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Der Ewigkeit auf der Spur

Von Sumer bis Babylon – die Wiege der menschlichen Kultur

By on 16. April 2020

Sumer und Babylon; Königspaar mit Zweig

Von Sumer bis Babylon – Das Zweistromland als Wiege der menschlichen Kultur

Die Urprünge der menschlichen Kultur liegen mit Sumer und Babylon im Zweistromland, zwischen den beiden Flüssen Euphrat und Tigris (Abbildung oben: Stele von Ur-Nammu, ca. 2000 v. Chr.).

Sumer – erste menschliche Hochkultur

Fruchtbarer Halbmond

Zwischen Euphrat und Tigris: 8000 Jahre alte Siedlungsreste

Die sumerische Kultur währte von rund 6000 bis etwa 2300 vor Christus und bildete die erste menschliche Hochkultur. Sumer lag in Mesopotamien, im Zweistromland, zwischen beiden Flüssen Euphrat und Tigris.

Hier, in einer fruchtbaren Ebene zwischen den beiden Flüssen, die damals viel mehr Wasser mit sich führten, wurden archäologische Siedlungsreste gefunden, die bis ins 6. Jahrtausend vor Christus zurückgehen. Noch frühere Besiedlungen sind jedoch nicht auszuschliessen. Später folgten auf die sumerische Kultur im selben Gebiet die Kulturen von Akkad und Babylon.

Die sumerische Königsliste: Langlebige Sagenkönige

Es sind erste schriftliche Zeugnisse der Kulturen vorhanden, wie zum Beispiel die sumerische Königsliste [1] aus dem dritten Jahrtausend vor Christus. Sie hatte wahrscheinlich zum Ziel, die «jüngeren» Könige des 3. Jahrtausends v. Chr. in die Reihe der legendären und sagenumwobenen Könige zu stellen. Entsprechend reicht sie zurück in die Zeiten vor «der grossen Flut», in welchen 8 Könige während Zehntausenden von Jahren regiert haben sollen (zwischen 18’000 bis 43’000 Jahren).

… und eine grosse Flut

Die Flut, welche in der Königsliste erwähnt wird, kann auf etwa um 3000 v. Chr. datiert werden. Tatsächlich belegen archäologische Funde, dass es im Zweistromland um 2600 v. Chr. zu einer grösseren Überschwemmung kam.

Bemerkenswert ist, dass sich gemäss der Königsliste die Regierungszeit der aufgeführten Könige immer mehr verkürzte, von anfänglich rund 1000 Jahren bis zu einer «normalen» Dauer von wenigen Jahrzehnten oder Jahren. Damit ist man dann auch bei den ersten geschichtlich belegten Herrschern des Zweistromlandes um 2500 v. Chr. angelangt.

Akkad – Vermischung mit semitischen Einwanderern 

Vermischung von Sumerern und semitischen Nomaden

In der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. begann die sumerische Kultur sich mit jener der semitische Nomaden zu vermischen, welche ins Zweistromland eingewandert waren. In der folgenden Zeit entstand darauf die akkadische Kultur, mit dem ersten Weltreich von Sargon I. Dies führte zu einem Übergang von eher matriarchalen Gemeinschaften zu patriarchal-herrschaftlichen  Strukuren.

Sargon von Akkad (Quelle: Wikipedia)

Sargon von Akkad – vom Findelkind zum Weltherrscher

Der akkadische Herrscher Sargon (um 2300 v.Chr.) wird selber als ein Sohn der verschiedenen Kulturen beschrieben. 
So erzählt 
die Sargon-Legende, dass Sargon das aussereheliche Kind eines Mannes aus den Bergen und einer verstossenen Priesterin war. Interessant ist auch, dass er als Findelkind in einem Kästchen im Fluss gefunden worden sei. Zudem stieg er später zum Mundschenk des Königs von Kish auf. Dank der Gunst der Göttin Liebe (Ishtar) wurde er schliesslich König. So wird ersichtlich, dass gewichtige Erzählungen, Bilder und Symbole offenbar im ganzen Kulturkreis die Runde gemacht haben und verschiedentlich aufgegriffen wurden.

Erstes Weltreich mit Akkad als Zentrum

Sargon wollte die Stadtstaaten des Zweistromlandes unter seiner Herrschaft vereinen, was ihm über weite Strecken auch gelang. Einerseits eroberte er sie durch kriegerische Aktionen, andererseits baute er eine umfassende Verwaltung auf. Sein Ziel war es, ein Grossreich vom persischen Golf bis zum Mittelmeer zu beherrschen. So liess er im Libanon-Gebirge Zedern für den Bau seines Palastes fällen, welche auf dem Euphrat nach Akkad transportiert wurden. Diese Stadt hatte Sargon neu zum Zentrum seines Reiches deklariert.

