Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Salbung und Vollmacht über der Materie

Wasser aus dem Felsen als Bild für die Salbung

By on 29. Mai 2020

Wasser aus dem Felsen als Bild für die Salbung

Die Salbung und Vollmacht über die Materie

Zeichen der Autorität für Könige, Priester und Propheten

Die Salbung von Priestern, Propheten und Königen war seit jeher ein Zeichen göttlich autorisierter Vollmacht und beinhaltet die Legitimation, durch ein blosses Wort neue Realität zu schaffen. Mit anderen Worten ist der Gesalbte legitimiert, Weisungen zu erteilen (bildhaft gesprochen die “Samen des Wortes” auszustreuen), um dadurch in der lebendigen Materie die Entstehung neuer Realität anzustossen.

Übersicht über den Inhalt dieses Beitrages:

  1. Die Salbung als Zeichen der Vollmacht: Das Ritual der Salbung – Ursprung und Bedeutung
  2. Die Salbung als Wasser des Lebens: Das Weibliche als die Quelle des Lebens
  3. Vollmacht oder Macht? Salbung oder Vergewaltigung? Die Versuchung der Macht
  4. Vollmacht über die Materie: Zeichen und Wunder und der Heilige Geist Gottes

1. Die Salbung als Zeichen der Vollmacht

Das Ritual der Salbung und seine Bedeutung

Zeichen göttlicher Legitimation unter Anwesenheit und Zustimmung des Volkes

Könige, Priester und Propheten wurden und werden gesalbt als “heiliges” Zeichen ihrer “göttlichen” Vollmacht. Sie liessen sich dabei in Anwesenheit des Volkes oder ihrer Vertreter (der führenden Schicht) salben. Dieses Ritual dient der Bestätigung ihrer göttlichen Legitimation, das Volk durch Weisungen zu regieren, um auf diese Weise Materie zu bewegen und Neues zu erschaffen.

Heiliger Akt der Erschaffung von neuer Realität

Die Salbung wurde und wird vollzogen, indem Öl auf das Haupt des Auserwählten gegossen wird. Dieser Akt wird als “heilig” bezeichnet, weil darin die Ganzheit involviert ist. Sie besteht aus der Einheit von Männlich und Weiblich als der beiden Urkräfte der Schöpfung (s.  Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich). Die weibliche Seite ist dabei durch das Volk und seine Vertreter repräsentiert und die männliche durch den auserwählten König als das gesalbte Glied. Das Volk signalisiert durch seine ruhige Anwesenheit und stillschweigende Zustimmung sein Einverständnis zur Wahl des Herrschers und gibt damit auch die Zusage, künftig dessen Anweisungen konkret umzusetzen.

[S. auch Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Zum Weiblichen als lebendige Materie gehören: die Frauen, das Volk, das Land ...

Das Weibliche als lebendige Materie, die Samen oder Impulse aufnehmen und neue Realität gebären kann, gehört per Definition zum Unbewussten (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste).
Als “weiblich” im Sinne von Geist (Information) empfangend und Realität gebärend sind zu bezeichnen:

