Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Märchen und Mythen als Träume oder Schattentheater

Märchen und Mythen als Schattentheater

By on 22. März 2020

Das Liebende Bewusstsein und das Unbewusste

Märchen und Mythen als Träume oder Schattentheater

Schattentheater aus dem Unbewussten

Märchen und Mythen wie auch religiöse Lehren thematisieren in ihren Erzählungen das Unbewusste des Menschen, das heisst das, was in seinem verborgen Schatten ist.

Das Unbewusste ist der Bereich des Körpers und der Materie.
Hier, im Schatten des Menschen, weg vom Licht des Bewusstseins, wohnen die Triebe, tief verankerte Emotionen und ein «Körperwissen», das unabhängig vom Verstand ist.

Abbildung 2: Die Schlange im Paradies

Verborgene und verdrängte Eigenschaften

Was im Schatten des Unbewussten ist, hat Macht über den Menschen.
Es sind jene Eigenschaften, die nicht am Licht des täglichen Lebens sind, weil sie unbekannt, geleugnet oder verdrängt sind oder weil der Mensch sich dafür schämt. Er benötigt sie aber, um Ganzheit zu erlangen, und so müssen sie auf dem «Weg durch die Unterwelt« integriert werden. 

Magie als Schattentheater

Gerade diese Schatten sind der Schlüssel zu den unbewussten Verhaltensmustern. Sie wirken über unbewusste Strukturen, die im Körper verankert sind (durch Gene, frühkindliche Prägungen, «geerbtes» Verhalten) und funktionieren wie Triggerpunkte oder Schalthebel. Werden sie betätigt, dann lösen sie automatische, unkontrollierte Gefühle und Reaktionen aus (s. Starke Emotionen und das Unbewusste).

Unreife und Kontrollverlust

Neben der Schwierigkeit, sie zu kontrollieren, ist ein weiteres Problem, dass sie mit Negativität besetzt sind. So lange diese Persönlichkeitsanteile im Kellerverlies des Lebensschlosses weggesperrt sind, haben sie keine Gelegenheit, sich zu entwickeln. Wenn sie «ausbrechen», erscheinen sie entsprechend unreif und unzivilisiert, instinkthaft und triebhaft. Dies ist meistens dann der Fall, wenn das Individuum Stress und Kontrollverlust erlebt. Dann tauchen sie unvermittelt und voll negativer Energie aus dem Unbewussten auf und können einigen Schaden anrichten (s. als Anschauungsbeispiel s. Der entwichene Gefangene s. auch Die Schlange im Kopf – unser altes Reptiliengehirn).

Beispiele für Schattentheater: aufgenötigte Rollen

Aus Schwäche und Verletzung zur «Hexe» oder «bösen Fee»

Verdrängt eine Frau ihre Schwäche und ihre Verletzungen, die sie erfahren hat, dann üben diese aus dem Schatten negativen Einfluss auf sie aus und lassen sie zum Beispiel zornig und aggressiv auftreten (s. Der Schmerzkörper der Frau – dunkler Herrscher im Schatten). In Märchen erscheint dann die böse Königin, 13. Fee oder die „Hexe“ (s. Maleficent als Deutung von Dornröschen).

Die Gefangenschaft des wilden Mannes

Hat der Mann gelernt, sanft und angepasst zu sein, dann verdrängt und verurteilt er möglicherweise seine wilde, triebhafte Seite. Diese Kraft fehlt ihm aber in seinem Leben für Durchsetzungsvermögen und wahre Männlichkeit. Wenn er seine wilden Anteile integriert, kann er zum „wahren Helden“ und zum König in seinem Leben werden. Darum geht es im Märchen Der Eisenhans (s. auch Der Weg des Mannes).