Ausbreitung der Keilschrift und Encheduanna, Priesterin und Dichterin

Unter Sargon verbreiteten sich die akkadische Sprache und die Keilschrift, welche zunächst zu Verwaltungszwecken eingesetzt wurde.
Von Sargons Tochter sind jedoch auch erste literarische Texte überliefert. Encheduanna war eine schreibkundige Priesterin, die um 2300 v. Chr. lebte. Ihr Werk umfasst 40 Tempelhymnen zu Ehren der Göttin Inanna. Sie handeln unter anderem auch von einem Abstieg (Krankheit, «Aussatz») und der Rehabilitation durch die Göttin selber.

Akkad bis Babylon – die Schrift als Grundlage der menschlichen Kultur

Aus der der akkadischen Kultur ging schliesslich die Kultur Babylons. So erlebte Babylon unter König Hammurabi I. ihre erste Blütezeit (um 1790 bis 1750 v.Chr.).

Niederschrift der älteren mündlichen Überlieferungen 

Hammurapi I. liess einige der älteren mündlichen Überlieferungen in Keilschrift niederschreiben, darunter auch die Überlieferung von Inanna, der sumerischen Göttin der Liebe (um 1780 v.Chr.). Deren Inhalte flossen später ins Gilgamesh-Epos ein, welches zu einer wichtigen Grundlage der grossen menschlichen Überlieferungen wurde.

Keilschrift, Umzeichnung vo NIebuhr

Niederschrift der Texte um Inanna in Babylon

Göttin Inanna in über fünftausend Jahre alten Überlieferungen

Inannas Geschichte ist wahrscheinlich 5000 Jahre alt oder sogar noch älter.
Einige der Texte, eingebrannt in Tontafeln, schlummerten rund 4000 Jahre in der Erde. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnten Bruchstücke von Tontafeln zusammengefügt und durch den Sumerologen Samuel Kramer übersetzt werden[1]. Diese Texte werden hier zur Bearbeitung der sumerischen Mythologie beigezogen.

Niederschrift in Babylon durch Hammurabi I.

Die sumerischen Überlieferungen um Inanna wurden lange nur mündlich weitergegeben. Sie wurden erst 1000 Jahre oder mehr nach ihrer Entstehung durch Babylon als „Enkelkultur“ durch den babylonischen Herrscher Hammurabi I. in Keilschrift auf Tontafeln gesetzt. Zwischen der sumerischen und der babylonischen Kultur lag die Akkadische. Ihr Begründer, Sargon von Akkad, beanspruchte ein erstes Weltreich zu beherrschen, welches vom persischen Golf bis zum Mittelmeer reichte. Seine Legende war floss wohl in das spätere babylonische Gilgamesh-Epos ein (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos).

Einfügung «jüngerer» Elemente

Weil die sumerische Überlieferung erst zur Zeit Babylons niedergeschrieben wurde, ist anzunehmen, dass Elemente aus den jüngeren Kulturen (der akkadischen und der frühen babylonischen) in sie eingeflossen sind. So ist zum Beispiel der Name Gilgamesh für den Helden und Geliebten der Göttin wahrscheinlich eine spätere Ergänzung. Sein sumerisch-akkadischer Name lautet «Dumuzi», was einfach „Sohn des Lebens“ bedeutet (s. Die sumerische Sprache und ihre Entwicklung).

Austausch von Überlieferungen im fruchtbaren Halbmond

Tatsächlich wurden Überlieferungen im ganzen Gebiet des fruchtbaren Halbmonds, also zwischen Ägypten und dem Zweistromland, hin- und hergereicht, neu erzählt und dadurch auch immer wieder den örtlichen Gegebenheiten und aktuellen Situationen angepasst. Wenn man dies berücksichtig, lassen sich viele interessante Informationen und aufschlussreiche Parallelen finden, welche insbesondere die Deutung der Überlieferungen bereichern.

Nachweis:

[1] Wikipedia-Artikel zur sumerischen Königsliste

Kunst:

Inschrift aus Persepolis (um 500 v. Chr.) in der Umzeichnung von Carsten Niebuhr (um 1800), Einhorn und Löwen darstellend; Quelle: Wikipedia


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