Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die zweite Schöpfung in der Bibel: die Männin (aus dem Mann)

Die zweite Schöpfung als Perspektivenwechsel

By on 12. Oktober 2021

Triumph! (Der zweite Schöpfungbericht)
Die Rippe (der zweite Schöpfungsbericht)
Die Männin (der zweite Schöpfungsbericht)

Die zweite Schöpfung in der Bibel: die Männin

Eine erste und eine zweite Schöpfung

Gemäss der Bibel war der Mensch «nach dem Bilde Gottes» geschaffen, und zwar männlich und weiblich. Doch wenig später wird erzählt, dass «Gott» Adam in einen Schlaf versenke. Dann entnahm er ihm eine Rippe und «baute» daraus die Frau – als «Männin». – Wie kann diese zweite Schöpfung interpretiert werden?

Die erste Schöpfung: Der Mensch nach Gottes Angesicht

Zuerst nochmals zum ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1,27), wörtlich:

Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.

Der Mensch – männlich und weiblich

Die Aussage, dass der Mensch männlich und weiblich geschaffen ist, beinhaltet einerseits, dass beide, Mann und Frau, (gleichwertig) Bestandteil der Schöpfung sind. Andererseits bedeutet es auch, dass jeder Mensch männliche und weibliche Persönlichkeitsanteile hat, zum Beispiel ein Bewusstsein («männlich») und einen Körper («weiblich»). [Zu den beiden Energien s. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung.]

Gott – Ganzheit – männlich und weiblich

Der Mensch erlangt Ganzheit und wird Gott gleich, indem er beide Seiten am Licht seines Lebens, das heisst ein gutes Verhältnis zu ihnen hat. [S. Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich.]

Die zweite Schöpfung: Der Schlaf und die «Männin»

Negativität zieht ins Paradies ein …

Gleich im Anschluss an den Schöpfungsbericht wird in 1. Mo 2, 15 – 25 (Bibelserver) eine «zweite Schöpfung» geschildert, eine seltsame Geschichte. Sie ist voll von Negativität, denn sie beginnt zunächst mit einem Verbot und der Androhung des Todes und fährt fort mit der Aussage «es ist nicht gut». In einem nächsten Schritt wird der Mensch in tiefen Schlaf versetzt und zuletzt steht eine Frau auf, die keine Frau, sondern eine «Männin» ist.

Zweite Schöpfung, die einzelnen aussagen Aussagen

1. Das Verbot, von der «Frucht» zu essen

Die Episode beginnt mit dem Verbot, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis zu essen (Verse 15 bis 17).

Triumph! (Der zweite Schöpfungbericht)

Und der HERR, Gott, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.
Und der HERR, Gott, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!

Die Verse 16 und 17 beinhalten konkret das Verbot, Liebe zu konsumieren, also «aufzufressen», bis nichts mehr da ist. (Denn wenn die Liebe ausgelöscht und gestorben ist, verliert der Mensch seinen Zugang zum Geist und damit zum ewigen Leben, s. Die beiden Bäume im Paradies und die verbotene Frucht und Die Erbsünde als kollektives menschliches Problem).

2. Der einsame Mensch 

Aus einem mach zwei

Warum muss «Gott» dieses Verbot aussprechen? Weil etwas «nicht gut» ist (Vers 18):

Und der HERR, Gott, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht [ein Gegenüber].

Und (Vers 20b):

Für Adam fand er keine Hilfe, ihm entsprechend.

Warum war der Mensch allein? Hatte Gott ihn nicht als Mann und als Frau geschaffen? Oder war er etwa ein Mischwesen, das beides enthielt?
Dieser Vers drückt auf jeden Fall die Sehnsucht nach einem Gegenüber aus. Und wo ein Bedürfnis auftaucht, sind Trieb und Begehren nicht fern …

Die Entnahme der Rippe (der zweite Schöpfungsbericht)

3. Der Schlaf: Unbewusstheit (Triebhaftigkeit)

Nun beginnt «Gott» zu handeln und versenkt den Menschen in einen tiefen Schlaf (Vers 21):

Da ließ der HERR, Gott, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief.