Abbildung 3: Rotkäppchen und der böse Wolf

Fabelwesen und andere Figuren als Schattengestalten

Die Schatten sind in Märchen und Mythen durch Fabelwesen und symbolhafte Gestalten dargestellt. Sie erscheinen darin als Drachen, Riesen, Zwerge, Monster, Hexen oder Zauberer, die es im realen Leben nicht gibt. Aber auch Figuren, die es gibt, wie die Schlange, der edle Prinz, die schöne Jungfrau, der wilde Mann, der Wolf, der wilde Stier oder der Feuerberg können Aussagen vermitteln und als Archetypen das Individuum in ihren Bann ziehen.

Märchen und Mythen – Deutung wie Träume

Die Sprache der Bilder – die Sprache des Körpers

Märchen, Mythen und auch religiöse Texte benutzen wie Träume die Sprache der Bilder.
Damit sprechen sie die Ebene des Körpers an, während der Verstand abschaltet, weil er mit den unrealistischen Bildern nichts anfangen kann (mehr s. Die Sprache der Bilder und der rationale Verstand).

Kollektive Menschheitsträume

Märchen und Mythen können als kollektive Träume angesehen werden, die allgemeingültige Botschaften aus dem kollektiven Unbewussten enthalten. Darum können sie auch wie Träume gedeutet werden. So ergeben sich Inhalte, die auch für den heutigen Menschen überaus aktuell und lehrreich sind.

Prinzipien der Traumdeutung

Die Prinzipien der Traumdeutung können entsprechend auch bei der Deutung von Märchen und Mythen angewandt werden. Diese sind zum Beispiel:

Nahe Bezugspersonen stellen meistens eine reale Figur aus dem unmittelbaren Umfeld dar.

Je näher jemand der Hauptperson steht, umso eher handelt es sich um eine reale Person, zu der auch im wirklichen Leben eine Beziehung besteht. In Träumen wäre dies zum Beispiel der Partner der Träumenden, in Märchen der König als der Mann der Königin.

Abstruse Figuren: Hinweise auf den Schatten

Je weiter eine Figur von der Hauptperson entfernt ist und je abstruser sie erscheint, umso eher stellt sie einen verborgenen Persönlichkeitsaspekt und damit einen Schatten der Hauptfigur dar. In Träumen kann zum Beispiel der Mörder, der bei der Tat beobachtet wird, oder auch ein Tier Aspekte des Schattens darstellen. In Überlieferungen gehören der böse Zauberer, die Hexe oder das unüberwindbare Monstrum in diese Kategorie.

Abbildung 4: Schneewittchen, die Hexe und ein Zwerglein

Verschiedene Persönlichkeitsanteile – Haupt und Nebenrollen

Beispiel Schneewittchen

Die Figuren im Märchen Schneewittchen können als verschiedene Persönlichkeitsanteile der Frau als Hauptperson und Königin im eigenen Leben gedeutet werden:

  • Schneewittchen symbolisiert das innere Kind, die Unschuld und die Kraft der reinen Liebe (Jungfrau).
  • Die «gute Königin» symbolisiert positive Weiblichkeit, den Körper und das Unbewusste. Es leistet Bewusstsein (König) vertrauensvolle Gefolgschaft und bringt in der Kraft der Liebe die neue Realität (das Kind) hervor (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste). Dann «stirbt» die gute Königin und stattdessen tritt die böse Hexe auf. Was ist geschehen?
  • Durch Enttäuschungen und Verletzungen wird die gute zur «bösen Königin», zum Unbewussten in Negativität (s. Der Schmerzkörper der Frau). Diese tötet sie in sich selber aus Schmerz und Zorn die Liebe («Nicht mit mir!», «Das lasse ich mir nicht mehr gefallen!»). Stattdessen übt sie Rache («Na warte! – Ab heute nehme ich mir, was ich will!») und Macht aus.
  • Ihr inneres Männerbild ist entsprechend voller Verachtung. Für sie sind Männer entweder Jäger, die ihr nach Leib und Leben trachten oder Zwerge, die ihr nicht gewachsen sind.

