Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Der Friedensnobelpreis, Alfred Nobel und der Zürichsee

Alfred Nobel und Bertha von Suttner (Prospekt zu einer Ausstellung im Zürcher Stadthaus 2015)

By on 10. Dezember 2020

Nobelpreisverleihung 2020

Pioniere und Helden mit einer Vision 

Am 10. Dezember 2020 wurde in Stockholm der Nobelpreis verliehen und in Oslo der Friedensnobelpreis.

Dieser Artikel, geschrieben von meiner Mutter, Eva Langenskiöld-Nobel (85), handelt von zwei berühmten Persönlichkeiten, die in Zürich, der Wahlheimat meiner Mutter, eine inspirierende Begegnung hatten.
Sie beide setzten ihr Leben und ihre Ressourcen zum Wohl anderer ein und waren damit Helden und Pioniere für eine bessere Welt: Alfred Nobel und Bertha von Suttner

Alfred Nobel und Bertha von Suttner (Prospekt zu einer Ausstellung im Zürcher Stadthaus 2015)

Alfred Nobel, Zürich und der Friedensnobelpreis

Wie kann man mit Geld echten Frieden stiften?

Was ist der Zusammenhang zwischen Zürich und Alfred Nobel?

Der Friedensnobelpreis 2020

Alfred Nobel gründete mit seinem Vermögen, das er mit der Erfindung des Dynamits errungen hatte, die Nobelpreisstiftung. Dieses Jahr geht der Friedenspreis an die World Feed Providence of United Nations, eine Institution, die Hilfe an hungernde Völker in der ganzen Welt leistet.

Familie Nobel in Russland

Chemiefabrik in St. Petersburg

Alfred Bernhard Nobel, geb. in Stockholm 21. Oktober 1833, war der jüngste von drei Brüdern. Sein Vater war ein genialer Erfinder, aber er hatte Pech und machte grosse Schulden. Er verliess seine Familie in Stockholm und fuhr nach St. Petersburg in Russland. Dort konnte er eine Fabrik aufbauen und endlich seine Schulden bezahlen. Nach einigen schwierigen Jahren wurde die Familie in Russland wieder vereint.

In St. Petersburg ging es der Familie gut. Die Söhne mussten früh in Vaters Waffenfabrik helfen. Ein schwedischer Lehrer wurde beigezogen, um sie in Schwedisch und Allgemeinwissen zu unterrichten, ein russischer Chemiker, um sie in die Arbeit in der Fabrik einzuführen.

Alfred Nobel

Alfred Nobel war eher ein schwermütiger und zurückgezogener Mensch. Von Geburt war er kränklich und schwach, aber mit einem grossen Wissensdrang. Er las auch gerne Poesie, und weil er sie in der Originalsprache geniessen wollte, lernte er auch Französisch, Deutsch und Englisch.

Das Dynamit-Vermögen

Seine Erfindung, das Dynamit, machte Alfred sehr vermögend. Überall auf der Welt wurden Fabriken für Dynamit angelegt. Er reiste viel. Oft war die Reise an sich die einzige Erholung, die er sich gönnte.

Mit 60 Jahren fing Alfred Nobel an, sich Gedanken zu machen, was mit seinem Vermögen passieren sollte. Er war nie verheiratet und hatte keine Nachkommen.
Zudem war er auch der Überzeugung, dass es für junge Leute nicht gut ist, grosse Vermögen zu erben:

Vererbte grosse Vermögen erachte ich für ein Unglück, denn sie wirken lähmend. Angesammelte grosse Habe muss an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen. [1]

Bertha von Suttner, Pionierin der Friedensbewegung

Eine Ausfahrt auf dem Zürichsee

Im Sommer 1892 traf Alfred sich in Zürich mit der Friedenspionierin Bertha von Suttner. Sie kannten sich von früher, da Bertha von Suttner in jungen Jahren seine Sekretärin gewesen war. Sie war Österreicherin, und der damalige Krimkrieg und der Bürgerkrieg in Nordamerika hatten sie sehr bewegt.
Die beiden trafen sich und machten zusammen eine Ausfahrt auf dem Zürichsee.

