Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die sumerische Schöpfung (1): In den ersten Tagen

Die sumerische Schöpfungsgeschichte (Himmel und Erde)

By on 5. Februar 2022

Die sumerische Schöpfungsgeschichte

Die sumerische Schöpfung: In den ersten Tagen … 

Die sumerische Schöpfung und ihre Themen werden in knappen und melodischen Sätzen eingeführt. Sie stellen einen anschaulichen Überblick dar und enthalten stichwortartig schon alles enthalten, was im Folgenden, in der sumerischen Mythologie von Inanna, ausgeführt wird.

So beschreiben die Überlieferung von Inanna, der sumerischen Göttin der Liebe, den Weg der Liebe hinab vom Himmel bis in die Unterwelt. Dabei sind Hindernisse zu überwinden und Herausforderungen zu bestehen 

[Zur Niederschrift der Mythologie und geschichtlichem Kontext s. Inanna – Göttin und starke Frau; s. auch Übersicht über die sumerische Überlieferung von Inanna, der Göttin der Liebe.]

Die sumerische Schöpfung im Originaltext

In schlichten, kraftvollen Sätzen erzählt die sumerische Schöpfung bereits von einer Existenz, wie sie der Mensch heute noch vorfindet.

Sumerische Schöpfung "in den ersten Tagen"

Kurzfassung dieses Textes

In den ersten Tagen, Nächten und Jahren ist schon sehr viel geschehen. Zwischen Himmel und Erde hat eine fundamentale Trennung stattgefunden. Und nun steht gemeinsam mit dem Menschen auch schon die ganze Problematik der Schöpfung im Raum. Denn der Gott der Luft hat die Erde «davongetragen» und die Göttin, Symbol für das Leben selbst, ist in die «Unterwelt» geraten.

Es folgt nun eine kurze Stellungnahme zu den Inhalten dieser ersten Zeilen der sumerischen Mythologie. Für eine ausführliche Auslegung s. Der sumerische Schöpfungsbericht.

Weltenbaum oder Baum des Lebens

Himmel und Unterwelt – und der Mensch auf der Erde

In dieser obigen Einleitung zur sumerischen Mythologie werden alle drei Bereiche der Existenz aufgeführt: Himmel und Unterwelt für Geist und Materie, Mutter und Vater und mittendrin der Mensch als Teil der irdischen Existenz. Diese Dreiteilung wurde vom archaischen Menschen durch den Weltenbaum dargestellt (s. auch Der Baum des Lebens).

Der Weltenbaum oder Baum des Lebens

Die Krone „im Himmel“ für das Leben im Geist («VATER»)

Sie trägt eine besondere Frucht, die man geniessen kann und die sättigt: die Sexualität.

Die Wurzeln „in der Unterwelt“ für das Leben in der Materie («MUTTER»)

Die Wurzeln symbolisieren die Verankerung des Lebens in der Materie (durch Gene und Prägungen). Dies ist der Bereich der „grossen Mutter“ als Archetyp für das Unbewusste und das Schicksal.

Der Stamm „auf der Erde“ für das Leben mit Seele und Körper

Der Stamm entspricht dem Leben zwischen Himmel und Unterwelt, Geist und Materie, Vater und Mutter.
Der Mensch mit seinem Bewusstsein lebt zwischen den beiden Bereichen, ja noch mehr: Er ist aus der Einheit von Geist und Materie entstanden und beinhaltet in sich selbst beides, nämlich den Körper (Materie) und das Bewusstsein (Geist).

Die sumerische Schöpfung – kurze Deutung der Aussagen

Als alles, was gebraucht wurde, geschaffen war …

In den ersten Tagen ….

Die sumerische Schöpfung beginnt im Gegensatz zur jüdischen nicht mit der Erschaffung der Welt, sondern mit dem Menschen. Dieser wird in eine Existenz gesetzt, in welcher alles Nötige bereits vorhanden ist.
Und er ist beim Namen benannt …

Als der Mensch mit Namen benannt wurde …

Der Name für das Bewusstsein

Eine Schlüsselrolle für den Menschen – beim Namen genannt

Der Name steht mit kennen und erkennen in und damit mit dem Bewusstsein (Geist) in Zusammenhang. Dieses ist mit dem menschlichen Geist identisch und beinhaltet die Fähigkeit, sich selbst und die Umgebung zu reflektieren und sein Verhalten strategisch zu planen (s. Das menschliche Bewusstsein).

Kreativität und Verantwortung
Verantwortung oder Egoismus?

