Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Fluch und Erlösung: Macht und Missbrauch in Überlieferungen

Gilgamesh Epos und Sargon von Akkad

By on 3. Juli 2020

Gilgamesh Epos

Sargon von Akkad als Modell für König Gilgamesh und der Fluch in biblischer Terminologie: Die Zikkurat als «Turmbau» in Babylon, «der grossen Hure».

Fluch und Erlösung in menschlichen Überlieferungen

Das Thema Missbrauch nimmt in vielen menschlichen Überlieferungen einen zentralen Platz ein. So bereits in den ältesten Überlieferungen der Menschheit, der sumerischen. Sie erzählt als erste von der Liebe, die gestorben war und wieder auferstanden ist.

Der Fluch: Die gestorbene Liebe

In den menschlichen Überlieferungen ist Missbrauch ein zentrales Thema, weil er dazu führt, dass die Liebe stirbt. Das Sterben der Liebe ist der Fluch über den Menschen. Damit verlieren sie die Ganzheit und Zugehörigkeit zum Grösseren, zum Geist, und damit das ewige Leben.

Mit dem Verlust der Einheit und der Liebe begann der steinige Weg der Menschheit.

Die sumerische Mythologie und die verlorene Liebe der Göttin

Die sumerische Mythologie von Inanna, der Göttin der Liebe (um 3000 v. Chr. oder älter) beginnt in dem wunderschönen Garten der jungen Göttin.

Lilith, Königin der Nacht (Burney Relief

Der Baum, die Schlange und Lilith, die dunkle Jungfrau

Inanna findet ihren Baum, den sie eigenhändig gepflanzt hatte, eines Tages plötzlich von fremden Wesen der Macht besetzt. In den Wurzeln nistet die Schlange, die nicht gezähmt werden kann, und im Stamm hat Lilith, dunklen Jungfrau, ihre Wohnung bezogen. Inanna will die Wesen loswerden. Sie sucht und findet Hilfe bei Gilgamesh. [Abbildung: Lilith, Burney Relief, s.u.]

Die Fällung des Baumes

Als starker Held betritt Gilgamesh Inannas Garten und fällt den Baum kurzerhand. Daraufhin macht sie ihn zum König. Wenig später verlässt er sie jedoch.

Die Mythologie um Inanna handelt vom langen Weg zurück zur verlorenen Liebe.

Die jüdisch-christliche Überlieferung und die konsumierte Liebe

Der Garten Eden, der Sündenfall und der Baum des Lebens

Die symbolträchtigen Bilder der sumerischen Überlieferung (der Garten, der Baum, die Frau, die Schlange) sind in die rund 2000 Jahre jüngere jüdische Erzählung vom Garten Eden eingegangen.  So ist die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis ein Bild für das Verbot, die Liebe zu konsumieren (durch Sex ohne Liebe, s. Der Sündenfall-Bericht und Die beiden Bäume im Paradies und die verbotene Frucht.)

Denn die gestorbene (konsumierte) Liebe ist der Todesfluch über den Menschen.

Die Frucht vom Baum der Erkenntnis

Zur Abbildung: Die Liebe als die Frucht vom Baum der Erkenntnis wird zum «allsehenden» Reptilienauge der Schlange als das Ego).

Die Vertreibung aus dem Garten und der Baum des Lebens

Der Mensch hat dadurch seine paradiesische Einheit verloren. Seither ist er dazu verdammt, unter harten Bedingungen den Weg zurück zum Baum des Lebens zu suchen. Dieser führt als Letztes durch die «Flamme des zuckenden Schwertes» hindurch (Läuterung in der Feuerprobe). [S. Die beiden Bäume im Paradies und Der Weg zurück zum Baum des Lebens.]

Macht und Missbrauch als Fluch

Missbrauch wird in Überlieferungen durch verschiedene Bilder dargestellt: durch das Fällen von Bäumen (Sumer und Babylon), durch den Konsum einer Frucht (s. Der Baum der Erkenntnis), durch Kindstötung (durch einen Jäger, wie in König Ödipus oder Schneewittchen). Er geht entsprechend mit einem tödlichen Fluch einher wie in «König Ödipus» und in Dornröschen (s. Die grosse Erbsünde).

