Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Inanna und Gilgamesh – die Fällung des Baumes (3)

Inanna und Gilgamesh: die Fällung des Baumes

By on 11. Oktober 2022

Inanna und Gilgamesh: die Fällung des Baumes

Inanna und Gilgamesh – die Fällung des Baumes (3)

Die nächste Episode der sumerischen Überlieferung berichtet von Inanna und Gilgamesh, der den Baum der jungen Göttin fällt.

Was bisher geschah

Der Baum im Garten der jungen Göttin – von düsteren Wesen besetzt

Die junge Göttin musste erkennen, dass der Baum, den sie selbst aus dem Fluss geholt und in ihren Garten gepflanzt hatte, von finsteren Wesen der Macht besetzt worden war. In den Wurzeln nistete die Schlange, die nicht gezähmt werden kann, im Stamm hatte Lilith, die dunkle Jungfrau, ihre Wohnung genommen. Und in der Krone des Baumes hatte der Löwenadler sein Nest gebaut und bereits Junge ausgebrütet.

[Zurück zu: Inanna, Lilith und der Baum (Episode 2).]

Inanna und Gilgamesh: die Fällung des Baumes

(Originaltext und Zusammenfassungen)

Ein Tag – ein neues Bewusstsein

Als bei Tagesanbruch die Vögel zu singen begannen
[…] rief Inanna ihren Bruder Utu [und bat ihn um Hilfe].
Utu, der strahlende Krieger, Utu,
wollte seiner Schwester Inanna nicht helfen.

Als beim zweiten Tagesanbruch die Vögel zu singen begannen,
gelangte Inanna an ihren Bruder Gilgamesh. […]
Gilgamesh, der tapfere Krieger Gilgamesh,
der Held von Uruk, stand Inanna zur Seite.

Gilgamesh und Inanna: die Fällung des Baumes

Gilgamesh befestigte seine Rüstung von 50 Minas (über 200 kg) auf seiner Brust. Er hob seine Axt aus Bronze, welche sieben Talente und sieben Minas wog (ca. 30 kg) und legte sie auf seine Schulter. So betrat er Inannas Garten.
Er erschlug die Schlange, die nicht bezähmt werden konnte. Der Anzu-Vogel flog mit seinen Jungen in die Berge; Lilith zertrümmerte ihr Haus und entfloh an wilde, unbewohnte Orte.
Dann lockerte Gilgamesh die Wurzeln des Huluppu-Baumes; und die Söhne der Stadt, die ihn begleiteten, schnitten die Zweige ab.

Die Göttin und ihr Heldenkönig: Inanna und Gilgamesh

Aus dem Stamm des Baumes schnitzte er
einen Thron für seine heilige Schwester.
Aus dem Stamm des Baumes schnitzte er ein Bett für Inanna.

Aus den Wurzeln des Baumes gestaltete Inanna
Pukku für ihren Bruder.
Aus der Krone des Baumes gestaltete Inanna
Mikku für Gilgamesh, den Helden von Uruk.

(Noch) kein Happy End

Aber Gilgamesh verlor Pukku und Mikku wieder. Denn sein prahlerischer Gebrauch von „Pukku“ brachte Bitterkeit, Wehklagen und Tränen über die Mütter, Schwestern und jungen Frauen von Uruk. Darum öffnete sich die Erde, sodass Pukku und Mikku an die Unterwelt verloren gingen. [1]

Kurzfassung:

Die junge Göttin will die furchterregenden Wesen, die ihren Baum besetzen, loswerden. Als ihr Bruder ablehnt, ihr zu helfen, bittet sie Gilgamesh um Hilfe. Der junge Held von Uruk betritt ihren Garten und fällt den Baum kurzerhand. Daraufhin macht Inanna ihn zu ihrem König. (Doch er bleibt nicht bei ihr).

Axt für das Fällen von Frauen als Bäume

Deutungen und Erläuterungen

Wer ist Gilgamesh?

Symbole und Deutungen der unterstrichenen Wörter von Inanna und Gilgamesh

Ein neues Bewusstsein: Selbstwirksamkeit

  • Die Vögel singen: Freude und Frühlingsgefühle
  • Tagesanbruch – ein neuer Tag, neue Bewusstwerdung nach der Nacht, der Depression: Die junge Göttin wird aktiv und handelt. Sie sucht Hilfe, und zwar bei Gleichaltrigen, zuerst bei ihrem Bruder Utu.
  • Utu, Inannas Bruder, der Sonnengott – eine positive Animus-Gestalt. Als Inannas Bruder verkörpert er einerseits ihre Familie, andererseits ihre männlichen Anteile, und zuletzt stellt er als Sonnengott auch eine Christus-Gestalt dar („Sterben und Auferstehen“ der Sonne).
  • Utu sagt: Nein! – „Es ist noch nicht Zeit.“ Wohl auch als Verantwortungsträger im Namen der Eltern.
  • Zweiter Tagesanbruch – ein weiterer Schritt der Bewusstwerdung („dann muss ich eben selber …“): „Ich bin erwachsen, ich nehme die Sache in meine eigene Hand …“ – Ob das gut kommt?
  • Gilgamesh, ebenfalls Inannas Bruder genannt, ist genealogisch gesehen ihr Vetter. S. gleich anschliessend im Text zu «Wer ist Gilgamesh?».
  • Uruk – Stadt in Sumer: Inanna war ihre Stadtgottheit. Sie sollte um 2300 zu neuer Grösse gelangen und wurde wohl nicht zuletzt darum ins Zentrum der Mythologie gerückt (dazu auch am Ende von Teil I.)