  • Die Frauen: Sie können Samen aufnehmen und neues Leben gebären.
  • Der menschliche Körper: Er nimmt Impulse des Bewusstseins („männlich-initiierend“) auf und setzt sie in Worte, Taten und neue Realität um.
  • Das Kollektiv (Gruppe, Volk, die ganze Menschheit): Es reagiert auf Impulse (zum Beispiel in Form von Informationen wie Nachrichten) mit Stimmungen und Handlungen. Es nimmt auch die Instruktionen des Herrschers auf und gestaltet diesen entsprechend in neue Realität, indem es Weisungen ausführt, wie zum Beispiel den Bau von Strassen.
  • Das Land mit seinen Ressourcen: Letztere ermöglichen das Erschaffen von neuer Realität.
  • Die Erde: Sie nimmt Samen auf und ermöglicht Wachstum. Zudem reagiert sie ebenfalls auf unterschiedlichste “geistige” Impulse, ob sie nun auf kosmische Einflüsse (wie Sonnenaktivität oder Meteoriten) zurückzuführen sind oder auf menschliches Verhalten (wie der Ausstoss von CO2). Sind diese Einflüsse stark, reagiert die Erde mit globalen Erscheinungen wie Abkühlung oder Klimaerwärmung.
    (Der “Kosmos” steht in den Überlieferungen für die übergeordnete geistige Kraft, auch Gott. Hierzu gehört das Element des Feuers und damit göttlich-geistige und initiierende Kraft, s. Die Dynamik der Elemente.)
  • Die ganze Schöpfung: Sie ist der Vergänglichkeit preisgegeben, in Leiden und Negativität und damit in der „Unterwelt“ und harrt darum auf den gesalbten Erlöser (Messias oder Christus), der das Elend aufheben wird; (s. Das Grosse Weibliche in der Unterwelt).

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung; Weibliche Ganzheit 3-in-1 und Das Grosse Weibliche in der Unterwelt.]

Beispiel einer Salbung aus der heutigen Zeit:

Bilder von der Salbung von König Charles III. von England im Rahmen der Krönungsfeier in der Westminster Abbey im Jahr 2023.

Krönungsfeier von König Charles III. von England in der Westminster Abbey
König Charles III. wird vor der Salbung entkleidet.

König Charles III. wird vor der Salbung entkleidet.

Der Vorhang, hinter welchem Charles III. gesalbt wird.

Der Vorhang, hinter welchem Charles III. zum König gesalbt wird.

Der König kniet im blossen Hemd.

Der König kniet im blossen Hemd und zeigt sich damit als demütiger Mensch.

Doch woher kommt dieser Brauch und was ist seine tiefere Bedeutung?

Die Symbole

Die tiefere Bedeutung ergibt sich aus den Symbolen, die dabei zum Ausdruck kommen. Diese sind:

  1. Der Gesalbte (die männlich-initiierende Seite, das liebende Bewusstsein): Ein Mensch wird als das gesalbte Glied legitimiert, das Volk durch den Samen seines Wortes zu regieren, das heisst ihm Weisungen zur Erschaffung von neuer Realität zu geben. Dies geschieht durch den Akt der Salbung, indem sein Haupt mit Öl gesalbt wird.
  2. Das Volk (die weibliche Seite, lebendige und Realität “gebärende” Materie): Regierungsbeschlüsse und Erlasse gehen an das Volk, welches diese in Bauwerke, Bildungsanstalten und Verteidigungsstrategien usw. umsetzt.
  3. Das verbindende Element: das Öl, Symbol für den Geist der Liebe (den Heiligen Geist als die vereinende Kraft): Das Öl, das in diesem “heiligen Akt” aus einem Füllhorn auf das Haupt gegossen wird, symbolisiert die geistige Kraft der Liebe, welche auf beiden Seiten vorhanden ist. Sie besteht einerseits in der Hingabe des Königs an das Volk und andererseits in der Annahme des Königs durch das Volk.

 

Herkunft der Symbole: in Analogie zur Zeugung eines Kindes!

Diese drei Aspekte finden ihre Parallele und ihren Ursprung in dem ganz gewöhnlichen Akt der Zeugung eines Kindes, der allgemein bekannt ist und darum tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Diese Parallele macht durchaus Sinn, denn es gilt: “Wie im Kleinen, so auch im Grossen – und umgekehrt”.
Männlich und weiblich wirken sowohl bei der Entstehung des Kindes als auch bei der Entstehung von kollektiver Realität zusammen.

