Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Vertreibung aus dem Paradies in den Überlieferungen

By on 5. Oktober 2021

Verteibung aus dem Paradies

Die Vertreibung aus dem Paradies durch die Kulturen

Bedeutsame Archetypen: Die Frau, der Garten, der Mann und die Schlange

Die Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies geht zurück auf die sumerische Überlieferung vor über 5000 Jahren. Diese wurde dann von den nachfolgenden Kulturen aufgenommen und übte auf die babylonische, jüdische und christliche Überlieferung einen beachtlichen Einfluss aus. Die zentralen Archetypen dieser Erzählung sind: die Frau, der Mann, der Garten, der Baum und die Schlange.

Von Sumer über Babylon zum Judentum und Christentum

Sumer und Babylon

Die sumerische Kultur war die erste menschliche Hochkultur und dauerte von ca. 6000 v. Chr. bis 2300 v. Chr. Aus der Vermischung der Sumerer mit semitischen Einwanderern entstand das akkadische Reich unter Sargon von Akkad, welches wiederum in das babylonische überging. Der babylonische Herrscher Hamurabi I. liess die über 1000 Jahre älteren mündlichen sumerischen Überlieferungen um 1800 v. Chr. auf Tontafeln niederschreiben. Sie flossen später ins Gilgamesh-Epos ein (ca. 1500 bis 1000 v. Chr.).

Rezeption durch das Judentum und das Christentum

Als die Juden um 500 v. Chr. in Babylonischer Gefangenschaft waren, bearbeiteten sie ihre Überlieferungen und stellten sie neu zusammen. Es ist anzunehmen, dass sie dabei Zugang zu den älteren babylonischen Quellen auf Tontafeln hatten, denn viele ihrer Geschichten enthalten dieselben Archetypen wie diese. Im Unterschied zu den Babyloniern deuteten die Juden jedoch die Inhalte konsequent aus der Perspektive des Glaubens.

Die jüdischen Überlieferungen flossen dann in die Bibel ein.

Die Vertreibung aus dem Paradies in den Überlieferungen

Königspaar mit Zweig (Stele von Ur-Nammu)

Sumer: der Garten der Göttin in Eden

[S. auch Der Garten Eden, das Paradies: in Sumer!]

Das Beziehungsdrama der Göttin der Liebe

Aus der sumerischen Mythologie geht klar hervor, dass es sich um ein Beziehungsdrama zwischen MANN und FRAU handelt, das seinen Lauf nimmt. Die Geschichte beginnt, als die junge Frau erkennt, dass ihr Baum von fremden Wesen der Macht besetzt ist. Sie ist aber keine gewöhnliche Frau, sondern die Göttin der Liebe, Inanna (von sumerisch Nin = Göttin und AnNa = vom Himmel herab).

Im Lebensbaum: Macht durch Raub

Die Wesen, welche den Baum besetzen, sind wahrhaft furchterregend: In den Wurzeln nistet die SCHLANGE, die nicht gezähmt werden kann, der Stamm ist von LILITH, der dunklen Jungfrau, bewohnt und über allem – in der Krone des Baumes thront der Löwenadler. Er war das Wappentier sumerischer Herrscher und vereint in seiner Gestalt die beiden gefährlichsten Raubtiere der Luft und der Erde, nämlich den Adler und den Löwen. Alle drei Wesen stehen mit dem Trieb und der Macht in Zusammenhang.

Löwenadler, 2500 v. Chr.

Die Fällung des Baumes

Kein Wunder, will Inanna darum die Wesen in ihrem Baum loswerden. Zudem hat sie geplant, aus seinem glänzenden Holz ihren Thron und ihr Bett zu machen. So sucht sie Hilfe und findet sie bei ihrem Vetter Gilgamesh. Er betritt ihren Garten in seiner gewaltigen Bronzerüstung und fällt den Baum kurzerhand mit seiner Axt. Der Schlange schlägt der den Kopf ab, Lilith flieht in öde Gebiete und der Löwenadler erhebt sich mit seinen Jungen aus dem Nest und fliegt in die Berge.

Gilgamesh – Heldenkönig der Göttin und Tyrann von Uruk

Daraufhin macht Inanna Gilgamesh zu ihrem König. Doch er bleibt nicht bei ihr, sondern bringt viel Leid über die Jungfrauen, Frauen und Mütter von Uruk.

Der Rest der sumerischen Überlieferung handelt vom langen Weg des Paares zurück zur verlorenen Liebe.

[S. Die sumerische Mythologie von Inanna, der Göttin der Liebe.]

Gilgamesh Epos und Sargon von Akkad

Babylon: das Gilgamesh-Epos

Der Heldenweg des Königs vom Gewaltherrscher zum guten König

Das babylonische Gilgamesh-Epos dreht sich um König Gilgamesh. Das Epos ist mehrmals überschrieben und umgeschrieben worden. Die jüngeren Versionen verherrlichen den Gewaltherrscher, der sich nimmt, was er will und vor nichts zurückschreckt. Der wilde Mann ist von einer Hure zivilisiert worden und auch Ishtar, die babylonische die Göttin der Liebe, wird von Gilgamesh als Hure beschimpft.
Doch die Symbole erzählen jedoch eine andere Geschichte. Sie beschreiben den Weg des Königs vom  rücksichtslosen Despoten bis Umkehr aufgrund der Erkenntnis seiner Verfehlungen. 

