Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Der Drache und die Verfolgung der Frau

Georg und der Drache von Hilma af Klint

By on 8. Februar 2021

Georg und der Drache, Hilma af Klint

Illustration zu «der Drache und die Frau»: Hilma af Klint, Taube Nr. 8 (1915), Format bearbeitet.
[Zum Originalbild mit Kommentar]

[Zum Hauptartikel: Der Drache, die alte Schlange]

Der Drache und die Frau

Der Drache als weibliches Symbol – Urgewalt in der Materie

Wassers – weiblich

Wasser ist das Element der weiblichen Seele (s. Wasser – weiblich). Als Reptil aus dem Wasser ist der Drache damit dem Weiblichen zuzuordnen. Auch die Erde mit ihrem innewohnenden Feuer ist als «weiblich» zu bezeichnen und symbolisiert den weiblichen Körper. Feuer als aktive Lebensenergie entspricht hingegen dem männlichen Geist, dem Animus, und symbolisiert die geistige Lebenskraft in der Materie.

Naturgewalten – weiblich

Immer wieder haben die Menschen grosse Naturmanifestationen wie zum Beispiel Vulkanausbrüche mit dem Göttlichen in Verbindung gebracht und zum Beispiel als «Zorn Gottes» gedeutet.
Die Naturgewalten gehören zur weiblichen Gottheit in ihrem 3. Aspekt (s. Weibliche Ganzheit – die Göttin, Weiss / Rot / Schwarz).

Weibliche emotionale Urgewalt und die Unterdrückung der Frau

Unerwartete «feurige» Eruptionen können sich auch im Rahmen einer Beziehung ereignen. Wenn zum Beispiel die Partnerin in Zorn und Rage ausbricht – ohne für den Partner objektiv greifbaren Grund –, dann mag dies für ihn wie ein «Unwetter aus heiterem Himmel» kommen (s. Negative Paardynamik «FEUER»).
Der feuerspeiende Berg, der auf den Helden fällt, ist schon im babylonischen Gilgamesh-Epos ein Thema. Dieser ist zugleich mit einem gewaltigen Monstrum identisch, das bekämpft und erschlagen werden muss.

Die Verfolgung der Frau durch den Drachen

Die alte Frau – das Weibliche

In der nordischen Sage vom Ritter und der Tötung des Drachen ist es nicht eine Jungfrau, sondern eine alte Frau, die vor dem Drachen gerettet werden muss. Die Jungfrau gewinnt der Held erst viel später. Dieser Umstand richtet einerseits den Fokus auf das uneigennützige Motiv des Helden. Andererseits lohnt sich auch ein Gedanke zur Frage, was es wohl mythologisch gesehen mit der alten Frau auf sich hat. Sieht man sie als Hinweis auf das grosse Weibliche, dann ist man im Einklang mit den ältesten menschlichen Überlieferungen, welche bereits die Unterwerfung der Materie unter den männlichen Geist der Macht (der Luft) thematisieren.

Babylon – Erschaffung der Welt aus dem getöteten Mutter-Drachen

Gemäss der babylonischen Überlieferung hatten die männlichen Götter das Weibliche in die Unterwelt verbannt und den Himmel für sich alleine eingenommen. Die grosse Mutter TiAmat (Göttin des Lebens) schäumte darüber vor Wut und gebar nur noch Monster. Die Götter waren ratlos. Doch Marduk, der Gott der Luft, sah darin seine Chance: Er schuf sieben böse Winde und verstrickte den Mutterdrachen in sein Netz der Intrige. Nachdem er sie auf diese Weise reglos gemacht hatte, stiess er sein Schwert in ihr Herz und tötete sie. Aus ihrem Leichnam schuf er daraufhin die sichtbare Welt, die Erde und den Kosmos (s. Marduk oder: Hat der Teufel die Welt geschaffen?). Marduk wurde in Babylon als siegreicher Held gefeiert und erhielt den obersten Platz im Götterhimmel.

Verfolgung: Projektion statt Integration

Dieses religiöse Bild gibt den kulturellen Wandel in der menschlichen geistigen Realität wieder. In Babylon begann die offene Verherrlichung der Macht durch Unterdrückung (s. Gilgamesh-Epos, Einführung).

Um die Unterwerfung von Land, Menschen, Frauen und Ressourcen zu rechtfertigen, musste das Weibliche als «böse» oder «schlecht» angeprangert werden. Eine derartige Umkehrung der Werte geschieht immer, wo die Macht herrscht. Die eigene Grausamkeit wird auf das Gegenüber projiziert. So werden Menschen als aufrührerische Masse unterjocht, die Natur wird als «wiederspenstig» bekämpft und ausgebeutet und Frauen werden als Wurzel allen Übels in Unterordnung gezwungen.

