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«Ich bin Ereshkigal»: Die sumerische Göttin der Unterwelt

EreshKiGal, die Göttin der Unterwelt

By on 23. Februar 2022

EreshKiGal, die Göttin der Unterwelt

EreshKiGal, die sumerische Göttin der Unterwelt

Einführende Bemerkungen:

Auf dem Weg durch die Unterwelt zur starken Frau

Die sumerische Überlieferung von der Göttin der Unterwelt wurde zum Vorbild für viele Mythologien (s. Das Grosse Weibliche in der Unterwelt.)

Integration der Schatten und Auferstehung der Liebe

Die Göttin der Unterwelt stellt als die grosse Mutter (Grossmutter) reife, starke Weiblichkeit dar, welche die Macht der Verführung hinter sich gelassen hat und auf dem Weg durch die Unterwelt Schwäche und Schmerz integriert hat. In der Kraft des liebenden Bewusstseins («Vater») hat sie ihren Körper und ihren Antrieb («Sohn», Animus als Christus) wieder für sich eingenommen und so ist auch ihre Liebe («Jungfrau«) auferstanden.

Die Göttin der Unterwelt als Schicksalsgottheit

Gefürchtetes «Monstrum»

Als grosse Mutter ist die Göttin der Unterwelt Herrin über das Leben in der Materie. Da sie ihre männlichen Anteile integriert hat, hat sie schöpferische Kraft, und als Schicksalsgottheit gibt sie jedem Menschen, was er verdient. Darum ist sie respektiert und gefürchtet, – Letzteres vor allem von Männern, die Macht anstreben und nicht für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen werden wollen. Dieser Geist (das Gottes der Luft) ist dafür verantwortlich, dass die grosse Mutter sie immer wieder als schreckliches Monstrum diffamiert worden (s. z. B. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos und Marduk und die Erschaffung der Welt aus dem Mutterdrachen).

Ungeheure Kraft in der Materie

Tatsächlich ist das grosse Weibliche auch furchteinflössend wie Medusa mit den Schlangenhaaren und gewaltig wie die Berge. Es kann zornig schäumen wie das Meer, wüten wie der Himmelsstier im Gilgamesh-Epos oder der Balrog im Herrn der Ringe und aufbrausen wie die Naturgewalten als feuerspeiender Vulkan, als Orkan oder tosende grosse Flut.

Eine freie Erzählung über die Göttin der Unterwelt

Die folgende freie Erzählung handelt davon, wie sie von der Göttin des Himmels zur Herrin der Unterwelt wurde[1]. Es ist das Thema der sumerischen Schöpfungsgeschichte und eine Vorwegnahme der Inhalte der ganzen sumerischen Mythologie von Inanna, der Göttin der Liebe.

Hintergrund: der Weg der Frau von der Göttin Himmels über die Königin der Erde zur Herrin der Unterwelt

Der Weg der grossen Göttin entspricht dem Weg jeder Frau.

[S. Der weibliche Weg / der Weg der Frau und Weibliche Ganzheit – die Göttin, Weiss / Rot / Schwarz.]

Göttin des Himmels: Jungfrau

Die Frau beginnt als «Jungfrau im Himmel», im Bereich des Geistes (im Immateriellen). Geboren aus der bedingungslosen Liebe des Vaters hat sie einen Glauben, der Berge versetzen kann und lebt in und von Beziehungen.

Königin der Erde: initiierte Frau und Mutter

Als Mutter gibt sie ihr Leben für das Leben anderer hin. Ihrem Mann schenkt sie geistige Lebenskraft, indem sie ihn in ihr Heiligtum, das heisst in ihren Schoss und in ihr Herz einlässt.
Ihren Kindern schenkt sie mit ihrem Körper Leben, und mit viel Herzblut zieht sie gross.
Dabei besteht die Gefahr, dass sie selbst leer und ausgeblutet zurückbleibt.

Herrin der Unterwelt

Damit ist für die Frau der Zeitpunkt gekommen, sich auf den Weg in die Unterwelt zu machen, um sich der eigenen Schwäche zu stellen, sich zu versöhnen und wieder neue Liebe und Kraft zu gewinnen.

