Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Feuerprobe (Phase 5 des Heldenweges: Läuterung)

Feuerprobe, Weg durch die Unterwelt

By on 6. Juni 2020

Die Feuerprobe

Die Feuerprobe – Läuterung im Feuer des Leidens

Die Feuerprobe als letzte Prüfung auf dem Heldenweg führt zu Ganzheit durch Integration des Schattens. Sie entspricht dem mythologischen Weg durch die Unterwelt, bei welchem der Held dem eigenen Tod, seinem Ego begegnet mit seinen gegengeschlechtlichen Anteilen auch den Geist integriert. Damit führt sie zur mythologischen Heiligen Hochzeit.

 

Die fünfte Phase des Heldenweges: wenn sich alles auflöst …

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Die Vollendung des Heldenweges

Die Feuerprobe – die letzte Prüfung des Helden

Nachdem der Held in Mangel wie auch im Erfolg seine ernsthafte Absicht und Treue bewiesen hat, erwartet ihn noch die Feuerprobe. In dieser letzten Prüfung gilt es zu beweisen, ob man an seiner anfänglichen Vision und Berufung zur Liebe festhält, – selbst dann, wenn sich alles aufzulösen droht. Geprüft wird nun, ob die eigene Liebe stärker ist als der Tod und ob die Bereitschaft vorhanden, alles, was man ist und hat, ja die ganze eigene, kleine Existenz in die Waagschale zu werfen und wenn nötig für das Grössere aufzugeben.

Der innere Held: das liebende Bewusstsein!

Liebe statt Macht – ein Thema für Männer

Der Heldenweg ist der Weg der Liebe. Während der Frau die Liebe schon ins Herz gegeben ist, muss der Mann zusammen sie mit seiner Seele noch gewinnen (s. Der Weg des Mannes). Auf dem Heldenweg wird er in allen Bereichen des Lebens geprüft, ob er Liebe statt Macht wählt.

Das liebende Bewusstsein: männlich-initiierende Energie

Hinzu kommt, dass, wenn vom Helden die Rede ist, damit im weitesten Sinn das liebende Bewusstsein gemeint ist (personifiziert im Christus/Messias als Archetyp). Es bildet die männlich-initiierende Seite der schöpferischen Kräfte, welche die Information (Geist) als den «Samen des Wortes» in die lebendige Materie (weiblich-empfangend) sät. Das Neue entsteht aus der Synthese der beiden Kräfte männlich und weiblich.

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Dabei ist festzuhalten, dass eine Frau, welche zu ihrer strategisch-schöpferischen Kraft Zugang haben möchte, dazu ihre männlichen Anteile und damit ihren inneren Helden integrieren muss (s. und Maria Magdalena und die Frau als Heldin und Die Integration des Animus).

[S. HERO, gesungen von Mariah Carey.]

Der Weg durch die Unterwelt und das Reich der Toten

Der mythologische Weg durch die Unterwelt ist ein Bild für Feuerprobe. Denn die Unterwelt symbolisiert das Unbewusste sowie den Bereich des Körpers, der Triebe und der tief verankerten Emotionen (s. Der Mensch 3-in-1, Körper, Seele und Geist).

Der Schatten und der dunkle Herrscher, das Ego

Auf diesem Weg geht es an die lebendige Substanz, nämlich an verankerten existentiellen Gefühle und den damit verbundenen Verhaltensmustern. Ein anderes Wort für die Unterwelt ist das Reich der Schatten, welches den Herrschaftsbereich des phobischen, dunklen Herrschers der Macht darstellt, ein Symbol für das Ego. Dieses ist der grösste Feind des Helden, es es ist sein eigener Tod, nämlich die Identität der Trennung, die ihn vom Grossen Ganzen abschneidet und damit auch vom ewigen Leben.

Integration und Erlösung der Schatten!

