Goldspur

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Die Schlange im Kopf – unser altes Reptiliengehirn

Die Schlange im Kopf

By on 26. November 2020

Das Reptiliengehirn - die Schlange im Kopf

Die Schlange im Kopf – unser altes Reptiliengehirn 

Dominanz der älteren Funktionsbereiche des Gehirns

Wenn das «Reptiliengehirn» dominiert, werden «primitivere»  Reaktionen schneller aktiviert als reflektiertes Verhalten. Dies geschieht recht häufig, weil das Gehirn eine vorrangige Aktivität der älteren, tiefer gelegenen Hirnstrukturen erlaubt. Dazu:

Der unterste Gehirnteil ist der älteste und tiefst liegende Teil des menschlichen Gehirns. Dieser Gehirnbereich wird auch «Reptiliengehirn» genannt, weil er dem einfachen Gehirn einer Schlange oder eines Krokodils ähnelt. (Textquelle und weitere Texte von Eterna SL, s. unten.)

Die Dominanz des Reptiliengehirns hält die meisten Menschen in einem permanenten Zustand von Stress, Nervosität, Sorge und Angst. Diese Negativität zerstört das, was das Menschsein ausmacht, nämlich die Beziehungsfähigkeit, Liebe und Empathie und macht den Menschen stattdessen zum Tier. Er wird kalt und gefährlich wie ein Reptil.

Zum Wesen der Schlange darum als Erstes ein Zitat von C.G. Jung:

Indem der Schatten an sich schon den meisten Menschen unbewusst ist, entspricht die Schlange dem gänzlich Unbewussten und Bewusstseinsunfähigen, welches aber als kollektives Unbewusstes und als Instinkt eine eigentümliche Weisheit und ein oft als übernatürlich empfundenes Wissen zu besitzen scheint. Dies ist der „Schatz“, den die Schlange (resp. der Drache) hütet, und zugleich der Grund, warum sie einerseits das Böse und die Dunkelheit, andererseits aber Weisheit bedeutet.

Ihre Unbezogenheit, Kälte und Gefährlichkeit drücken eine Triebhaftigkeit aus, welche rücksichtslos grausam und unerbittlich sich über moralische und sonstige menschliche Wünsche und Bedenken hinwegsetzt und darum ebenso erschreckend und faszinierend wie der plötzliche Anblick einer gefährlichen Giftschlange wirkt.[i]

Die Schlange im Kopf

Die unbewussten Funktionen des Gehirns übernehmen bei Angst und Stress Kontrolle über den Menschen. Dabei werden das rationale und auch das vernetzte Denken sowie die Fähigkeit zu Empathie beeinträchtigt oder vollständig blockiert.
Dies ist das Werk des Triebes beziehungsweise des Egos, welche durch die Schlange symbolisiert sind.

Das Reptiliengehirn: Das Ego als «Schlangenzunge»

Vom Lebenstrieb zum hinterhältigen Ego «Schlangenzunge»

Die Schlange symbolisiert grundsätzlich zunächst einmal den Lebenstrieb (s. Das Leben und die Schlange: Auf- und Abstieg). Der ehemalige tierische Selbsterhaltungstrieb ist mit dem Menschen zu Bewusstsein aufgestiegen und hat sich zum Ego entwickelt, zur Identität der Macht. Dieses möchte mithilfe des Bewusstseins alles kontrollieren und seine Macht immer mehr ausweiten.
In Überlieferungen ist das Ego durch «Schlangenzunge», den hinterhältigen Berater des Königs symbolisiert. Seine Gier und Rücksichtslosigkeit kennen keine Grenzen und er herrscht durch die Verbreitung von Angst, Lügen und Intrigen, welche König Bewusstsein lähmen wie ein tödliches Gift (s. Der Herr der Ringe und Das dritte Auge und der Schatz des Königs).

Das Stammhirn – unser altes Reptiliengehirn

Angst und Stress stören die Verbindung zum Grosshirn und das gute Funktionieren des Stammhirns. Dieses „Reptiliengehirn“ übernimmt bei Alarm rasch die Kontrolle und erweist sich dabei als zuverlässiger «Terminator»! 

