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Der Ewigkeit auf der Spur

Der Sündenfall-Bericht und das Geheimnis der Schlange

Der biblische Sündenfall-Bericht

By on 28. Oktober 2021

Der biblische Sündenfall-Bericht

Der Sündenfall-Bericht und das Geheimnis der Schlange

Der Sündenfall-Bericht beschreibt die List der Schlange, welche die Frau zu Fall brachte. Wer oder was ist diese mythologische Gestalt?

[Als Grundlage s. 12 Bäume im Paradies: die innere Familie und Die beiden Bäume in der Mitte.
Hier geht es direkt zu: Der Fluch und die Vertreibung aus dem Paradies.]

Ausgangslage des Sündenfall-Berichts: der zweite Schöpfungsbericht

Der Bau der «Männin»

Die Rippe (der zweite Schöpfungsbericht)

Der Sündenfall-Bericht der Bibel folgt direkt auf den zweiten Schöpfungsbericht, in welchem die Frau aus einer «Rippe» des Mannes zur «Männin» «gebaut» wurde. Es ist eine seltsame Begebenheit, nachdem doch zuvor gesagt wurde, dass der Mensch – nach dem Bilde Gottes – als Mann und als Frau (männlich und weiblich) geschaffen war (1. Mose 1,27). Wie soll man das verstehen? Vielleicht so, dass ihr spezifisch weibliches sanftes Wesen («Jungfrau«) durch männliche Attribute ersetzt wird (wie Körperlichkeit, Macht-, Leistungs- und Erfolgsorientierung)? Dies passt zum Weg der Frau (von weiss zu rot) und auch zur negativen Paardynamik. Doch nochmals von vorne …

Gott erschafft – aber der Mensch baut!

Die Bibel sagt, dass Gott durch sein blosses Wort (in der Kraft seines Geistes) Neues schafft und so die ganze Welt geschaffen hat. Doch der Mensch kann nur neue Realität erschaffen, indem er Materie manipuliert (wiederum durch Materie, besonders in der Kraft seines Körpers). So baut er Häuser, Strassen …
Nun – die Frau zur Männin «(um)gebaut»? Wie soll man das verstehen?

Der Sündenfall-Bericht kann als Erklärung verstanden werden, wie die Frau eine «Männin» wurde und was es damit auf sich hat.

Tiefe Weisheit als «box in boxes»

Verschachtelte Erzählweise der Überlieferungen

Denn dies ist das Vorgehen der alten Überlieferungen: Sie beschreiben zuerst die körperlich-materielle Realität, anschliessend erklären sie mit Bildern die seelisch-geistigen Zusammenhänge. Es ist das Prinzip «Box in Boxes», der verschachtelten Erzählweise wie sie in der sumerischen Überlieferung und auch im Gilgamesh-Epos zum Tragen kommt, s. Das Gilgamesh-Epos, Einführung).

So ist zum Beispiel die sprechende Schlange ein einfaches Bild für einen seelisch-geistigen Zusammenhang. Sie stellt «List» dar, eine Deutung, die im Sündenfall-Bericht mitgeliefert wird.

Der Dialog zwischen der Schlange und der Frau vor dem Sündenfall

Die Schlange verwickelt die Frau in einen Dialog. Dabei verwendet sie List, nämlich die Strategie, durch Lüge und Misstrauen die Frau zu Fall zu bringen.

Wörtlich aus der Bibel (1. Mose 3, 1-7, Elberfelder Übersetzung):

Die listige Schlange (Verwirrung)

Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die der HERR, Gott, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen?

Da sagte die Frau zur Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir; aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt!

Lüge und Misstrauen

Da sagte die Schlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses.

Der Sündenfall

Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Nahrung und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert war, Einsicht [Erkenntnis] zu geben;
und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.
Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

Im Drama kommen also drei Hauptakteure vor: Die Schlange, die Frau und der Mann. Dabei fällt die Frau auf die List der Schlange und der Mann auf die Verführung der Frau herein und so verstossen die beiden gegen das Gebot.

Mann und Frau sind einfach einzuordnen, doch was hat es mit der Schlange auf sich?

Wer oder was ist die Schlange?