Die Feuerprobe des Helden besteht darin, dass er seinem eigenen Tod und seinen eigenen Schatten mutig ins Auge blickt und sie überweindet, indem er sie in der Kraft der Liebe ans Licht des Bewusstseins bringt. Er integriert seine Schatten, indem er sich selbst in seiner Schwäche liebt, mit anderen Worten vergibt und annimmt.

[S. Die Integration des Schattens und Sterben und Auferstehen: Im Hier und Jetzt!.]

Auf diese weise werden die gebunden Ressourcen, die in der Unterwelt “gefangenen” waren, freigesetzt und stehen neu als positive Gaben zur verfügung. Damit hat der Held Ganzheit und seine wahre göttliche Identität gewonnen, sein Selbst, das Teil der unendlichen Weite des Geistes ist.

[S. Der entwichene Gefangene als Anschauungsbeispiel.]

Der Weg durch die Unterwelt, mythologische Beispiele

  • Inanna, die sumerische Göttin der Liebe, kehrt in der Kraft der grossen Mutter von der Unterwelt wieder auf die Erde zurück.
  • Der babylonische Held Gilgamesh birgt in der Tiefe des Meeres das Unsterblichkeitskraut.
  • Der Prophet Jona gewinnt im Bauch des Walfischs neue Durchsetzungskraft.
  • Herkules befreit seine Geliebte aus der Unterwelt. Dionysos erlöst seine Mutter aus dem Reich der Toten, Orpheus seine Eurydike.
  • Aragorn setzt im Epos Der Herr der Ringe das Heer der Toten frei.

Der Held besiegt auf dem Weg durch das Reich der Schatten und des Todes sein Ego und integriert, was ihm noch zur Ganzheit fehlte.

Die Zerstörung des Rings der Macht 

In der Feuerprobe wird alles verbrannt, was keinen Ewigkeitsbestand hat. Dazu gehören feuriges egoistisches Begehren und auch negative Gefühle, die wie Feuer in der Seele brennen, sie gehören beide zum Ego und sind Teil der Triebe. Tolkien beschreibt in seinem Epos anschaulich, dass der Ring der Macht nur in dem Feuer zerstört werden kann, in dem er geschmiedet wurde. Und im Märchen Schneewittchen muss die böse Königin in rotglühenden Schuhen tanzen, bis sie tot umfällt.
Das bedeutet konkret, dass sexuelles Begehren (“männlich”-körperlich) wie auch emotionales Begehren (“weiblich”-seelisch), «ausgefressen» oder «durchgetanzt» werden müssen, bis der Mensch nicht mehr kann und endlich offen wird für die bessere Wahrheit der Liebe.

Die Feuerprobe als heilige Wunde

Eine existentielle Verletzung

In der letzten Phase des Heldenweges erlebt der Held eine existenzielle Verletzung.

“Stolpern”: Integration der weiblichen Anteile:

Im Märchen Schneewittchen erwacht die Schöne, als der Prinz stolpert. Die Schwäche des Helden rührt das Herz der Frau an und bringt auch ihn mit der weiblichen Seite des Geistes in Berührungung. So werden mit der positiven Anima (“Jungfrau“) Sanftheit und reine Liebe integriert.

Die Verwundung als Tor zum Geist

In Überlieferungen symbolisiert meistens eine Verwundung oder ein Scheitern die Feuerprobe. Die Wunde konfrontiert den Helden mit der eigenen Begrenztheit und öffnet ihn so für das Grössere, für die unbegrenzte Dimension des Geistes. Darum wird sie auch “die heilige Wunde” genannt, denn der Held/die Heldin gelangt durch sie Ganzheit und Heil.

Mythologische Beispiele 

Scheitern

  • Ritter Georg wird von seinem treulosen „Freund“ betrogen und setzt dennoch sein Leben aufs Spiel, um sich zu retten und kurz vor dem Ziel stellt sich ihm ein Schwarzer Riese entgegen, den er überwindet, indem er sich ihm mutig entgegenstellt (Der Ritter und die Rosenburg).
  • In Der Eisenhans wird der Held als schwarzer Ritter durch die Männer des Königs verwundet.
  • Odysseus hat alle seine Schiffe und alle seine Soldaten verloren und wird nackt an den Strand von Ithaka gespült. Seine treue Frau, Penelope liebt ihn noch immer und nimmt ihn mit offenen Armen zurück (dies ist ihre Feuerprobe).