Gilgamesh und Inanna: die Fällung des Baumes

  • Rüstung von 50 Minas – 50 für die Überwindung der Dynamik der Macht: Die Zahl 50 symbolisiert die Überwindung der vollständigen Negativdynamik der Macht (der Die doppelten Negativdynamik). Um diese zu überwinden, werden Inanna und ihr Gilgamesh noch einen weiten Weg zu gehen haben. Denn vorerst ist Gilgameshs Brust (sein Herz) hinter einem dicken Panzer …
  • Bronzeaxt von sieben Talenten und sieben Minas – zweimal die Sieben: Die Sieben als Zahl der Schöpfung verdoppelt – männlich und weiblich: Jeder Hieb der Axt gestaltet die neue Schöpfung, die Initiation von Tochter und Sohn zu Frau und Mann.
  • Gilgamesh betrat Inannas Garten und fällte den Baum: erster Geschlechtsverkehr (s. dazu ausführlich im Text).
  • Er erschlug die Schlange: Er macht den „alten Bewohnern“ des Baumes den Garaus. Gilgamesh macht kurzen Prozess und ersetzt dabei die alte Macht (der Familie) durch die neue Macht (der Paarbeziehung).
  • Lilith zertrümmerte ihr Haus: Inannas dunkle Seite hat dazu geführt, dass ihr Baum gefällt worden ist. Sie ist selber schuld, sie hätte achtgeben müssen, wem sie sich hingibt (s. Die Frau 3-in-1). Doch nun wird die Sache und damit auch die Mythologie ihren Lauf nehmen.
  • Gilgamesh lockerte die Wurzeln des Baumes – und damit auch Inannas Verankerung in ihrem Körper.

 

Die Göttin und ihr Heldenkönig: Inanna und Gilgamesh

  • Söhne der Stadt, die ihn begleiteten, schnitten Zweige ab: Die jungen Männer tun es ihrem König nach.
  • Aus dem Stamm: Der Stamm für den Bereich der Seele (s. Der Baum des Lebens/Weltenbaum)
  • … bekommt Inanna ihren Thron – Selbstbestimmung im eigenen Leben (dazu mehr unten)
  • … und ihr Bett: sexuelle Selbstbestimmung: sie hat ihren König gewählt (dazu mehr unten).
  • Seine „heilige Schwester“ – vielleicht eine initiierte Priesterin der Göttin der Liebe: als solche möglicherweise die höchste Jungfrau im Land, Tochter des Königs; s. dazu im Gilgamesh-Epos (Aufstieg zum König). Aber «heilig» ist sie für Gilgamesh auch, weil die beiden zusammen Ganzheit (Einheit von männlich und weiblich) darstellen (s. Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich).
  • Pukku aus den Wurzeln – der Stab, „Zepter“, Phallus-Symbol: Die Wurzeln gehören zum Bereich des Körpers. Der Stab ist ein Zeichen der Herrschaft über den weiblichen Körper (zum Guten wie zum Bösen; s. unten).
  • Mikku aus der Krone des Baumes: der Ring oder Reif für den weiblichen Schoss: Der Ring kann mit den Stab penetriert werden, was die andere Seite der geistigen Macht über das Weibliche darstellt (s. unten und Ring, Stab und Hörnerkrone und auch Die Insignien der Macht).
  • Erde öffnete sich, sodass Pukku und Mikku an die Unterwelt verloren gingen: Unbewusstheit. Es tut sich ein Abgrund der Triebhaftigkeit auf, wenn Sexualität nicht im geschützten und legitimen Rahmen stattfindet.
Enkis Sohn (=EnKiDu); Inannas Geliebter, ihr Initiator, künftiger König und suchender Held

1. Inannas Vetter

In der sumerischen Überlieferung ist Gilgamesh Inannas Vetter (gemäss Götter-Stammbaum in Kramer/Wolkenstein [1]).

2. EnKiDu(m) – EnKis Sohn – Sohn des Gottes der Erde

Ebenfalls im erwähnten Stammbaum ist Giglamesh als Enkis Sohn aufgeführt. Symbolisch betrachtet kann dies aber auch bedeuten, dass er als «Kind der Erde» (des Gottes der Erde) ein Wilder ist (denn EnKi, der Gott der Erde, kann auch als schamanischer Naturgott angesehen werden). Im Gilgamesh-Epos wird von der legendären Freundschaft zwischen König Gilgamesh und einem Wilden namens EnKiDu (=Sohn des EnKi) erzählt. Aus der über 1000 Jahre älteren sumerischen Überlieferung wird jedoch bereits klar, dass Gilgamesh selbst Sohn oder Geschöpf des EnKi, also EnKi-Dum, ist.

3. Inannas Initiator durch die Fällung ihres Baumes

Gilgamesh hat Inanna, die Göttin der Liebe und Stadtgottheit von Uruk entjungfert, und sie hat ihn darum zu ihrem König gemacht. Diese Aussage beruht auf Interpretationen der Symbole in diesem Abschnitt, allem voran der Fällung von Inannas Baum, wie anschliessend thematisiert.

4. Stössiger Stier und König von Uruk (Bezeichnung aus dem Gilgamesh-Epos)

Inanna hat Gilgamesh als ihren auserwählten Helden und Geliebten zu ihrem König gemacht und damit zum König der Stadt Uruk.

