Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Tongariro Crossing – eine Wanderung zum Schicksalsberg

Tongariro Crossing 1/14

By on 4. Juni 2021

Tongariro Crossing 1/14

Tongariro Crossing – eine Wanderung zum Schicksalsberg 

Unsere Reise zum Herzen der Nordinsel Neuseelands führt uns über den Tongariro Crossing zum «Schicksalsberg». Hier, wo die Urkräfte der Natur ganz nah spürbar sind, erahnen wir etwas von der «grossen Muttergottheit».

Januar 2020, die Nordinsel Neuseelands

Für ein paar Wochen haben wir die Gelegenheit, unseren nass-grauen Winteralltag zu Hause zu verlassen, um am anderen Ende der Erde in eine fremde Welt einzutauchen.
Endlose Sandstrände stillen als Erstes unseren Durst nach Weite und Meer. Sie stehen im Kontrast zur subtropischen Vegetation der riesigen Farnwälder, die sie umgeben. Hier atmen wir tief durch und lassen uns in eine Zeit zurückversetzen, als Urwälder die Erdatmosphäre mit Unmengen von Sauerstoff anreicherten.

Das Herz der Insel: Tongariro Crossing – wahrhaftig ein «Hotspot»

Dann sind wir bereit, uns dem Herzstück der Insel zuzuwenden, von dem wir auf unserer Reise immer wieder gehört haben: dem Tongariro-Crossing. Es handelt sich um eine achtstündige Wanderung, welche durch die Einöde einer vulkanischen Gebirgslandschaft führt.

Von Hobbiton nach Mordor

Im Landesinneren liegen zwei Orte, an welchen Filmszenen des Films zu Tolkiens Trilogie der Herr der Ringe um Mordor gedreht wurden. Am Tag vor der Wanderung besuchen wir das üppige grüne Tal, welches «the Shire» hiess, schon lange bevor der Regisseur des Films, Peter Jackson, es aus einem Helikopter entdeckte. Es bildete die ideale Kulisse für sein Auenland (englisch ebenfalls «the shire»). Der Tongariro Crossing wird uns dann zum Schauplatz «Mordor» bringen, wo die finalen Filmszenen am Vulkan und «Schicksalsberg» gedreht wurden.

Wenn wir nun schon mal hier sind … Wir hoffen auf gutes Wetter

Der Tongariro Crossing gehört zu den angepriesenen Sehenswürdigkeiten der Insel, die mehrere hundert Besucher pro Tag anziehen kann. Man hat uns aber immer wieder empfohlen, den Weg nur bei stabilem und schönem Wetter anzugehen, weil im Gebirge innerhalb von kurzer Zeit alles in dichtem Nebel versinken kann.

Als wir am Abend auf dem Campingplatz am Fuss des Berges eintreffen, beginnt es jedoch zu regnen. Auch für den kommenden Tag lässt der Wetterbericht nichts Gutes verlauten.
Dennoch müssen wir die Busfahrt, die uns zum Startpunkt der Wanderung bringt, bereits jetzt buchen. Um 5.30 Uhr soll es losgehen. Man weist uns darauf hin, dass wir möglicherweise überhaupt nichts sehen werden, wir uns aber auch noch kurzfristig vor Ort entscheiden können, wieder dann doch lieber mit dem Bus zurückfahren.
«Wenn wir nun schon mal hier sind …», sagen wir uns und buchen.

Tongariro Crossing: Start um 6 Uhr bei Regen

Am nächsten Morgen gibt uns der Fahrer des Kleinbusses noch letzte Anweisungen und meint, die Chance, dass wir etwas sehen würden, liege bei etwa 20 Prozent. Er kennt die Gegend wie seine Hosentasche.
Von den vier Paaren im Bus entscheiden sich drei, den Weg dennoch unter die Füsse zu nehmen, so auch wir. Unser Jüngster, 25, ist mit uns.
Zu Beginn ist alles grau in grau. Die Markierungen sind aber problemlos sichtbar und der Weg ist gut ausgebaut. Bald führt er steil hinauf.

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Eine riesige öde Hochebene

Nach etwa knapp zwei Stunden gelangen wir gut aufgewärmt auf eine weite Hochebene. Die Farben wirken hier ausserirdisch. Gelb-schwarzes Gestein, durchzogen von vereinzelten trockenen, ebenfalls gelblichen Pflanzenbüschen stehen in einem leicht gelben Licht, das alles gespenstisch erscheinen lässt. Dann reisst plötzlich die Wolkendecke ein wenig auf und die aufgehende Sonne verstärkt die dramatische Stimmung noch.

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Nur schon dafür hat sich der Weg gelohnt, finden wir. Zudem schöpfen wir Hoffnung, dass wir noch mehr sehen werden.

Aufstieg zur Höhe

Am Ende der weiten Ebene wartet der Hauptaufstieg auf uns. Der Weg führt wieder steil bergaufwärts.
Je weiter wir hinaufkommen, umso mehr lichtet sich der Nebel. Ein eiskalter Wind bringt nun Bewegung in die ganze Wolkendecke.

Der Schicksalsberg und die Muttergottheit

Fast oben angelangt können wir plötzlich hinter uns die Umrisse eines gewaltigen Vulkans erkennen: Mount Ngauruhoe, der Schicksalsberg. Er gehört zu den grossen, noch aktiven Vulkanen Neuseelands. Seine letzte Eruption ereignete sich 2012 und bildete den roten Krater, Te Mari.