Die entsprechenden drei Aspekte bei der Zeugung eines Kindes sind demnach:

  1. Der auserwählte Geliebte: Er ist bereit, sich aus Liebe der Frau hinzugeben und geht mit seinem Glied in ihren Körper ein, um darin seinen Samen zu säen.
  2. Die liebende Frau: Sie nimmt den Auserwählten an und auf, welcher ihre Seele erfüllt, und ist bereit, sich ihm ganz hinzugeben, mit Körper, Seele und Geist (Liebe).
  3. Die “Salbung” der Frau (Scheidenflüssigkeit): Das Wasser ihrer Seele fliesst dabei über und manifestiert sich als körperliche Salbung, welche dem Geliebten den reibungslosen Zugang zum gemeinsamen Heiligtum ermöglicht. Dabei fliessen das männliche und das weibliche Wasser zur Entstehung des neuen Lebens zusammen (s. Wasser – weiblich).

[S. auch: Das Heiligtum 3-in-1 als Symbol für Ganzheit und Der weibliche Schoss als Gral.]

Die Entstehung von neuem menschlichem Leben dient als archetypisches Modell für die Erzeugung von neuer lebendiger Realität durch die menschlichen Verantwortungsträger. Dabei ist die Salbung das Zeichen des gegenseitigen Einverständnisses, ja mehr noch des Vertrauens, der Liebe und der Hingabe.

Liebe als unabdingbare Legitimation

Die Liebe ist für die Erzeugung von neuer Realität unerlässlich, denn sie verbindet die ultimativen Gegensätze männlich und weiblich, sodass der Same des «Wortes» in die Materie gelangen kann.

Vollmacht über die lebendige Materie (Land, Leute …)

Sie wie also die liebende Frau sich dem Mann ihrer Wahl ganz hingibt, so beantwortet das grosse Weibliche als das Volk die Hingabe des Auserwählten, indem es ihm gewährt, über sein “versprochenes Land” zu verfügen. Als die weiblich-empfangende Seite nimmt es die Impulse des Bewusstseins vertrauensvoll auf und setzt sie dienstfertig in Realität um. So werden aus Worten konkrete lebendige Gestalt, zum Beispiel durch den Bau von Gebäuden und Strassen, den Erlass von Gesetzen, die Vernetzung von Informationskanälen …

[S. Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Der weibliche Schoss als Gral - Wasser des Lebens (Karen Salicath Jamali)

2. Die Salbung als Wasser des Lebens

Das Weibliche als die Quelle des Lebens

Überfliessen der weiblichen Seele aus Liebe

Die geistige Liebe im Herzen der Frau bringt das Wasser ihrer Seele zum Überfliessen, ja es materialisiert sich, indem es ihren Körper befeuchtet und ihn bereit macht, Samen aufzunehmen. Dies steht in Analogie zur Erde, die als Archetyp für den weiblichen Körper steht. (Wasser ist das Element der weiblichen Seele, ERDE ist das Symbol für den weiblichen Körper, s. Die vier Elemente).
So wird das weibliche Wasser der Salbung zum “Wasser des Lebens”. Und im Schoss der Frau kann – umgeben von “Fruchtwasser” – neues Leben, ein Kind heranwachsen (s. Wasser, weiblich).

Die Wasser des Todes und der Antichrist

Der Vergewaltiger und Unterdrücker im Geist des Antichristen

Wer jedoch ungebeten ins Weibliche eindringt, ohne dass die Salbung als Zeichen der Liebe und Bereitschaft da ist, ist ein “Anti-Christ”, nämlich ein Anti-Gesalbter und damit ein Vergewaltiger und Unterdrücker.

[S. Christus / Messias, der Gesalbte und der Antichristus und Die Frau, 3-in-1; Körper, Seele und Geist.]

Das feurige Begehren unreifer Macho-Männlichkeit möchte eher mit Gewalt nehmen und konsumieren, anstatt sich hinzugeben. Dies war schon das Thema der allerersten Mythen. 

[S. Missbrauch und Erlösung in menschlichen ÜberlieferungenDer sumerische Schöpfungsbericht und der Fall aus der GanzheitDer Sündenfall-Bericht der Bibel und das Geheimnis der Schlange  | Ich bin Lilith, die dunkle JungfrauDer zweite Schöpfungsbericht der Bibel: die Männin.]

