Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Schwan Nr. 17 von Hilma af Klint – Deutung des Bildes

Hilma af Klint 1915, Schwan Nr. 17

By on 23. April 2021

Hilma af Klint 1915, Schwan Nr. 17

Schwan Nr. 17 von Hilma af Klint, 1915, 150 x 150 cm.

Schwan Nr. 17 von Hilma af Klint und die negative Paardynamik FEUER

Das Gemälde von 1.5 x 1.5 Meter von Hilma af Klint steht auf feuerrotem Grund. Es kann damit als eine symbolische Darstellung der negativen Paardynamik «FEUER» gedeutet werden.

Bildbeschreibung

Auf rotem Grund ist ein Kreis gemalt, der in eine linke und eine rechte Hälfte geteilt ist. Die linke Seite ist Schwarz-Weiss; die rechte Seite des Kreises enthält die Grundfarben Rot, Gelb und Blau.

Der Titel des Bildes von Hilma af Klint: Schwan Nr. 17

«Schwan Nr. 17» ist Teil einer Reihe von abstrakten Bildern, welche den Titel «Der Schwan» mit verschiedenen Nummern tragen.

Das Symbol des Schwans

Der Schwan symbolisiert einerseits Metamorphose, nämlich die Verwandlung vom «hässlichen Entlein» zum wunderschönen Wasservogel. Andererseits steht der edle Vogel für Reinheit und Schönheit. Er bewegt sich in allen Elementen, doch im Wasser ist er zu Hause. Das WASSER ist das weibliche Ur-Element des Lebens.
Mit Kraft erhebt der Schwan seine Schwingen aber auch in die Luft, Symbol für den Bereich des Geistes.
Schwäne bleiben über Jahre als Paar zusammen und versorgen gemeinsam ihre Jungen. So sind sie auch zum Symbol für reine Liebe und Treue geworden.

Die Serie «der Schwan» von Hilma af Klint

In Hilma af Klints Serie «der Schwan» spielen Schwäne unterschiedliche Rollen und Beziehungskonstellationen durch, wobei die Bilder immer abstrakter werden. Sie können im Ganzen als unterschiedliche Darstellungen der Paarbeziehung und ihrer Dynamik gesehen werden.

Schwan Nr.1 von Hilma af Klint

«Schwan Nr. 1» von Hilma af Klint als Ausgangslage.

Schwan Nr.12 von Hilma av Klint (1915)

Schwan Nr. 12 von Hilma af Klint (Deutung: Leben entsteht aus der Vereinigung von Geist und Materie).

Der rote Grund des Bildes Schwan Nr. 17 von Hilma af Klint

Das Titelbild weist einen roten Hintergrund auf. Rot ist die Farbe des FEUERs und der männlich-körperlichen Leidenschaft. Dies kann als Hinweis gesehen werden, dass der Kreis mit seinen Farben im Kontext der negativen Paardynamik «Feuer» zu deuten ist, welche vom «Feuer-Geist», vom negativen Animus als Schmerzkörper oder Teufel angetrieben ist. Das heisst, dass das Bild die männlich-materielle Sicht der Einheit darstellt oder die Verteilung der Rollen, wenn Männlichkeit die Oberhand hat.

Schwan Nr. 16 von Hilma af Klint

Dies steht im Gegensatz zum Bild Schwan Nr. 16 von Hilma af Klint (Abb. 4, rechts). Es passt zur negativen Paardynamik «EIS», in welcher die weibliche Seite durch Verführung und Ansprechen der Triebe (schwarz) Oberhand hat. Die drei Grundfarben erscheinen darin – wenn auch in kühlen Eistönen – auf der linken, «weiblichen» Seite. Hingegen herrschen auf der «männlichen» Seite die geistige Anima-Faszination (weiss) und verwässerte Gefühle im Bereich des Körpers (rosa).

Ein Kreis – zwei Hälften

Geteilte Einheit

Grundsätzlich symbolisiert der Kreis Einheit und Ganzheit. Doch hier ist er in zwei Hälften geteilt.

