Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Paulus und das Gesetz: «Ich elender Mensch …»

Paulus und das Gesetz

By on 15. Mai 2020

Der Mensch gewogen und für zu leicht befunden ...?
Der Brunnen in Burgeis, Südtirol für Paulus und das Gesetz:

Über dem Brunnen steht eine Figur, die eine Waage in ihrer Hand hält. Sie stellt den Erzengel Michael dar, der den Menschen «wiegt» und beurteilt: Massstab ist das Gesetz Gottes. In der einen Waagschale sitzt der Mensch, Paulus, in der anderen Waagschale liegt ein Mühlstein. Michael, der als Bezwinger Satans gilt, hält ein Schwert in der Hand. Michael bedeutet: «Wer ist Gott?».

Paulus erwägt, dass es gerade das Gesetzt ist, das ihn zur Sünde verleitet: «Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen …?»

Paulus und das Gesetz: «Ich elender Mensch …!»

Nach langen Ausführungen zum Gesetz (Gottes) und seiner Wirkung kommt Paulus zu dieser verzweifelten Aussage:

Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 
Ich elender Mensch! Wer wird mich retten aus diesem Leibe des Todes?

Die Ambivalenz des Paulus gegenüber dem Gesetz

Der Apostel Paulus bringt in seinem Brief an die Römer auf eindrückliche Weise seine Ambivalenz gegenüber dem Gesetz zum Ausdruck.
Er befürwortet das Gesetz zwar, aber das Gesetz bringt Probleme mit sich:

  1. Das Gesetz bringt den Tod für den, der gegen das Gesetz verstösst.
  2. Das Gesetz bringt die Sünde überhaupt erst in den Fokus der Aufmerksamkeit. Was verboten ist, fasziniert nur schon deshalb, weil es eben verboten ist. Und so wird gerade der Trieb aktiviert, der zu Problemen führen kann.
  3. Bevor das Gesetz existierte, war der Mensch «unschuldig», im Sinn von unbewusst. Nun wo er – durch das Gesetz – Bewusstsein erlangt hat, kann er nicht mehr tun und lassen, was ihm gerade passt. Vielmehr muss er sich für oder gegen das Gesetz entscheiden, im Wissen, dass dies Konsequenzen haben wird.

Paulus und das Gesetz

Paulus tritt zu diesem Thema mit sich selber in einen Dialog (wörtlich s.u.). Dabei sagt er sinngemäss:

  • Was ist denn nun? Ist das Gesetz böse, weil es böses Wollen in mir hervorbringt?
  • Gewiss nicht! Das Problem ist vielmehr, dass in mir, das heisst in meinem Körper, ein anderes Gesetz wirksam ist, nämlich das Gesetz der Natur und des Triebes, welches gegen das gute Gesetz Gottes und gegen das Bewusstsein ankämpft. Mein Verstand will das Eine, das Gute, mein Körper tut das Andere, das Schlechte…

Ziemlich verzweifelt stösst er diese Worte hervor:

  • Ich elender Mensch! Wer wird mich aus diesem Körper erlösen, der mir letztlich nur den Tod bringt?

Dann besinnt er sich auf die Hoffnung und auf die Botschaft von der Liebe Gottes:

  • Ich danke Gott für Jesus Christus. Denn durch ihn weiss ich, dass ich zu ihm kommen kann wie ein Sohn zu seinem Vater. Ich bin frei! Ich bin weder der Sklave der Sünde noch der Sklave Gottes! Ich bin frei, dem Gesetz aus Liebe zu folgen. Wenn ich im Geist Jesu Christi bin, dann bin ich in ihm und bei ihm. Dann gibt es keine Verdammnis für mich. Dann kann mich nichts von der Liebe Gottes trennen.

Paulus und das Gesetz, wörtlich aus dem Römerbrief zitiert:

Aus dem neuen Testament der Bibel, Römerbrief Kapitel 7,7 bis 8,2, Elberfelder Übersetzung (Bibelserver).

Paulus und das Gesetz

Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde?

Auf keinen Fall! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durchs Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: «Du sollst nicht begehren!»

Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir;

Denn ohne Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf;  ich aber starb. Und das Gebot, das zum Leben gegeben, gerade das erwies sich mir zum Tod. Denn die Sünde ergriff durch das Gebot die Gelegenheit, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe. So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.

Ist nun das Gute mir zum Tod geworden? (Vers 13 😉 )

Auf keinen Fall! Sondern die Sünde! (, damit sie als Sünde erschiene, indem sie durch das Gute in mir den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot). Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich [egoistisch], unter die Sünde [Negativität, Trennung] verkauft; [Und so ist es] denn: was ich vollbringe, billige ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist.

Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.

Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch [für Trieb, Ego], nichts Gutes wohnt.
Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.

Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist.

Denn ich habe nach dem inneren Menschen [dem Selbst] Wohlgefallen am Gesetz Gottes. Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meiner Vernunft widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch!

Wer wird mich retten aus diesem Leibe des Todes? 

Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.

Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich[1] frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
[…]

Paulus im Angesicht der Gnade

Doch zu guter Letzt …

(Kapitel 8, Verse 38 und 39):

Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Brunnen von Burgeis, Sankt Michael

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