Schlaf ist in Überlieferungen ein Symbol für Unbewusstheit. Bereits im babylonischen Gilgamesh-Epos (um 1500 v. Chr.) erkennt und bereut der Held, dass er sein bisheriges Leben «verschlafen», also konkret in Triebhaftigkeit vergeudet hat (s. Die sieben Brote und Das menschliche Bewusstsein).

4. Die Rippe und das Fleisch

Nachdem er den Menschen «versenkt» hat, beginnt Gott nun mit seinem chirurgischen Eingriff. Er entnimmt ihm eine «Rippe»:

Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch;

Das Wort «Fleisch» wird in der Bibel auch für das männliche Geschlechtsorgan verwendet[1], welches durchaus die Form einer Rippe haben kann, die mit Fleisch umschlossen ist. Im weitesten Sinn steht das Wort «Fleisch» vor allem im Neuen Testament für den Trieb als Ganzes und damit auch für das Ego[2].

XY-Chromosomen
In Klammer: Die fehlende Rippe des Mannes?

Hat der Mann denn überhaupt eine Rippe weniger als die Frau? Wenn man die Chromosomen als «Rippen» betrachtet, dann hat der Mann anstelle des zweiten X-Chromosoms (wie die Frau) das etwas verstümmelte Y-Chromosom (s. Wikipedia). Gemäss dem heutigen Stand der Wissenschaft ist es jedoch schwer vorstellbar, dass die Frau aus einem halben X-Chromosom des Mannes «geklont» wurde.

5. Das Bauen der Männin

Weiter geht es mit Vers 22:

Und der HERR, Gott, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau [wörtlich Ischa, «Männin»], und er brachte sie zum Menschen.

Und der HERR, Gott, baute …

Im Gegensatz zum ersten Schöpfungsbericht, wo Gott nur spricht (und damit auf geistige Weise Impulse setzt), handelt dieser Gott physisch, indem er «baut». Damit ist er dem Menschen sehr ähnlich, der ja auch unter Einsatz seines Körpers Neues erschaffen kann, zum Beispiel etwas bauen.

6. Adams Freude

 Adams Reaktion ist sehr positiv (Vers 23). Sie ist mehr als: «Besser».

Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen.

Der Mann sagt: Sie ist (endlich!) wie ich und ich kann sie verstehen!!! Sie ist nicht jenes abgehobene, vergeistigte Wesen, das in Dimensionen schwebt, die mir fern sind. Sie ist Fleisch und Knochen, greifbares Fleisch und spürbare Emotionen!

7. Die zweite Schöpfung – die neue Realität

Aus zwei mach eins

Die neue Realität ist, dass das Wunder des Lebens (nur) aus (dem Wunder) der Vereinigung der Gegensätze entsteht (Verse 24 und 25):

Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.

Das weitere Wunder, das hierfür nötig ist, ist das jeder den anderen annimmt und sich keiner für seine Andersartigkeit und Eigenart schämen muss (Vers 25):

Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.

Dies ist ein umfassendes Bild, welches in seiner tieferen Bedeutung auch die Integration der Schatten und des Unbewussten beinhaltet (s. Die heilige Hochzeit).

Schlussfolgerungen: Neue Schöpfung

Mein «Gott»: Was ich anbete

Invasive, machtorientierte Männlichkeit als Ideal?