Rechts-links für männlich-weiblich

In der systemisch-symbolischen Betrachtung steht die linke Seite für die weiblich-passiv-unterstützende, die rechte Seite hingegen für die männlich-aktiv-initiierende. (Zu den beiden Energien s. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung.)
Meistens wird in Darstellungen dabei der Betrachter gespiegelt, wie in Abbildung 5 unten links, ausser wenn klar eine Blickrichtung vorgegeben ist, zum Beispiel durch ein Gesicht (s. Abb. 5, unten rechts).

Links-Rechts in grafischen Darstellungen

Die beiden Hälften des Kreises, links-rechts, im Titelbild sind mit unterschiedlichen Farben versehen, welche wie folgt gedeutet werden können:

Die Farbgebung im Kreis von «Schwan Nr. 17» von Hilma af Klint

Die Verteilung der Farben im Kreis können die Deutung des Bildes, dass es negative Beziehungsdynamik darstellt, bestätigen. Diese kommt durch die Symbolik der Farben zum Ausdruck, welche jeweils ein geistiges «Element» mit seinen spezifischen Energien versinnbildlichen. (S. dazu Die vier Elemente.)

Aus der Betrachtung der Farben ergeben sich darum interessante Aussagen des Bildes.

Weiblichkeit in Schwarz – Weiss (linke Seite)

Auf der linken Seite stehen die beiden Nicht-Farben Weiss und Schwarz als Symbole für den Geist.  

Weiss für die Anima im immateriellen Bereich von Seele und Geist

Die Anima steht mit ihrer lichten Ausstrahlung für die «Göttin» der Liebe, welche das Leben in eine geistige oder virtuelle Dimension zieht. Weiss ist die Farbe des Geistes und des Lichts. Der Archetyp der JUNGFRAU repräsentiert Liebe und Bewusstsein, der Archetyp der HURE oder SCHLANGE hingegen Erotik und Verblendung.

Schwarz für den Animus im materiellen Bereich des Körpers

Der Animus steht für den geistigen Lebenstrieb und Antrieb in der Materie (schwarz). Als der männliche Geist wirkt er im Unbewussten und im Bereich des Körpers (CHRISTUS als Antrieb aus Liebe; das TIER als Antrieb aus Schmerz). Der negative Animus als Schmerzkörper der Frau treibt sie dazu, ihren Körper als Machtmittel einzusetzen, was dem Archetyp der HURE entspricht.

Deutung: Die Frau als Hure oder Heilige

Handelt es sich um eine negative Dynamik der Macht, dann kommen die negativen Aspekte der Archetypen zum Tragen:
Die Frau hat auf der Ebene des Körpers und des Unbewussten (schwarz) Macht über den Mann, wenn sie sich mit seiner inneren Frau (Anima) als HURE identifiziert. Durch ihre „himmlisch-göttliche“ Ausstrahlung (weiss) werden seine Sinne verblendet und er verliert die Kontrolle.

Männlichkeit in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau (rechte Seite)

Die drei Grundfarben für die Fülle des Lebens

Auf der rechten, männlichen Seite stehen die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Aus diesen Farben lässt sich das ganze Farbspektrum zusammenmischen, welches in seiner Fülle ein gutes Bild für die ganze Fülle des Lebens in der irdisch-materiellen Realität darstellt.

Die 4 Elemente im Hexagramm
  • Rot: Die Farbe des Feuers und des männlichen Körpers.
  • Gelb: Die Farbe der Luft und der männlichen Seele.
  • Blau: Die Farbe des Wassers und der weiblichen Seele.
  • (Grün: Die Farbe der Erde, braun oder grün, setzt sich aus den drei Farben zusammen.) 

(Mehr s. Die vier Elemente und als Illustration Abb. 6, rechts aus: Die Sieben – Ganzheit in der irdischen Realität.)

    Deutung: Ungleichgewicht durch männliche Vorherrschaft in der irdischen Realität

    Verschiebung der Elemente, Phase 3

    Die männliche Seite hat in der irdischen Realität sämtliche Farben des Lebens inne, auch die Farbe Blau, welche für Wasser steht. Sie ist ursprünglich das Symbol der weiblichen Seele mit ihrer Lebenskraft. Wenn sich das Männliche ihrer aber bemächtigt hat, ist Wasser zum Symbol für sein Begehren geworden. (Mehr s. Wasser – weiblich, Wasser des Todes – Wasser des Lebens und Die Verschiebung der Elementezu Abb. 7, rechts). 