Der Drache als der weibliche Schmerzkörper

Hilma af Klint, Taube Nr. 8 (Detail)

Der emotionale Trieb im Kopf: negative Gedanken

Der negative emotionale Trieb sitzt im Kopf! Das unerfüllte Bedürfnis nach Verständnis und Verständigung sowie Sorgen und Erinnerungen an Schmerzen verführen und verstricken das Denken in destruktive Bahnen und trennen es letztlich von der Liebe. Ist die Negativität im Körper (zum Beispiel durch Traumatisierung) «einprogrammiert», kann sie sogar zur Sucht werden und zu Selbstschädigung führen.

 

Ein kollektiver Schmerzkörper 

Jahrtausende der Unterdrückung der Menschen und Verteufelung der Frauen haben einen kollektiven Schmerzkörper gebildet (s. Das grosse Weibliche in der Unterwelt). Schmerz und Zorn brennen wie Drachenfeuer in der Seele und bahnen sich den Weg an die Oberfläche der Existenz und ans Licht des Bewusstseins.
Die
 Bewusstwerdung und Anerkennung der schmerzhaften Tatsachen, die zur Menschheitsgeschichte gehören, können einen heilsame Trauerprozesse einleiten. So kann Akzeptanz das Tor zur heilenden Versöhnung und Ganzheit werden.

Der Drache und die Frau in der jüdisch-christlichen Überlieferung

Die Frau und ihr Sohn – positive Weiblichkeit

In der Bibel steht die «Frau» steht für positive, hingebungsvolle Weiblichkeit, welche den «Sohn», der das Neue symbolisiert, zur Welt bringt. Sie folgt ihrer Bestimmung, indem sie den Impuls des Bewusstseins willig aufnimmt und ihn in neue Realität umsetzt (s. Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität).

Die «Frau» als Kollektiv von Menschen, als Volk oder Glaubensgemeinschaft

In einem weiteren Sinn kann man also unter der «Frau» ein Kollektiv von bescheidenen und dienstfertigen Menschen verstehen, die vertrauensvoll gemäss den Weisungen der Verantwortlichen handeln. (Die «Schlange» symbolisiert im Gegensatz dazu den triebhaften Menschen im Griff des Egos, der eigenmächtig handelt.)
Im engeren Sinn steht die Frau gerade in der jüdisch-christlichen Überlieferung immer wieder für das Volk, das mit Gott einen Bund der Treue geschlossen hat.
Das Judentum als «Frau Gottes» hat einen «Sohn» zu Welt gebracht, welcher sich als Begründer der christlichen Religion mit der Gemeinde als seiner «Braut» verlobt hat: Rabbi Jehoshua – Jesus.

Die Schlange und der Fluch über der Frau

Gemäss dem biblischen Sündenfall-Bericht ist der Fluch über «der Frau» der Umstand, dass der Mann sie dominieren wird und dass zwischen ihren Nachkommen jenen der «Schlange» Feindschaft herrschen wird[1].

Die Negativität der Frau und ihre Überwindung

Drachentöter (Hilma af Klint, Taube Nr. 8, Detail)

Das Weibliche, das seine Wurzeln «im Himmel» hat, ist mit seinem Perfektionsanspruch in der unvollkommenen irdischen Existenz immer wieder herausgefordert und anfällig auf negative Gedanken und Emotionen. Diese wecken ihren Schmerzkörper und damit den inneren Drachen, der sie umtreiben und aggressiv machen kann.

Der innere Held

Frauen, die selbstwirksam in im Leben «herrschen», haben ihren inneren Helden mobilisiert. Dieser ist mit ihrem liebenden Bewusstsein (Christus) identisch. 

[S. Martha und die Zähmung des Drachen und Maria Magdalena und die Frau als Heldin.]

Abbildung oben: Detail von Hilma af Klint, Taube Nr. 8 (1915)

Der Drache und die Frau in der Offenbarung

Die Schlange und der Drache als Verführer (Satan oder der Teufel)

Die «alte Schlange», welche das Paar im Paradies zum Konsum der verbotenen Frucht verführte [2], ist gemäss der Offenbarung des Johannes[3] zum ausgewachsenen Drachen geworden, welcher den ganzen Erdkreis verführt hat:

Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, – geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel mit ihm.

Dieser Drache verfolgt seit dann die Frau und ihr Kind.

Die Frau in Off. 12

Kapitel 12 der Offenbarung der Bibel

Erzählt wird von einem Drachen, der eine Frau verfolgt und auch ihrem Nachkommen nachstellt ( Off 12 im Bibelserver.) Hier eine Kurzfassung (mit Deutungen der unterstrichenen Wörter):

Abbildung: Nach der Statue der schwangeren Jungfrau in der Kirche Iglesia de San Juan Bautista in Remedios, Kuba.