5. Der legendäre König der ersten schriftlichen Heldensage der Menschen

Das babylonische Gilgamesh-Epos, welches mindestens 1000 Jahre nach der sumerischen Überlieferung entstand, erzählt die Heldensage eines Königs auf der Suche nach dem ewigen Leben.

6. Eine Hommage an Sargon, den ersten Weltherrscher mit göttlichem Status?

Das Gilgamesh-Epos hat wahrscheinlich den ersten Weltherrscher Sargon von Akkad im Blick (um ca. 2300 v. Chr.), der in Babylon bereits göttlichen Status erlangt hatte. Da die sumerische Überlieferung erstmals erst in Babylon niedergeschrieben wurde (ca. 1800 v. Chr.), ist anzunehmen, dass der Name Gilgamesh an dieser Stelle eine spätere, babylonische Hinzufügung ist. In der sumerischen Mythologie heisst der Ehegatte der Göttin ansonsten Dum(u)Zi (= Sohn des Lebens).

7. Der Name «Gilgamesh» von Ki-Gal-Mesh = «Von der Erde in die Unterwelt, um Dienen zu lernen»?

Die Symbolik des Gilgamesh-Epos erzählt den Weg der Umkehr vom bösen zum guten König. Möglicherweise enthält der Name Gilgamesh die Silben Ki/Gi=Erde; Ga(l)=Unterwelt und Mesh/Mash vom Gott Shamash. Dieser Name enthält die Silbe Schah (= Herrscher?) und die Umkehrung (M)-ASH (Diener?). Die Deutung «vom Herrscher zum Diener» passt zum inhaltlichen Kontext, denn Shamash ist im Gilgamesh-Epos als Gott eine Animus-Figur, welche sich vom starken tosenden Trieb als Himmelsstier zur Erlösergestalt wandelt. (Im Gilgamesh-Epos lassen sich viele Namen aufgrund der Silben entschlüsseln, sodass daraus immer wieder überaus erhellenden Aussagen entstehen.)

Die Fällung des Baumes: Inannas Entjungferung durch Gilgamesh

Die Fällung des Baumes ist eine Verschlüsselung und symbolisiert Inannas Entjungferung. Dies wird durch die Symbolik der «Geschenke», die sich Inanna und Gilgamesh machen, bestätigt.

Doch warum das Bild von der Fällung des Baumes?

Nutzbarmachung der Lebensenergie

Ein Baum, der gefällt wird, lebt nicht mehr. Sein Holz wird zu verschiedenen Zwecken wie zum Bau von Gegenständen oder zum Heizen benutzt.
In Analogie zur Beziehung wird beim ersten Geschlechtsverkehr die Jungfrau mit ihrer Wunder wirkenden Kraft reiner Liebe «gefällt». Dadurch wird die Frau «nutzbar» gemacht, indem sie fortan als Quelle des Lebens und der geistigen Lebenskraft dem Partner zur Verfügung steht und ihm so hilft, seine Träume zu verwirklichen.

Grundsätzlich: der Baum als Symbol für das Leben

Der Baum mit Wurzeln, Stamm und Krone für Körper, Seele und Geist

Der junge, schlanke Baum, der aus und auf der «Mutter Erde» gewachsen ist, symbolisiert einerseits das Leben zwischen Himmel und Erde, Geist und Materie, Vater und Mutter, und andererseits handelt es sich hier nun spezifisch um Inannas Leben.

[S. Der Weltenbaum oder Baum des Lebens.]

Das Geheimnis des Lebens im Schoss der Frau

Die Frau 3-in-1

Die Seele,/das Leben der Frau ist in ihrem Schoss, denn hier kann neues Leben/eine neue Seele heranwachsen. Indem eine Frau ihren Geliebten in ihren Schoss, in ihr Heiligtum, einlässt, schenkt sie ihm zusätzlich zu ihren Körper (ihre äussere Hülle), auch ihre Seele (ihren Unterleib) sowie ihren Geist, ihre Liebe (s. Die Frau, 3-in-1 und Geschlechtlicher Magnetismus). Sie verschenkt sich mit anderen Worten mit allem, was sie ist und hat.

Sie hängt nun an ihm. Das bedeutet, selbst wenn er nur ein «Frosch» ist (s. Der Froschkönig), ist er doch ihr Prinz (weil sie sich ihm ganz gegeben hat). Das ist ein Geheimnis, das ausgenutzt werden kann und über die Jahrtausende auch ausgenutzt worden ist, indem Frauen in Abhängigkeit gerieten, unterdrückt und ausgebeutet wurden. Das ist schwarze Magie (s. Aladin und die Wunderlampe).

Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.

Zwei gegensätzliche schöpferische Kräfte

Die Frau als Quelle der Lebenskraft ist ein klassisches Modell, welches in der archetypischen Unterscheidung der Energien Männlich und weiblich als die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung wurzelt. Beide, Mann und Frau, haben jedoch beides, männliche und weibliche Anteile.

[S. Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Die männlichen Anteile der Frau

Eine Frau kann auch sich selbst lieben und ihre eigenen Wünsche realisieren. Dann hat sie aber ihre männlichen Anteile (Strategie, Kreativität) integriert (bereits Ganzheit erlangt (s. Die Integration des Animus).
Die Geschichte von Inanna handelt von eben diesem Weg der Frau und auch der Liebe zu Ganzheit.

