Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Läuterung: Brot und Wein (Brot und Wasser des Lebens)

Blick vom Ölberg aus der Kirche Dominus Flevit

By on 14. April 2020

Blick vom Ölberg aus der Kirche Dominus

Blick vom Ölberg auf Jerusalem, aus der Kirche Dominus Flevit (lat.: «der Herr weinte»)

Brot und Wein: Symbole der Läuterung

Der Weg der Läuterung wird in Überlieferungen durch vertraute Bilder dargestellt, nämlich durch die Herstellung der Grundnahrungsmittel Brot und Wein. Dabei werden einerseits Samenkörner zerstampft und zu Brot gebacken, während andererseist Fruchtsaft (-Wasser) ausgepresst wird und im dunklen Fass zu Geist vergärt.
So beschreiben diese Bilder ein inneres Sterben an, welches den Menschen  «geniessbar» macht, nämlich nährend und erquickend und voller Leben für andere.

Läuterung bedeutet die Überwindung des Egos, der Triebe und des egoistischen Begehrens.

Durch Überwindung des Triebes zu Brot und Wein

Die ganz praktische Herstellung von Brot und Wein beschreiben den Prozess der Läuterung, in welchem der männliche und der weibliche Trieb in Liebe transformiert wird:

Männliche «Samen» zu «Brot des Lebens»:

In früheren Überlieferungen war der männliche Gott häufig auch ein Gott der Wachstumskraft im Getreide. Entsprechend stehen Samen für männliche Kraft, welcher als Arterhaltungstrieb das Ziel (oder «Programm») enthält, die Samen möglichst viel und weit zu streuen, um die Art zu erhalten und vermehren. Damit der Mensch aber zu Königsherrschaft im eigenen Leben gelangen kann, muss er aber diesen Trieb überwinden. Der Weg der Läuterung bedeutet darum, dass die Samen «im Haus» bleiben, statt ausgesät zu werden. Zudem wird auf den «Samenträger» (wie auf Korn) eingedroschen, und seine Samen werden «zertreten» wie Körner zerstampft werden. Zuletzt werden sie auch noch gemahlen und im Feuerofen gebacken (ein Symbol für die Feuerprobe).

Weibliches Wasser zu Wasser des Lebens («Geist», «Eau de Vie») / Traubensaft zu Wein:

In der sumerischen Überlieferung ist die Göttin des Weinstocks noch eine Frau. (Hingegen mutierte sie später wie so viele Göttinnen zu einem Mann). Wasser ist das weibliche Element. So passt auch Saft, der aus Wasser in den Pflanzen entsteht, zum emotionalen (weiblichen) Trieb. Er äussert sich häufig durch einen Schwall von Worten, Emotionen oder «ergiesst» sich auch in Tränen. Die «unvergorenen» Emotionen müssen jedoch unter Kontrolle gebracht werden. Dies geschieht, indem sie im Inneren bewahrt und «verschlossen» werden (Containment). So reifen sie zu belebendem «Geist» heran, wie der Fruchtsaft im dunklen Fass gelagert zur Reife gelangt.

Beide haben beides! Leben spendendes Brot und Wasser für andere 

Mann und Frau haben beide männliche und weibliche Anteile, nämlich Körper und Seele. Diese Aspekte müssen entsprechend auch beide von Egoismus gereinigt und geläutert werden. Denn nur so kann der Mensch zu Brot und Wasser des Lebens für sich und für andere werden.

Im Einzelnen:

Wasser zu Wein – der Weg der Seele, des Weiblichen

Quelle des Lebens und des Wachstums

Wasser (weiblich) bringt als Quelle des Lebens und Wachstum hervor. So wachsen Reben und an ihnen die Trauben. Sobald sie reif sind, werden abgelesen, zerstampft, gekeltert. Ihr Saft, rot wie Blut, wird ausgepresst und in ein Fass gegeben. Der Saft vergärt und reift im Inneren des Fasses unter Verschluss zu Wein heran – zu Alkohol, zu „Geist“, zu „Feuer-Wasser»! Ebenso wird der Seele Herzblut abverlangt und durch uneigennütziges Engagement gelangt sie zur Reife.

Die dunkle Nacht der Seele – Reifung im Keller des Lebenshauses

So ist das Bild von Wasser oder Traubensaft, der zu Wein wird ein Bild für den Weg des Weiblichen geworden. Der Keller, wo der Lebenssaft aufbewahrt wird, symbolisiert damit den Weg der Seele hinab ins Unbewusste, in die persönlichen Schatten, zum Beispiel durch Krisen, Einsamkeit und Zerbruch. Dabei werden die noch unvergorenen Gefühle durch Selbstbeherrschung (Containment) im Inneren bewahrt und verwandeln sie sich zu einer geistiger Kraft, welche Liebe und Verständnis beinhaltet. Zusammen mit Empathie und Vergebung wird die Seele endlich zu wahrem Lebenswasser für andere und zu anregendem Geist (lateinisch: spiritus, französisch eau de vie).

Wasser zu Wein – das erste Wunder von Jesus

Von Jesus wird berichtet, dass Jesus als erstes Wunder an einer Hochzeit in Kana Wasser zu Wein verwandelte [ 1]Er kam damit der Bitte seiner Mutter im Interesse der Gastgeber nach, denen der Wein ausgegangen war. 