Grundsätzlich: Ego, Trieb und listige Strategie

Die Schlange ist zunächst einmal das ein Symbol für Trieb und Lebenstrieb. Beim Menschen, der (im Gegensatz zu den «Tieren des Feldes») über ein Bewusstsein verfügt, symbolisiert sie das Ego als die Identität der Macht (s. Das Leben und die Schlange: Auf- und Abstieg und Der Drache, die alte Schlange und ihre Überwindung.). Als weiblicher Archetyp steht sie zudem für Macht im Bereich der Seele und des Geistes (s. Die negative Anima als Schlange oder Hure). Dazu diese Zitat von C.G. Jung:

Mit dem Archtetypus der Anima betreten wir das Reich der Götter beziehungsweise das Gebiet, das sich die Metaphysik reserviert hat. Alles was die Anima berührt, wird numinos, das heisst unbedingt, gefährlich tabuiert, magisch. Sie ist die Schlange im Paradies des harmlosen Menschen voll guter Vorsätze und Absichten.[1]

Im Einzelnen:

Das Ego

Der Mensch im Griff seines Egos ist phobisch und voll Misstrauen. Das Ego kann das menschliche Bewusstsein missbrauchen, um seinen eigenen Vorteil durchzusetzen. Es handelt mit anderen Worten strategisch beziehungsweise „listig“ und missbraucht Erkenntnis zu Zwecken der Macht.

Die Schlange und die Tiere des Feldes – gewöhnliche und tiefe Unbewusstheit
Einfache und tiefe Unbewusstheit
Die Schlange ist ein weibliches Symbol und gehört als Reptil zu den Wassertieren. Wasser ist ein Symbol für das kollektive Unbewusste. Im Sündenfall-Bericht wird die Schlange den „Tieren des Feldes“ gegenübergestellt. Diese sind ebenfalls „unbewusst“, denn sie handeln aus blossem Instinkt und sind damit „unschuldig“. Die Schlange hingegen zieht ihr Opfer in ihren Bann und wartet auf einen günstigen Augenblick, um zuzuschlagen – ein Bild für List.
Die Schlange im Kopf, das Reptiliengehirn

Der Mensch im Griff seiner Triebe kann sich ebenfalls – mithilfe des Bewusstseins – überaus „listig“, nämlich strategisch zu seinem Vorteil verhalten. Damit handelt er gewissermassen „bewusst unbewusst“, indem er sein Bewusstsein im Interesse seiner Triebe und seines Egos einsetzt (s. Die Schlange im Kopf – das Reptiliengehirn). Dies ist wird als tiefe Unbewusstheit bezeichnet (s. Das menschliche Bewusstsein).

Die Schlange als Symbol für die negative Anima: hinterhältige, "listige" Strategie

Die Anima, der weibliche Geist: Motivation aus Liebe oder Macht?

Die Anima als der weibliche Geist steht grundsätzlich für Motivation und Antrieb im Bereich der Seele. Die höchste positiv motivierende Kraft geht von der Liebe aus. In ihrer negativen Gestalt wirkt die Anima jedoch, indem sie die Triebe aktiviert, nämlich den Machttrieb oder den Sexualtrieb. Sie erscheint dann in der Gestalt des Archetyps der SCHLANGE oder HURE, indem sie entweder verblendet oder verführt (s. Die negative Anima als Schlange oder Hure).

Beide, sowohl Mann als auch Frau, können unter Ihrem Einfluss Macht ausüben, jedoch auf unterschiedliche Weise:

  • Ein Mann kann verführerisch manipulativ handeln oder listige Strategie verwenden, um sein Gegenüber zu Fall zu bringen (Anima als SCHLANGE).
  • Eine Frau kann Macht über Männer ausüben, indem sie sich mit deren innerem Frauenbild (Anima als HURE) identifiziert und ihren Trieb (das Tier in ihnen) anspricht.  
Der biblische Sündenfall-Bericht

Das Geheimnis der Schlange: die negative Anima des Mannes(!)

Die Anima als innere Frau und Beziehungsaspekt des Mannes

Als innere Frau symbolisiert die negative Anima die Seele des Mannes, die noch nicht integriert ist. Diese ist mit anderen Worten noch im Schatten und damit geleugnet, mit Negativität behaftet und noch nicht zur Liebe (des Vaters) herangereift (s. Die Integration der Anima und Der Weg des Mannes). Passend zu unreifer und stürmischer (Macho-)Männlichkeit ist sie stattdessen auf Macht ausgerichtet.