Damit kann der Menschen «Gott gleich», nämlich kreativ und selbstwirksam im Leben stehen, trägt aber auch eine entsprechend Verantwortung. Denn er ist versucht, die vorhandenen Ressourcen zu egoistischen Zwecken missbrauchen.

Missbrauch und Sterben der Liebe

Und genau darum geht es bereits in den ersten Zeilen der sumerischen Überlieferung, wie nun im Folgenden dargelegt wird:

«Himmel und Erde davongetragen»: die weibliche Seite der Existenz

«Himmel» und «Erde» symbolisieren als lebendige Materie die weibliche Seite der Existenz (s. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung). Dabei stehen auf der einen Seite «die Himmel» für die Jungfrau, welche das Potenzial symbolisiert, und auf der anderen Seite «die Erde» für die Mutter, welche die materielle Realität darstellt.

Als der Himmelsgott An die Himmel davongetragen hatte …

Die davongetragenen Himmel: die Liebe und das Potenzial ausser Reichweite:
Die Jungfrau als Göttin des Himmels: vom Potenzial zur Realität

«Die Himmel» symbolisieren den Äther, das Potenzial oder quantenphysikalische Meer aller Möglichkeiten. Als NilLil, Göttin der Luft stellt sie dem ARCHETYP der JUNGFRAU und das alles verbindende Element (Liebe) dar.
So wie die Jungfrau «stirbt», wenn sie entjungfert wird, so «stirbt» auch das Potenzial, wenn es durch einen schöpferischen Akt des Bewusstseins («männlich») auf Realität («Mutter») festgelegt wird.

[S. Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und Potenzial und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Das Sterben der Liebe

Die JUNGFRAU symbolisiert auch reine, «himmlische» Liebe, die «stirbt», wenn sie konsumiert wird (s. Der Sündenfall-Bericht). Darum hat der Himmelsgott, der grosse Vater im Himmel, sie davongetragen. Als die weibliche Seite des Geistes ist die reine Liebe somit nur noch beim VATER „im Himmel“ zu finden.

Die Jungfrau gewinnen: Vollmacht über die Materie und ewiges Leben

Der Mensch, der Zugriff auf das Potenzial sucht, muss zuerst sein Ego und seine Triebe überwinden, um so die Liebe zu finden. Damit gewinnt er auch seine Seele, das ewige Leben und den Zugang zum allumfassenden Geist (VATER).
In Mythen und Märchen ist dieser Weg des Menschen als der Heldenweg geschildert. Wer seine Prüfungen besteht, erhält als Belohnung «die Jungfrau» und das Königreich (Gottes), welche zusammen Vollmacht über die Materie bedeuten. (So z. B. Ritter Georg, der Drachentöter.)

und der Gott der Lüfte, Enlil, die Erde davongetragen hatte …

Die Erde: –Das Grosse Weibliche: Unterwerfung durch den Geist der Macht:
Der Gott der Luft: Herrschaft über die Erde

LUFT ist das Element der männlichen Seele, ERDE hingegen das Element des weiblichen Körpers (s. Die vier Elemente). Der Gott der Luft symbolisiert stürmische, jugendlich-invasive Männlichkeit. Er ist der Geist, der über Materie herrschen möchte und bewirkt, dass Frauen unterdrückt und das Land und seine Ressourcen (Erde) ausgebeutet werden.

Die Bibel: «Der Fürst der Macht der Luft»

Auch in der Bibel wird dieser «Gott» oder «der Fürst der Macht der Luft» erwähnt, und zwar als «der Geist, der heute noch in den Söhnen des Ungehorsams wirkt»[1]. Damit wirkt er in jedem Despoten. Mythologische Beispiele dafür sind der junge Gilgamesh oder auch der Pharao.

Der negative Antrieb in der Materie als «Teufel»

Als negativer Antrieb (Animus) in der Materie symbolisiert er darüber hinaus aber auch den dunklen Schattenherrscher, der die Menschen über Angst, Defizitorientierung und Leistungsdruck «knechtet».

[S. Der negative Animus als Teufel oder Schmerzkörper und Die 10 Plagen Ägyptens.]