Gilgamesh und das Wasser des Todes

Doch schon im babylonischen Gilgamesh-Epos muss der König die «Wasser des Todes» überwinden, um das ewige Leben zu finden. Sie symbolisieren männliches Begehren (nach Ejakulation). So missbraucht Gilgamesh als junger König seine Macht durch “das Recht der ersten Nacht” (das selbst deklarierte “göttliche” Recht, die jungfräuliche Braut vor dem Bräutigam zu vergewaltigen). Später muss er seine Untaten erkennen und bei der Überquerung dieses Wassers “sterben”, um so zu seinem Urahnen zu gelangen, der die grosse Flut überlebt hat, und von ihm Weisheit zu lernen.

[S. Hintergrundbeitrag Wasser des Todes und Wasser des Lebens.]

Die Salbung: Wasser aus dem Stein

Der wahre Gesalbte – Hingabe an das Weibliche

Der gute König: Christus als Archetyp für den Antrieb aus Liebe

Aufgrund dieses menschlichen Machtmissbrauchs kommt in den Überlieferungen auch immer wieder die Hoffnung des Volkes auf einen guten, liebenden König zum Ausdruck, der das Volk aus aller Unterdrückung und Not erlöst.

[S. Das Grosse Weibliche, das Leben selbst, in der Unterwelt.]

Dasselbe gilt auch für Paarbeziehungen: Sie müssen sich aus der Dynamik der Macht befreien und zur Liebe hinwachsen (s. Negative Paardynamik und Die Auflösung der Negativdynamik, Grundlagen).

Letztlich ist der märchenhafte Retter, Held oder Prinz, der sich furchtlos hingibt, um die Prinzessin oder das Reich aus der Herrschaft des Tyrannen zu befreien, ein Symbol für das liebende Bewusstsein. Als der positive Antrieb (ANIMUS) in der Materie ist er durch den ARCHETYP des CHRISTUS symbolisiert.

Die Taufe im Wasser – Zeichen der Hingabe an das Weibliche

Weil das Weibliche dem Wasser zuzuordnen ist und auch das Unbewusste symbolisiert, ist das Eintauchen ins Wasser bei der Taufe ein Zeichen der Bereitschaft, sich an das Weibliche und auch an das Leben im Unbewussten hinzugeben.

[S. Wasser – Symbol für das Weibliche und das Unbewusste | Die Initiation und Das Grosse Weibliche, das Leben selbst, in der Unterwelt (im Unbewussten).]

Die Taufe von Jesus

Die Bibel berichtet, dass bei der Taufe von Jesus der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube auf ihn herabkam und eine Stimme aus dem Himmel ertönte, die sagte: “Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.” (Lk 3,22).

Die Taube gilt seit Jahrtausenden als der Vogel der Göttin der Liebe[*] . Ihr Name ist “Jahu”. – Ob dieser mit dem Namen JHWE in Verbindung steht? – Auf jeden Fall symbolisiert die Taube als Vogel den Heiligen Geist und damit schöpferische Kraft. Zudem steht ausser Zweifel, dass beim Heiligen Geist die männliche und die weibliche Seite Gottes zusammenwirken.

***

[*] Keel, Othmar (2010). Gott weiblich. Eine verborgene Seite des biblischen Gottes (2. leicht veränderte Auflage). München: Gütersloher Verlagshaus, S. 110 f.

Im Namen des liebenden Vaters

Der Messias oder Christus: Vollmacht über die Materie zu Zeichen und Wundern

In religiösen Texten ist darum immer wieder von dem Gesalbten die Rede, welcher die Schöpfung aus aller Not erlöst (so bedeuten hebräisch Moschiach oder griechisch Christos übersetzt “der Gesalbte”).
Jesus Christus bedeutet „gesalbter Retter“. Von ihm werden vollmächtige Wundertaten berichtet. Er betonte stets, dass er als der SOHN des VATERS im Einklang mit seiner Liebe handelte.

