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Der Ewigkeit auf der Spur

Ich elender Mensch! – Paulus und das Gesetz

Paulus und das Gesetz

By on 15. Mai 2020

Zum Bild: Der Brunnen in Burgeis, Südtirol – der Mensch, «gewogen» und beurteilt

Der Brunnen in Burgeis, Südtirol, zeigt einen Menschen, der von einem Engel, einem Cherub «gewogen» wird. Der Mensch sitzt in der einen Waagschale, in der anderen Waagschale liegt ein Mühlstein[1]. Der Engel hält ein Schwert in der Hand, ein Symbol für das Gesetz. Der Engel ist «Michael». Michael bedeutet: «Wer ist Gott?». Dem Engel Michael werden die Farbe Blau und das Element des Wassers zugeordnet. Diese beiden Aspekte können mit der weiblichen Seele in Verbindung gebracht werden (s. Vier Elemente – vier Engel).

Ich elender Mensch!

Das Gesetz – weiblich

Strenge durch Korrektur und Ermahnung, wie sie dem Gesetz zugrunde liegen, sind Bestandteile der Liebe und gehören zum Weiblichen (so ist es zum Beispiel die Aufgabe der Frau zu prüfen, ob das Gegenüber ihre Liebe und Hingabe verdient hat). Das Ziel des Gesetzes ist es, den Menschen innerlich zu klären und zu reinigen. Dieses Ziel wird auch häufig durch Reinigung mittels Wasser symbolisiert (s. Wasser – weiblich).

 

Das Gesetz – ambivalent

Der Apostel Paulus bringt in seinem Brief an die Römer auf eindrückliche Weise seine Ambivalenz gegenüber dem Gesetz zum Ausdruck.
Er befürwortet das Gesetz zwar. Aber das Gesetz bringt Probleme mit sich:

  1. Das Gesetz bringt den Tod für den, der gegen das Gesetz verstösst.
  2. Das Gesetz bringt die Sünde erst überhaupt in den Fokus der Aufmerksamkeit. Was verboten ist, fasziniert nur schon deshalb, weil es eben verboten ist. Und so wird gerade der Trieb aktiviert, der zu Problemen führen kann.
  3. Bevor das Gesetz existierte, war der Mensch «unschuldig», im Sinn von unbewusst. Nun wo er – durch das Gesetz – Bewusstsein erlangt hat, kann er nicht mehr tun und lassen, was ihm gerade passt. Vielmehr muss er sich für oder gegen das Gesetz entscheiden, im Wissen, dass dies Konsequenzen haben wird.

Paulus und das Gesetz

Paulus tritt zu diesem Thema mit sich selber in einen Dialog (wörtlich s.u.). Dabei sagt er sinngemäss:

  • Was ist denn nun? Ist das Gesetz böse, weil es böses Wollen in mir hervorbringt?
  • Gewiss nicht! Das Problem ist vielmehr, das in mir, das heisst in meinem Körper, ein anderes Gesetz wirksam ist, nämlich das Gesetz der Natur und des Triebes, welches gegen das gute Gesetz Gottes und gegen das Bewusstsein ankämpft. Mein Verstand will das Eine, das Gute, mein Körper tut das Andere, das Schlechte…

Ziemlich verzweifelt stösst er diese Worte hervor:

  • Ich elender Mensch! Wer wird mich aus diesem Körper erlösen, der mir letztlich nur den Tod bringt?

Dann besinnt er sich auf die Hoffnung und auf die Botschaft von der Liebe Gottes:

  • Ich danke Gott für Jesus Christus. Denn durch ihn weiss ich, dass ich zu ihm kommen kann wie ein Sohn zu seinem Vater. Ich bin frei! Ich bin weder der Sklave der Sünde noch der Sklave Gottes! Ich bin frei, dem Gesetz aus Liebe zu folgen. Wenn ich im Geist Jesu Christi bin, dann bin ich in ihm und bei ihm. Dann gibt es keine Verdammnis für mich. Dann kann mich nichts von der Liebe Gottes trennen. 

Wörtlich aus dem Römerbrief des Paulus:

(Kapitel 7 und 8, neues Testament der Bibel, Elberfelder Übersetzung; mit Hervorhebungen und Ergänzungen durch die Autorin)

Paulus und das Gesetz

Aus Kapitel 7:

7 Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Auf keinen Fall! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durchs Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: «Du sollst nicht begehren!»
8 Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.
9 Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf; 10 ich aber starb.
Und das Gebot, das zum Leben gegeben, gerade das erwies sich mir zum Tod.
11 Denn die Sünde ergriff durch das Gebot die Gelegenheit, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe.
12 So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.
13 Ist nun das Gute mir zum Tod geworden? Auf keinen Fall! Sondern die Sünde! (, damit sie als Sünde erschiene, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot).
14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich [egoistisch], unter die Sünde [Negativität, Trennung] verkauft;
15 denn was ich vollbringe, billige ich nicht;
denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.
16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist.

17 Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
18 Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch [für Trieb, Ego], nichts Gutes wohnt;
denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht.
19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
21 Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist.
22 Denn ich habe nach dem inneren Menschen [dem Selbst] Wohlgefallen am Gesetz Gottes.
23 Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meiner Vernunft widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 Ich elender Mensch! Wer wird mich retten aus diesem Leibe des Todes? –
25 Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.

Aus Kapitel 8:

1 Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich[1] frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
[…]

Paulus Gnade

 10 Ist aber Christus in euch, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen.
[…]
15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft[5] empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba[6], Vater!
16 Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
17 Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.
[…]
38 Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, 39 weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Weiterführende Texte:
Vier Elemente – vier Engel

Nachweise:

[1] Der Mühlstein als Symbol für die Gewichtigkeit der Sünde, wird in verschiedenen Stellen des neuen Textaments erwähnt.
So in diesem Zitat von Jesus:
«Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.» (Bibel, neues Testament, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 18,6; Elberfelder Übersetzung).

Und in diesem Zitat aus der Offenbarung:
«Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein und warf ihn ins Meer und sprach: So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen und nie mehr gefunden werden.» (Bibel, Neues Testament, Offenbarung des Johannes, Kapitel, 18,21; Elberfelder).


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