Gemeinsame Grundaussagen in den Überlieferungen

Der Heldenweg des Menschen und Königsherrschaft

Deutet man die Symbole und Bilder in den Märchen und Mythen, so zeigen sich immer wieder dieselben Muster. Auch beinhalten sie alle einige sehr zentrale Aussagen für das Wohlergehen des Menschen. Sie handeln immer wieder von Helden und Königen und wollen damit auf den Heldenweg zu Ganzheit und auf das Ziel, zu Königsherrschaft im eigenen Leben, hinweisen.

Dazu gehören diese Aspekte:

Edle, göttliche Abstammung der Hauptperson

Es beginnt mit dem Königssohn oder der Königstochter. Diese edle Herkunft soll den Menschen zu Bewusstwerdung führen, dass er ein «Königskind» ist, nämlich göttlicher Abstammung. Diese ist wiederum ein Bild für die Tatsache, dass der Mensch über ein Bewusstsein verfügt und damit – Gott gleich – sich selber reflektieren und instruieren kann (s. Das menschliche Bewusstsein).

Entschlossener Aufbruch gegen den grössten Feind, das Ego und die Triebe

Damit der Mensch aber zu «göttlicher», also selbstwirksamer Königsherrschaft im eigenen Leben gelangen kann, muss er sich überhaupt erst auf den Weg machendie Triebe überwinden. Denn diese sind zunächst reflexartig und viel schneller als sein Denken zur Stelle und bestimmen seine Reaktionen (s. Die Schlange im Kopf – das Reptiliengehirn).

Überwinden der Triebe in Mangel und Entbehrungen als Prüfung

Die Liebe wird – weit weg von hohen Idealen – auf der Erde an der materiellen Realität geprüft (symbolisiert durch Härte und Entbehrungen, die «Wüste«). Der Held / die Heldin muss «unten durch».

Bescheidenheit im Erfolg

Hat er/sie diese Prüfung bestanden, werden der Held und die Heldin zu Erfolg geführt. Auch hierin gilt es, sich durch Bescheidenheit und Dienstbereitschaft zu bewähren. 

Die Feuerprobe

Zuletzt wartet noch die Auseinandersetzung mit den Schatten und dem Tod. Dies ist die Feuerprobe. Das gute Unbewusste (der gute König / die gute Königin, der Antrieb aus Liebe) ist durch das böse Unbewusste (den bösen Herrscher / die Hexe) verdrängt worden. Dieser böse Trieb ist letztlich das Ego, der Antrieb aus Negativität und Angst zu kurz zu kommen. Er drückt sich durch Mach und Gier, Eitelkeit, Stolz oder Zorn aus und wird auf dem Weg durch die Unterwelt überwunden.

Rettende Liebe und Auferstehung

Die gestorbene oder vergiftete Liebe steht durch die Begegnung mit wahrer, bedingungsloser (Vater-) Liebe wieder auf. Der erlösende Sohn des Königs ist eine Christus-Gestalt, ein Symbol für den positiven Antrieb aus Liebe im Körper und in der Materie. Die Jungfrau auf der anderen Seite stellt die Belohnung des Helden dar: Ein Königreich und das ewige Leben (s. Die Sage vom Drachentöter Georg oder auch Der Eisenhans).

Dieser Aufbau lässt sich in sämtlichen Märchen und Überlieferung finden und entspricht dem Heldenweg des Menschen.

Bereits in den ältesten Überlieferungen

Inhalte wie diese werden bereits in der ältesten menschlichen Überlieferungen thematisiert, in der sumerischen Mythologie von Inanna und im babylonischen Gilgamesh-Epos. Sie werden fortgeführt in den Schriften sämtlicher Kulturen, seien sie religiöser Art oder einfache Erzählungen. Sie alle folgen demselben Strickmuster und haben in ihrem Wesenskern dieselbe Botschaft für den Menschen. Dieser Wesenskern bleibt der gleiche, weil der Mensch ist, wie er ist.

Der Mensch erlangt Ganzheit durch die Integration der Schatten und die Vereinigung seiner männlichen und seiner weiblichen Persönlichkeitsanteile. Sie ist durch die Heilige Hochzeit symbolisiert.

Vereinigung der Gegensätze

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