Das bedeutet konkret und im Zusammenhang mit dem Sündenfall:

Die Schlange, welche im Sündenfall-Bericht die Frau in einen verwirrenden Dialog verwickelt, stellt den Trieb des jungen Mannes dar. Er setzt listige Strategie ein, um von der Frau das zu bekommen, was er begehrt.

Dieser Gedanke wird nun im Folgenden ausgeführt und näher betrachtet.

Das Geheimnis als kollektives Tabu und Paulus

Doch zuerst noch eine Bemerkung zum Umstand, dass dieser verborgene Aspekt der Schlange (als Anima des Mannes) über zwei Jahrtausende bis heute als destruktives kollektives Geheimnis wirkte.

Die Frau als Schuldige und Sündenbock

Die Unterdrückung und Verteufelung Frau als Verführerin wurde legitimiert, indem ihr zu Unrecht die alleinige Schuld am Elend des Menschen in die Schuhe geschoben wurde.
Dies spielte sehr wohl der Macht der Kirche (als kollektive Anima) in die Hand. So wurden Paarbeziehungen als «nieder und triebhaft» abgetan und ein Heer von Männern als «Sünder» stattdessen über Rituale eingebunden.

Biblische Grundlage: Paulus und das Gebot der Unterordnung der Frau

Als biblische Legitimation dafür hatte die Aussage des Apostels Paulus zu dienen, mit welcher er das Gebot der Unterordnung der Frau begründete:

Im ersten Brief des Paulus an seinen Schüler Timotheus (1. Tim 2, 12-13 !):

Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht über den Mann zu herrschen, sondern ich will, dass sie sich in der Stille hält, [Vers 13 (!):] denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber wurde verführt und übertrat das Gebot. 

Kunststück! Adam wurde nicht verführt, weil er es war, der verführte!

Paulus im Angesicht der Gnade

Oh weh! Da sind wir schon mittendrin im Geschlechterschlamassel. Gewiss kann der weiblich-emotionale Trieb die Frau dazu bewegen, den Mann seelisch-geistig zu dominieren. Doch ebenso bewegt der körperliche Trieb den Mann dazu, die Frau zu unterwerfen (s. Der Trieb und Die menschliche Gleichung in der Partnerschaft).
Und so kam es, dass diese Aussage des Paulus weitere 2000 Jahre Unterdrückung der Frau befeuerte. (Abbildung: Brunnen in Burgeis, s.
Ich elender Mensch! – Paulus und das Gesetz.)

Als erstes die Frage: Worum geht es nun eigentlich beim Sündenfall?

Erkenntnis – das Wort für Einsicht und Geschlechtsverkehr

Was ist Erkenntnis?
Und warum hält sich die Idee so hartnäckig, dass es beim Sündenfall um Sexualität ging?

1. Erkenntnis für Geschlechtsverkehr – im Einklang mit höheren Ordnungen

Die Formulierung: «Er erkannte sie» wird in der Bibel für Geschlechtsverkehr im Rahmen einer „rechtmässigen“ Verbindung verwendet, die im Einklang mit höheren Ordnungen steht. Dazu gehören neben dem Einverständnis der Frau auch die Bindungsbereitschaft des Mannes und die Billigung durch die Familie. (Bei Geschlechtsverkehr mit Prostituierten steht hingegen der Ausdruck „Er ging zu ihr ein“. S. z. B.: 1. Mose 4,17, im Gegensatz zu 1. Mose 38,18.)

2. Erkenntnis für Einsicht – als Machtmittel missbraucht

Erkenntnis ist ein Geschenk der Liebe. Liebe ermöglicht, das Gegenüber zu erfassen und zu sehen, was es braucht (damit wird der Mensch «wie Gott»). Körperliche Nähe führt auch zu seelischer Nähe und damit zur «Erkenntnis» des Gegenübers. Aber Erkenntnis kann auch zu Zwecken der Macht missbraucht werden, indem die Schwachstelle des Gegenübers ausgelotet und ausgenutzt wird. Das ist, was beim Sündenfall geschah. Dies führte zu einem «Sterben der Liebe» – oder zumindest zu einem Sterben der «Jungfrau» (als Symbol für reine Liebe).

