Tod und Auferstehung der sumerischen Göttin der Liebe
Inanna ist ein Modell für jede Frau, darum erscheint sie als “Göttin”, nämlich als Archetyp einer Person, die selbstwirksam in ihren Leben steht, die kreativ und eigenverantwortlich handelt. So begibt sie sich denn auch aus eigenem Entschluss in die Unterwelt, um zu sehen, was sie dort, wo die Liebe gestorben ist, findet. Doch auf diesem Weg begegnet sie der zornigen und verletzten Göttin, die das Auge des Todes auf sie richtet und sie kurzerhand umbringt (s. Teil II der Überlieferungen um Inanna).
Die Göttin der Unterwelt wiederum ist ein Archetyp für das Grosse Weibliche, das Leben selbst, in Negativität. Und nur liebende Vater jedoch, der Gott der Weisheit, weiss, dass die grosse Muttergottheit in Wehen liegt wie eine Gebärende. Seine Empathie hilft der Göttin zur Versöhnung, sodass die (Göttin der) Liebe wieder auferstehen kann (am dritten Tag!, s. Episode 15).
Inannas Gatte, der Hirte (wird geschlagen)!
Nach ihrer Auferstehung geht Inanna direkt in eine Auseinandersetzung mit ihrem Göttergatten, dem Hirten, der gekleidet in den kostbaren Gewändern der ME auf seinem Thron sitzt und seinen Hintern nicht hebt. Sie richtet das Auge des Todes auf ihn (das sie von der Göttin der Unterwelt übernommen hat), und er flieht entsetzt in die Wüste. Nach einigem Hin und Her versöhnen sich die beiden wieder, doch bleibt es dem Hirten letztlich nicht erspart, sich ebenfalls den Weg in die Unterwelt zu begeben …
Rund 3000 Jahre später: Jesus, Gott der Liebe
Jesus sagte vor seiner Kreuzigung zu seinen Jüngern:
Ihr werdet euch alle in dieser Nacht an mir stossen, denn es steht geschrieben: “Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden.” (Mt 26,31 mit Querverweis zu Sach 13,7).
Dabei wurden die Überlieferungen von Inanna, der sumerischen Göttin der Liebe und ihrem Gatten, dem Hirten und Gott der Liebe um 1800 v. Chr. erstmals niedergeschrieben (s. Episode 20: Der Hirte wird geschlagen). Zu diesem Zeitpunkt liess der babylonische Herrscher Hamurabi die viel ältere, bis anhin mündlich überlieferte, sumerische Mythologie in Keilschrift auf Tontafeln festhalten.