Das menschliche Gehirn ist in verschiedene Bereiche eingeteilt, welche im Hinblick auf die Entwicklungsgeschichte des Menschen als «jünger» oder «älter» eingestuft werden können.

Das Bewusstsein: Die jüngere Grosshirnrinde

Die frontale Rinde des Grosshirns ist die jüngste Errungenschaft des Gehirns und die «Steuerungszentrale» des Bewusstseins. Es beinhaltet die Fähigkeit zu Abstraktion und Reflexion (violett in Abbildung oben).

Unbewusste Funktionen: die älteren, tiefer liegende Areale, das «Reptiliengehirn»

Das limbische System, das Kleinhirn sowie der Hirnstamm sind älter. Sie steuern die automatischen Körperfunktionen und Reaktionen und gehören zum Unbewussten.  [S. Das Bewusstsein und das Unbewusste – König und Königin und Das Bewusstsein und das menschliche Gehirn].

Der Begriff «Stammhirn» wird unterschiedlich verwendet. Teilweise bezieht er sich nur auf den Hirnstamm, teilweise wird auch das limbische System dazugezählt.

  • Das limbische System: automatische Körperfunktionen, Unterstüzung von Gedächtnisfunktionen durch emotionale «Marker», Erinnerungen und Angst.
  • Der Hirnstamm (der oberste Teil der Wirbelsäule): Atmung, Entspannung und Regeneration von Körperressourcen.

Das Problem: Vorrang des «Reptiliengehirns»

Das Problem ist, dass das Gehirn eine Vorherrschaft der älteren, tieferen Strukturen erlaubt. Dies führt zu «Handeln vor Denken».

Vorrangige Aktivität der tieferen Strukturen des Gehirns: blitzschnelle, automatische Reaktionen

Das hat entwicklungsgeschichtliche Gründe: Um in der Wildbahn zu überleben, müssen Lebewesen bei Gefahr blitzschnell reagieren können. Solche schnellen, spontanen Reaktionsmuster – unabhängig vom bewussten Denken – sind dem Menschen erhalten geblieben.Dies obwohl er in der entwickelten menschlichen Kultur einer anderen Art von «Gefahr» ausgesetzt ist, nämlich Stresssituationen unterschiedlicher Art, in welchen sein bewusstes, stratigeisches Handeln gefragt wäre.

Zur Wirkweise des Reptiliengehirns

Im Anschluss finden sich Ausführungen aus einem anschaulichen Text zu den Merkmalen und Wirkungsweisen des Reptiliengehirns. Der Text stammt aus der Homepage Eterna SL. (Deren weitere Inhalte sind aber ansonsten auf GOLDSPUR nicht das Thema.)

Die Dominanz des Reptiliengehirns

Hier nun also ein paar Auszüge aus dem im obigen Titel verlinkten Artikel  (Untertitel hinzugefügt):

«Roboterähnliche Kontrolle» bei verminderter Leistungsfähigkeit des Grosshirns:

Stress und Druck

Die Dominanz des Reptiliengehirns hält die meisten Menschen in einem permanenten Zustand von Stress, Nervosität, Sorge und Angst.
Durch äußeren gesellschaftlichen oder zwischenmenschlichen Druck und Manipulation ist es leicht möglich, dass Betroffene ihr gesamtes Leben in Angst und Sorge zubringen. Es genügt schon, dass man an etwas Beängstigendes denkt, schon reagiert unser Reptiliengehirn. Wie schon bemerkt: Das Reptiliengehirn unterscheidet nicht zwischen real oder eingebildet.

Ängste, Sorgen, Nervosität

Oft leben wir in einer pausenlosen inneren Unruhe. Die Ängste, Sorgen und Nervosität haben sich im Reptiliengehirn festgesetzt, sie sind permanent vorhanden, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Allein in den USA sind den Forschern zufolge etwa 25 Millionen Menschen von Panikattacken, sozialen Phobien, Zwangsstörungen und Angstzuständen im Rahmen von posttraumatischen Störungen betroffen.

