Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Integration des Schattens – der Weg durch die Unterwelt

Der Weg in die Unterwelt

By on 24. März 2020

Der Weg in die Unterwelt

Die Integration des Schattens auf dem Weg durch die Unterwelt

Der Weg durch die Unterwelt – Freisetzung von gebundenen Ressourcen

Die Integration des Schattens geschieht, indem der Mensch sich mit dem auseinandersetzt, was er an sich nicht mag oder nicht kennt.
Zu diesem Zweck muss er sich in das Reich seiner eigenen Schatten begeben, bildhaft gesprochen in den Keller seines Lebenshauses oder mythologisch gesprochen in die Unterwelt, in das Reich der Toten. Es sind seine «Toten», nämlich die verdrängten, verhassten und weggesperrten Persönlichkeitsanteile, die es zu erlösen gilt. Wenn der Mensch diese durch Liebe integriert, gewinnt er mit ihnen Zugang zu erweiterten Ressourcen.

Wahrer Held ist, wer den Tod nicht fürchtet, sondern sich aus Liebe auf den Weg durch die Unterwelt macht. Er bringt die Schatten ans Licht seines liebenden Bewusstseins und erlöst, das heisst integriert sie so.

Die Unterwelt, Symbol für das Unbewusste

Die Unterwelt symbolisiert das Reich der Schatten, beziehungsweise das Unbewusste (s.  Das Bewusstsein und das Unbewusste). Es ist der Bereich der Materie (mit ihren Naturgesetzten) beziehungsweise des Körpers (mit seinen Trieben und Treibern).
Der Mensch begegnet seinem Schatten – mythologisch gesprochen – auf dem Weg durch die Unterwelt, in das Reich der «Toten» oder auf der «Nachtmeerfahrt».

Der Weg des Helden durch die Unterwelt

Der Weg des Helden ist ein Weg der Läuterung (sowohl für den einzelnen Menschen wie auch das ganze menschliche Kollektiv, s. Der kollektive Schatten). Auf seinem Abstieg in die Unterwelt bringt der Held die Liebe in sämtliche Bereiche seines Lebens, vom Geist bis hinab in die Materie und noch weiter hinab/hinein, bis in die tiefsten Schatten der Existenz, in die unbewussten Triebe und Treiber.

Der Weg durch die Unterwelt in menschlichen Überlieferungen

Der Weg durch die Unterwelt oder die «Nachtmeerfahrt», wie C.G. Jung sie nennt, kommt in den menschlichen Überlieferungen in unterschiedlicher Gestalt vor:

  • Inanna, die sumerische Göttin der Liebe, begibt sich aus freien Stücken in die Unterwelt, wird dort getötet und wieder aufgeweckt.
  • Der babylonische Held Gilgamesh begibt sich auf den Grund des Meeres, um dort das Unsterblichkeitskraut zu bergen
  • Auch griechische Helden wie Odysseus, Orpheus, Herkules scheuen diesen Weg nicht, wo sie ihrer Mutter begegnen oder ihre Liebe erlösen.
  • In Märchen wird dieser Weg oft bildhaft beschrieben, indem der Held / die Heldin unten durch muss. Er/sie muss Aschenarbeit leisten muss und wird dann mit Gold belohnt (wie zum Beispiel in «Des Teufels russiger Bruder», «Aschenputtel» Der EisenhansFrau Holle)
  • Und letztlich ist der Weg durch das Reich der Schatten auch in der Literatur immer wieder ein Thema (wie bei Dante, Goethes Faust, Der Herr der Ringe) ebenso wie in religiösen Schriften (Jona im Walfischbauch, Jesus› Kreuzigung).

Die grossen menschlichen Überlieferungen folgen bei der Schilderung des Weges des Helden immer derselben Struktur: Der Heldenweg verläuft in fünf Phasen und gipfelt in der letzten Phase im Weg durch die Unterwelt, der ein inneres Sterben, das Sterben des Egos, bedeutet. Dies ist der
Weg des Menschen zu Königsherrschaft im eigenen Leben.

Die Begegnung mit dem Schatten: das Ego, der eigene Tod 

Der Schatten

Heftige Ablehnung und Todesangst!

Die Begegnung mit dem eigenen Schatten ist keine angenehme Sache, denn der Schatten beinhaltet das, was der Mensch an sich selber sein Leben lang verdrängt, verabscheut oder als nicht zu ihm gehörend erachtet hat.  Es ist schmerzhaft und demütigend, plötzlich jene unwerten Eigenschaften in sich selber zu erkennen! Es ist, als blicke man mit der verhassten Schwäche dem eigenen Tod ins Auge. Im Schatten verborgen sind die verdrängten Existenzängste (Ohnmacht, Angst nicht beachtet zu werden; das innere Kind), die verachtete Schwäche (die innere Frau) oder abgrundtiefe Ablehnung des eigenen Körpers und männlicher Kraft (der innere Mann).

