Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Der Fluch und Verlust der Einheit: negative Paardynamik

Die Vertreibung aus dem Paradies von Oswald Huber

By on 1. November 2021

Die Vertreibung aus dem Paradies von Oswald Huber

Der Fluch – gestörte Beziehungen und negative Paardynamik       

Mann und Frau haben auf die Schlange gehört und die verbotene Frucht konsumiert. Nun geraten sie in den Bann des Fluches, der zum Verlust der Einheit führt. Er ist durch die Vertreibung aus dem Paradies symbolisiert und beschreibt die Aspekte der negativen Paardynamik.

[Grundlage für diesen Beitrag: Der Sündenfall-Bericht der Bibel und die Schlange.]

Mensch, wo bist du?! – Gott sucht den Menschen.

Das Ego und die Scham

Nachdem „es“ geschehen ist, ist nun der Kater da. Wenn das Problematische ans Licht kommt, kann es sich zum Guten entwickeln. Aber der Mensch verbirgt sich lieber im Schatten und versteckt sich vor der Wahrheit. Der Grund dafür ist, dass er sich schämt. Dahinter steckt das stolze Ego, das keine Fehler zugeben will und stattdessen sofort mit einer Anklage zur Stelle ist. Es ist auch für die Störung der Beziehungen verantwortlich … So in der Bibel:

Gott sucht den Menschen (1. Mose 3, 9-11)

Und Gott, der HERR, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Da sagte er: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, weil ich nackt bin, und ich versteckte mich. Und er sprach: Wer hat dir erzählt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen?

Der Mensch schiebt die Schuld auf das Gegenüber und auch auf Gott (Verse 12 und 13) [1]:

Da sagte der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. Und der HERR, Gott, sprach zur Frau: Was hast du da getan! Und die Frau sagte: Die Schlange hat mich verführt, da aß ich.

Adam und Eva, Hildesheimer Dom, Bernwards Türen

Trennung als Konsequenz

Das Problem beginnt also damit, dass der Mensch sich der Eigenverantwortung entzieht und stattdessen das Gegenüber beschuldigt (Projektion statt Integration des Schattens). Damit schlagen die negativen Konsequenzen mit voller Wucht zu, und treffen jeden der drei Protagonisten als Fluch in seinem Kern seines Wesens. (Ganzer Text s. Bibelserver, 1. Buch Mose, Kapitel 3, 14-24.)

1. Der Fluch über der Schlange 

(1. Mose 3, 14 und 15)

Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes!
Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens! Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.

Auf dem Bauch kriechen und Staub fressen: der Trieb und «geistig tote» Menschen
Der egoistische Lusttrieb «klebt» am Körper (Libido)

Das Bild ist selbstredend, lässt sich aber auch erweitern: Der Egoist hat wie die Schlange keine Füsse, die ihn zu anderen Menschen tragen, und auch keine Hände, mit denen er Gutes tun und zärtlich sein kann.

Staub fressen: Nur geistig tote Menschen ohne Liebe und Vertrauen

Menschen ohne eigenes inneres Leben, ohne Seele, sind anfällig auf Lügen und Negativität und damit für das Gift der Schlange und sind so deren «Nahrung». Sie gehen wie Tote oder als «Zombies» durchs Leben (s. Vampire, Werwölfe und Zombies).

Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau: Macht gegen Liebe
Der Samen der Schlange und der Samen der Frau: «Christus» und der «Anti-Christus»

In der Welt herrscht Feindschaft zwischen den Kindern der Liebe und den Kindern der Lüge. Der „Same“ der (liebenden) Frau ist Christus / Messias, der Gesalbte. Der Samen der Schlange hingegen ist der Mensch der Macht: der Egoist oder «Anti-Christus». [S. auch Der Drache und die Verfolgung der Frau.]

Der Kopf der Schlange zermalmt: Überwindung des Todes

Die ultimative Lüge ist jedoch der Tod selbst, genauer: die Vorstellung, dass es nur Materie (und keinen Geist gibt) und dass mit dem Ende der Materie alles endet. Es ist nicht wahr, denn die Liebe stirbt nicht, sie schenkt vielmehr Auferstehung (auf dem Weg der Läuterung, s. Feuerprobe und Brot und Wein).