In Märchen: Negativität aus Missbrauch

So ist Missbrauch auch in Märchen immer wieder ein Thema. Im Märchen Dornröschen dauert es «hundert Jahre», bis die wahre Liebe wieder aufersteht. Der hundertjährige Schlaf bedeutet eine sehr lange Zeit in tiefer Unbewusstheit, in welcher die Frau aufgrund von Schmerz und Zorn in Negativität ist.

Die Hexe und die Dornen

Lebt die verletzte Frau Macht statt Liebe, wird sie in Märchen als HEXE bezeichnet. Sie lässt niemanden mehr an sich heran, sondern lässt eine Dornenhecke um ihr Schloss aufwachsen. Das Bild mit den Dornen wird auch schon im Zusammenhang mit dem Sündenfall-Bericht verwendet als Fluch über Adam (Dornen und Disteln statt Frucht im Acker [1]).

Die Maleficent-Filme von Disney handeln von der dunklen Fee und thematisieren Heilung durch die Integration der Schatten (s. Maleficent als Dornröschen-Interpretation).

Die böse Fee oder Hexe (Maleficent aus Disneys Dornröschen)

Beziehungen ohne Liebe als Missbrauch

Für die Frau bedeutet der Fluch, dass sie sich in einer Beziehung hingeben muss, ohne geliebt zu werden. Dies ist gar nicht ungewöhnlich, denn häufig sind junge Männer nicht in der Lage, so zu lieben, wie eine Frau es sich erträumt. (Denn die Liebe ist die weibliche Seite des Geistes und dazu muss der Mann zuerst seine weiblichen Anteile integrieren. Dies geschieht aber häufig erst in der Krise der mittleren Jahre, durch eine Erfahrung der Schwäche, s. Die heilige Wunde und Der Weg des Mannes).  Zudem kann es sein, dass ihr Herz von der Mutter (-«Hexe») gestohlen wurde oder besetzt ist und darum zuerst befreit werden muss. [S. Die Schneekönigin für weisse Magie.]

Geerbte Verhaltensmuster und die Erbsünde

Der Fluch aufgrund der fehlenden Liebe in Beziehungen ist zentraler Bestandteil der «Erbsünde». Er führt zu destruktiven menschlichen Verhaltensmustern, welche von Generation zu Generation weitergegeben werden, s. Dunkle Geheimnisse als Fluch und Die Erbsünde). Im Märchen Schneewittchen symbolisiert die Stiefmutter die «böse Frau Welt», welche Missbrauch als kollektive Realität bedeutet.

Die Stiefmutter als "Frau Welt"

Negative Paardynamik als Fluch

Negative Paardynamik – Macht und Missbrauch

Missbrauch führt zu einer Beziehung der Macht statt Liebe und damit zu einer negativen Paardynamik.

Ohnmacht der Frau

Durch Missbrauch verliert die Frau den Zugang zu ihrem Körper und ihrer Seele. Es bleibt nur noch der Geist übrig (s. Die Frau 3-in-1). Dieser ist flüchtig wie bei Lilith; während die Frau «ohnmächtig» ist wie in Schneewittchen oder in Todesschlaf wie in Dornröschen. Hat die Frau einmal den positiven Zugang zu ihrem Körper verloren, setzt sie diesen häufig als Machtmittel ein und führt so den Missbrauch an sich selbst fort.

Macht des Mannes über die Frau und der Schmerzkörper

In Negativität geraten ist die Frau leichter zu manipulieren und zu Fall zu bringen. Dies spielt der Macht des Mannes in die Hand. Indem er sie «aufreibt», in Negativität treibt und ihren Schmerzkörper aktiviert, kann er über ihren Körper, ihr Leben und ihre Liebe verfügen. Dies kommt im Märchen Aladin und die Wunderlampe (Essen bei Mutter) anschaulich zum Ausdruck und ist schwarze Magie. (So ist denn auch der böse «Zauberer aus Afrika» im Märchen der Urheber des geschilderten Beziehungsfiaskos).

Die Frau in Negativität: von Ohnmacht aus Zorn und Schmerz zu Macht

Die Macht der Frau ist ihre magische Ausstrahlung (weisse Magie). Ist sie aber «konsumiert» und von der Kraft ihrer Liebe getrennt worden, gerät sie zunächst in Ohnmacht. In einem nächsten Schritt tritt sie aber selbst aus Schmerz und Zorn in die Dynamik der Macht durch Gewalt ein (in Märchen symbolisiert durch den Archetyp der HEXE, schwarze Magie).