[…]

Das Reptiliengehirn

Der unterste Gehirnteil ist der älteste und tiefst liegende Teil des menschlichen Gehirns. Dieser Gehirnbereich wird auch «Reptiliengehirn» genannt, weil er dem einfachen Gehirn einer Schlange oder eines Krokodils ähnelt. Alle Wirbeltiere haben diesen Gehirnteil und er ist bei allen nahezu gleich aufgebaut. Bei niederen (Nicht-Säugetier-)Wirbeltieren wie den Reptilien, macht dieser Bereich sogar fast das gesamte Gehirn aus. Daher trägt er den Namen „Reptiliengehirn“. Das Reptiliengehirn ist hauptsächlich für die Art- und Selbsterhaltung zuständig, es hat also die Aufgabe, unser Überleben zu sichern. […]

«Roboterähnliche Kontrolle» bei verminderter Leistungsfähigkeit des Grosshirns:

Nur in die höheren Funktionen des Gehirns sollte es sich im Normalfall NICHT einmischen. Doch leider tut es das bei vielen Menschen fast ständig. Das Reptiliengehirn repräsentiert genetisch vorbestimmte Verhaltensweisen(Programme), die dem primitiven Überleben des Individuums und der Arterhaltung dienen. Es fungiert als Kontrollzentrum unbewusster, gefühlloser, roboterähnlicher Programme, die dem Reptilienverhalten ähneln. 
Das «alte Reptiliengehirn» übernimmt in bestimmten Stresssituationen die völlige, lähmende und negative Kontrolle über uns. Wann immer unser limbisches Gehirn und unsere Großhirnrinde in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind – sei es durch Alkohol, Drogen, Stress, Krankheit, Alter, Müdigkeit, depressive Gefühle, einen starken Glauben (Einbildung), eine feste Überzeugung, Stress, Angst, Panik oder übermäßige Verliebtheit – gerät unsere mentale Haltung und unser Verhalten unter den Einfluss unseres alten reptilischen Erbes. 

Aktivierung des Reptiliengehirns auch durch unreale, virtuelle «Bedrohungen»

Ein großes Problem unserer Zeit ist es, dass Bedrohungen des Hirnstamms für ihn eher unreal zum Beispiel aus der Kinoleinwand, dem Fernsehen, dem Börsenkurs, der Steuernachzahlung oder der Ehescheidung erfolgen. Für diese Situationen hat der archaische Hirnstamm keine direkten Lösungsansätze, weil es keinen sichtbaren Feind gibt, den man bekämpfen kann oder vor dem man fliehen könnte. Die Bedrohungen unserer Zeit finden also überwiegend auf der mentalen Ebene statt, doch das kann unser ältester Hirnbereich nicht erkennen.Stress und Druck

Die Hauptmerkmale unseres reptilischen Daseins

Ein ganzer Katalog: Egoismus, Argwohn, Gewaltbereitschaft, Sucht ...

Selbstsucht, Ichbezogenheit (Egoismus), Rücksichtslosigkeit, Tücke, Verschlagenheit. Argwohn, Gefühllosigkeit, Grausamkeit, Kaltblütigkeit, Starrheit, Hartnäckigkeit, Beharrlichkeit, Wettbewerbsdenken, Anmaßung, Territorialverhalten, Isoliertheit, Intoleranz, Aggressivität und Gewaltbereitschaft, mangelnde Fürsorglichkeit, kurzsichtiges Nutzdenken, Opportunismus, Oberflächlichkeit, Eitelkeit, abartiges und/oder aggressives sexuelles Verhalten, Eifersucht, psychopathisches Verhalten. Suchtverhalten (wie Esssucht, Alkoholismus etc.) sind Zeichen einer starken Dominanz des Reptiliengehirns. Unser reptilisches Gehirn ist auch für jedes ritualisierte, stereotype Verhalten verantwortlich. 
[…]

Einfach zu manipulieren…

Was sonst vorgeht, ist für diesen Hirntyp Nebensache, er denkt nicht wirklich zukunftsorientiert und ist einfach zu lenken. Er reagiert direkt auf Angst machende Situationen. Somit ist die Erzeugung von ständiger Angst und Unsicherheit zu einem der wichtigsten Kontrollinstrumente der Politik geworden. Abgabe der Selbstbestimmung an eine «Autorität» ist eine typische Reaktion dieses Typs. Auch ziehen viele Reptiliengehirntypen die Geborgenheit des Unwissens vor … 
[…]

Der Weg aus der Falle:

Wer Neues wagen will, muss sich selbst überwinden, oder wie es in alten Sagen berichtet wird – den «inneren Drachen besiegen». Für diesen Mut zum Risiko und zum Experiment ist ein anderer Gehirnteil zuständig, den die Evolution ebenfalls ins Menschenhirn eingebaut hat, das moderne Stirnhirn [orbifrontaler, ventromedialer Kortex]. 