Die Ferse zermalmt: das Sterben des wahrhaft Liebenden 

Die Ferse ist in Überlieferungen ein Symbol für Kraft und Potenz des Helden (wie der Fuss in Überlieferungen ein Bild für die männliche Seite der Sexualität ist). Damit ist die Ferse zugleich auch seine Schwachstelle, an welcher der Held verwundbar ist (seine «Achillesferse»). Der Preis für die Überwindung des Egos ist das innere Sterben (der eigenen Potenz) angesichts eines Scheiterns (s. Die Feuerprobe und Die heilige Wunde).
Im kollektiven Sinn bedeutet dies das Leiden und Sterben des Erlösers. Doch es ist nur die Ferse, der Gottesheld kann wieder aufstehen, weil die Liebe den Tod überwindet.

Das Wirken der Schlange: begrenzt auf Raum und Zeit

Der Fluch über der Schlange ist, dass ihr Gift nur in der materiellen Realität wirkt.

  • Körper: Menschen geraten in der irdischen Realität in «Versuchung» des Triebes: «alle Tage ihres Lebens».
  • Seele: Als Nahrung für die Schlange dienen nur geistig «tote» Menschen – ohne Seele und ohne Liebe: «Staub».
  • Geist: Es ist auch eine zeitliche Grenze gesetzt. Sie dauert höchstens bis zum Kommen eines Erlösers, dann gilt: «Er wird deinen Kopf zermalmen» (indem die Auferstehung die Furcht vor dem Tod zunichte macht).
Negative Paardynamik 2 (Hilma af Klint, Evolution Nr. 13)

Hilma af Klint (Evolution Nr. 13, 1908) zum Fluch über der Frau: Das Bild zeigt, wie er sie dominiert (weiblich-passiv, die blaue Spirale) und sie aktiv (gelbe Spirale) im Unbewussten schöpft.

2. Der Fluch über der Frau: Schmerzen in Körper und Seele

(1. Mose 3,16)

Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!

Schmerzen, emotionales Defizit und Ausbeutung der Liebe
Schmerzen im Körper

Die Frau erlebt Schmerzen bei der Menstruation, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (zumindest beim ersten) und Schmerzen bei der Geburt. In dem Augenblick, da die Frau meint, sterben zu müssen, bahnt das neue Leben sich seinen Weg.

Schmerzen in der Seele: emotionales Defizit

Auch erfährt die Frau Schmerzen in Beziehungen, vor allem wenn sie Liebe und Lebenskraft gibt und nichts dafür zurückkommt. Dazu gehört auch Sex ohne Liebe. Wenn sie in Negativität gerät, ist sie in Versuchung, sich Kraft ihrer Magie zu holen, was ihr fehlt (durch Verführung und Raffinesse, s. z. B. Der vergiftete Apfel in Schneewittchen). Dann wird sie in Märchen als «Hexe» bezeichnet.

Geistige Schmerzen: Ausbeutung der Liebe, Unterdrückung und Unterwerfung

Aus ihrem Bedürfnis nach seelischer Nähe ist die Frau verletzbar und kann ins Minus geraten.

Somit kann der Mann sie einerseits durch die Tatsache dominieren, dass er weniger von emotionaler Bezogenheit abhängig ist. Andererseits kann er sie aber auch schwächen, indem er sie aufreibt, abwertet oder ihr Gewalt antut. Hinzu kommt noch dieses Problem: Hat sie ihm (durch Geschlechtsverkehr) bereits alles gegeben, hängt sie an ihm. Denn unbewusst «wissen» nun beide, dass sie ihre Liebe töten muss, um ihn verlassen zu können. Diese Tatsache spielt ebenfalls seiner Macht über sie in die Hand. 

[S. Die Frau, 3-in-1.]

Randbemerkung: Der Mann ohne Liebe
Liebe als die weibliche Seite des Geistes

Der Mann gewinnt die Liebe (erst), indem er die weibliche Seite des Geistes (Anima) integriert. Das heisst mit anderen Worten: Er hat von Anfang an noch keine Liebe (wie sie die Frau hat, nämlich bedingungslos und Wunder wirkend, s. Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und Potenzial).  Er sehnt sich aber nach Liebe und braucht Liebe. Er kann natürlich lernen, seine eigenen Gefühle (Seele) wahrzunehmen und durch gute Taten Liebe zu leben. Doch das Weibliche ist mit Schwäche assoziiert und darum für den Mann lange nicht attraktiv. Stattdessen ist die Versuchung gross, sich durch ein Bisschen List (Verführung) oder Druck (Gewalt) der Liebe (der Frau) zu bemächtigen und diese für die eigenen Interessen zu instrumentalisieren (s. Aladin und die Wunderlampe und Schwarze Magie). 

