Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Stele von Ur-Nammu: Königsherrschaft

Königspaar

By on 27. März 2020

Stele von Ur-Nammu. Ur, Mesopotamien, Dritte Dynastie von Ur, um 2000 v.Chr. Philadelphia, University Museum, Photo: André Parrot, pls 282-283 aus Kramer-Wolkenstein [1].

Königspaar mit Zweig, Stele von Ur-Nammu

Die Stele von Ur-Nammu zeigt ein Königspaar mit Krone, Ring, Stab und dem Zweig eines Baumes. Dazu im Folgenden eine Deutung mit Kommentar.

Königsherrschaft durch Vereinigung

Die Hörnerkrone als die Krone der Steppe, Ring, Stab und der Zweig eines gefällten Baumes – alle diese Elemente des Reliefs der Stele von Ur-Nammu sind Symbole für den vollzogenen Geschlechtsverkehr (s. Insignien der Königsherrschaft oder Macht). Auch die Königsherrschaft in sich enthält diese Bedeutung: Die Frau hat ihren Geliebten zu ihrem «König» gemacht, indem sie sich ihm hingegeben hat. Sie ist seine Königin und sein «Reich», das er erobert hat.

Zu den Symbolen des Reliefs der Stele von Ur-Nammu im Einzelnen:

Die Krone

Die «Königsmütze» oder Hörnerkrone ist das Zeichen, dass die beiden als Paar initiiert sind, das heisst, dass sie den ersten Geschlechtsverkehr vollzogen haben.
Durch die eingegangene Verbindung ist sie nun seine Göttin der Liebe und ihr Körper «sein versprochenes Land» (s. Die Frau als Göttin und der Mann als ihr Heldenkönig).

Shugurra 

In der sumerischen Überlieferung setzt sich Inanna, die Göttin der Liebe, nach vollzogenem Geschlechtsverkehr SHUGURRA auf. Diese wird von Kramer als die «Krone der Steppe» übersetzt. Sie bedeutet, dass Inanna als «Königin der Erde», nämlich als initiierte Frau, ihren eigenen Körper eingenommen hat. (Die Erde ist das Symbol für den weiblichen Körper, s. Die vier Elemente. Zur Übersetzung des Wortes ShuGurRa: Die sumerische Silbe Gu/Ku/Kur bedeutet Erde/Land, s. Die sumerische Sprache).

Königsmütze oder Hörnerkrone

In der babylonischen Überlieferung setzt Gilgamesh bei seiner Begegnung mit Ishtar, der Göttin der Liebe, die KÖNIGSMÜTZE auf, lehnt sie dann aber ab. Die Krone wird auch als Hörnerkrone bezeichnet. Die Hornstruktur diente möglicherweise in bildhaften Darstellungen zur Auszeichnung der Figuren als Gottheiten [2].

Macht des Weiblichen oder über das Weibliche

Hörner symbolisieren die Macht und Kraft des Weiblichen (Frauen und im übertragenen Sinn das Volk, Land). Gebärmutter und Eileiter haben die Form eines Tierkopfes mit Hörnern. So erscheint auch der Stier immer wieder im Zusammenhang mit dem Weiblichen, zum Beispiel der Himmelsstier in der Hand der Göttin Ishtar im Gilgamesh-Epos; s. Der Stier als weibliches Symbol.

Hörner als Zeichen der Macht aus dem Unbewussten

In den Disney-Verfilmungen Maleficent, wird die 13. Fee mit einer anderen Art Hörnerkrone dargestellt. Sie steht in Verbindung mit der «dunklen Seite», nämlich mit den Kräften des Unbewussten («weiblich»). So wurde auch Mose als mächtiger Führer des Volkes von Michelangelo mit Hörnern dargestellt. Die lebendige Materie und damit das Volk und das Land gehören zum Unbewussten, welches die Instruktionen des Bewusstseins (Herrschers) aufnimmt und umsetzt. Letztlich ist auch der Teufel mit seinen Hörnern ein Bild für den Antrieb in der Materie und im Unbewussten (wenn auch für den negativen Antrieb; s. Der Animus und Das Bewusstsein und das Unbewusste). 

Füllhorn

Füllhorn

Denkbar wäre darum auch ein Zusammenhang zwischen Hörnerkrone und Füllhorn [3]. Dieser wäre ein Hinweis auf Herrschaft über das Weibliche, nämlich über das Land mit seiner Fülle. Das «ins Horn Stossen» zur Eroberung des Landes gehört zu dieser Symbolik, wie auch das Horn als Trinkbecher oder der Kelch als Gral, aus dem Fülle sprudelt (s. Der weibliche Schoss als Gral).