Bertha von Suttner erzählt in ihren Lebenserinnerungen:

Wir sassen zurückgelehnt in bequemen Bordstühlen mit weichen Plaids bedeckt, liessen das Zauberpanorama an uns vorbeigleiten und sprachen über tausend Dinge zwischen Himmel und Erde.

Stiftung des Nobelpreises

Am 10. Dezember 1896 starb Alfred Nobel in San Remo. Er hatte die Idee, eine Stiftung zu gründen, um jedes Jahr aus dem Ertrag des Vermögens die weltweit besten Leistungen in Physik/Chemie und Medizin zu honorieren, ebenso wie hervorragende Errungenschaften in Literatur und Friedensbemühungen. Diese Idee stiess bei der schwedischen Regierung und beim König auf Unverständnis und Zweifel.

Fünf Jahre nach seinem Todestag, am 10. Dezember 1901, wurden die ersten Nobelpreise vergeben. 

Friedensnobelpreis für Bertha von Suttner

1905 ging der Friedensnobelpreis an Bertha von Suttner für ihren unermüdlichen Einsatz für Frieden und Menschlichkeit. Berühmt war ihre Aussage:

Darum ist es nothwendig, daß überall dort, wo Friedensanhänger existieren, dieselben auch öffentlich als solche sich bekennen und nach Maßstab ihrer Kräfte an dem Werke mitwirken.

Der Friedensnobelpreis in Oslo

Der schwedische Friedensnobelpreis wird noch heute in Oslo, Norwegen überreicht. Der Grund dafür ist, dass Schweden und Norwegen damals eine Zeit in einer Union waren, welche kurz darauf ohne kriegerische Handlungen aufgelöst wurde.

Die Norweger behielten die schwierige Aufgabe, alle Jahre jemanden zu finden, der einen Friedenspreis verdient. Dieses Jahr ist es den Norwegern gelungen, denke ich. In Antwort auf meine Frage am Anfang des Artikels («Wie kann man mit Geld echten Frieden stiften?») gilt es festzustellen, dass es nur dann wahren Frieden geben wird, wenn Menschen nicht hungern müssen und in Sicherheit leben können.

Eva Langenskiöld-Nobel

Nobelpreisträger der Universität Zürich:

Nobelpreisträger der Universtität Zürich

Nachweise:

[i] Alfred Nobel, 1892, laut Bertha von Suttners «Lebenserinnerungen».


Kommentare

  1. Liebe Anne
    es ist ein riesen Geschenk nicht hungern zu müssen in geborgenheit mit lieben Menschen ein Dach über dem Kopf zu haben.
    Ps: bei uns arbeitet eine Frau Nobel 🙂

    1. Vielen Dank, Adrienne, für deine Rückmeldung. Stimmt, wir leben in einem Land, in welchem wir in so vieler Hinsicht sehr privilegiert sind. Den Namen des Nobelpreisstifters betont man übrigens auf der zweiten Silbe (also: «Nobell», in Unterscheidung zu «Nobel», wie das Synonym für edel oder vornehm).

  2. Liebe Anne. Mit grossem Gefallen habe ich den Text deiner Mutter betreffend Alfred Nobel und Nobelpreis gelesen. Sicher hat auch deine Mutter eine aussergewöhnliche Familiengeschichte. Wie wäre es schön, es gäbe ein Buch darüber. Stammt deine Familie von Robert ab? Falls ja, wäre das der Urgrossvater deiner Mutter?

    1. Vielen Dank, Ruth. Meine Mutter hat eine kleine Familienchronik geschrieben. Ihr Urgrossvater war der andere Bruder von Alfred, Ludwig Nobel.

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