[S. Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich; Weibliche Ganzheit 3-in-1: Potenzial, Realität und Schicksal und Der weibliche Weg vom Himmel in die Materie.]

Fazit:

Weil er ihr gefällt, hat er sie gefällt. Sie hat Gefallen an ihm gefunden und ist ihm verfallen.
Somit tritt Inanna, die bis anhin Jungfrau und Göttin des Himmels war, in den nächsten Lebensabschnitt über als initiierte Frau und Mutterschaft (Fülle). 

Die «Geschenke», der Gewinn für Inanna und Gilgamesh

Die Symbolik der «Geschenke» als Schlüssel zur Deutung

Die Deutung der Fällung des Baumes als der erste Geschlechtsverkehr (Initiation) wird durch die Gegenstände, mit welchen sich das Paar gegenseitig beschenkt, bestätigt.
So hat Gilgamesh für Inanna den lange ersehnten Thron und das Bett aus dem Stamm des Baumes hergestellt, während sie für ihn PUKKU und MIKKU aus den Wurzeln und aus der Krone gestaltet hat.

Thron und Bett für Inanna: Selbstbestimmung im Leben und in der Sexualität

Der Hochzeitsthron für den Empfang des Geliebten

Gilgamesh fertigt für Inanna aus dem Stamm des Baumes, der für das Leben und die Seele steht, Thron und Bett an. Sie stehen für Selbstbestimmung im Leben (Thron) und in der Sexualität (Bett), das heisst für bewusstes, eigenverantwortliches und damit «göttliches» Handeln.
Beim Thron könnte es sich auch spezifischer um einen Hochzeitsthron handeln, auf welchem die junge Göttin ihren Geliebten und auserwählten Heldenkönig empfängt.

Pukku und Mikku für Gilgamesh: Ring und Stab für den Eingang ins Weibliche

Vollmacht zur Penetration

Gilgamesh erhält PUKKU und MIKKU,  das bedeutet Ring und Stab, als Zeichen der «Königswürde». Sie symbolisieren den Phallus (Stab), der in den weiblichen Schoss (Ring) eingeht und so neue Realität initiiert (durch Ausgiessung des Samens, des Wortes, der In-Formation).

[S. Ring, Stab und Hörnerkrone.]

Pukku aus den Wurzeln: Stab oder „Zepter“ als Phallus-Symbol

Die Wurzeln gehören zum Bereich des Körpers. Der Stab ist ein Zeichen der Herrschaft über den weiblichen Körper (zum Guten wie zum Bösen). Über Gilgamesh sagt die Überlieferung, dass er mit „Pukku“ viel Leid über die Frauen von Uruk brachte. (Durch das „Recht der ersten Nacht; dazu ausführlich im Gilgamesh-Epos, Prolog).

Mikku aus der Krone des Baumes: der Ring oder Reif für den weiblichen Schoss

Ein Ring kann symbolisch mit einem Stab penetriert werden. Der Ring oder Reif stellt die andere Seite der geistigen Macht über das Weibliche dar (s. Ring, Stab und Hörnerkrone und auch Die Insignien der Macht).

Pukku und Mukku in der Unterwelt verloren

Die Überlieferung sagt, dass die Erde sich öffnete und Pukku und Mikku an die Unterwelt verloren gingen. Dies ist ein Bild dafür, dass die Sexualität in den Bereich des Unbewussten, das heisst der Schatten und der Triebe geraten ist.

Königsherrschaft im eigenen Leben

Mit diesem Akt der geschlechtlichen Initiation nehmen Inanna und Gilgamesh («göttliche») Selbstbestimmung im Leben wahr und treten sie in die Welt der Erwachsenen ein.

Königspaar mit Zweig (Stele von Ur-Nammu)

Dazu dieses Bild: König und Königin, Stele von Ur- Nammu

Die Abbildung oben zeigt ein sitzendes Königspaar vor einer Vase mit abgeschnittenen Zweigen. Der Mann als König hält Ring und Stab mit dem Band in seiner Hand. Diese sind durch ein Band verbunden (das lose herabhängt) als Zeichen einer verbindlichen Vereinigung.

Die Hörnerkrone für die Fülle des Lebens

Das Paar in der Abbildung oben trägt die Hörnerkrone. Als Zeichen dafür, dass dass Mann und Frau / König und Königin initiiert sind, symbolisiert sie wahrscheinlich ein Füllhorn im Zusammenhang mit der die Fruchtbarkeit des Lebens.
Im nächsten Abschnitt wird sich Inanna eben diese Hörnerkrone aufsetzen, die Schugurra und auch ihre wunderwirkende Vulva bejubeln.
In der Übersetzung des Gilgamesh-Epos wird die Bezeichnung «Königsmütze» verwendet.

Später diente ein Ring oder Reif auf dem Haupt des auserwählten Herrschers als Zeichen seiner Auserwählung und Vollmacht.

Der Eingang ins gemeinsame Heiligtum und die Salbung

Pukku und Mikku für den Eintritt ins weibliche Heiligtum

Pukku aus den Wurzeln («Mutter») und Mikku aus der Krone («Vater») des Baumes stehen für die Vollmacht, ins weibliche, die Materie einzugehen. Dabei ist die Einheit von männlich und weiblich, die Vereinigung im Schoss der Frau, das gemeinsame Heiligtum. Es darf nicht verunehrt werden, denn es ist die Quelle des Lebens und neuer lebendiger Realität (s. z.B. im Märchen Der Eisenhans und der Goldbrunnen.)

