Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Sprache der Bilder und der rationale Verstand

Schattentheater, Sprache der Bilder

By on 24. März 2020

Schattentheater

Abbildung 1: Adam und Eva, Rotkäppchen und der Wolf, Schneewittchen

Die Sprache der Bilder und der rationale Verstand

Die Sprache der Bilder und der rationale Verstand gehören zu unterschiedlichen Welten. Während der Verstand mit den Bildern wenig anfangen kann, sprechen diese direkt zum Unbewussten und zum Körper. Durch Deutung werden die Bilder für den Verstand übersetzt und können so auch für das rationale Denken an Bedeutung gewinnen.

Die Sprache der Bilder – Botschaften für den Körper und das Unbewusste

Symbolhafte Erzählungen in bildhafter Sprache, kurz «Bilder»,  sprechen das Unbewusste an. In Märchen, Mythen und auch in religiösen Überlieferungen werden komplexe und tiefgründige Inhalte durch Bilder übermittelt. Manchmal sind es Alltagsgeschichten, wie zum Beispiel das Gleichnis von der Saat, die nur auf fruchtbarem Boden aufgeht, manchmal sind es abstruse Geschichten, mit Figuren und Umständen, die im täglichen Leben des Menschen gar nicht vorkommen, wie zum Beispiel Magie, Zauberei oder Tiere, die sprechen können.

Uninteressant für den Verstand 

Der Verstand kann ohne Übersetzung mit den Bildern nicht viel anfangen. Bei Bildern aus dem Alltag, wie zum Beipiel Saat und Ernte oder Tag und Nacht wendet er sich gelangweilt, denn diese findet er zu simpel und uninteressant. Bei Fantasiegeschichten und Erzählungen von Dingen, die es in seiner rationalen Welt gar  nicht gibt, wie Hexen, Zauberer, Wundern und Monstern  fühlt sich nicht zuständig. 

Bilder – die Sprache des Körpers

So sickern die prägenden Inhalte vom Verstand ungehindert und unerkannt, direkt in den Körper und ins Unbewusste hinab und formen sich dort zu einem tieferen Wissen, einem sogenannten «Körperwissen».

Dieses «Körperwissen» ist mehr ein «Fühlen» der Aussage mit ihrer spezifischen Energie und emotionalen Bedeutung als ein «Verstehen». Das Kind, das von Schneewittchen und der Hexe hört, fühlt innerlich die Eifersucht der bösen Stiefmutter und auch die Angst von Schneewittchen im dunklen Wald.

Der rationale Verstand: Zensur durch das Ego

Zensur 

So «schmuggeln» Märchen und Mythen ihr zum Teil «explosives Material», in Bildern verpackt, unbemerkt am Verstand vorbei. Dies hat einen grossen Vorteil: Sie entgehen so einer «Zensur». Der Verstand ist nämlich häufig geneigt, Botschaften, die eine Veränderung bewirken können, zu blockieren.

Wertung und Scham – das Ego

Dahinter steckt das Ego, welches sich des Verstandes bemächtigt hat. Es sträubt sich gegen jede Art von Veränderung und Bewusstwerdung und ist sofort mit Anklage und Verurteilung zur Stelle. 

Das Ego ist der innere Ankläger und die Identität der Trennung.

Das Ego ist stolz, hartherzig und ein notorischer Lügner. Keineswegs an der Wahrheit interessiert, ist es sofort mit Ablehnung und Verurteilung zur Stelle. Es hält sich im Schatten verborgen, denn es weiss: Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, geht es ihm an den Kragen. Es sieht nur sich selber und leugnet das Grosse, Ganze und auch die Liebe. Aufgebracht schreit es: «Du bist hier ganz allein! Niemand hilft dir!!! Wehre dich!» Heilsame Prozess werden verhindert, indem die Schuld für alles Unglück auf andere geschhoben wird (Projektion des Schattens) oder indem der Mensch durch negative Einflüsterungen von der Liebe getrennt wird, wie zum Beispiel: «Siehst du, du hast schon wieder versagt! Wenn das ans Licht kommen würde… das wäre ganz schlimm für dich. Du hast es nicht verdient…»