[1] Brief des Paulus an die Epheser, Kapitel 2,2

Zum grossen Weiblichen gehören: alle Frauen, alle Menschen, die Erde und die ganze Schöpfung. Mehr::
Lebendige, empfangende und Realität gestaltende Materie (weiblich):
  • Die Frau, alle Frauen: Sie können Samen aufnehmen und neues Leben gebären.
  • Der menschliche Körper: Er nimmt Impulse des Bewusstseins („männlich“) auf und setzt sie in Worte, Taten und neue Realität um.
  • Das Kollektiv (Gruppe, Volk, die ganze Menschheit): Es reagiert auf Information, zum Beispiel auf Nachrichten, mit Stimmungen und Handlungen. Es nimmt auch die Instruktionen des Herrschers auf und gestaltet diesen entsprechend neue Realität (führt Weisungen aus, wie zum Beispiel den Bau von Strassen).
  • Die Erde: Sie kann Samen aufnehmen und Wachstum ermöglichen. Sie reagiert auch auf unterschiedlichste Impulse aus dem Kosmos oder aus menschlichem Verhalten.
  • Die ganze Schöpfung: Sie ist der Vergänglichkeit preisgegeben und damit in der „Unterwelt“.

 

Das Weibliche als lebendige Materie, die Samen oder Impulse aufnehmen und neue Realität gebären kann, gehört per Definition zum Unbewussten.

[S. Das Bewusstsein und das Unbewusste und Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung.]

broken angel

Als die Königin des grossen Unten, Ereshkigal, die Unterwelt als ihren Bereich erhalten hatte …

Die Herrscherin der Unterwelt: das Leben im Unbewussten

Gestorbene Liebe: der Tod

Wo das Weibliche unterdrückt und ausgebeutet wird, stirbt die Liebe, welche die Brücke zur Unendlichkeit und zum ewigen Leben ist. Damit ist der Tod in die Realität eingezogen: Die ganze materielle Existenz ist in die Unterwelt geraten. Was in den nächsten beiden Sätzen als Tatsache festgehalten wird, ist in der Fortsetzung der sumerischen Überlieferung ausführlich dargestellt und begründet.

Die Unterwelt – das Reich der Schatten und des Todes:
Das Reich der Schatten und des Todes

Die Unterwelt ist der Bereich des Unbewussten, der Schatten und des Todes. Hier befindet sich alles, was nicht am Licht des Lebens und damit des liebenden Bewusstseins ist, mit anderen Worten, was unbekannt, abgelehnt, gehasst oder geleugnet ist.
Doch die Unterwelt ist zum Herrschaftsbereich der Grossen Mutter geworden. Sie symbolisiert das Leben selbst. Aber das Leben kann nicht sterben.

Ausserhalb der Reichweite des Menschen

Es ist aber ausserhalb des Bewusstseins des Menschen. Dieselben Themen werden im biblischen Sündenfallbericht aufgegriffen, in welcher eine Interpretation des sumerischen Schöpfungsberichtes gesehen werden kann; s. Die Vertreibung aus dem Paradies in den Überlieferungen.
Will der Mensch wieder Zugang zum Leben haben, muss er sich auf den Weg durch die Unterwelt machen und seine Schatten integrieren.

Das Leben im Unbewussten, in der Unterwelt, begraben in der Materie – Mehr:
Unbewusstheit und Tod.

Durch Unterdrückung und Ausbeutung hat das Weibliche seine eigene Würde, seine Lebenskraft und Liebe verloren. Stattdessen ist es in Mangel und Negativität geraten. Dieser Zustand ist durch die Unterwelt, das Reich der Schatten und des Todes symbolisiert. Er bedeutet tiefe Unbewusstheit aufgrund von Depression, Zorn oder Schmerz, welcher zu Hass und Rache und sogar Krankheit und dem Tod führen kann.

Das Leben selbst in der Materie «begraben»

Das Leben ist, um es anders zu formulieren, in der Materie «begraben» oder «verankert». Das bedeutet zum Beispiel auch, dass es nicht mehr von einem schöpferischen Willen abhängt, sondern von materiellen Faktoren, welche als «Steuerungsprogramme» die Materie bewegen (Gene, Naturgesetze für die erforderlichen Lebensbedingungen wie Nahrung usw.).

Die Grosse Mutter, Herrin Leben über Tod und Schicksalsgottheit

Obwohl die grosse Mutter als Herrscherin der Unterwelt aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängt und «verschwunden» ist, hat sie dennoch eine wichtige Position. Sie ist Königin der Unterwelt, Schicksalsgottheit und Herrin über Leben und Tod.

Randbemerkung: Die sumerische Schöpfung und die Verschiebung der Elemente

Faktisch handelt es sich also dennoch um eine neue Schöpfung (s. Der Gott der Luft ). Denn es hat nun auch eine Verschiebung der schöpferischen Kräfte stattgefunden, welche sich so darstellen lässt:

Verschiebung der Elemente 1

Die sumerische Schöpfung und ihre Themen als moderne Geschichte

Ich bin Erika.