Die Frau, das Kind und der Drache

Die Vision einer göttlichen Erscheinung

Eine Frau, bekleidet im strahlenden Gewand der Sonne mit dem Mond unter ihren Füssen und einem Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt, hatte einen Sohn geboren, der die Nationen weiden sollte.

Deutungen der unterstrichenen Wörter:
  • Sonne: Männliche Seite Gottes, Feuer, «Vater»
  • Mond: Symbolisiert für das Weibliche (Neumond die Jungfrau, Vollmond die Mutter, Schwarzmond die Grosse Mutter).
  • Zwölf Sterne: Zwölf Stämme Israels, zwölf Jünger Jesu
  • Sohn: Der Messias / Christus als Erlöser stammt aus dem Volk der Juden.
Roter Drache, 7 Köpfe (Off. 12)

Der feuerrote Drache

Da erschien ein grosser, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte und wollte das Kind verschlingen. Dieses wurde aber zu Gott entrückt.
Im Himmel fand ein Kampf zwischen Michael und dem Drachen statt, bei welchem Michael mit seinen Engeln siegte.

Deutungen der unterstrichenen Wörter:
  • Feuerrot: männliche, aktive, invasive Energie
  • Sieben Köpfe: die Ganzheit der irdischen Realität, Hexagramm mit Mitte
  • Zehn Hörner: Doppelte Negativdynamik, weisse und schwarze Magie, je dargestellt durch ein Pentagramm
  • Sohn entrückt: Auffahrt von der Erde zum Himmel
  • Himmel: Der Bereich des Geistes
  • Kampf zwischen Engeln: Fronten in der geistigen Welt.
Drache - 10 Hörner der Macht

Feindschaft und Krieg

Der Drache wurde daraufhin aus dem Himmel auf die Erde hinabgeworfen und verfolgte nun die Frau. Sie erhielt aber zwei starke Flügel, mit welchen sie in die Wüste flog. Dort wurde sie ernährt und bewahrt. Der Drache spie Wasser aus seinem Mund, um sie fortzureissen, doch es wurde von der Erde verschlungen. Zornig führt er seit da Krieg gegen die Nachkommen der Frau, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben.

Deutungen der unterstrichenen Wörter:
  • Der Drache auf die Erde hinabgeworfen: Die Verherrlichung von Gewaltherrschaft auf der Erde ist durch das Judentum und Christentum blossgestellt, was immer wieder zu Verfolgungen der Glaubenskämpfer durch die Mächtigen führte.
  • Flügel: Keinen Boden, kein Land mehr unter den Füssen, aber Verwurzelung in der geistigen Kraft und Identität.
  • Wüste: Mangel und Entbehrungen.
  • Wasser aus dem Mund: Üble Nachrede, welche zu Judenverfolgungen geführt haben, und teilweise auch zu Christenverfolgungen.
  • Sieben Köpfe: Alle sieben Bereiche der irdischen Realität sind betroffen von Herrschaft durch Unterdrückung und Gewalt (s. Die Sieben – Ganzheit der irdischen Realität).
  • Krieg gegen die Nachkommen der Frau: Gegen Juden und (wahre) Christen (welche nicht Macht, sondern Liebe, Hingabe und Ehrfurcht leben).

Das Schwert des Geistes, das Wort Gottes

Paulus beschreibt eine Waffenrüstung Gottes[4] im Kampf gegen böse Mächte der Finsternis (das ist das Unbewusste; s. Das Bewusstsein und das Unbewusste):

Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit [… Und …] Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!

Und an anderer Stelle:

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist,[…] und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.[5]

Sieg der Liebe

Zuletzt bleibt diese hoffnungsvolle Botschaft:

Der endgültige Sieg über das Böse in Gestalt des Drachens ist durch die Aufrichtung des Reiches Gottes bereits beschlossen. Die Liebe wird siegen. Sie überwindet den Tod, und sie ist die stärkste Kraft im Universum.

Hilma (Detail): Tötung des Drachens

Nachweise:

[1] Tanach / Altes Testament der Bibel, 1. Buch des Mose, Kapitel 3,15 f. (Elberfelder Übersetzung).

[2] Tanach / Altes Testament der Bibel, 1. Buch des Mose, Kapitel 3 (Elberfelder Übersetzung)

[3] Offenbarung des Johannes (Neues Testament der Bibel), Kapitel 12,9 (Elberfelder)

[4]  Brief des Paulus an die Epheser (Neues Testament), Kapitel  6, 11-17 (Elberfelder)

[5] Brief des Paulus an die Hebräer, (Neues Testament), Kapitel Hebr 4,12 


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