Unbewusstheit aus körperlichen und seelischen Schmerzen

Der Fluch, nämlich die negative Konsequenz für die Frau ist: Ihre Fähigkeit, Leben zu geben, ist mit Schmerzen verbunden: Schmerzen im Körper (Geschlechtsverkehr, Geburt) und Schmerzen in der Seele. Das Leben ist für sie besonders dann schmerzhaft, wenn es an Liebe fehlt.
[S. (s Der Schmerzkörper der Frau; Die Frau – Körper/Seele/Geist; Der Heldenweg der Frau – Liebe bewahren und Der Weg der Frau.]

Negativität aus Abwertung

Im babylonischen Gilgamesh-Epos wird die Frau zum ersten Mal «offiziell» abgewertet, indem der König die Göttin der Liebe als Hure beschimpft (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos).
Abwertung und Unterdrückung treiben die Frau in Negativität. Zuerst ohnmächtig wie Dornröschen und Schneewittchen schöpft sie in einem nächsten Schritt ihre Kraft statt aus der Liebe aus dem Unbewussten und verwendet sie als Werkzeug ihrer «Magie» (durch Verführung oder Verblendung).

Der Weg durch die Unterwelt und die Auferstehung der Liebe

Die Frau, die Macht sucht, wird als «Hexe» oder «böse Fee» bezeichnet, als dunkle Fee wie Maleficent oder als Herrscherin der Unterwelt dargestellt (s. Das Grosse Weibliche in der Unterwelt).
Die sumerische Göttin der Liebe macht sich aus eigenem Antrieb auf den Weg durch die Unterwelt. Er führt zur Integration der Schwäche und zur Auferstehung der gestorbenen Liebe.

Dornen-Kaktus

3. Der Fluch über dem Mann: Arbeit, Schweiss und Dornen

(1. Mose 3, 17 bis 19)

Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! – so sei der Erdboden deinetwegen verflucht: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens; und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen! Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!

«Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast ...» – Trägheit und Konsumhaltung
Der Muttersohn und negative Paardynamik

Der Mann ist von Natur aus in seelisch-geistigen Dingen etwas träge und drückt sich gerne davor, in Verantwortung hineinzustehen. Denn sie bedeutet für ihn «Arbeit». Er tendiert jedoch lieber dazu, in der Paarbeziehung in einer Konsumhaltung zu verharren. Damit übergibt er der Partnerin die Rolle der Mutter (s. dazu Partnerschaft und die menschliche Gleichung) und gerät in eine negative Paardynamik. Häufig wird er erst durch eine Erfahrung der Härte und Entbehrungen zum Mann (s. Die Befreiung von der Mutter).

Der verfluchte Erdboden: die Erde und der weibliche Körper
Disteln und Dornen: Dürre oder Stürme, Ablehnung und Widerstand

Die Erde ist auch ein Symbol für den weiblichen Körper. Das Weibliche in Negativität, erweist sich immer wieder als trotzig, stolz und abweisend. Da ist keine Spur von Liebe oder gar empfangender Dienstbereitschaft. Und so wachsen bildhaft gesprochen auf diesem Boden auch keine guten Früchte, sondern sprödes Kraut, Disteln und Dornen, wie auch im Märchen Dornröschen anschaulich zum Ausdruck kommt.

Mühsal: körperliche und seelische Arbeit

Nun sieht sich der Mann also mit stachliger Abwehr konfrontiert und, statt «Fleisch» essen zu können, muss er immer wieder das spröde Kraut der Beziehungsarbeit kauen und verdauen. Trotz seinen Bemühungen gibt die «Erde» nicht viel her, und seine Hoffnung, die Frau für sich gewinnen zu können, bleibt häufig ohne Erfolg, wie ihm erscheint.

Staub bist du! – Der Fluch des Materialismus
Der Fluch über dem Ego

Dies ist die Botschaft für das Ego als die Identität der Macht und des Materialismus: «Du hast nichts und bist nichts! Und das Leben, das dir gegeben wurde, wird dir auch wieder genommen werden und was bleibt dann von dir übrig?»

Nichts, wenn keine Liebe da ist …

Denn Materie vergeht, Liebe bleibt ewig bestehen.

Trägheit statt Verantwortung

Der Mann lässt sich gerne verwöhnen und will konsumieren, selbst wenn dies bedeutet, dass sie diktiert. Dazu dieses Zitat von C.G. Jung:

Er möchte Wirkliches berühren, die Erde umarmen und den Acker der Welt befruchten. Er nimmt aber nur ungeduldige Anläufe, denn die geheime Erinnerung daran, dass man die Welt und das Glück auch geschenkt bekommen kann – nämlich von der Mutter – lähmt seine Stoßkraft sowohl wie seine Ausdauer. [2]

Die Erde als der Körper der Frau – vom Mann verflucht

Der Mann selbst hat den weiblichen Körper, von dem er so abhängig ist, immer wieder verflucht. Dies zum ersten Mal «offiziell», das heisst schriftlich festgehalten, im babylonischen Gilgamesh-Epos gemäss welchem der treulose König die Göttin der Liebe als Hure beschimpft (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos). Als Quittung dafür begegnet sie ihm spröde und stachlig oder jagt ihn sogar buchstäblich zum Teufel (s. Der negative Animus als Teufel oder Schmerzkörper).