Die Götter als Archetypen der schöpferischen Kräfte

Dreifaltige Gottheit, männlich und weiblich, gemäss den Lebensphasen des Menschen

Die Götter, die im betreffenden ersten Abschnitt der sumerischem Mythologie vorkommen, repräsentieren als ARCHETYPEN die Wesenszüge des Menschen – als Mann und als Frau – in seinen drei Lebensphasen:

  1. Jugend: der Gott der Luft, und des Sturms: EnLil, und die Göttin der Luft, der Äther: NinLil.
  2. Erwachsenenalter: die Göttin der Liebe: Inanna (NinAnNa) und der Gott der Erde und der Weisheit: EnKi.
  3. Reifes Alter: die Göttin der Unterwelt: EreshKiGal und der Himmelsgott: An. Sie sind eins (im Geist) und damit ganz, heil, heilig. So bilden sie in Personalunion den Heiligen Geist.

 

Gemeinsam bewirken diese Kräfte die Entstehung neuer Realität (s. Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.)

Ich bin EreshKiGal, Göttin der Unterwelt.

Ereshkigal, Herrscherin des grossen Unten

Ereshkigal bedeutet Herrscherin des Landes (Ki) unter der Erde (Gal).

Die Unterwelt ist mein Reich. Ich bin eins mit dem Vater. Sein Bereich ist der Himmel, das grosse Oben, meiner das grosse Unten. Mein ist die Lebenskraft in der Materie, und so schenke ich Wachstum. Auch bin ich Herrin über Leben und Tod und Schicksalsgöttin. Ich bin in den materiellen Umständen der Menschen, prüfe, strafe und gewähre Gnade im Einklang mit dem Vater.

NinLil, Königin des Himmels und EnLil, Gott der Luft

Einst war ich Königin des Himmels. Da hatte ich einen anderen Namen, ich war NinLil, die Göttin der Luft.
EnLil war mein Mann. Wir waren füreinander bestimmt.
EnLil und NinLil – der Gott und die Göttin der Luft – damit begann es!

Das Männliche ist aus der Materie, der Mutter, und das Weibliche aus dem Geist, dem Vater. Aus seiner bedingungslosen Liebe bin ich geboren, und mein Element ist der Äther, die Substanz, die alles verbindet.

Enlil hat die materielle Seite der Luft inne. Er kann stürmisch sein, ist impulsiv und immer wieder schwer zu begreifen.

Der Himmel – davongetragen

Ich war NinLil. Voll Vertrauen wusste ich: Alles ist möglich, wenn da nur Liebe ist! Der Äther war mein Element! Ich sah die Träume in den Augen meines Geliebten und freute mich darauf, sie zu realisieren. Denn ich wusste, dass ich das Potenzial dazu hatte, ihnen körperlich Gestalt zu geben! So freute ich mich, ihm zu Willen zu sein, seinen Impuls aufzunehmen, seinen Samen zu empfangen und in Realität zu gebären.

Ich war jung, schön, begehrenswert, zart und fein und liebte Enlil mit meiner ganzen Liebe.

EnLil sah mein Potenzial und musste mich haben.
Er war ungestüm. Sein Begehren war stark, er konnte nicht warten, wollte sich nicht gedulden. Aufbrausend war er, getrieben und umgetrieben vom brennenden Feuer des Kosmos, der körperlichen Leidenschaft. Ohne mir Zeit zu geben und Raum zu lassen, nahm er mich ein.

Die Erde – ebenfalls davongetragen

Bald begann ich, sein Temperament und seine Launen zu fürchten, liess mich einschüchtern und liess ihm darum seinen Willen. Und er begann, mich zu nehmen, wann immer er wollte.

Die anderen Götter bekamen Wind davon – im wahrsten Sinne des Wortes … Und was sie sahen, gefiel ihnen nicht. Darum beschlossen sie im Einklang mit An, dem grosse Vater im Himmel, EnLil in die Unterwelt zu schicken. Dort sollte er in sich gehen, sich seinen Schatten und seinen Trieben stellen und lernen, sie zu überwinden.