Schmerzhafte Selbsterkenntnis – die Moral als Killer

Dazu ein Zitat von C.G. Jung:

Der Schatten ist ein moralisches Problem, welches das Ganze der Ichpersönlichkeit herausfordert, denn niemand vermag den Schatten ohne einen beträchtlichen Aufwand an moralischer Entschlossenheit zu realisieren. Handelt es sich bei dieser Realisierung doch darum, die dunkeln Aspekte der Persönlichkeit als wirklich vorhanden anzuerkennen. Dieser Akt ist die unerlässliche Grundlage jeglicher Art von Selbsterkenntnis und begegnet darum in der Regel beträchtlichem Widerstand. [1]

C.G. Jung nennt in diesem Zitat den Schatten ein «moralisches Problem». Tatsächlich verleitet die Negativität, die aus dem Schatten kommt, den Menschen zu egoistischem und «unmoralischem» Verhalten. – Und der Widerstand gegen Selbsterkenntnis ist darum so gross, weil es dem Ego dabei an den Kragen geht. Das Ego – Macht und Verurteilung ohne Gnade

Der dunkle Herrscher, das Ego – Macht und Verurteilung ohne Gnade

Phobische Trennung

Das Ego ist die Identität der Trennung und der Negativität. Es herrscht durch Angst und Lüge und ist sofort mit Verurteilung zur Stelle: «Das ist aber ganz schlimm! Du solltest dich schämen…!». Seine Lieblingslüge ist: «Es gibt nichts ausser Materie. Alles ist dem Tod geweiht und du bist ganz alleine in dieser Welt und musst für dein Überleben (gegen andere) kämpfen! Kämpfe so lange du kannst! Ausserhalb von dir ist Feindesland! Sieh dich vor! Traue nichts und niemandem! Du brauchst mich!!!»

Leugnung des Grossen, Ganzen

Das Ego leugnet die Wahrheit und die Zugehörigkeit zu einem Grossen, Ganzen. Es fühlt sich durch grössere Zusammenhänge wie Liebe, Einheit und ewiges Leben zu Recht in seiner Existenz bedroht. Denn seine Macht ist die Angst vor dem Tod. Man kann sagen, das Ego ist der Tod, denn es ist das Leben in Negativität und Unbewusstheit, was einem «Nicht-Leben» gleichkommt. Das Ego muss «sterben», damit das Selbst, die Identität der Liebe, aufstehen kann (s. Das Ego und das Selbst). Die Überwindung des Egos kommt darum einem inneren Sterben gleich.

Vom Dunkel ans Licht der Liebe

Häufig braucht es einen Anstoss ­von aussen, wie eine Krise, die einen zwingt, neue Wege zu suchen. Wenn seine normalen Bewältigungsressourcen nicht mehr genügen, erfährt man plötzlich und verzweifelt,  dass nun erweiterte Ressourcen gebraucht werden. Zudem ist die Negativität, die mit einer Krise einhergeht, eine Gelegenheit, sich des Schattens bewusst zu werden und ihn durch Liebe zu integrieren (als Anschauungsbeispiel s. Der entwichene Gefangene).

Integration der Schatten durch Liebe

Die Wahrheit im Licht der Liebe

Die Liebe sieht die Wahrheit und hört dennoch nicht auf zu lieben.
Als erstes muss der Schatten überhaupt wahr genommen werden und zwar ohne Wertung, ohne Ablehnung und ohne sich dadurch zu negativen Emotionen oder Taten verleiten zu lassen. Nur die Liebe hat die Kraft, der Wahrheit ins Auge zu sehen und das was ist bedingungslos anzunehmen. Die Liebe schafft einen Raum der Annahme und Akzeptanz und damit einen neuen, positiven Grund.

Trauer – das zum Licht

Trauer verwandelt Negativität in Liebe und ist das Tor in die positive Existenz. Die Liebe sagt: Ja. Es ist wahr, es ist vielleicht traurig, aber es ist nicht das letzte Wort. Es gibt Vergebung, es gibt Hoffnung und solange es Leben gibt, gibt es auch bessere Möglichkeiten. (s. Die Liebe des Vaters). So hat die Liebe die Kraft, das Schmerzhafte zu heilen und aus den Scherben des Alten, Neues, Gutes entstehen zu lassen.

Der Gewinn – neues Leben und erweiterte Ressourcen

Befreiung der «Gefangenen» – neue Begabungen und Ressourcen

Integration der Schatten

Im Schatten sind die geleugneten Eigenschaften mit den dazu gehörenden Ressourcen weggesperrt, blockiert und gefangen. Indem der Mensch seine Negativität und sein Ego überwindet, das heisst indem er sich selber liebt und annimmt, werden jene Eigenschaften mit den entsprechenden Begabungen integriert. Mit anderen Worten werden die Wesenszüge, die in ihrem negativen Aspekt im Schatten waren, dadurch in ihrer positiven Ausprägung zugänglich. So wird zum Beispiel Angst zu Achtsamkeit und Sorgfalt, Dominanz und Aggressionen können zu Durchsetzungsvermögen und Hartnäckigkeit im Kampf gegen Unrecht werden.
In diesem Sinn ist auch die Bibel zu verstehen. Dazu Paulus über Jesus in diesem Zitat:

Darum heißt es [im Psalm 68,19]: «Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.» Das Hinaufgestiegen aber, was besagt es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte.[2]

Obwohl die Bibel den Anspruch hat, Antworten auf das kollektive Problem der Menschen zu geben, so sprechen ihre Inhalte gleichzeitig auch den einzelnen Menschen an: Die Integration der Schatten setzt gebundene Ressourcen, eben «Gaben» frei (griechisch: charismata).

Gold für die Ewigkeit

Der Held, der den Tod überwunden hat, kehrt  geläutert und bereichert «nach Hause» zurück. Er hat durch die Integration seiner Schatten Ganzheit gewonnen und damit Gold der Ewigkeit: die Liebe und damit das ewige Leben. Nun ist er in der Lage, mit seinem liebenden Bewusstsein als guter König weise über sein Land zu regieren. Dieses versprochene Land ist sein eigenes Leben mit der Fülle seiner Begabungen und Ressourcen (s. Königsherrschaft im Leben).

Nachweise

[1] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“, S. 15 ff.

[2]  Paulus in seinem Brief an die Epheser, Kapitel 4,8


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