Der Dialog, der zum Sündenfall führte

Die List der Schlange …

Die List bestand darin, die Frau von der Liebe und dem Vertrauen zu trennen, um sie so zu Fall zu bringen. Sie könnte auch sehr viel profaner zum Ausdruck kommen, wie zum Beispiel im folgenden Gespräch:

… als Dialog zwischen Mann und Frau:

(Er bedrängt sie, nachdem sein Begehren erwacht ist.)
– Sie: Wir dürfen doch nicht … Es ist verboten … Noch nicht …
– Er: Was ist verboten und wer sagt das???

Verwirrung: «Hat Gott wirklich gesagt ...?»

Zeifel statt Vertrauen

Als erstes stellte die Schlange die Wahrnehmung des Menschen und damit das Gebot infrage und leugnete die angedrohten Konsequenzen (Sterben …).

– Sie: Nein … Nicht! Bitte! Lass uns noch warten … Ich will ganz sicher sein, dass es das Richtige ist …
– Er: Komm schon … Es ist doch nichts dabei! Lass uns ein Bisschen Spass haben!

Erste Lüge: Ihr werdet nicht sterben – das erste "Bisschen" der Frucht

Eine Teilwahrheit

Dies war wie viele raffinierte Lügen eine Teilwahrheit. Es geht nicht einfach um «ein bisschen Spass», sondern um das höchste Gut des Menschen, die Liebe. Auf das erste «Bisschen» folgt der Konsum der ganzen «Frucht», welche körperliche Liebe symbolisiert (s. Die beiden Bäume im Paradies und die verbotene Frucht). Konsumierte Liebe ist nicht mehr da und darum «gestorben» (s. Die zehn Plagen Ägyptens, die Heuschrecken, 8. Plage).

Das Sterben der Liebe ist ein grosses Risiko mit fatalen Folgen und muss wenn möglich verhindert werden. Der Mensch selbst «stirbt» zwar nicht sogleich, aber er verliert damit den Zugang zum grossen Ganzen, zum Geist und zum ewigen Leben.

– Sie: Ich weiss nicht … Ich bin mir nicht sicher …
– Er: Was ist dein Problem?! Wir sind für uns selbst verantwortlich und können tun, was uns gefällt!

Zweite Lüge: «Ihr werdet sein wie Gott ...» = «Ihr seid nicht wie Gott!».

Das Bewusstsein und Königsherrschaft (Gottes) im Leben

Der Mensch war bereits «wie Gott», also nach seinem Bild geschaffen. Das heisst, er ist mit einem Bewusstsein ausgestattet (mit welchem er seine eigene Realität erschaffen kann, s. Das menschliche Bewusstsein). Er muss aber noch lernen, dieses zum Guten anzuwenden und seinen Trieb zu überwinden. Wenn er hingegen sein Bewusstsein in den Dienst seiner Triebe stellt, werden diese über  ihn herrschen. Dies führt zum tragischen Umstand, dass er seine Göttlichkeit im Sinn von Selbstwirksamkeit verliert.

– Sie: Schon, aber …
– Er: Niemand kann uns das verbieten. Wir sind doch jetzt erwachsen.
(Sie schweigt ratlos. Doch er zeigt sich nun missmutig und abweisend und macht Druck.)
– Er: Liebst du mich denn nicht?!
– Sie: Doch, schon, aber …
– Er: Wenn du mich lieben würdest, würdest du mir geben, wonach ich mich verzehre!

Misstrauen: «Gott weiss ...» = «Man will / du willst uns etwas vorenthalten!» (Erkenntnis)

Vertrauen in höhere Ordnungen oder Misstrauen?

Das Gebot ist zum Schutz des Menschen gegeben, solange sein Bewusstsein noch nicht ausgereift ist. Der Mensch muss es entwickeln und lernen, es zum Guten zu gebrauchen. Voraussetzung dafür ist, dass er seine Triebe und sein Ego überwindet. Das ist sein Heldenweg.
Doch das fehlende Vertrauen sieht nur das Verbot und stösst sich daran. In diesem Fall kommt es als (wenn vielleicht auch nur gespieltes) Misstrauen gegenüber der Frau (als der Quelle der ersehnten Liebe) zum Ausdruck, aus einer Position der Macht, das Ersehnte zu verweigern.

Schliesslich gibt sie seinem Drängen nach.