NinLil, Königin des Himmels und EnLil, Gott der Luft

Ich komme aus einer anderen Generation. Damals hatten wir Frauen noch weniger Perspektiven, also tat ich, was man als Frau aus gutem Haus so tat: Ich heiratete.

Zum Glück waren meine Eltern mit meinem Bräutigam einverstanden. Auch war ich sehr verliebt und wusste: Wir waren füreinander bestimmt, Emil und Erika … Und so hatte ich grosse Träume für uns zwei. –

Emil sah mich und musste mich haben. Ich war ich noch Jungfrau, aber Emils Begehren war stark. Er konnte und wollte nicht warten, bis ich bereit war. Ohne mir Zeit zu geben und Raum zu lassen, nahm er mich ein.

Der davongetragene Himmel

Dennoch liebte ich Emil und träumte seine Träume.
Er war jedoch sehr ehrgeizig, ungeduldig, aufbrausend, getrieben und umgetrieben von seiner brennenden körperlichen Leidenschaft. Ich war jung und schön, empfindsam und fein gebaut, aber er nahm mich, wie und wann immer er wollte.

Fünf Kinder hatte ich ihm geboren, doch Emil war freiheitsliebend und wollte auf keinen Fall von mir gegängelt oder gar eingesperrt werden. Er tat immer, was er wollte.

Die davongetragene Erde: Macht über das Weibliche

Bald begann ich, sein Temperament und seine Launen zu fürchten und war froh, wenn er nicht nach Hause kam. Er arbeitete viel und lange, machte Überstunden und war häufig auf Geschäftsreisen. So begann seine steile Karriere, während ich für Kinder und Haus sorgte und an seiner Seite repräsentierte, wenn es ihm nützte.

Die Unterwelt: gestorbene Liebe

Als die Kinder grösser wurden und immer mehr ihr eigenes Leben hatten, war ich viel allein. Ich wurde ich frustriert und depressiv … Zudem wurde ich älter. Emil schien jegliches Interesse an mir verloren zu haben und verhielt sich abweisend. So fühlte ich mich wertlos, ja von ihm abgewertet.

Ja, ich begann sogar, ihn innerlich hassen! Alles, was mir blieb, waren Schmerz und Wut. Diese Negativität wurde meine Existenz – oder eher mein Nicht-Leben, ja, der Tod.

Der Gott der Luft: Unterdrückung und Konsum von Frauen

Mit der Zeit wurde mir klar, was ich schon lange befürchtet hatte: Emil vergnügte sich auf seinen «Geschäftsreisen» und auch sonst mit jüngeren Frauen. Zu allem Überfluss musste ich erfahren, dass seine Firma einen eigenen Callgirl-Ring führte. Und mittlerweile hatte Emil begonnen, sich auch öffentlich mit anderen Frauen zu zeigen.

Die Herrin der Unterwelt

Damit hatte ich nun endgültig genug! Also konsultierte ich einen der besten Anwälte der Stadt und verkündigte Emil anschliessend, dass ich mich scheiden lassen wolle.
Er erstarrte und blickte er mich entgeistert an, – wohl das erste Mal seit Jahren, dass er mich wirklich wahrnahm.
Das gab mir eine gewisse Genugtuung.

EnLil oder EnKi – Macht oder Liebe?

Aber wir hatten so viel zusammen aufgebaut … Bedeutete ihm all das nichts? Immerhin war er der Vater von fünf wunderbaren Kindern. Wenn es auch nicht immer leicht gewesen war, er war ihr Vater! – Wenn auchl Lilly, unsere älteste Tochter, zu sagen pflegte, sie habe keinen Vater. Ach, sie hat einen harten Kopf – genau wie er!

Besonders am Herzen war mir darum ihre Tochter, meine erste Enkelin: Anna.

Und so geht das Leben weiter, denn …

Der Vater wagte den Weg in die Unterwelt (Fortsetzung, Episode 2)

Nachweise:

[1]  Der freie Text ist mit Inhalten aus anderen Überlieferungen verwoben und unter anderem auch inspiriert durch C.G. Jung und Vera Zingsem:

  • C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 5, Symbole der Wandlung, S. 324 § 375 ff.
  • Vera Zingsem: Der Himmel ist mein, die Erde ist mein… Göttinnen grosser Kulturen im Wandel der Zeiten, S. 21 ff., S. 24.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Top

Newsletter Abonnieren

We respect your email privacy

Newsletter abonnieren

You have successfully subscribed to the newsletter

There was an error while trying to send your request. Please try again.

Goldspur will use the information you provide on this form to be in touch with you and to provide updates and marketing.