[S. Die Salbung – Vollmacht über die Materie und Das Heiligtum und der Weg zu Ganzheit.]

Der Herrscher selbst als das gesalbte Glied

Später wurde der Ring oder Reif auf das Haupt des auserwählten Herrschers gelegt, der in diesem Fall selbst das «gesalbte Glied» (den Stab), von welchem der Same (des Wortes) ausgeht, darstellt.
So war die geistige Vollmacht des Königs, das Volk und damit das grosse Weibliche zu regieren, stets auch von symbolhaften Zeichen seiner Autorität begleitet.  

[ S. Ring, Stab und Hörnerkrone und Reichsapfel, Zepter und Krone als Insignien der Macht].]

Die Salbung und der Anti-Gesalbte, der Unterdrücker

Immer wieder haben sich Herrscher aber auch der Liebe der Frau oder des ganzen Volkes bemächtigt, indem sie mit Gewalt ihren Willen durchsetzten, ohne auf die «Salbung» zu achten. Indem sie sich auf diese Weise des Weiblichen bemächtigten, handelten sie als Vergewaltiger und im Geist des Anti-Gesalbten, des «Antichristus».

[ S. Christus / Messias, der Gesalbte und der Anti-Christus.]

Gilgamesh und Inanna – ein göttliches Königspaar

Diese Symbole sprechen eine klare Sprache und besagen, dass die beiden miteinander geschlafen haben. So hat Inanna Gilgamesh zum König über ihr verborgenes Reich gemacht. Denn durch den Akt der geschlechtlichen Vereinigung hat er ihren Körper und die wunderwirkende Kraft ihrer Liebe gewonnen. Somit ist Gilgamesh also nun Inannas auserwählter Heldenkönig und sie ist seine Göttin. 

Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und PotenzialDie Frau als Göttin und der Mann als ihr Heldenkönig und Die Frau 3-in-1: Körper/Seele/Geist.)

Aber … Was ist passiert? – Sex ohne Billigung der Familie

Schutz der Frau durch Verbindlichkeit?

Die ganze Hingabe der Frau – und der Mann?

Weil die Frau sich beim Geschlechtsverkehr ganz verschenkt, mit Körper, Seele und Geist (Liebe; s. oben und Die Frau 3-in-1), ist es wichtig, dass dies in geschütztem Rahmen geschieht, damit der Mann nicht einfach nehmen, konsumieren und sich wieder davonschleichen kann.

Somit ist die Frage:

War dieses «Land» (Inanna als wunderbare Frau mit ihrem Körper) Gilgamesh als ihrem künftigen König wirklich versprochen? Geschah denn die Vereinigung der beiden auch mit dem Einverständnis der Familie und im Rahmen höherer Ordnungen?

Das Nein des grossen Bruders und die höhere Ordnung

Utu, der Sonnengott

Dass die Vereinigung nicht legitim und abgesegnet war, kommt im «Nein» des grossen Bruders, Utu, der auch die Familie repräsentiert, zum Ausdruck.
Utu ist zudem in der sumerischen Mythologie der Sonnengott und stellt damit eine Christus-Figur dar (die Sonne, die am Abend «stirbt» und am Morgen wieder «aufsteht»). Darum ist anzunehmen, dass er mit dem Gebot auch höhere Ordnungen und das Wohl der kleinen Schwester im Blick hat.

ABER:
Die Überlieferung deutet es hier schon an, was später ausgeführt wird:
Es war kein gesicherter Rahmen für die geschlechtliche Vereinigung vorhanden …

Gilgamesh und die Erschaffung einer Tat-Sache

Während der grosse Bruder also «Nein!» sagte, liess sich der andere «Bruder», Gilgamesh, nicht lange bitten. Kurzerhand betrat er Inannas Garten und fällte ihren Baum.
Es läuft darauf hinaus, dass Gilgamesh, der Sohn des EnKi (= EnKiDu), eben doch ein «Wilder» war, der nichts zu verlieren hatte und darum auch ohne Rücksicht zupackte.

[S. Der Garten Eden, das Paradies: in Sumer! und Inannas Baum im Garten Eden (1)

Das babylonische Gilgamesh-Epos: Erschaffung der kollektiven Tatsache der Macht

Unterwerfung des grossen Weiblichen, der lebendigen Materie

Entsprechend weitet das spätere Gilgamesh-Epos die «Heldentaten» des Königs auch in einem kollektiven Sinn aus. Die neue Botschaft ist diese: Der Mann, der vor nichts zurückschreckt, sich gegen höhere Ordnungen, Vater und Mutter (für die Liebe und das Schicksal) auflehnt, bezwingt selbst der Himmel. (Doch das ist nur die oberflächliche Seite der Wahrheit. Die tieferen Schichten bezeugen, dass das Schicksal stärker ist und die Gerechtigkeit das letzte Wort hat. Doch die Liebe beinhaltet Gnade und gewährt eine neue Chance).

[S. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos.]

Burney Relief (die Königin der Nacht, bearbeitet)

Lilith oder die Königin der Nacht: Macht durch Erotik

Im Burney Relief hält eine nackte Frau Ring und Stab hoch (im Gegensatz zur obigen Darstellung der Stele von Ur-Nammu). Sie lockt mit der Aussicht auf Geschlechtsverkehr und übt auf diese Weise Macht durch Erotik aus. Dies hat ihr den Namen «Königin der Nacht» eingebracht für Lilith, die dunkle Jungfrau Lilith.