Diese Vaterliebe ist voller Hingabe und Vergebung. Der VATER gibt sich (seine Kraft/Potenz) durch seinen SOHN hinein in den innersten Kern, in die tiefste Finsternis des Todes. In der Kraft der Liebe füllt er den tiefsten Mangel aus und erlöst die geknechteten Menschen mit seiner bedingungslosen Annahme aus Negativität. Damit stellt er die Existenz neu auf einen positiven Grund und erschafft die neue Realität der Liebe.

Der Sohn und Gesalbte als das auserwählte männliche Glied (der Phallus)

Archetypisch gesprochen symbolisiert der Gesalbte und gute SOHN des VATERS auch dessen Glied, also den Phallus, in dem die Potenz ist, einen Sohn zu zeugen. Diese Potenz als starke und leidenschaftliche Kraft soll sich jedoch ganz “dem Willen des Vaters” unterordnen, das heisst, dem Weiblichen mit Liebe und Respekt begegnen und sich mit ganzer Kraft hingeben.

[S. Das Grosse Weibliche, das Leben selbst, in der Unterwelt.]

Die erlösende Liebe des Vaters

Wer im Namen des Vaters kommt, ist im Geist der Liebe. Denn der ARCHTEYP des VATERS hat per Definition die Liebe, weil er mit seiner Liebe zur TOCHTER das Weibliche integriert hat (die Liebe ist die weibliche Seite des Geistes).
Der “gute” SOHN des VATERS ist mit anderen Worten jener Mann, der bereit ist, sich mit Verantwortung in Beziehungen hineinzubegeben und damit “Vaterschaft” und Fürsorge auf sich zu nehmen. Damit respektiert er auch höhere Ordnungen, allen voran das Gebot der Liebe.

Mit der Vollmacht der Mutter

Der wahre Gesalbte ist also der Mensch, der im Geist der Liebe lebt, indem er sich auf dem Heldenweg in allen Widerständen und Versuchungen bewährt. Auf diese Weise erlangt er die Gunst der grossen Mutter-Gottheit, Archetyp für das Leben in der Materie, die ihn mit Vollmacht über die Materie ausstattet. Zu dieser Vollmacht gehören auch übernatürliche Heilungen und Wunder, denn der Geist steht über der Materie, und das Leben wie auch die Liebe sind in ihrem Ursprung geistig.

3. Vollmacht oder Macht? Salbung oder Vergewaltigung?

Die Ebene des Geistes und die Versuchung der Macht

Prophetie und Magie

Die Salbung von Propheten oder Königen bedeutete darüber hinaus immer wieder auch göttliche Erwählung und Autorität, als “Stimme Gottes” unter den Menschen aufzutreten. Dabei wird der wahre Prophet dadurch bestätigt, dass sich die angedrohten Konsequenzen schicksalsmässig erfüllen oder im Falle einer Gesinnungsänderung des Volkes ausbleiben.

Herrschaft auf irdischer und geistiger Ebene

Prophetie und Magie gehören zur Ebene des Geistes. In den Überlieferungen stehen Magier und Propheten meistens auf Augenhöhe mit dem König oder Herrscher und sind überaus einflussreiche Personen. Beispiele dafür sind der biblische Prophet Samuel bei König David oder Merlin bei König Artus sowie der Papst im Kontext mit den Königen Europas.

Schwarze Magie und der Antichristus

Mit der Frage: “Macht oder Vollmacht?” ist man auf der Ebene des Geistes. Denn die Vollmacht wird nur dem Liebenden geschenkt. Wenn es an Liebe fehlt, ist darum die Versuchung gross, stattdessen die Macht zu ergreifen. Wer jedoch Ressourcen, Lebenskraft oder gar das Leben von anderen nimmt, kommt wie ein Dieb, Vergewaltiger oder Mörder daher. Auch handelt er im Geist des Antichristus, der den Willen und die Salbung des Gegenübers nicht respektiert, sondern Macht mittels Unterdrückung und Gewalt ausübt, um zu nehmen, was er will. Das ist schwarze Magie.

