Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Deutung als Frage der Perspektive und die Erschaffung Evas

Die Männin (der zweite Schöpfungsbericht)

By on 15. Oktober 2021

Deutung als Frage der Perspektive: der zweite Schöpfungsbericht der Bibel

Deutung als Frage der Perspektive und der 2. Schöpfungsbericht

Auf die Blickrichtung kommt es an!

Der Mensch deutet Ereignisse oder Botschaften zunächst aus seiner subjektiven Situation heraus. Das heisst, sein eigenes Wissen, seine Erfahrungen und Lebensumstände prägen die Art und Weise, wie er seine Umwelt wahrnimmt und interpretiert. So gestaltet sich Deutung als Frage der Perspektive und fällt je nach dem Blickwinkel des Betrachters unterschiedlich aus.

Der Elefant und die drei Blinden als Beispiel für Deutung als Frage der Perspektive

Ein gutes Beispiel für die unterschiedliche Deutung als Frage der Perspektive ist die Analogie mit den drei Blinden, die zum ersten Mal vor einem Elefanten stehen und diesen beschreiben müssen.

Drei Blinde werden zu einem Elefanten gebracht und haben die Aufgabe, diesen zu beschreiben. Der Erste, der an seiner Seite steht, ertastet ein Bein und sagt: Gross und stark wie ein Baum! Der Zweite steht beim Kopf und fühlt den Rüssel. Sein Urteil ist: Stark und biegsam wie eine Schlange. Von hinten kommt jedoch Widerspruch: Nein, eher schmal und beweglich und wie ein ausgefranstes Seil.

Andere Kulturen, andere Perspektiven und die Schrift

Magische Zeichen

Als Zeichen aufkamen, die in Stein oder Ton geritzt waren, galten diese zunächst als etwas Magisches, eine geheime Botschaft, die es zu enträtseln galt. Natürlich spielte dabei die Perspektive des Betrachters eine entscheidende Rolle.

Die Entwicklung der Schrift: von Piktogrammen zu komplexen Inhalten

Die ersten Schriftzeichen waren Piktogramme, das heisst stilisierte Figuren oder vereinfachte grafische Darstellungen. Mit der Zeit wurden sie aneinandergereiht, um einen komplexeren Inhalt wiederzugeben.

Die Schrift im Kontext von verschiedenen Kulturen

Die Schrift ist etwas Faszinierendes, denn mit einfachen Zeichen können abstrakte Inhalte vermittelt werden. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man die Zeichen kennt und zu deuten versteht. Zudem sind diese jeweils an einen bestimmten Kulturraum gebunden, darum ergibt sich ihre spezifische Bedeutung häufig aus dem Konsens jener, die sie benutzen. So prägen nicht nur die Zeichen selbst, sondern auch die Perspektive der jeweiligen Kultur die Aussage der Zeichen.

Kultur, Blick- und Schriftrichtung: rechts- oder linksläufig?

Mit anderen Worten: Je nach Blickrichtung können dieselben Zeichen einen anderen Inhalt und eine andere Botschaft ergeben. In Europa war die Schrift immer schon rechtsläufig, das heisst von links nach rechts geschrieben, während sie im semitischen Raum linksläufig, also von rechts nach links gesetzt wurde.

Rechts / links als geistige Perspektive – ein Gedankenspiel

Rechts – links: Männlich – bewusst / weiblich – unbewusst

Als Gedankenspielerei zum Thema Perspektive kann man der Unterscheidung zwischen rechts und links ebenfalls eine Bedeutung geben. In diesem Fall steht die rechte Seite für das aktiv-handelnde Bewusstsein, das sich über die materielle Realität ausdrückt («männlich»). Demgegenüber stellt die linke Seite als passiv-unterstützende («weibliche») das Unbewusste, Innere und Verborgene dar.

Den Raum schliessen oder öffnen?

Das bedeutet mit anderen Worten betreffend Unterscheidung rechts-links: Während die materielle Realität den Raum und die Wahrnehmung auf Fakten begrenzt (rechts, «männlich»), eröffnet das Unbewusste (links, «weiblich») neue Dimensionen und Möglichkeiten. Daraus könnte man schliessen, dass eine Schrift, die von links nach rechts läuft, die Perspektive auf die materielle Realität reduziert und verengt, während die Schrift von rechts nach links die Materie in den weiten Raum des Unbewussten hineinführt.

Beispiel für eine Deutung als Frage der Perspektive

Titelbild: Eifersuchtsdrama oder neue Schöpfung?