[S. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos.]

Gewichtige Archetypen in Anlehnung an die sumerische Überlieferung

Dabei spielen auch in der babylonischen Überlieferung dieselben Archetypen eine wichtige Rolle. So handelt sie von der die Fällung eines spezifischen Baumes, der hohen Zeder und weiterer Bäume. Auch die die Göttin der Liebe kommt darin vor, weitere Frauen, ein Kampf gegen Löwen und Monster … Nur werden die Archetypen umgedeutet: Statt der Frau steuert nun ein Mann, der Fährmann, über die Wasser des Todes. Und aus einer überfluteten Stadt in der sumerischen Mythologie wird eine riesige Überschwemmung und die Begegnung mit dem Mann, der die grosse Flut überlebte und in den Stand der Götter erhoben wurde. Ihn will Gilgamesh nach dem Geheimnis des ewigen Lebens fragen.  

[S. Das babylonische Gilgamesh-Epos.]

Judentum: Adams und Evas Vertreibung aus dem Paradies

Adam und Eva und die Vertreibung aus dem Paradies

Dieselben Archetypen

Auch die jüdische Überlieferung als Deutung der älteren Quellen beschreibt die Vertreibung aus dem Paradies als ein Drama, an welchem Mann und Frau beteiligt sind, und verwendet dieselben archetypischen Symbole. Diese sind:

  • DER MANN, „Adam“ (= „aus Erde“)
  • DIE FRAU, „Eva“ («die Mutter» oder «die Königin der Erde»)
  • DER GARTEN
  • DER BAUM
  • DIE SCHLANGE

Die Vertreibung aus dem Paradies

Das Drama spielt in einem paradiesischen GARTEN, in welchem mehrere Bäume stehen. Passend zum Umstand, dass es sich um einen Mann und eine Frau handelt oder genauer um die beiden Urkräfte männlich und weiblich, stehen denn in der Mitte des Gartens auch zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis.

Das Verbot

Und über allem steht das Verbot, von der FRUCHT des Baumes der Erkenntnis zu essen. Mann und Frau, durch die SCHLANGE in Misstrauen und Verwirrung manövriert, setzen sich aber über dieses Verbot hinweg. Der Konsum der verbotenen Frucht hat daraufhin fatale Folgen für die ganze Menschheit, weil damit das Paradies und das ewige Leben verloren sind.

[S. Der Sündenfallbericht.]

Die Vertreibung aus dem Paradies und seine Archetypen

Gemeinsame Archetypen von Sumer bis zur Bibel

Die Archetypen, welche in allen diesen Kulturen als menschliche Kernthemen eine Rolle spielen, sind also eine Frau, ein Garten mit einem Baum, eine Schlange und ein Mann.

Dazu nun im Einzelnen:

Der Garten

Der Schoss der Frau als Lust- oder Zaubergarten

Das Wort «Garten Eden» kommt von sumerisch GuAn Edin und kann übersetzt werden mit: „Land (GU) der Götter (AN) inmitten der Steppe (EDIN)“.
Das Wort Paradies kommt von persisch PARDES und bedeutet: eingehegtes Gebiet, Tier-, Lust- oder Zaubergarten.

Beide Begriffe, „der Garten Eden“ wie auch „das Paradies“, haben mit einem Ort zu tun, der wie eine Gartenoase inmitten der heissen, dürren Steppe dem müden Wanderer Kühlung und Erfrischung verspricht. So findet auch der Mann bei der Frau neue Lebenskraft für die Härte der täglichen Realität (s. Der Schoss der Frau als Gral).

Die Braut als verschlossener Garten

König Salomo schrieb in seinem «Lied der Lieder» (ganzer Text: Hohelied, 4, 12 – 16):

Ein verschlossener Garten ist meine Schwester, meine Braut,
ein verschlossener Brunnen, eine versiegelte Quelle.
Was dir entsprosst, ist ein Lustgarten von Granatapfelbäumen samt köstlichen Früchten
[…]

Wach auf, Nordwind, und komm, Südwind!
Lass duften meinen Garten, lass strömen seine Balsamöle!
Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine köstlichen Früchte!

[S. Der Garten Eden, das Paradies: in Sumer!]

Der Baum als Symbol für das Leben

Leben zwischen Himmel und Erde, Geist und Materie

Lebensbaum

Der Baum ist ein Symbol für das Leben auf der Erde mit seinen Wurzeln in der Materie und im Unbewussten (unter der Erde, in der „Unterwelt“), mit seinen Ästen und Früchten „im Himmel“, im Bereich des Geistes. Das Leben spielt sich zwischen Himmel und Erde, Geist und Materie ab. Der Stamm, der die beiden Bereiche verbindet, symbolisiert das Leben.