Brot im Schweisse des Angesichts

Brot ist ein Symbol für Läuterung. Es entsteht, indem Samenkörner heranreifen, getrocknet, gedroschen, zerstampft, gemahlen und zuletzt im Feuerofen gebacken werden. Auf dem Heldenweg wird männliche Kraft und Potenz zu geniessbarer lebensspendender Nahrung (Brot) für andere werden. Dazu Richard Rohr[3]:

Es scheint, als ob die biologische Erfahrung der Menstruation und des Gebärens den Frauen genug Weisheit vermittelt, die Männer jedoch müssen unweigerlich auf die Probe gestellt, begrenzt, herausgefordert, bestraft, schikaniert und beschnitten, Hunger, Durst und Nacktheit ausgesetzt und so zur Reife gebracht werden.

[S. Brot und Wein für Läuterung und Der Weg des Mannes.]

Vertreibung aus dem Paradies, Dom von Mailand

Die Vertreibung aus dem Paradies

Verlust der Geborgenheit im Grösseren

Die Folge des Fluches ist, dass der Mensch im Griff des Egos (der 13 oder der «bösen Fee») die paradiesische Einheit und Ganzheit (der Zwölf) verloren hat.

[S. Die Zwölf und die Dreizehn im Überblick; Die innere Familie für zwölf Bäume im Paradies und Die beiden Bäume in der Mitte des Gartens und die verbotene Frucht.]

Der neue «Gott»: das Ego, die Identität der Trennung

So ist nun das Ego der neue Herr oder «Gott» des Menschen. Als negative Identität führt es zur Trennung vom grossen Ganzen, vom Gegenüber und auch zu Spaltungen im Menschen selbst. Es ist beides: der Fluch und die Vertreibung aus dem Paradies.

(1. Mose 3, 22 bis 24)

Und der HERR, Gott, sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Nun soll er nicht etwa auch noch seine Hand ausstrecken und vom Baum des Lebens nehmen, essen und ewig leben! Der HERR, Gott, schickte ihn [darum] aus dem Garten Eden hinaus, den Erdboden zu bebauen, von dem er genommen war. Und er […] ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

Der Baum des Lebens: Die Identität der Liebe (Christus/Messias)
Der Animus als Baum des Lebens

Christus/Messias, der Gesalbte ist mit dem Baum des Lebens identisch, denn als Antrieb aus Liebe hat er im System der 12 der paradiesischen Schöpfung ebenso wie im System der 10 der erlösten Schöpfung den Platz des Animus (Ziffer 9, der 10 Sephiroth; s. Die beiden Bäume im Paradies).

[S. Von 13 zu 10 – Der Weg zurück zum Baum des Lebens.]

Die Cherubim und die Flamme des zuckenden Schwertes: Der Heldenweg und die Feuerprobe
Fünf Bäume des Lebens: Christus und die Cherubim

Der Jünger Thomas schreibt von fünf Bäumen des Lebens (s. Das Thomas-Evangelium, Logion 19). Sie entsprechen dem Heldenweg mit Bewusstwerdung (Christus) und den weiteren Phasen symbolisiert durch die «vier Cherubim». Als «Engel» stehen die Phasen des Heldenweges mit den vier geistigen Elementen in Verbindung (Initiation (Wasser); Wüste (Erde); Erfolg  (Luft);  Feuerprobe (Feuer). Letztere beinhaltet die «Flamme des zuckenden Schwertes». Es gibt kein dran vorbei, sondern nur ein hindurch. Dies ist der Weg zurück zur Ganzheit und Einheit: durch das Sterben des Egos zum Ewigen Leben (vom Ego zum Selbst).

[S. Die vier Elemente; Die Auflösung der Negativdynamik und Die Cherubim und der Wagen Gottes.]