Insignien der Macht: Krone, Zepter, Reichsapfel

Die Insignien der Macht und die “Magie”

Die bekannten königlichen Insignien der Macht sprechen in der beschriebenen Symbolsprache und bestätigen die obigen Deutungen.

  1. Das Zepter ist als Stab ein Phallus-Symbol.
  2. Die Krone symbolisiert Penetration. Sie wird dem Auserwählten nach der Salbung aufgesetzt. In ihrer Grundform als Reif oder Ring stellt sie die Penetration des gesalbten Gliedes ins Innere des Weiblichen dar. Dies wird durch die Symbolik der Krone mit der roten Haube noch ergänzt, welche den weiblichen Schoss, die Gebärmutter sehr bildhaft veranschaulicht.
  3. Der Reichsapfel symbolisiert “verkehrte Weiblichkeit”, welche nicht in der Erde, sondern im Geist verankert ist (das Kreuz nach oben) und Macht durch Verführung lebt (weisse Magie).
    Weiblichkeit geerdet oder in den Geist verdreht

    Also, um es unverblümt zu sagen: Das Haupt des Gesalbten symbolisiert die Eichel des Penis. Und seine Legitimation zu herrschen “setzt dem Ganzen noch die Krone auf”. Doch das Weibliche, dem Gewalt angetan worden ist, verliert seine Verankerung in der Erde und “kippt” seinerseits stattdessen in den Geist, und zwar in geistige Macht durch Verführung und Verblendung (s. Weisse und schwarze Magie und Lilith: verstörende Weiblichkeit und die Macht der Frau).

    Der gute Hirte und Geliebte der Göttin

    Die Insignien der Macht stehen im Gegensatz zu den Attributen, welche seit Alters dem wahren König als dem guten Hirten gehören. Er weidet seine Schafe, sorgt für sie, führt sie zu grünen Wiesen und frischem Wasser. Auch beschützt er sie mit seinem Stab gegen Eindringlinge und führt sie zur Fülle im Überfluss (s. Psalm 23 als Weg der Läuterung). So schenkt die sumerische Göttin der Liebe ihrem Auserwählten, dem Hirten, ihren Körper, ihr Leben und ihre Liebe und macht ihn so zu ihrem Heldenkönig. Dabei sind Ring und Stab die Zeichen der Königsherrschaft, als Symbole der vollzogenen Penetration.

    [S. Die Göttin und ihr Heldenkönig | Inanna und Gilgamesh (Episode 3) und Die Wahl der Göttin: der Hirte (9).]

    Insignien des Hirten: Apfel, Stab, Füllhorn

    Fazit: Herrschaft über die Materie zum Guten oder zum Bösen

    Manche Herrscher kamen tatsächlich im Geist der Liebe und damit im „Auftrag Gottes“, andere hingegen benutzten die Salbung als leere Hülle, um ihren Machtanspruch zu untermauern. Und wieder andere begannen mit guten Vorsätzen und verfielen dann doch der Versuchung der Macht, indem sie sich korrumpieren liessen.

    Hilma af Klint (1908), Evolution Nr. 3 für den Gral

    4. Vollmacht über die Materie

    Zeichen und Wunder durch die Salbung der Mutter

    Wundertaten und übernatürliche Manifestationen in der Materie, Heilungen und Zeichen folgen dem wahren Gesalbten, der sich in der Liebe bewährt hat. Es ist die grosse Mutter als das Leben in der Materie, welche den Geliebten und Auserwählten als ihren Gesalbten bestätigt, als ihren wahren “König”, der seine Vollmacht und Autorität ausschliesslich einsetzt, um zu helfen.

    [S. Vater und Mutter, Geist und Materie |  “Ich bin die Herrin der Unterwelt”  und Der Gral und der Kelch Christi: Blut für Leben.]

    Der gesalbte Erlöser-König ist derjenige, der im Geist der Liebe kommt, um die Menschen und im kollektiven Sinn die ganze Schöpfung aus Not, Gebundenheit, Krankheit und Tod zu befreien.