Ein heiliger Ort

Dieser Ort ist den Maoris heilig. Als Naturvolk verehrten sie die Mutter Erde als Leben spendende und nährende Gottheit. Dazu gehört, dass gewaltige Naturmanifestationen wie Vulkanausbrüche als göttlicher Zorn oder schicksalshafte Botschaft verstanden wurden.
(So stellt denn auch die Grosse Mutter als lebendige Materie in ihrem dritten Aspekt die Naturgewalten und Schicksalsgottheit dar. S
. dazu Weibliche Ganzheit – die Göttin, 3-in-1, Das grosse Weibliche in der Unterwelt und Vulkane, Höllenfeuer und die Mutter-Gottheit.)

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Auf dem Höhepunkt des Tongariro Crossing

Nach der letzten Anstrengung gibt der Nebel den Blick auf die umliegenden Bergkuppen und das darunterliegende Wolkenmeer preis. Blauer Himmel zeigt sich!

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Die Wolken verziehen sich immer mehr. Unser zügiges Tempo hat sich gelohnt. Wir sind alleine! Unsere Körper dampfen noch immer von der Anstrengung, ebenso wie auch der steinige Boden zu dampfen scheint. Doch die aufsteigenden Schwefeldämpfe lassen sich kaum vom allen umhüllenden Nebel unterscheiden.

Atemberaubende Vulkanlandschaft

Als hätten wir das Land erobert, werden wir nun in seine Schätze eingeweiht. Wir befinden uns am Rand des roten Kraters und vor uns leuchten in der gelb-roten Landschaft ein blauer und drei kleinere smaragdgrüne Kraterseen.

Unter uns liegt die Ebene des mittleren Kraters, über welche der Weg zum blauen See am Fuss des Mount Tongariro führt.

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Rutschpartie auf dem Rücken des Drachens

Vor uns liegt eine zerklüftete Gebirgslandschaft, die aussieht wie der Rücken eines Drachen.
Der steile Abstieg zu den Smaragdseen führt entlang der Kante des roten Kraters und erweist sich als rutschig und anspruchsvoll. Reichlich haltlos schlittern wir in losem, grobem Geröll abwärts, während unsere Schuhe sich mit Steinen füllen.

Grandiose Friedfertigkeit oder nur ein Schlummern?

Am Fuss des Kraters angelangt, bietet sich uns beim Blick zurück nun ein völlig anderes Bild.
Still liegen die Seen in den Mulden der Hügelzüge, und ihre Farben leuchten noch intensiver.
Wir nehmen diesen Ausdruck von Friedfertigkeit und Kraft tief in uns auf, bevor wir weitergehen.

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Eine Ameisenstrasse

Im Hintergrund sind nun weitere Wanderer aufgetaucht. Sie erscheinen wie kleine Punkte, Samenkörner oder Ameisen in der gigantischen Landschaft. Der Ort wird sich im Laufe des Tages noch mit vielen Wanderern füllen.

Der rote Krater

Nach der Überquerung der imposanten Ebene des mittleren Kraters blicken wir vom blauen See nochmals zurück zum gewaltigen Schlund des roten Kraters. Dahinter hüllt sich der „Schicksalsberg“ noch immer geheimnisvoll in Wolken.

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Der Abstieg ins fruchtbare Tal

Vorbei am blauen See passieren wir mit dem Mount Tongariro die letzte Kuppe.
Dahinter öffnet sich der Blick hinab ins grüne Tal zu den Seen Lake Rotoaira und Taupo im Hintergrund.

Damit beginnt die zweite Hälfte der Wanderung, ein zäher Abstieg von etwa 3 Stunden.
Er führt vorbei an einem schwefeldampfenden Gelände, welchem ein Bach entspringt. Schwefel und Eisen haben die Steine gelb und rot gefärbt.

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Der Wächter des Höllentors

Die Luft wird immer wärmer, die Sonne heizt wieder kräftig, und der Weg hinab scheint sich ewig hinzuziehen.
Von hier unten gönnen wir uns abermals einen Blick zurück zur Anhöhe …
Ausser den nebligen Dämpfen im oberen Teil des Hügels gibt nichts einen Hinweis auf die unglaubliche Welt, die dahinter verborgen liegt.
Oder doch? Dort oben … Mitten im grünen Abhang ein gewaltiger Stein …

Ein grosser Felsbrocken ragt aus einem Hügel in den Grünflächen hervor. Wie ein Wächter steht er über dem Aufgang zu diesem bedeutungsvollen Ort, der den Maoris heilig ist und an dem sich die Kraft und Macht von Mutter Natur so gewaltig manifestiert.
Furchterregend, wie ein riesiger Kopf, sieht er aus, als sei er dem Inneren der Erde entsprungen und bewache nun die feurigen Pforten zur Unterwelt …
Als wolle er sagen:

Achtung! Dieser Weg führt zum Tor der Unterwelt, zum Reich der grossen Mutter-Gottheit! Weitergehen auf eigene Gefahr!

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Dankbarkeit und Respekt

Für uns kommt diese Warnung jedoch zu spät, hatten wir uns doch von einer anderen Seite Zugang verschafft. Jetzt befinden wir uns bereits auf dem Abstieg und haben das Abenteuer glücklich hinter uns.
Mit Dankbarkeit und Respekt verabschieden wir uns von diesem Ort, dessen kraftvolle Atmosphäre uns etwas von göttlicher Urgewalt und auch von Gnade hat spüren lassen.

Geschafft!

Bald tauchen wir in die kühlende und schützende Geborgenheit des Waldes ein, dankbar für den Schatten im üppigen Grün, das uns umhüllt.

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Weiter geht es mit:

Vulkane, der Schicksalsberg und die grosse Mutter

Das grosse Weibliche in der Unterwelt 

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