Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Der Drache, die alte Schlange und ihre Überwindung

Drache ("Mutter")

By on 8. Februar 2021

Drache ("Mutter")

Der Drache, die alte Schlange

Die Schlange, das Weibliche und das Leben

Die Schlange ist grundsätzlich ein weibliches Symbol. Sie steht für Lebensenergie. Mit ihrer Fähigkeit, sich zu häuten, gilt sie auch als Symbol für Tod und Wiedergeburt. Das Leben steigt von primitiv zu komplex auf und nimmt damit immer höher entwickelte Lebensformen ein (s. Das Leben und die Schlange: Auf- und Abstieg).
Wie das Leben selber, so kann auch die Schlange als Symbol „gut“ oder „böse“ sein.

Drachenkraft – innere Stärke im Einklang mit der irdischen Existenz

Der Drache und der Schatz 

In den Überlieferungen steht der Drache als Symbol für Kraft, Macht und Stärke. Er bewegt sich in allen vier Elementen (Wasser, Erde, Feuer und Luft, s. u.) und symbolisiert damit Herrschaft in allen Bereichen der irdischen Existenz. Dies ist denn auch der «Schatz», den die Drachenschlange hütet (s. Das dritte Auge und der Schatz des Königs).

Kraft und Selbstwirksamkeit

Damit seine Kraft (Selbstwirksamkeit) und seine Schätze (Königsherrschaft im Leben) dem Menschen zur Verfügung stehen, muss er den Drachen überwinden. Es gilt den Heldenweg der Bewusstwerdung anzugehen, den Mut zu Selbsterkenntnis aufzubringen und sich mit Entschlossenheit für das Gute einzusetzen.

Wenn dies nicht geschieht, wird der Mensch durch seine «Drachenkraft» vereinnahmt, korrumpiert und entwickelt sich zuletzt zum machtbesessenen Monstrum. (So zum Beispiel die Drachenmutter Daenerys in «Game of Thrones» (Wikipedia) zu Deutsch «Das Lied von Feuer und Eis». Feuer und Eis stehen für die Dynamik der Macht durch weisse und schwarze Magie).

Von der Schlange zum Drachen: Das Ego

Die Schlange, die Triebe und das Bewusstsein

Mit dem Leben ist der unbewusste Lebenstrieb zu Bewusstsein aufgestiegen. Beim Menschen hat sich der Selbsterhaltungstrieb zum Ego entwickelt, welches in Überlieferungen häufig durch die Schlange symbolisiert ist. Es hat sich des Bewusstseins bemächtigt und strebt nach Macht. Seine Gier reicht weit über das hinaus, was es zum Leben braucht. Es herrscht mittels des Triebes. Dieser hat eine männliche und eine weibliche Seite: Macht und Dominanz in materiellen beziehungsweise in seelischen Belangen.

Von der Erde in die Luft – Herrschaft im Geist (weisse und schwarze Magie)

Drache - 10 Hörner der Macht

Der biblische Fluch über die Schlange war, dass sie auf der Erde kriechen und Staub fressen werde. Mit anderen Worten bleibt der egoistische Mensch der Materie verhaftet und «ernährt» sich von «toter» Materie (s. Der Sündenfall-Bericht). Der Drache jedoch hat sich in die Luft erhoben, in den Bereich des Geistes. Wie die Schlange herrscht auch er durch Verführung (Weisse Magie). Doch das ausgewachsene übergrosse Reptil kann auch fliegen. Zudem schleudert es verzehrendes Feuer aus seinem Rachen, und richtet so seine Gewaltherrschaft des Schreckens auf (Schwarze Magie).

Abbildung oben: Der Drache und die «zehn Hörner der Macht» gemäss Offenbarung Kapitel 12 gezeichnet aus zwei Pentagrammen, je eins für weisse und schwarze Magie. Mehr in Der Drache und die Frau).

Alle vier Elemente ­– Wasser, Erde, Luft und Feuer für die ganze irdische Existenz

So hat der Drache also alle vier Elemente inne, welche zusammen die irdische Existenz in ihrer Ganzheit symbolisieren:

  • WASSER ist das Medium, aus welchem er als Reptil stammt. Es ist das Symbol für die weibliche Seele (bzw. des männlichen körperlichen Begehrens in der negativen Paardynamik).
  • ERDE: Sie ist das Symbol für den weiblichen Körper (und für das Begehren der männlichen Seele, also Materialismus). Der Drache wohnt in Schatzhöhlen. Diese symbolisieren den weiblichen Schoss.
  • LUFT: Sie steht für den Bereich des Geistes. Luft ist das Element der männlichen Seele (und des weiblichen Körpers als Instrument der Verführung). Der männliche Machtanspruch strebt in den Geist.
  • FEUER symbolisiert den männlichen Körper mit seiner Leidenschaft (und auf der anderen Seite den weiblichen Schmerzkörper, der aus Leiden geboren ist).

 [Zu den negativen Ausprägungen der vier Elemente s.
Die negative Dynamik der Elemente und Negative Paardynamik.]

So wird der überbordende Ego-Trieb, der das ganze Leben im Griff hat und dabei viel Zerstörung anrichtet, durch den Drachen dargestellt. Dessen Fähigkeit zu fliegen symbolisiert Herrschaft im Bereich des Geistes.

Die Überwindung des Drachens – Tötung oder Zähmung?

