und die Schlange

Mit anderen Worten: Hat der Mensch Bewusstsein erlangt, gilt es, die Liebe in allen Bereichen zu leben. Dies geht einher mit einem inneren Sterben. Das Problem ist nämlich dass Das Ego, das aus dem ehemals tierischen Selbsterhaltungstrieb entstanden ist, sich des Bewusstseins bemächtigt hat. Das Ego als die triebhafte Identität ist in Überlieferungen häufig als durch die Schlange symbolisiert.

  • In der sumerischen Überlieferung flieht der Ehegatte vor dem Zorn seiner Göttin-Gattin, indem er sich in eine Schlange verwandeln lässt.
  • Im babylonischen Gilgamesh-Epos stiehlt die Schlange das Unsterblichkeitskraut
  • Im biblischen Sündenfall-Bericht verführt die Schlange die Frau zu Ungehorsam.

Das Ego lebt Macht statt Liebe und kennt keine Grenzen in seiner Gier und seinem Bestreben zu herrschen.

Das menschliche Bewusstsein ­und die Freiheit der Entscheidung

Triebe oder Bewusstsein – Macht oder Liebe?

Hat der Mensch Bewusstsein erlangt, dann kann er sich für den Weg der Liebe entscheiden. Dann entdeckt er – in der Sprache der Überlieferungen formuliert – seine mythologische Bestimmung oder seine Berufung. Indem er den Weg der Liebe erkennt, gewinnt er den Zugang zum allumfassenden Geist und zum ewigem Leben, denn die Liebe ist die stärkste Kraft im Universum. Sie ist stärker als der Tod.

Wenn er sich nicht für die Liebe entscheidet, besteht grosse Gefahr, dass das Ego über die Triebe weiterhin die Herrschaft in seinem Leben ausübt und das Bewusstsein missbraucht, um egoistische Taten voranzutreiben und zu rechtfertigen.

Der Heldenweg: Ab- und Aufstieg

Der Abstieg – Sterben des Egos (der Heldenweg)

Abstieg in die Unterwelt – Liebe in alle Bereiche des Lebens

Der Heldenweg des Menschen ist darum, die Liebe wieder in alle Bereiche des Lebens zu bringen, bis «hinab» in die tiefsten, unbewussten Gefühle und Triebe. Dabei «stirbt» das Ego, die Identität der Macht, und die Identität der Liebe, das Selbst, steht auf (s. Das Ego und das Selbst).

Entsprechend lassen sich die fünf Phasen des Heldenweges den fünf mittleren Chakras zuordnen:

  1. Bewusstwerdung: 3. Auge («Ich sehe»).
  2. Bekenntnis: Kehle («Ich kommuniziere»).
  3. Enthaltsamkeit aus Liebe (Wüste): Herz («Ich liebe»).
  4. Dienst (Hingabe): Solar («Ich tue Gutes»).
  5. Die Feuerprobe  (Integration des Schattens): Nabel («Ich fühle»).

Wenn das Ego gestorben ist, wird der Mensch wird in die ewige Existenz der Liebe hinein «geboren» (im Leben und durch das Leben selber, «Mutter»). So gewinnt er den Zugang zum umfassenden Geist («Vater»; s. Abb. rechts).

Die Schlange am Kreuz: Auf- und Abstieg

Der Auf- und Abstieg der «Schlange» ist im jüdischen Tanach, im Alten Testament der Bibel in dieser Erzählung bildhaft dargestellt:

Viele im Volk waren aufgrund von tödlichen Bissen giftiger Schlangen todkrank. Zu ihrer Heilung richtete Mose eine Stange auf, an welche er eine Bronzeschlange geheftet hatte. Wer diese anblickte, wurde geheilt[2].

Jesus nahm auf diese Geschichte Bezug, als er zu dem Gelehrten Nikodemus sagte:

Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden.[3]

Zur aufgehängten Schlange als der «gekreuzigte» Lebenstrieb diese Darstellung:

Kreuz Schlange Chakras

Und ein Zitat von C.G. Jung zum Symbol des Kreuzes:

Man kann sich kaum ein Symbol erdenken, das in noch drastischerer Weise die Triebhaftigkeit unterdrückt. […] Durch diese Tat grössten Mutes und grösster Entsagung wird die Tiernatur am mächtigsten unterdruckt, weshalb ein grösstes Heil für die Menschheit daraus zu erwarten ist…[4]

Das Gebet «Unser Vater» ist ein Bekenntnis für diesen Weg des liebenden Bewusstseins aus dem Bereich des Geistes hinab bis in den Körper mit seinen Trieben und Treibern und bis in den Kern der lebendigen Materie («das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit):

Vater unser

Nachweise:

[1] Bibel, Altes Testament, 1. Buch des Mose, Kapitel 9, 13; Buch des Propheten Hesekiel, Kapitel 1, 28; Bibel, Neues Testament, Offenbarung des Johannes, Kapitel 6, 2

[2] Bibel, Altes Testament, 4. Buch des Mose, Kapitel 21, 4 bis 9 ff.

[3] Bibel, Neues Testament, Evangelium nach Johannes, Kapitel 3,14 (Elberfelder Übersetzung)

[4] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 5, Symbole der Wandlung, S. 338, § 398


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