Die Verwundung am Oberschenkel im Besonderen

Die Verwundung am Oberschenkel symbolisiert die Integration des Weiblichen. Beispiele:

  • Der babylonische Held Gilgamesh schneidet dem «Himmelsstier» die Keule (Oberschenkel!) ab. 
  • In der jüdischen Überlieferung wird Jakob von Gott am Oberschenkel geschlagen.
  • Odysseus wird von einem Eber am Oberschenkel verwundet.
  • Zeus fügt sich selber eine Wunde zu um für seinen Sohn Dionysos eine neue «Gebärmutter» zu schaffen (nachdem dessen Mutter Semele gestorben ist).

Schicksalshafte Prüfung durch das Leben

Der Held muss die Konfrontation mit seinen Schatten nicht suchen. Es genügt, wenn er sich bereit hält. Denn das Leben selbst (die lebendige Materie, “Mutter”) bringt ihn in Situationen, in welchen die Triebe und unbewusste Verhaltensmuster die Kontrolle übernehmen möchten. Indem der Held und die Heldin diese erkennen und sich ihrer annehmen integrieren sie ihren Schatten und gewinnen Ganzheit und Zugang zum ewigen Leben.

Der Held/die Heldin stellt sich existentiellen Gefühlen und negativen Erfahrungen und überwindet diese in der Kraft der Liebe, indem er/sie sich selber darin annimmt und liebt.

Individuation – der Weg zum wahren Selbst

C.G. Jung nannte den Weg des Menschen zu Ganzheit den Prozess der Individuation. Er bedeutet die Integration des Unbewussten ins Bewusstsein und die Vereinigung der  männlichen und weiblichen Persönlichkeitsanteile im Menschen (“Heilige Hochzeit“).

Das Wort «Individuum» bedeutet: «das Unteilbare». Dies ist das Ziel für den Menschen: Ganzheit, Einheit in Liebe. Was nicht geteilt werden kann, kann auch nicht zerfallen und ist darum auch durch den Tod nicht angreifbar. Der Körper des Menschen kann zwar zerfallen, aber seine Seele ist geistig und wird «ungeteilt» durch Liebe und Versöhnung. Das Ende dieses Märchen könnte dann heissen:

Und weil sie im Leben selber gestorben sind, werden sie ewig leben.

Die Kreuzigung als geistige Feuerprobe

Die letzte Prüfung von Jesus war seine Kreuzigung. C.G. Jung schrieb über die Kreuzigung:

Durch diese Tat grössten Mutes und grösster Entsagung wird die Tiernatur am mächtigsten unterdrückt, weshalb ein grösstes Heil für die Menschheit daraus zu erwarten ist…[1]

Das Kreuz als Symbol für Ganzheit vereint die äussersten Gegensätze, männlich und weiblich, Geist und Materie.

Sterben im Leben und Auferstehen zum ewigen Leben

Mit der Feuerprobe hat der Held nun die fünfte Phase des Heldenweges und den ganzen Heldenweg erfolgreich abgeschlossen.

Was nun geschieht, liegt ausserhalb der Macht des Helden: Nachdem sein Ego «gestorben» ist, wird er «neu geboren», hinein in die ewige Existenz der Liebe. Diese neue Geburt geschieht im Leben selber und durch das Leben selber («Mutter»).
Mit der Existenz der Liebe erhält der Held auch den Anschluss an den umfassend Geist der Weisheit und der Ganzheit («Vater»).

[S. Sterben und Auferstehen: Im Hier und Jetzt!]

Nachweise:

[1] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 5, Symbole der Wandlung, S. 338

[2] Bibel, neues Testament, Evangelium nach Lukas, Kapitel 23,39 (Elberfelder Übersetzung)

 


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