    Göttliche Vollmacht für jeden Menschen …

    Diese Vollmacht wird jedem Menschen gegeben, der sich in der Liebe bewährt hat. Ihm öffnet sich ein Universum voller Möglichkeiten. Der Weg dahin ist der Heldenweg. Es ist ein Weg der Prüfungen, der zuletzt auf dem Weg durch die Unterwelt zu einem inneren Sterben führt. Dabei stirbt das Ego und das Selbst, die wahre göttliche Identität, die ewig ist, steht auf (s. Vom Ego zum Selbst).

    Der Heilige Geist und die Salbung

    Ganzheit, Männlich und Weiblich vereint

    Der Heilige Geist ist die Bezeichnung für den Geist Gottes. “Heilig” ist er, weil er “ganz” ist, nämlich heil oder “heilig”. Dieses Wort beinhaltet auch die Fähigkeit, ganz zu machen und zu heilen. Diese göttliche Ganzheit des Heiligen Geistes beinhaltet die Einheit von Vater und Mutter, welche auf der einen Seite das Bewusstsein und die Liebe darstellen und auf der anderen das Leben und die Kraft in der Materie, die sich als Schicksal und Zorn Gottes manifestieren kann.

    [S. Ruach, Geist Gottes – männlich und weiblich
    sowie Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich |Männliche Ganzheit 3-in-1, Vater, Sohn und GeistWeibliche Ganzheit 3-in-1: Potenzial, Realität und Schicksal.]

    Die Salbung des Heiligen Geistes: Übernatürliches erleben und bewirken

    Im Alten Testament der Bibel wird die Ausgiessung des Heiligen Geistes über alles “Fleisch” vorausgesagt (Joel 3,1 im Bibelserver):

    [Es wird geschehen], dass ich meinen Geist ausgiessen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Visionen sehen.

    Diese Prophetie hat sich gemäss dem Neuen Testament an Pfingsten erfüllt.

    Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

    Das war der Anfang eines gewaltigen Aufbruchs.

    [S. Das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten und 50, Pfingsten und Prophetie.]

    Erwähnte Beiträge:

    Erwähnte Überlieferungen:

    Der sumerische Schöpfungsbericht und der Fall aus der Ganzheit
    Die Überlieferungen von Inanna der sumerischen Göttin der Liebe (Einführung)
    Inanna und Gilgamesh (Episode 3)
    Die Wahl der Göttin: der Hirte (9)
    Das babylonische Gilgamesh-Epos
    Das Wasser des Todes
    Die grosse Flut    
    Der zweite Schöpfungsbericht der Bibel: die Männin
    Der Sündenfall-Bericht der Bibel und das Geheimnis der Schlange

    Macht, Missbrauch und Erlösung in menschlichen Überlieferungen
    Psalm 23 als Weg der Läuterung


    Die grosse Erbsünde und der Fluch

    Erwähnte Archetypen:

    Wasser – Symbol für das Weibliche und das Unbewusste 
    Brot und Wasser des Lebens
    Vater und Mutter, Geist und Materie
    Das Bewusstsein und das Unbewusste
    Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung

    Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich
    Christus / Messias, der Gesalbte und der Anti-Christus
    Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und Potenzial
    Der liebende VATER
    Der Heilige Geist – Kraft in der Materie

    Der Animus – Leben und Antrieb in der Materie
    Die Göttin und ihr Heldenkönig
    Das Grosse Weibliche, das Leben selbst, in der Unterwelt
    Ich bin die Herrin der Unterwelt (freier Text) 
    Ich bin Lilith, die dunkle Jungfrau (freier Text)
    Lilith: verstörende Weiblichkeit und die Macht der Frau

      

    Weiterführende Texte:

    Weisse und schwarze Magie: wenn die Geister sich scheiden
    Schwarze Magie, Macht durch Unterdrückung und Gewalt
    Weisse Magie   


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