    Deutung des Bildes «Schwan Nr. 17» von Hilma af Klint

    Nach diesen Ausführungen zur Verteilung und Bedeutung der Farben wird nun auch noch ihre Konstellation betrachtet.

    Der Mensch 3-in-1

    Von Aussen nach Innen: Körper – Seele – Geist

    Dabei gilt seit den ältesten Mythologien die Anordnung von Aussen nach Innen: Körper/Materie – Seele – Geist (s. Abb. 8, rechts aus Der Mensch 3-in-1). Dieser Aufbau geht auf die Erzählweise der alten Überlieferungen zurück, welche in einem ersten Teil die physisch-materielle Realität schildern, in einem zweiten das seelisch-emotionale Erleben und in einem dritten die geistige, meta-physische Ebene hineinbringen (s. z. B. Einführung in das babylonische Gilgamesh-Epos, am Ende unter „verschachtelte Erzählweise“).

    Aspekte der Paardynamik in Körper, Seele und Geist

    Ebene des Körpers (roter Grund): Macht durch Gewalt und Schmerzen (FEUER-Dynamik)

    Der feuerrote Grund kann wie erwähnt als Hinweis auf die negative Paardynamik «Feuer» (Macht durch Gewalt) gedeutet werden.

    Entsprechend gestaltet sich auf der seelisch-geistigen Ebene das Zusammenspiel von männlich und weiblich wie folgt:

    Ebene der Seele (äussere Schicht des Kreises): Blau mit Weiss als Gegenüber

    Die männliche Seele (blau, Wasser) begehrt die makellose junge Frau («Jungfrau»), ja betet sie als Göttin an («Heilige», weiss).

    Ebene des Geistes (innere Schicht des Kreises): Rot und Gelb mit Schwarz als Gegenüber

    • Rot: Abwertung und Unterdrückung der Frau in Identifikation mit dem negativen Animus als Schmerzkörper, rot; s. Schwarze Magie).
    • Gelb: Gelb ist die Farbe der männlichen Seele und der Luft. Hier herrscht Macht durch Verblendung und Lüge in Identifikation mit der negativen Anima als Hure oder Schlange, welche zum bösen «Geist der Macht der Luft»[1] wird (s. Der Gott der Luft).
    • Schwarz: Auf der weiblichen Seite des Geistes herrschen aufgrund der Unterdrückung und Gewalt Negativität, also tiefe Unbewusstheit vor, welche in Verletzungen, Schmerz und Zorn wurzeln. Mythologisch formuliert ist darum das Weibliche in der Unterwelt (was schon in den ersten menschlichen Überlieferungen ein Thema war).

    Zusammenfassung und Schlussfolgerung

    Von Schwarz-Weiss zu allen Farben des Regenbogens

    Schwarz-Weiss als Hure oder Heilige: Die Frau als Projektionsfläche für die Anima des Mannes

    Häufig scheint es, als hätten Männer keine anderen Kategorien, um Frauen einzuordnen als eben «schwarz» oder «weiss», «Hure» oder «Heilige».

    Denn solange Männer keinen anderen Weg kennen, als in Frauen eine Projektionsfläche für ihre innere Schatten-Frau zu sehen, bleibt es bei Schwarz-Weiss. Der Grund dafür ist, dass die Anima ja wie erwähnt als innere Vorstellung des Mannes einen geistigen Faktor darstellt. Dieser motivierende Aspekt lässt sich letztlich auf Macht («Hure», schwarz) oder Liebe («Jungfrau», weiss) als Motiv reduzieren.

    Die Farben des Regenbogens für das erfüllte Leben und die erfüllte Beziehung

    Wenn der Mann seine weiblichen Anteile integriert hat, gewinnt er seine Seele und den Geist (Liebe; JUNGFRAU). Mit diesen kann er Frauen begegnen, sie verstehen und wertschätzen. So erweitern sich seine Beziehungsmöglichkeiten in alle Farben des Regenbogens.

    Schwan Nr.12 von Hilma av Klint (1915)

    Nachweis:

    [1] Bibel, Neues Testament, Brief des Paulus an die Epheser, 2,2 (Elberfelder)


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