Ich folgte ihm hinab in die Unterwelt – aus Liebe.  – Was hätte ich denn sonst tun sollen?! Ich hatte mich selbst ja bereits verloren …

Die Menschen auf der Erde vergassen mich schnell. EnLil verehrten sie aber weiterhin, ja sie begannen sogar, ihn als alleinigen Gott anzubeten! Er war ihr grosses Idol, und sie benahmen sich nach seinem Vorbild, nahmen, was sie konnten, unterdrückten Frauen und beuteten das Land aus.

Und somit konnte EnLil wieder nach oben in den Götterhimmel zurückkehren.

Die Unterwelt – alles verloren, gestorben …

Mich liess er jedoch allein hier unten zurück.
So hatte EnLil mein Leben genommen, meine Liebe, meinen Geist … Ja, alles hatte er mir genommen – für sich und seinen Ruhm!
Schmerz und Wut, das war, was mir übrig blieb. Diese Negativität wurde meine Existenz, oder eher mein Nicht-Sein, …  ja, der Tod!

Der Geist der Macht der Luft …

Seither herrscht EnLil als der Geist der Macht über alles.
Er herrscht über die Materie und sagt: «Es gibt nur Materie – nichts anderes».
Aber er lügt und er weiss es. Er leugnet den Geist und die Liebe und demonstriert stattdessen immer wieder seine Macht und Potenz.

… und seine Menschen

Die Menschen glauben ihm und merken nicht, dass sie dadurch in der Materie gefangen sind. Sie sind getrieben vom Begehren nach Macht und Herrschaft. Und entsprechend fürchten sie sich vor allem, was sie nicht begreifen und kontrollieren können.
Insbesondere fürchten sie sich natürlich vor dem Unbewussten und der Unterwelt und sagen: „Es ist der Tod!“.

Doch unbewusst fürchten sie sich auch vor mir, wollen nicht wissen, dass ich lebe, sondern verdrängen es. Auch viele von denen, die es wissen müssten, vergessen mich lieber, weil sie nicht für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen werden wollen.
Dabei gibt EnLil ihnen natürlich Aufwind, indem er mich als Hexe oder Monstrum darstellt.

Der Vater und Gott der Weisheit

Aber Vater und Gott der Erde, EnKi, weiss es besser. Er ist auch der Gott der Weisheit und hat sein Heiligtum an der Pforte zur Unterwelt, an den tiefen Wassergründen, die ins Innere der Erde führen. Somit ist er ein wahrer Gesalbter. Er weiss, was ich durchgemacht habe, und respektiert mich.

Die Herrin der Unterwelt

Gewiss, ich lebe! Denn ich bin das Leben selbst, und das Leben kann nicht sterben. Und so haben die Götter mir die Unterwelt als Herrschaftsbereich gegeben.

So geht alles Leben von mir aus und kehrt auch wieder zu mir zurück. Denn ich bin die Quelle des Lebens, ich schenke Geburt und Wiedergeburt und das ewige Leben jenen, die den Vater erkannt haben und sich in der Liebe bewährt haben.

Ich bin auch das Schicksal. Darum kommt niemand an mir vorbei. Und was der Mensch sät, wird er ernten – dafür stehe ich ein.

Ich warte auf den Helden, der den Tod nicht fürchtet, sondern durch Liebe überwindet. Ihm will ich alles schenken!

Siehe, mein Geliebter kommt.

Weiter geht es mit:

Ich bin der Vater (freier Text)

Die sumerische Überlieferung von Inanna, der Göttin der Liebe (Zusammenfassung)
In den ersten Tagen … (die sumerische Schöpfungsgeschichte, Episode 1)
Der Vater wagte den Weg in die Unterwelt (Episode 2)

Die sumerische Mythologie beschreibt als erste Heldengeschichte der Menschheit den Kampf um die Liebe, ihr Sterben auf dem Weg durch die Unterwelt und ihre Auferstehung.

Nachweise:

[1]  Der freie Text ist mit Inhalten aus anderen Überlieferungen verwoben und unter anderem auch inspiriert durch C.G. Jung und Vera Zingsem:

  • C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 5, Symbole der Wandlung, S. 324 § 375 ff.
  • Vera Zingsem: Der Himmel ist mein, die Erde ist mein… Göttinnen grosser Kulturen im Wandel der Zeiten, S. 21 ff., S. 24.

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