Der zweite Schöpfungsbericht der Bibel

Der zweite Schöpfungsbericht der Bibel enthält eine etwas seltsame Geschichte. Denn nachdem Gott kurz zuvor den Menschen nach seinem Bilde, nämlich als Mann und als Frau geschaffen hatte, «baut» er in dieser Erzählung eine Frau als «Männin». Und zwar baut er sie aus einer Rippe des Mannes, den er in tiefen Schlaf versenkt hat.
Wie soll man das verstehen? Ist das nicht das Gegenteil des ursprünglichen Schöpfungsberichtes?

[S. Der zweite Schöpfungsbericht der Bibel: die Männin.]

Mit einem Augenzwinkern kann man die Frage stellen, ob da nicht eine «andere» Perspektive oder Quelle in die Bibel eingeflossen ist, und zwar mit der Perspektive von links nach rechts.

Dazu nochmals die obige Darstellung, von links nach rechts gelesen:

Die zweite Schöpfung als Perspektivenwechsel

Rechtsläufige Betrachtungsweise: ein Eifersuchtsdrama

Es kann sein, dass im europäischen Raum die Darstellung eines Eifersuchtsdramas in drei Bildern zirkulierte (s. oben). Dabei ergibt die rechtsläufige Betrachtungsweise diese Reihenfolge der Bilder mit ihren entsprechenden Aussagen: 

  1. Links: Zwei Männer und eine Frau.
  2. Mitte: Der eine Mann beugt sich über den anderen, der auf dem Boden liegt. In seiner Hand hält er etwas Langes, Gekrümmtes.
  3. Rechts: Da ist nur noch ein Mann und vielleicht im Hintergrund noch die Frau.

Deutung: ein Eifersuchtsdrama?

Diese Bilderreihe kann man so deuten: Ein Mann begehrt die Frau eines anderen (1. Bild). Es kommt zum Kampf unter Rivalen, bei welchem der eine den anderen mit einem Dolch oder Säbel tötet (2. Bild). Der Sieger triumphiert und kann nun die Frau nehmen (3. Bild).

Linksläufige Betrachtungsweise: eine neue Schöpfung?

Geriet nun diese Bilderreihe in den Nahen Osten, wo die linksläufige Leseart die Übliche war, ergab sie für den Betrachter zunächst keinen Sinn. Was er im ersten Bild (rechts) sah, war ein Mann. Das zweite Bild in der Mitte zeigte einen weiteren Mann, der auf dem Boden lag. Darüber gebeugt hielt der erste Mann etwas Langes, Krummes in seiner Hand. Im dritten Bild (links) war nun plötzlich auch noch eine Frau hinzugekommen …

Hm, was hatte das zu bedeuten? – Welches Geheimnis mag dahinter verborgen liegen?

Deutung: Die Erschaffung der Frau

Eine Deutung im Hinblick auf die Richtung, welche das dritte Bild vorgibt, könnte damit so ausgesehen haben:

  1. Zuerst ist da einer, ein Starker … Vielleicht ein Gott?
  2. Er beugt sich über eine zweite Figur, die auf dem Boden liegt und hält in seiner Hand etwas Langes, Krummes … Es hat die Form einer Rippe … Was mag das bedeuten? Was ist mit der Rippe? Vielleicht gibt das nächste Bild Aufschluss?
  3. Im dritten Bild ist nochmals eine neue Situation: Der Starke ist noch immer da. Doch nun steht auch der zweite Mann aufrecht. Das Krumme ist weg, stattdessen steht da plötzlich auch noch eine Frau. – Wenn das nicht Magie ist … oder ein Akt der Schöpfung??

Wer bereit ist, zwischendurch auch einmal eine andere Perspektive einzunehmen, entdeckt möglicherweise Überraschendes.
Bleiben wir dran!

Deutung als Frage der Perspektive und die Wahrheit

Allgemeingültigkeit fundamentaler Wahrheiten

Von der Perspektive unabhängig

Dennoch lässt sich bei den unterschiedlichen Betrachtungsweisen, welche insbesondere auch die verschiedenen Kulturen und Religionen aufweisen, dies festhalten:

Eine tiefe, grundlegende Wahrheit bleibt unabhängig von einem Perspektivenwechsel bestehen.

Das angeführte Beispiel der zweiten Schöpfung: Gemeinsamkeiten in der Deutung

Im Hinblick auf das obige Beispiel lässt sich sagen, dass beide Betrachtungsweisen diese fundamentalen Wahrheiten zum Ausdruck bringen:

  1. Der Starke hat die Macht, neue Realität zu erschaffen (sei es durch ein Wort der Liebe oder durch eine Tat der Gewalt).
  2. Diese neue Realität hat einen Einfluss auf die Umgebung und verändert diese. (Im Fall der Verletzung der Frau durch Gewalt kann es sein, dass diese zur «Männin» wird, nämlich aggressiv und machtorientiert, s. Der Schmerzkörper der Frau).
  3. Das kommt einer neuen Schöpfung gleich.

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