Lilith und der Rausch der Erotik

Die Überlieferung betont jedoch in diesem Zusammenhang:

Der Baum wurde (vorzeitig) gefällt, weil er von fremden Wesen der Macht «besetzt» war.

Im Rausch ihrer erotischen Macht ist Inanna mit Lilith, der dunklen Jungfrau, identifiziert, die ihren Lebensbaum beschlagnahmt hat. (S. nächste Episode Inanna und der Rausch des Vaters; Episode 4.)

Oder anders formuliert: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ...

Das Schicksal wiederholt sich

So hat sich das unerwünschte Schicksal nun in ihrem Leben wiederholt. Nach dem Motto: «Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm» widerfährt ihr dasselbe wie ihren Vorfahren, ihrer Mutter oder Grossmutter und den Frauen: Sie verstrickt sich in einer Dynamik der Macht, sodass Frustration nicht ausbleiben wird.

[S. Frauen als Bäume und ihre FällungIch bin Lilith, die dunkle Jungfrau und Der vergiftete Apfel – Missbrauch als kollektive Realität.]

Erotik, Trieb und Macht als belastende Faktoren und "Erbsünde"

Inannas Baum im Griff der Macht

Im Stamm hatte Lilith, die dunkle Jungfrau, ihre Wohnung genommen (Macht durch Erotik). Und in den Wurzeln hatte sich die Schlange, die nicht gezähmt werden kann, eingenistet (der Trieb). Über allem, in der Krone des Baumes, hatte der Löwenadler sein Nest gebaut (s. Inanna, Lilith, der Baum und die Macht, Episode 2).

Diese Wesen symbolisieren alle Macht durch Raub und Gewalt und stellen damit bildhaft Belastungen in Form von Prägungen und Erbanlagen dar, welche über die Eltern auf die Tochter übergegangen sind (s. Die grosse Erbsünde und der Fluch).

Veranlagungen und die Integration des Schattens

Die Wesen der Macht gehören zum Unbewussten (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste und Der Trieb). Das bedeutet, dass sie, solange sie nicht erkannt und integriert sind, mit destruktiver Energie dem Schatten wirken.

Die Integration des Schattens ist eine reife Leistung, welche eigentlich erst in der Mitte des Lebens ansteht (s. Wie integriere ich konkret meine Schatten?). Inanna wird diesen Weg dann auch erst in den mittleren Jahren, als ihre Kinder erwachsen sind, antreten (s. Inannas Weg durch die Unterwelt). Zunächst muss sie sehen, ob mit Gilgamesh überhaupt eine Beziehung entstehen wird.

Lilith als Adams erste Frau und Inanna als Eva

Indem Inanna sich von dem jungen Mann zu Geschlechtsverkehr überreden liess, ohne dass für die Beziehung ein schützender Rahmen gegeben war, ist sie auch das geistige Modell für die spätere biblische Eva. Interessanterweise war Lilith gemäss der jüdischen Überlieferung Adams erste Frau. Sie symbolisiert auch dessen Anima (das innere Bild von der Frau als Verführerin). Die Konsequenz ist fatal: Auf diese Rolle reduziert ist die Liebe in Gefahr zu sterben. Das ist der Fluch der Macht.

 [S. Ich bin Lilith, die dunkle Jungfrau (freier Text); Der Sündenfall-Bericht der Bibel und das Geheimnis der Schlange; Die beiden Bäume im Paradies und die verbotene Frucht und Die grosse Erbsünde und der Fluch.]

Inanna hat die Wesen der Macht zwar wahrgenommen. Aber statt sich mit diesen Schattengestalten auseinanderzusetzen und sie zu überwinden, lehnt sie sie ab, kämpft dagegen an und wird gerade darum von ihrem eigenen Schatten eingeholt. Das ist der Fluch.

Inanna und Gilgamesh als moderne Erzählung 

Anna und Gil

In letzter Zeit träume ich viel. Einer der Träume war so:

Der grosse Bruder

Da war eine Schlange, die sich neben meinem Bett aufgerichtet hatte und mich anspie. Ich stand auf, ging zu meinem Bruder Udo und sagte:
– Ich habe eine Schlange in meinem Zimmer – hilf mir! Mach sie weg!

Udo ging nach oben und kam mit einem Blumentopf zurück. In der Erde war die Schlange, sie war jetzt ganz klein und verschlafen … seltsam …

Zurück im Garten

Und in der nächsten Nacht war ich im Traum wieder in jenem Garten mit dem Baum und den schrecklichen Wesen:

Da war auch wieder die Frau, die durch den Garten ging. Doch nun war ein grosser starken Mann, ein richtiger Held in einer glänzenden Rüstung, an ihrer Seite. Muskulös und wild sah er aus, mit schulterlangem Haar.

Hilfe durch den starken Helden: die Fällung des Baumes

Er war offensichtlich ein Krieger, denn er trug eine starke, glänzende Rüstung und eine gewaltige Axt auf der Schulter.
Ohne zu zögern, ging er geradewegs auf den Baum zu und dann … Schlag auf Schlag … hieb er auf den Baum ein. Der Baum wankte.
Lilith, die Frau mit den grünen Augen im Stamm, schaute entsetzt hervor und zischte die Frau an:
 Das hast du selber zu verantworten!