Integration der Schatten auf dem Heldenweg

Richard Rohr, Franziskanerpater und geistlicher Lehrer, schrieb:

Wir können uns nur bemühen, unser Ego aus dem Weg zu räumen (was in der Mythologie oft als die Tötung des Drachens dargestellt wird) und darum bitten, dass wir die geheime Tür nicht übersehen, die uns Gott als Ausweg aus dem komplexen Bewusstsein öffnet. Diese Tür hat gewöhnlich die Form des Leidens.[1]

Das Ego wird auf dem Heldenweg überwunden, insbesondere in der letzten Phase der Feuerprobe, welche zugleich die Integration des Schattens bedeutet. So kann gemäss Tolkien im Epos «Der Herr der Ringe» der «Ring der Macht» nur dort zerstört werden, wo er geschmiedet wurde, im Feuer der Leidenschaft und des Leidens.

In den grossen Geschichten wird der Drache entweder erschlagen oder gezähmt.

Die Tötung des Drachens – der männliche Weg

Von negativer zu positiver Weiblichkeit (Schlange/Drache – Jungfrau)

Ein Mann, der seine weiblichen Anteile nicht integriert hat, wird von negativer Weiblichkeit aus dem Schatten umgetrieben. Er manipuliert Andere strategisch oder «listig» wie eine Schlange oder verschafft sich mit Gewalt Zugang zu sämtlichen vorhandenen Ressourcen, inklusive der Frau und ihrem Leben (und handelt damit als Drache).
So wundert es nicht weiter, dass der Drache zum Beispiel auch das Symboltier des mächtigen Kaisers von China war.

Der heilige Georg: Vom Drachen zur Jungfrau und die Integration der weiblichen Anteile

Gemäss der Legende erschlägt der heilige Georg den Drachen, welcher das Ego und die Identität der Macht symbolisiert und gewinnt so reine Liebe (die Jungfrau; s. auch Der Drachentöter und die Jungfrau, Einführung). Dies ist die männliche Seite des Kampfes (s. Die Integration der weiblichen Anteile). 

Tötung des Drachen von Hilma af Klint (Taube Nr. 8)

Die Zähmung des Drachens – der weibliche Weg

Die Frau im Griff negativer Männlichkeit (Schmerzkörper)

Die Frau kann durch negative Gedanken, Schmerz und Zorn von ihrer Liebe getrennt und zu Fall gebracht werden (s. Der weibliche Schmerzkörper und Abbildung rechts, Taube Nr.8, von Hilma af Klint). Sie muss ihren inneren Helden aktivieren, um ihre Negativität, symbolisiert durch den Drachen, zu überwinden. Es gilt, die Emotionen zu beruhigen und die unreifen und gewaltbereiten männlichen Anteile zu integrieren. Dies kommt einer Zähmung des Drachens gleich. (S. Die Integration der männlichen Anteile.)

Beruhigung, «Zähmung» von negativen Emotionen: Die heilige Martha

Eine Legende aus dem 12. Jahrhundert berichtet von der Zähmung des Drachens durch die heilige Martha, indem sie ihm geistliche Lieder vorsang. Der Drache symbolisiert hier den negativen emotionalen Trieb oder den Schmerztrieb. Liebe und Vertrauen gepaart mit Selbstbeherrschung führen zu Beruhigung und Kontrolle über die eigenen Ressourcen. Dies ist der weibliche Weg. [S. Starke Emotionen und das Unbewusste (Schattenaktivität) und Der entwichene Gefangene (als Anschauungsbeispiel).]

Der Heldenweg und die Integration des Schattens

Was mythologisch mit dem Bild des grässlichen und abschreckenden Drachens auf anschauliche Weise dargestellt werden kann, gestaltet sich in der irdischen Realität oft verworren, schwierig und schmerzhaft.

Macht oder Liebe?

Der Drachentöter, der mit seinem Schwert in die aufgewühlte Materie eindringt, um auf diese Weise der Negativität ein Ende zu setzen … – Ist er nun Held und Erlöser oder skrupelloser Unterdrücker? Diese Frage lässt sich nur im Blick auf sein Motiv beantworten: Kommt er im Geist der Macht oder der Liebe und Hingabe?

Integration der Schatten

Der emotionale Trieb und die Negativität des Weiblichen aufgrund von Traumatisierungen sind Kräfte, die lange unterdrückt waren. [S. Starke Emotionen und das Unbewusste (Schattenaktivität) und Der negative Animus als Teufel oder Schmerzkörper].
Das Blatt hat sich nun gewendet. Heute gelangen diese Kräfte vermehrt an die Oberfläche. Sie müssen wahrgenommen und anerkannt werden als das was sie sind: Reaktionen auf schmerzhafte kollektive Erfahrungen. Ablehnung und Empörung hingegen heizen dagegen die Sache noch mehr an und führen zur Negativdynamik, zu einem Teufelskreis. Die Integration des Schattens führt aber zu Heilung und Ganzheit und kommt einer Zähmung des Drachens gleich. 

Der Heldenweg

Es ist keine leichte Sache, den Trieb und tief verankerte Körperprägungen zu überwinden. Dazu braucht es einen eisernen Willen und andauernde Kontrolle (s. Selbstwirksamkeit – positiv leben). Dieser höhere Weg erlangt ist der Heldenweg des Menschen. Er führt letztlich zum Sterben des Egos und zur Geburt der ewigen Existenz der Liebe (Selbst).

Hilma (Detail): Tötung des Drachens

Die Tötung des Drachens dargestellt durch Hilma af Klint (Detail aus Taube Nr. 8, 1915).

Nachweise:

[1] Rohr, Richard (2009). Vom wilden Mann zum Weisen Mann. 2. Auflage, S. 49. Claudius Verlag, München


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top

Newsletter Abonnieren

We respect your email privacy

Newsletter abonnieren

You have successfully subscribed to the newsletter

There was an error while trying to send your request. Please try again.

Goldspur will use the information you provide on this form to be in touch with you and to provide updates and marketing.