«Gott» ist für den Menschen das, was er anbetet und für sich als Massstab nimmt. In Babylon wurde erstmals Macht durch Gewalt verherrlicht und das Loblied auf einen König, der mit Gewalt regierte und sogar vor dem Himmel nicht zurückschreckte.
Gilgameshs Gott war Der Gott der Luft. Er war der handelnde Gott Babylons und verursachte auch die grosse Flut. Zwar ist er ein Archetyp für jugendlich-stürmische, zuweilen gewalttätige und machtorientierte Männlichkeit, aber Frauen können sehr wohl ebenfalls im Griff dieser Energie sein. Sie gehört zur roten Lebensphase (s. Die drei Farben und Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich).

Der Animus – Trieb und Antrieb in der Materie als geistige Kraft und «Gott»

Selbst als Bild für den Trieb (Animus) ist dieser Gott nicht nur schlecht, denn er bringt den Menschen auch vorwärts. Bereits in Babylon ist der Gott Shamash beides: Wild bis destruktiv und auch erlösend (s. Aufbruch, Der Himmelsstier und Die Schenkin im Gilgamesh-Epos). Dies ist wohl auch der Grund, warum die Juden diese Energie als «Gott» stehen lassen: Er gehört dazu.

Die Frau als Männin?

Die verbotene Frucht und die gestorbene Liebe

Der zweite Schöpfungsbericht nimmt ein Thema vorweg, das dann später im Sündenfall-Bericht ausführlich bearbeitet wird: Das Verbot, von der Frucht zu essen. Dies kann als Verbot, die Liebe zu konsumieren, gedeutet werden. Der Mensch, der sich dem widersetzt, wird in logischer Konsequenz aus dem Paradies vertrieben, welches nichts anderes als das Sterben der Liebe bedeutet, welches als Nächstes zu Trennung und Negativität führt (s. Die beiden Bäume im Paradies und die verbotene Frucht und Die Erbsünde als kollektives menschliches Problem).

Macho trifft Macho: unreife Männlichkeit (in) der Frau

Wenn die Liebe konsumiert und gestorben ist, zieht die Negativität ein und mit ihr das Machtspiel in der Beziehung. Damit gerät die Frau in den Griff ihres inneren Schattenmannes, des negativen Animus , der sie als Schmerkörper zunächst lähmt. Aber weil sie nicht mehr die Unterliegende sein will, erhebt sie sich irgendwann, um in den Kampf einzutreten und Oberhand zu haben. Nun kann der Mann sie tatsächlich besser verstehen und sie ist ihm ein «Gegenüber». Denn sie ist nun tatsächlich «wie er»: machtorientiert und körperbezogen, indem sie durchaus auch strategisch ihren Körper einsetzt, um für sich einen Gewinn zu erlangen.

Die zweite Schöpfung als neue Tat-Sache und Faktum

Die konsumierte Liebe und die Frau, die aus einer «Rippe» des Mannes «geschaffen» wird, können beide als Hinweise auf Missbrauch oder Vergewaltigung angesehen werden.
Dies ist der «Sündenfall», der die Liebe sterben lässt.
Aber die Bibel wertet nicht, sondern beschreibt schlicht die Realität. Sie akzeptiert sie, indem sie diese sogar als Schöpfungsakt integriert.

Der Rest dieses Buches handelt in unzähligen Geschichten und Bildern davon, wie der Mensch wieder zur Liebe zurückfindet.

Weiter geht es mit:

Lilith  
Marduk oder: Hat der Teufel die Welt geschaffen?    
Die Verschiebungen der Elemente: Von der ersten zur erlösten Schöpfung  

Oder mit einem Augenzwinkern:

Deutung als Frage der Perspektive und die Erschaffung Evas

Denn vielleicht war es ja nochmals ganz anders … Dazu diese Darstellung:

Die zweite Schöpfung als Perspektivenwechsel

Nachweise:

[1] 1Mo 17,11; 2Mo 28,42; 2Mo 28,42: Ferner mache ihnen leinene Beinkleider, um das Fleisch der Blöße zu bedecken! Von den Hüften bis zu den Oberschenkeln sollen sie reichen.

[2] Joh 3,6; Röm 7,18; Röm 8,13: Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.


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