Wütend schlug sie um sich und zertrümmerte ihr Haus, bevor sie sich aus dem Staub machte.
Auch der Löwenadler kreischte laut. Er zog noch ein paar Kreise in der Luft, sammelte seine plumpen, flatternden Jungen und war weg.

Wumm! Der Baum fiel!

Aus den Wurzeln schaute nun die Schlange hervor. Sie war riesengross und ihre Augen … Wieder wurde mir beinahe schlecht, als ich in die Schlitze ihrer giftgrünen Augen blickte. Ich dachte: Jetzt lässt der Krieger die Axt bestimmt fallen … Das tat er auch: Er liess seine schwere Axt fallen … ein Donnerschlag! – auf den Kopf der Schlange! Der Kopf des Monstrums war ab! Dann lockerte der Held mit seiner Axt die Wurzeln des Baumes und es kamen weitere junge Männer dazu, welche ebenfalls Äste abschnitten.

Hochzeit

Als Nächstes sah ich die Frau in einem hellen, schimmernden Kleid auf einem Stuhl sitzen oder besser auf einer Art Thron aus schwarzem, glänzenden Holz. Er war erhöht mit mächtigen Armstützen. Der Held stand vor ihr in einem purpurroten Umhang. Sie hob ihre Arme und reichte ihm feierlich einen geflochtenen Reif aus den Ästen und einen geschwungenen Stab aus den Wurzeln. Stab und Ring waren durch ein rot-blaues Band verbunden. Dann kniete sie vor dem Helden nieder…
Daneben stand ein Bett – ebenfalls aus demselben schwarzen, glänzenden Holz.

Es war eine besondere … eine heilige Stimmung. 

***

Der grosse Bruder

Ich erwachte und fühlte mich noch immer wie berauscht durch den Traum.

Später, am Nachmittag, erhielt ich ein Telefon von Gil. Seit der Party hatten wir begonnen, uns zu treffen.
Das war meinem Bruder Udo nicht entgangen. Er kam in mein Zimmer um, wie er sagte, unter vier Augen mit mir zu sprechen:
– Mir ist aufgefallen, dass du mit diesem Gil Kontakt hast. Man hat dich mit ihm gesehen. Du triffst ihn ein bisschen viel – zu viel … für meinen Geschmack! – Irgendwie traue ich dem Kerl nicht …

Da wurde ich sauer auf ihn:
– Schnüffelst du jetzt hinter mir her?! Weisst du was?! Deine Meinung interessiert mich nicht! Hat Mama dich als Kindermädchen auf mich angesetzt, oder was? Und überhaupt: Wie kannst du so etwas sagen?! Du kennst Gil doch gar nicht!

Noch bevor er antworten konnte, fuhr ich ihn an:
– Und überhaupt: ICH KANN SEHR GUT AUF MICH SELBER AUFPASSEN! Schau du für dich selbst und deine Angelegenheiten.

Damit verliess ich das Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu.

Der starke Held

Wenige Tage später hatte Gil mich zu sich nach Hause eingeladen. Zuerst servierte er uns einen Prosecco. Ich war beeindruckt von seiner schönen Wohnung mit Blick über die Stadt und war vor allem auch beeindruckt von ihm! Er war so charmant und zuvorkommend. Zudem hatte er himmlisch für mich gekocht, einen guten Wein aufgemacht. Wir assen, lachten, unterhielten uns gut.

Mit ihm konnte ich über alles reden, was mich beschäftigte:
– Mama nervt. Ich glaube, sie ist frustriert und muss ihren Frust immer an mir rauslassen. Und sie will unbedingt immer die Schönste sein – und auch sexy. Ein bisschen peinlich finde ich schon, dass sie in ihrem Alter noch Ambitionen hat, wie es scheint.
Sie hat jetzt auch einen neuen Freund, der nervt mich. Er versucht ständig, mich zu begrapschen. Zum Glück ist er nicht so viel bei uns. – Aber dass er wirklich so hart arbeitet… das glaube ich irgendwie nicht. Ich möchte gar nicht wissen, womit er sich sonst noch die Zeit vertreibt! – Meinen Vater habe ich nie gekannt. Mama sagt, er sei bei einer Bergwanderung ums Leben gekommen. Das sei schon lange her, sagt sie jeweils und wechselt das Thema.
Deshalb meint Udo wohl, er müsse Vater-Ersatz spielen. Er ist ganz Mamas Liebling. Bei ihm lässt sie alles durch, ihm traut sie alles zu!

Gil hatte seine honigbraunen Augen auf mich geheftet, hörte interessiert zu und nickte bestätigend. Ich hatte das Gefühl, dass er mich versteht.

Die Fällung des Baumes

Nach dem Essen war ich schon ziemlich beschwipst, da tischte er noch einen Whisky auf. Wir sassen auf dem Sofa, assen dazu Schokolade und hörten Musik … Gil kam immer näher. Er legte seinen Arm um mich, küsste mich – berauschend. Schon lag seine Hand auf meinem Schenkel. Mir wurde schwindlig.
– Du bist einfach umwerfend!, hauchte er in mein Ohr: Noch nie habe ich eine Frau wie dich getroffen! Du bist eine Göttin! Weisst du das eigentlich?!