Ring und Stab, verbunden durch das Band

Ring und Stab mit dem Band symbolisieren ebenfalls vollzogenen Geschlechtsverkehr: So stellt der Ring bildhaft den Eingang in den weiblichen Schoss dar, während der Stab das männliche Glied, den Phallus symbolisiert. Früher gab es bei Hochzeiten das Ritual, dass der Bräutigam mit seinem Schwert oder mit einem Stab einen geworfenen Ring auffangen musste. Fiel der Ring zu Boden, galt das als schlechtes Omen. Die entsprechende symbolische Bedeutung liegt auch im Ring am Finger als Zeichen der Verbindung eines Paares. Das Band zwischen Ring und Stab symbolisiert das Band der Liebe. Die Liebe beinhaltet auch die Achtsamkeit gegenüber höheren Ordnungen, Wünschen der Eltern und Traditionen, die sich bewährt haben.

Der Zweig im Topf

Der gefällte Baum und seine Zweige

In der sumerischen Mythologie wird der erste Geschlechtsverkehr von Inanna durch die Fällung des «Huluppu»-Baumes, den sie selber in ihrem Garten grossgezogen hat, symbolisiert. Der Stamm und die Zweige werden anschliessend abgetrennt und verwertet. Aus dem Stamm erhält Inanna ihren glänzenden Thron und ihr Bett. Sie hat Gilgamesh zu ihrem König gemacht. Als Zeichen dafür erhält er «Pukku» und «Mikku», angefertigt aus den Zweigen des Baumes. (Die Bedeutung von Pukku und Mikku ist unklar. Vielleicht eben Ring und Stab? Gemäss der Überlieferung verliert Gilgamesh später seine Königswürde wieder, weil er «Mikku» missbräuchlich einsetzt und damit viel Leid über die Frauen von Uruk bringt, s. Die sumerische Mythologie von Inanna, der Göttin der Liebe, Die Fällung des Baumes)

Zedern im Libanon

Im babylonischen Gilgamesh-Epos besteht die grösste «Heldentat» Gilgameshs darin, dass er die eine hohe Zeder fällt (die Königstochter oder Königin? S. Die hohe Zeder). Gefällte Bäume symbolisieren in der sumerischen und der babylonischen Mythologie eroberte Frauen.

Zeichen der Verantwortung und verbindlichen Beziehung

Zusammenfassend kann der Zweig im Topf dahingehend interpretiert werden, dass die beiden im Rahmen einer verbindlichen Beziehung gemeinsam dafür sorgen wollen, dass das Leben weiter geht (durch Gründung einer Familie).

Weitere Entwicklung dieser Symbole

Diese oder ähnliche Symbole haben sich über die Jahrtausende für Insignien der Königsherrschaft oder Macht erhalten. So ist die Krone ein Ring, der das Haupt des auserwählten Gliedes ziert, manchmal auch mit einer Haube als anschauliche Darstellung des weiblichen Schosses. Der Hirtenstab oder das Zepter stellen die männliche Seite dar, das Füllhorn (Horn) und die Früchte beziehungsweise der Reichsapfel das Weibliche. Der Auserwählte hat das Recht, in das Heiligtum einzugehen, um darin durch den Samen seines Wortes neue Realität zu initiieren.

Weiter geht es mit:

Insignien der Königsherrschaft und der Macht

Erwähnte Überlieferungen:

Die sumerische Mythologie von Inanna, der Göttin der Liebe
– Die Fällung des Baumes
Gilgamesh-Epos
–  Die hohe Zeder   
Maleficent – die dunkle Fee als Schicksalsgöttin

Nachweise:

[1] WOLKSTEIN, DIANE / KRAMER SAMUEL NOAH. Inanna, Queen of Heaven and Earth. Her Stories and Hymns from Sumer. New York 1983, S. 9, 180

[2] Braun-Holzinger, Eva Andrea, Frühe Götterdarstellungen in Mesopotamien (2013), Zurich Open Repository and Archive, https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/135423/1/Braun-Holzinger_2013_Fruehe_Goetterdarstellungen_in_Mesopotamien.pdf [5.6.21]

[3]  Abbildung Füllhorn: Wikipedia


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