Wahrheit als Frucht der Liebe

Die Auflehnung gegen die Erkenntnis der Wahrheit ist verständnlich, denn sie ist oft hart und schmerzhaft. Der Mensch kann sie nur ertragen, wenn sie mit Liebe und Vertrauen in ein Grösseres, Gutes gepaart ist. Die Liebe ermöglicht Verständnis und Versöhnung und bahnt damit den Weg zu Bewusstwerdung und Heilung. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Mensch überhaupt bereit ist, seinen eigenen verhassten Schwächen ins Gesicht zu schauen, ist. Wer sich trotz allem geliebt weiss, ist eher bereit, Fehler einzusehen, zu lernen und sich zu verändern (s. auch Das Ego und das Selbst).

Deutung der Bilder – Übersetzung der Inhalte für den Verstand

Bildhafte Darstellung von geistigen Wahrheiten

Die bildhaften Figuren und Ereignisse stellen Faktoren dar, welche den Menschen auf der seelisch-geistigen Ebene prägen und beeinflussen. Über Gefühle und Gedanken wirken sie auf Motivation und Antrieb. Die Bilder können für das Denken «übersetzt» werden. Diese Übersetzung geschieht durch Deutung. Beispiele:

  • Die Hexe, der Magier/Zauberer stehen bildhaft für Menschen, welche andere durch Verblendung oder Gewalt manipulieren (wie in Schneewittchen oder Aladdin und die Wunderlampe).
  • Die vor Wut schäumende Partnerin wird häufig durch ein Monstrum symbolisiert (zum Beispiel durch einen rasenden Stier, wie schon im Gilgamesh-Epos)
  • Jäger symbolisieren Aufreisser, grasfressendes Wild, wie Rehe oder Hirsche und auch das Einhorn symolisieren den Körper der jungen Frau (s. Das letzte Einhorn).
  • Vampire: Sie sind ein Bild für Menschen, die von anderen Menschen seelische Lebenskraft „saugen“ (symbolisiert durch Blut).

Die Deutungen bringen tiefere Botschaften ans Licht, welche auch für den Verstand wertvoll sind, wenn der Mensch bereit ist, sie anzunehmen und sich selber kritisch zu hinterfragen.

Neutrale Betrachtung, ohne Wertung

Um sich die tieferen Inhalt zu erschliessen, ist eine neutrale Haltung eine wichtige Voraussetzung. Das bedeutet mit anderen Worten, dass der Mensch die Botschaften ohne Wertung, Anklage und Verurteilung zur Kenntnis nimmt. Wenn er sich selber in seiner Schwäche liebt und bescheiden bleibt, kann er aus den unbequeme Botschaften Neues zu lernen, daran zu wachsen und seine Persönlichkeit zu erweitern.

Das Ziel – Ganzheit durch Integration des Unbewussten ins Bewusstsein

Märchen und Mythen thematisieren in ihren Bildern das, was im Unbewussten, im Schatten des Menschen  verborgen liegt (s. auch Märchen und Mythen als Träume und Schattentheater). Durch Deutung werden tiefere menschliche Wahrheiten und Inhalte dem Verstand zugänglich gemacht. So werden sie dem Bewusstsein zugänglich gemacht und kommen mit anderen Worten vom dem Schatten ans Licht.

Der Mensch integriert seine unbewussten Anteile, die im Schatten verborgen sind, indem er sich ihnen liebevoll zuwendet und so Heilung und Versöhnung ermöglicht (s. Die Integration des Schattens). Dies ist sein Heldenweg, bei welchem er sein Ego, den Schattenherrscher, überwindet und Ganzheit findet.

Ein religiöses Bild für diesen Weg ist die Befreiung und der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Der tyrannische Pharao symbolisiert das Ego. Das gelobte Land symbolisiert das Ziel des Menschen: Freiheit, Königsherrschaft im Leben, Einheit, Ganzheit, Fülle und das ewige Leben (s. Der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten).


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top

Newsletter Abonnieren

We respect your email privacy

Newsletter abonnieren

You have successfully subscribed to the newsletter

There was an error while trying to send your request. Please try again.

Goldspur will use the information you provide on this form to be in touch with you and to provide updates and marketing.