Im Rausch der Magie

Mein Körper sprach auf ihn an, es war wie ein Feuer, es war Magie! Er begann, sich an meiner Bluse zu schaffen zu machen … und dann … mit geschickten Händen … immer weiter … Er war nicht zu bremsen! Ich versuchte zaghaft, mich zu wehren, aber er sagte mit heiserer Stimme:
– Komm schon! Stell dich nicht so an. Du willst es doch auch … bist doch eine richtige Frau … und was für eine! Du bringst mich um den Verstand!

Dann drang er in mich ein … Und plötzlich war alles vorbei. Er half mir wieder in meine Kleider:
– Ich bringe dich jetzt nach Hause!, sagte er rasch: Es ist schon spät.

Der Kater nach dem Rausch

 Tatsächlich! Es war schon fast zwölf Uhr! Udo war noch auf. Er schien verärgert:
– So spät?? Wo bist du gewesen?! –
– Das geht dich nichts an!, fauchte ich ihn an und verschwand in meinem Zimmer.

Als ich am nächsten Tag Gil anrief, erreichte ich ihn nicht. Am Tag darauf hatte ich ihn dann endlich dran. Er schien weit weg, druckste rum und meinte, er sei zurzeit völlig im Stress, – geschäftlich, wie er betonte.
Ich war schockiert, denn er war wie umgekehrt, kurz angebunden und abwesend, um nicht zu sagen abweisend. Schnell beendete er das Gespräche mit der Bemerkung, er habe jetzt keine Zeit zum Reden. Ich war perplex.

Auch auf meine SMS antwortete er nur knapp: Er würde sich melden, sobald er wieder mehr Luft habe. – Was soll denn das bedeuten?!
Ich war zutiefst verunsichert. Sollte ich mich melden? Tage verstrichen, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Ich war wütend und immer mehr enttäuscht!

Verrat!

Nach ein paar Wochen sprach Udo mich wieder an:
– Na, wie geht’s so mit Gil??, wollte er wissen.

Ohne meine Antwort abzuwarten, fuhr er fort:
– Ich hörte ihn neulich mit seinen Frauengeschichten prahlen, da fiel auch dein Name …

Er blickte mich forschend an. Ich wurde rot und zischte ihn an:
– Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten! Er hob die Augenbrauen:
– Ach soo ist das … Tja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!, sagte er nur und zuckte die Schultern.
Wie soll ich denn das nun wieder verstehen? Sollte das eine Anspielung auf Mama sein?? Ihre Beziehungen zu Männern …?  – Ich bin sicher nicht wie SIE!

Wenig später traf ich Gil zufällig am Abend im Ausgang – mit einer anderen! Ich packte ihn und stellte ihn zur Rede. Zuerst drückte er sich rum:
– Aach, sie ist nur eine Kollegin … Doch dann fügte er hinzu: – Aber wenn wir gerade dabei sind … Hör mal! Wir hatten es wirklich cool zusammen … Aber ich habe keinen Bock auf eine feste Beziehung!

Enttäuschung

Es war, als würde mir der Boden unter den Füssen weggezogen.
Ich bin enttäuscht! Gil hat mich so etwas von enttäuscht!!!

Er macht nun voll auf Macho. Die Frauen fahren total auf ihn ab, das hat er wohl gemerkt, ja, sie vergöttern ihn! – Sie werfen sich ihm buchstäblich vor die Füsse. Da kann er natürlich nicht widerstehen …

Aber ich fühle mich Scheisse… ich fühle mich betrogen, ja, verarscht! So ein Feigling! So ein unreifer Holzkopf und rücksichtsloser Egoist!!! Es ist überhaupt nicht ok, wie er mit mir umgesprungen ist!

Späte Einsicht

Aber ich bin selber Schuld! Hätte ich doch auf Udo gehört!

Was soll ich denn nun tun?? – Ich muss mit jemandem sprechen, mit jemandem, der mir helfen kann, der Gil vielleicht auch den Kopf zurechtrücken kann …

Da fällt mir Enrico, Mamas Bruder, ein. Er arbeitet als Therapeut, glaube ich. – Und er ist Gils Patenonkel, wenn ich nicht irre. Ich will mit ihm Kontakt aufnehmen.

Kampf für die Liebe

Eine Chance für die Beziehung?

Was Inanna dabei nicht berücksichtig hatte, war, dass sie mit diesem Akt ihr Leben und ihre ganze Existenz aufs Spiel setzte!
Die Beziehung steht auf wackligem Boden steht, das wird aufgrund der weiteren Geschichte klar. So erweist sich Gilgamesh zunächst als schlechter «König», indem er nicht bei ihr bleibt.

Aber: Grund zur Hoffnung

Es gibt aber dennoch Grund zur Hoffnung. Denn Inanna ist eine Göttin! Das bedeutet, sie ist eine starke und selbstwirksame Frau, welche nicht lange in der Opferrolle verharren wird, sondern zu bewusstem Handeln aufsteht.

Im weiteren Verlauf der Mythologie wird nun das Geschehene aufgearbeitet und nach einem Weg für die  junge Göttin und ihre Liebe gesucht.

Weiter geht es mit:

Inanna und der Gott der Weisheit

Nachweise:

[1] Diane Wolkenstein in Wolkenstein-Kramer, S. 143, mit Verweis auf die gesamte Geschichte des Huluppu-Baums von S.N. Kramer in „The Sumerians: Their History, Culture an Character“, University of Chicago Press 1963, pp. 199 – 205


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