Zusammenfassung: Das Werk der Schlange und der Trieb

Lieblosigkeit und Projektion des Schattens

Der Frau Lieblosigkeit und Machtgehabe zu unterstellen, ist eine üble Versuchung und eine stumpf-dumpfe Projektion des eigenen Schattens (des Mannes). Schade, dass sie darauf hereinfällt. Aber sie ist eben noch (zu weiblich-) unbewusst in dem Sinn, dass sie ihre männlichen Anteile noch nicht integriert hat. Als Jungfrau noch ganz in der reinen Liebe geborgen ist sie «unschuldig» – naiv und durchschaut darum seine Strategie nicht (s. Maria Magdalena und die Frau als Heldin und Die Integration des Animus).

Umkehr der Beweislast und der Schmerzkörper der Frau

So hat der Mann im Griff der Schlange den Spiess durch List zu seinen Gunsten umgedreht. Eigentlich sollte er sich ihrer Liebe als würdig erweisen, indem er sein Leben für die Beziehung in die Waagschale wirft. Doch er hält sich stattdessen (passiv-weiblich und «listig») bedeckt und bringt Zweifel, Druck und Misstrauen ins Spiel. Durch Ablehnung identifiziert er sich mit ihrem negativen Animus als Schmerzkörper und nötigt sie so dazu, aktiv um seine Gunst zu werben und ihm ihre Liebe zu beweisen, indem sie ihm gibt, was er will.

Der aktivierte Trieb und negative Paardynamik als Fluch

So hat die Schlange ihr böses Werk vollendet und in beiden den Trieb geweckt. Im Mann hat sie den Lusttrieb und in der Frau den Schmerztrieb aktiviert (s. Die negative Anima des Mannes und Der negative Animus der Frau). Nun wird sie ebenfalls in die Dynamik der Macht eintreten und damit kommt nun der Fluch in Gestalt negativer Paardynamik zum Tragen.

Der Fluch 1 (Hilma af Klint, Evolution Nr. 12)

Abbildung: Hilma af Klint, Evolution Nr. 12, 1908: Sie bettelt aktiv um seine Zuwendung (in Gelb, der Farbe der männlichen Seele). Er hat ihre Rolle eingenommen, hält sich strategisch-passiv bedeckt (Haube) in Blau (der Farbe der weiblichen Seele) und demonstriert strenge Zurückhaltung. (S. Hilma af Klint – von 12 zu 13).

Nachtrag: Eine alltägliche Geschichte um etwas Heiliges

Sexualität als etwas Heiliges

Die Bilder des Sündenfalls sprechen wichtige geistige Themen an wie Liebe, Vertrauen, Bescheidenheit und Geduld im Dialog mit Lust, Begehren und Macht, Verwirrung und Lüge.

Sexualität ist «heilig», denn sie führt zu Vereinigung von männlich und weiblich und damit zu Ganzheit, Heil (s. Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich).

In ihr sind Hingabe und Fülle, feurige Leidenschaft, Schmerz und Erlösung.

Mann und Frau und das Geheimnis des Lebens

Mit ihren tiefgründigen Aussagen und Bildern wird die jüdische Überlieferung dem Umstand gerecht, dass es bei der Interaktion zwischen Mann und Frau um die kostbarsten Güter überhaupt geht, um die Liebe und das Leben.

Das Leben und die Liebe verborgen im Schoss der Frau

Diese Güter, die Liebe und das Leben, wurden in die Frau hineingegeben. Sie hat die einzigartige Fähigkeit, in ihrem Schoss Leben heranwachsen zu lassen. Hier findet aber auch der Mann neue geistige Kraft.  
Diese reine, intakte Liebe der Frau bewirkt in der irdischen Realität Wunder (s. Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und Potenzial) und muss darum geschützt werden. Das ist der tiefere Sinn des Gebots.

Der Sündenfall in den Überlieferungen

Dies ist denn auch das Thema der grossen Überlieferungen von Anfang an (s. Die Vertreibung aus dem Paradies in den Überlieferungen). Es ist aber auch heute noch aktuell (s. Die Erbsünde als kollektives menschliches Problem). Früher war es die Aufgabe von Normen in Religion und Tradition, das Paar zu schützen und in eine fruchtbare Beziehung zu führen. Wer meint, er brauche keine Regeln, muss hingegen ein hohes Mass an Bewusstsein aufbringen (s. Das menschliche Bewusstsein).

Nachweis:

[1] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/I, „Die Archetypen und das kollektive Unbewusste“, S. 37, § 59


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