Mann und Frau und der Fluch

Der Fluch und negative Paardynamik

Not, Mangel und Leiden an der Existenz

Die Auswirkungen des Fluches entsprechen der negativen Paardynamik. Sie bedeutet konkret, dass der Mann an der körperlichen, materiellen Realität und die Frau im Bereich ihrer Beziehungen an Seele und Geist (Fehlen der Liebe) zu leiden hat. Während er nur ernten und «essen» kann, wenn er harte Arbeit investiert, ist für sie die Erfüllung ihrer Bestimmung, Leben zu schenken, immer wieder mit Schmerzen und Mangel verbunden.

Macht, um dem Fluch zu entgehen?

Beide versuchen, durch Macht und Magie, diesem Fluch zu entgehen.
Sie lässt ihre Reize spielen in der unbewussten Hoffnung, ihn so dazu zu bringen, sie zu lieben oder wenigstens Macht über ihn zu haben. Er strebt nach Geld und Macht, um sie kaufen zu können und nicht Beziehungsarbeit leisten zu müssen. Sie manipuliert ihn durch Verführung  (weisse Magie, s. Die Schneekönigin), er dominiert und unterwirft sie, um ihren Körper konsumieren zu können (schwarze Magie, s. Aladin und die Wunderlampe). So liefern sich die beiden einen Machtkampf bis aufs Blut, in Form von schweigender Dominanz oder herben Auseinandersetzungen.

Der Fluch als Erbsünde

Der Mann ohne Herz und die Frau ohne Körper

Wenn Eltern in einer negativen Paardynamik verstrickt sind, neigen sie dazu, von ihren Kindern Lebenskraft und auch sexuelle Energie zu beziehen. Damit geraten die Kinder schon früh ebenfalls in Mangel (weil sie geben müssen, statt empfangen zu dürfen). Und als Erwachsene leben sie ebenfalls Macht statt Liebe in ihren Beziehungen, weil sie nichts anderes kennen.

[S. Missbrauch, das gestohlene Leben und Die grosse Erbsünde.]

Dauer des Fluches: 100 Jahre!

Weiterwirken über Generationen

Es dauert 100 Jahre, wie im Märchen Dornröschen oder mit anderen Worten eine sehr lange Zeit, die der Mensch nicht überleben kann/wird …
Dies entspricht einerseits der biblischen Aussage, dass die schlechten Taten der Eltern bis in die dritte oder vierte Generation
negativ weiterwirken (s. z. B. 5. Mose 5,9 im Bibelserver und Dunkle Geheimnisse als Fluch).

Ausweg: Inneres Sterben

Andererseits können die 100 Jahre jedoch auch so interpretiert werden, dass es dem Menschen auf dem Weg zurück zur verlorenen Ganzheit nicht erspart bleibt, zu sterben. Das bedeutet mit anderen Worten: das Ego muss sterben, damit der innere Held und Erlöser, der Prinz für die Identität der Liebe aufstehen kann (s. Vom Ego zum Selbst).

Durch Geben statt Nehmen wird der Mangel überwunden.
Dann werden Rosen blühen, wo einst Dornen wucherten.

Der Weg in die Freiheit: Hingabe und Freiraum!

Enthaltsamkeit im Hinblick auf Macht

Der Weg der Liebe bedeutet, sich dem andern freiwillig hinzugeben und ihm aus Vertrauen Freiraum zu lassen (s. Der Heldenweg).

In der Paarbeziehung bedeutet dies, dass der Mann keinen Druck auf die Frau ausübt, sondern ihr stattdessen freiwillig sein Herz schenkt. Die Frau auf der anderen Seite gibt ihren Körper aus Liebe hin und vergibt dem Partner immer wieder seinen Mangel an Liebe. (Denn sie ist selbst eine Quelle der Liebe, s. Die Frau als Göttin und der Mann als ihr Heldenkönig. Und sie akzeptiert, dass er seine weiblichen Anteile erst integrieren muss, bevor er so lieben kann wie eine Frau. Dies geschieht durch eine existenzielle Erfahrung der Schwäche, s. Die heilige Wunde.)

Kontrolle über den Trieb

Beide beherrschen ihren Trieb und übernehmen für sich und ihr Verhalten Verantwortung (sBrot und Wein für Läuterung).

Dann wird die männliche Seele freundliche Warmherzigkeit ausstrahlen und Weiblichkeit voller Schönheit Liebe und Lebenskraft versprühen.

Weiter geht es mit:

Die Vertreibung aus dem Paradies als kollektives Drama   

Anmerkung:

[1] 1Mose 3, 12 und 13 – beachtenswert die Versmasse: von 12 (für das Paradies) zu 13 (für das Ego) 

[2] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“, S. 21 f, § 22.

[3] Rohr, Richard (2009). Vom wilden zum weisen Mann. 2. Auflage. Claudius Verlag, München, S. 43


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