Samen zu Brot – der Weg des Körpers und des Männlichen

Die sumerische Überlieferung von Inanna, der Göttin der Liebe, erzählt, wie die Dämonen der Unterwelt auf den säumigen Gemahl der Göttin einprügeln, bis die beiden endlich wieder zu Versöhnung finden. Das spätere babylonische Gilgamesh-Epos hingegen beschreibt das Versagen des Helden als sieben Tage Schlaf (Unbewusstheit). Als Folge davon muss dieser schmerzhaft erkennen, dass er es versäumt, das Brot zu essen, das für ihn bestimmt war und dass er darum das ewige Leben verloren hat.
Dies sind Bilder dafür, dass männliche, körperliche Lebensenergie in Härte und Leiden für andere geniessbar gemacht werden muss (s. Der Weg des Mannes und Die Initiation als Weihe).

Durch Überwinden des Begehrens zum Ziel

In seelischen und körperlichen Entbehrungen wird der Mensch von seinem Ego befreit und reift zu Hingabe, Liebe und Weisheit heran[ 2]. Macht er sich auf den Heldenweg der Liebe, dann wird in der Wüste egoistisches Begehren ausgetrocknet (in der sumerischen und babylonischen Mythologie als «Wasser des Todes» bezeichnet). Und in der Feuerprobe wird der Mensch schliesslich mit seinen Schatten und seiner Schwäche konfrontiert und lernt Vergebung und Mitleid.

Brot und Wein in Überlieferungen 

Sumerische Überlieferung – Brot und Wasser des Lebens

Die sumerische Göttin der Liebe, die tot in der Unterwelt ist, wird auferweckt, indem sie mit Brot und Wasser des Lebens besprengt wird (s. Inannas Auferweckung durch den Vater). Ihr Gegenpart, die sumerische Göttin des Weinstocks, symbolisiert als Schwester-Geliebte des Helden seine weiblichen Persönlichkeitsanteile.

Babylonische Überlieferung – die Wasser des Todes und die sieben Brote

Die Göttin des Weinstocks tritt auch im Gilgamesh-Epos auf, und zwar als Schenkin, die Gilgamesh den Weg zum ewigen Leben weist. Später erkennt Gilgamesh auch endlich, dass er sein bisheriges Leben verschlafen hat und darum versäumt hat, sein «Brot» zu essen. (S. Das babylonische Gilgamesh-Epos und Die sieben Brote).

Jüdische Überlieferung – Manna und Wein

Brot

Brot ist als «himmlische Nahrung» durch das Manna des Volkes Gottes in der Wüste symbolisiert [ 3]. Im Zelt der Begegnung befand sich zudem das «Brot vor Gottes Angesicht». Es kann als Symbol für den Willen des Menschen, welcher auf Übereinstimmung mit dem übergeordneten, göttlichen Willen geprüft wird, angesehen werden (s. Das Heiligtum in der Wüste).

Wein

Im Lied der Lieder Salomos wird die Verbindung zwischen Liebe und Wein gemacht:

Deine Liebe ist köstlicher als Wein. [ 4]

Christliche Überlieferung

Brot für Gemeinschaft mit Gott

Auch in der christlichen Überlieferung wird auch die Verbindung zwischen  «Himmelsbrot» und der Gemeinschaft mit Gott gemacht. Und aus dieser kommt autorisierte, göttliche Weisung:

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben.[5]

Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.[6] 

Das Sterben des Samenskorns und das Brot des Lebens

Jesus nahm die alten Natursymbole, welche schon in den älteren Überlieferungen eine wichtige Rolle spielten, in seinen Lehren auf und sagte über das Samenkorn und das Brot des Lebens [7]:

Wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. 

Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.

Der Weinstock und das Wasser des Lebens 

Dazu diese Zitate [8]:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! [So werdet ihr Frucht bringen]. 

Brot und Wein und das christliche Abendmahl

Jesus führte Brot und Wein als Zeichen der christlichen Gemeinschaft ein [ 9]:

Er nahm das Brot, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern und sprach:

Nehmt, dies ist mein Körper!

Und er nahm einen Kelch, dankte und gab ihnen diesen.
Dabei sprach er:

Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

Nachweise:

[1] Johannesevangelium, Bibel, NT, Kapitel 2, 1-12 (Elberfelder)

[2] Mehr dazu: Rohr, Richard (2009). Vom wilden zum weisen Mann. 2. Auflage. Claudius Verlag, München, S. 43

[3] Bibel, Altes Testament, Buch des Nehemia, Kapitel 9,20 (Elberfelder): «Und deinen guten Geist hast du gegeben, um sie zu unterweisen. Und dein Manna hast du ihrem Mund nicht vorenthalten, und du gabst ihnen Wasser für ihren Durst.»

[4] Lied der Lieder Salomos, Kapitel 1,2

[5] Offenbarung des Johannes, Bibel, NT, Kapitel 2,17 (Elberfelder)

[6] Offenbarung des Johannes, Bibel, NT, Kapitel 3,20 (Elberfelder)

[7] Johannesevangelium, Bibel, NT, Kapitel 12,24 und  6,35

[8] Johannesevangelium, Bibel, NT, Kapitel 15, 1-17; Joh 15,5

[9] Markusevangelium, Bibel, NT, Kapitel 14, 22-24 (Elberfelder Übersetzung; geändert: Körper für Leib)


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