[S. Der Weltenbaum oder Baum des Lebens.]

Zwei Bäume in der jüdischen Überlieferung: Die Liebe und das Leben

Gemäss der jüdischen Überlieferung standen zwei Bäume im Paradies. Sie symbolisieren den weiblichen und den männlichen Geist. Der Baum der Erkenntnis stellt dabei die weibliche Seite des Geistes dar, die Liebe, während der Baum des Lebens die männliche Seite des Geistes, das Leben darstellt. Nachdem die Liebe und mit ihr der Zugang zum umfassenden Geist gestorben ist, ist auch das (ewige) Leben ausser Reichweite geraten.

[S. Die beiden Bäume im Paradies und die verbotene Frucht.]

Zwei Figuren stehen in Überlieferungen mit dem Baum und seinem Fall in Zusammenhang: Die Schlange und die dunkle Jungfrau. Sie symbolisieren den Trieb, der das Leben besetzt (s. Die Schlange im Kopf – das Reptiliengehirn).

Im Einzelnen:

Die Schlange und der Schatz des Königs

Die Schlange, die nicht gezähmt werden kann

Der nackte Trieb

Von der Schlange wird gesagt, dass sie in den Wurzeln des Baumes wohnt. Der Bereich unter der Erdoberfläche, also die Unterwelt, symbolisiert den Bereich des Körpers, der Materie und des Unbewussten. Dort ist die Schlange zu Hause (s. Das dritte Auge und der Schatz des Königs).

Das Unbewusste

Sie kann nicht gezähmt werden. Das bedeutet: Sie ist für das Bewusstsein vollkommen unzugänglich. Damit symbolisiert sie den nackten Trieb, der nicht durch Vernunft zu kontrollieren ist und vor nichts zurückschreckt. Er muss durch Liebe überwunden werden (s. Das Leben und die Schlange: Auf- und Abstieg).

Der Mann – «Adam» ­– aus Erde: wilde Kraft

In den Überlieferungen ist es häufig so, dass der Mann stark und wild ist. Er stammt aus der Erde, das bedeutet, dass er im Bereich des Körpers und der Materie «zu Hause» ist. Er muss aber lernen, seinen Trieb zu kontrollieren und macht sich auf den Heldenweg, um seine Kraft für das Gute einzusetzen. So nimmt er den Bereich der Seele und des Geistes ein. In Überlieferungen dargestellt, indem er seine «Göttin», nämlich Prinzessin und die Liebe der Jungfrau als Siegespreis gewinnt und mit ihr das versprochene Land, also Königsherrschaft.

[S. Der Weg des Mannes und des Männlichen in den Geist.]

Die Frau – «Eva» ­– Mutter und Königin des Lebens

Macht und Verantwortung der Frau

Die Frau, die das Leben in ihrem Schoss trägt, hat eine grosse Macht und eine grosse Verantwortung, nämlich die Aufgabe, das Leben und die Liebe zu schützen.

[S. Der weibliche Weg / der Weg der Frau;
Der Heldenweg der Frau – Die Liebe bewahren;
Maria Magdalena und die Frau als Heldin.]

Die dunkle Jungfrau: der weibliche (negative emotionale) Trieb

Lilith, Königin der Nacht (Burney Relief)
Ist die Frau mit ihrer Liebe verletzt worden, dann besteht die Gefahr, dass sie aus Negativität (Frustration, Rache) Macht lebt und zu diesem Zweck selbst ihren Körper missbraucht. Dies geschieht, wenn sie in Negativität und im Griff ihres inneren Schattenmannes (Schmerzkörpers) ist.

Lilith

Der Name kommt von sumerisch ITU = dunkel und die LIL = Wind, also dunkler Wind. Der Wind (Gott der Luft oder des Windes) ist ein Symbol für stürmische Macho-Männlichkeit, die Macht sucht. (Abb. rechts: Burney-Relief, Babylon, um 1800 v. Chr.).

[S. Lilith.]

Die Vertreibung aus dem Paradies: Macht statt Liebe

Fazit: Der Mensch vom Geist der Macht korrumpiert

Trennung von der Ganzheit

Es läuft darauf hinaus, dass der Mensch im Griff von Mangel und Misstrauen durch den negativen Geist der Macht korrumpiert wird. Macht trennt ihn aber von der Liebe und der Ganzheit.

[S. Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich.]

Die gefallene Liebe

Die Erkenntnis, mit anderen Worten die Liebe ist gefallen, sagt die Überlieferung, und damit ist auch das Leben selbst ausser Reichweite geraten (s. Die grosse Erbsünde).

Der Weg zurück führt über den Heldenweg und die Feuerprobe zur Integration der Schatten. Indem der Mensch sein Unbewusstes integriert, erfährt er Heilung, also Heil oder Ganzheit. Dies ist in den Überlieferungen durch die heilige Hochzeit symbolisiert.

Weiter geht es mit:

Die grosse Erbsünde
Der Sündenfallbericht
Die Vertreibung aus dem Paradies als kollektives Drama


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