Die Aufgabe des Lebens: Negativität durch Liebe ersetzen

Das Tier, die Bestie der Unbewusstheit

C.G. Jung schrieb mit den Schrecken des zweiten Weltkrieges im Nacken:

In einer Zeit, wo ein grosser Teil der Menschheit anfängt, das Christentum wegzulegen, lohnt es sich wohl, klar einzusehen, wozu man es eigentlich angenommen hat. Man hat es angenommen, um der Rohheit und Unbewusstheit der Antike zu entkommen. […]

Wir haben es ja erlebt, was kommt, wenn ein ganzes Volk die moralische Maske zu dumm findet. Dann wird die Bestie losgelassen, und eine ganze Zivilisation geht im Rausche der Entsittlichung unter.[2]

Negativität und Trennung überwinden und das ewige Leben finden

Die wichtigste Kampffront, die sich dem Menschen im Leben stellt, ist der Kampf gegen die innere Negativität, welche Trennung bewirkt (das Ego, der Trieb als die „Sünde“). Sie wirkt mit destruktiver Energie aus dem Schatten und führt zu negativen Worten und Taten („Sünden“).

Wahrer Held ist, wer für die Liebe kämpft. Er überwindet sein Ego auf dem Heldenweg (s. Abbildung unten). Durch die Integration des Schattens erlangt er Ganzheit. In sich selber geeint und versöhnt ist er auch mit der ganzen Welt versöhnt. Er hat die Trennung überwunden und den Zugang zur umfassenden, ewigen Existenz der Liebe gefunden (s. Das Ego und das Selbst).

Heilung und Ganzheit in der Kraft der Liebe 

Annehmende und bedingungslose Vaterliebe ermöglicht Versöhnung und Heilung – im Inneren und auch in der Welt. Der Mensch kann an diese Liebe glauben, sie aber auch sich selber und anderen zuzusprechen und sie so leben.

Die Liebe führt zu verändertem Verhalten. Negativität wird in positive Kraft und in neue Ressourcen transformiert. Dies ist die Bedeutung der Erlösung der «Gefangenen» aus dem Reich der Schatten oder der Toten (s. der Text Der entwichene Gefangene als Anschauungsbeispiel).

7 Lebensbereiche und der Heldenweg

«Umprogrammierung» des Gehirns und Zähmung der Drachenschlange

Aktivierung und Stärkung der frontalen Grosshirnrinde

Grundsätzlich gilt: Die frontale Grosshirnrinde muss bewusst aktiviert und die Dominanz des Körpers zurückgebunden werden (das Wort «Religion» kommt von lateinisch re-ligio = Rückbindung). Achtsamkeit, Reflexion und Meditation können das limbische System beruhigen und Raum für Intuition, Mitgefühl und Kreativität schaffen (s. Wie lenke ich mein Leben konkret in eine positive Richtung?).

Überwindung oder Zähmung der Drachenschlange

Das Gehirn muss durch das liebende Bewusstsein neu konditioniert werden. Wille, Verstand und Gefühle müssen in eine positive Richtung gelenkt werden. Dies erfordert geduldiges, konsequentes Üben (s. Selbstwirksamkeit – positiv leben und Positive Instruktionen für den Körper). So gewinnt er Zugang zu den im Schatten gebundenen Ressourcen und gelangt zu Königsherrschaft im Leben und zu Ganzheit.

Und so wird – bildhaft gesprochen – der innere Drache besiegt oder gezähmt. Dies kommt in Legenden wie jene vom heiligen Georg, dem Drachentöter oder der heiligen Martha und der Zähmung des Drachen von Tarascon gut zum Ausdruck.

Die Drachenschlange und der Schatz des Königs

Nachweis:

[1] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“ ? (der Nachhweis ist in meinen Unterlagen leider nicht mehr auffinbar, bin dankbar für Hinweise).

[2] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 5, Symbole der Wandlung, S. 293 f., § 341


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