Der Fluch als kollektive Dimension von Missbrauch

Sargon von Akkad (Quelle: Wikipedia)

Das Gilgamesh-Epos und «Der Herr der Ringe»

Das Gilgamesh-Epos hebt das Thema Missbrauch erstmals auf eine kollektive Ebene, indem der despotische Machtherrscher und Vergewaltiger verherrlicht wird (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos). Tolkiens Trilogie der Herr der Ringe nimmt die Inhalte des Gilgamesh-Epos aus und transformiert sie in eine Heldensage vom Kampf gegen das Böse.

Alle Macht dem Starken und Verherrlichung der Gewalt

In «Der Herr der Ringe» wird eindrücklich dargestellt, wie der böse Herrscher durch Traumatisierung die fürchterlichen Uruk-Hais erschafft. Sie können (im Gegensatz zu den Orks, aus denen sie geschaffen sind) auch am Tageslicht ihr Unwesen treiben. Dieses Bild passt zum Gilgamesh-Epos, welches erstmals in der Menschheitsgeschichte die Verherrlichung von brutaler Gewalt im vollen Licht des Bewusstseins feierte. So wurden viele spätere Generationen verwirrt und verblendet. Und aus diesem Grund bezeichnet die Bibel «die Hure Babylon und das Tier» als Ursache des Problems der Menschheit.

Die Überwindung des Fluches

Der lange Weg in die Freiheit

Die Herrschaft der Macht und die zehn Plagen Ägyptens

Die ausgewachsene Negativdynamik ist eine FEUER-Dynamik, welche doppelt durchlaufen wird. Der erste Durchlauf ist jener des «bösen» Täter-Bewusstseins («männlich»), der zweite jener der zornigen Opfer-Identität («weiblich»). Damit ergeben sich 10 Aspekte, welche überwunden werden müssen. Diese werden in der jüdischen Tradition von den 10 Plagen Ägyptens anschaulich dargestellt.

Die Auferstehung der Liebe nach 100 Jahren

Jeder einzelne der zehn Aspekte der Negativdynamik wird wiederum durch den Heldenweg überwunden, der ja 5 Schritte beinhaltet. Dies ergibt 5 x 10 = 50. Wenn nun sowohl die männliche Seite (das liebende Bewusstsein) wie auch die weibliche Seite (der Körper / die Frau / das Volk als lebendige Materie) diesen Weg gehen muss, dann ergibt sich: 2 x 10 x 50 = 100. Dies ist denn auch die tiefere Bedeutung des 100-jährigen Schlafs von Dornröschen.

Erlösung: die bedingungslose Liebe des Vaters

Bedingungslose Annahme: Integration von Schwäche

Bedingungslose vergebende Liebe rettet. Es ist die Liebe des Vaters, die hilft, die eigene Schwäche zu integrieren und sich zu versöhnen. Jeder Mensch kann diese Liebe in seinem Leben zum Tragen bringen. Auf dem Weg durch die Unterwelt, der in unzähligen Überlieferungen das Thema ist, wird alle Negativität und letztlich auch der Tod überwunden. So steht die reine Liebe wieder auf.

Der Sohn als Erlöser: Prinz, Christus-Gestalt und künftiger König

Der erlösende Prinz in Märchen symbolisiert den positiven Antrieb aus Liebe und das liebende Bewusstsein (s. Der Animus). In religiösen Schriften ist er durch den hingebungsvollen und gehorsamen Sohn des guten Vaters dargestellt: Messias oder Christus. Er gibt sich hinein in die Dunkelheit der Materie mit seinem Licht des liebenden Bewusstseins des Vaters und zeigt dessen bedingungslose Liebe durch warmherziges Mitleid und mit Worten und Taten, die heilen.

Zum Thema «lernen, sich selbst zu lieben» das Lied
The Greatest Love, gesungen von Whitney Houston:
[Für die Übersetzung dieser Link.]

Kunst:

Burney Relief: «Die Königin der Nacht» oder «Lilith»  (Babylon um 1800 v.Chr.)

Christina Krüsi: Die in Unbewusstheit schlafende Schöne: In Peace (2017)

Nachweis:

[1] Bibel, altes Testament, 1. Buch des Mose, Kapitel 3, 18 (im Sündenfall-Bericht)


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