Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Christus / Messias, der Gesalbte: Hingabe aus Liebe

Der Gesalbte (Kirchturm von Graun)

By on 5. April 2020

Kirchturm der Kirche von Graun

«Der Gesalbte» bildhaft dargestellt durch den Kirchturm im Wasser (Graun, am Reschenpass, Südtirol)

Christus / Messias, der Gesalbte –  Hingabe aus Liebe

«Der Gesalbte» ist die Bedeutung von «Christus» und «Messias». Als Titel steht die Bezeichnung für liebende göttliche Erlöserkraft.

Vorbemerkung: Symbol oder Glaubensbeziehung?

Die folgenden Ausführungen behandeln den Christus / Messias, den Gesalbten, als Symbol beziehungsweise als Archetypen.  Dabei sollen weder der Beziehungsaspekt, der im Glauben enthalten ist (Vertrauen aus Liebe), noch religiöse Gefühle tangiert werden.

Eine Veranschaulichung, wie das Symbol unabhängig von der Beziehung bestehen kann:
Mein Mann bewegt sich als Vater unserer Kinder im Archetyp des «VATERS» mit seinem Energiefeld und den entsprechenden Eigenschaften. Unabhängig davon kann ich als seine Partnerin jedoch meine ganz eigene Beziehung zu ihm leben.
Ebenso kann Christus als Archetyp und Erlöserfigur betrachtet werden – unabhängig von einem ganz persönlichen Glauben oder einer vertrauensvollen Gottesbeziehung. 

Der Gesalbte – die Wortbedeutung von „Christus“ und „Messias“

Beide Bezeichnungen, sowohl „Christus“ als auch „Messias“ bedeuten „der Gesalbte“. Messias kommt von hebräisch MOSHIACH und Christus kommt von griechisch CHRISTOS. Der Gesalbte ist die Bezeichnung für Männlichkeit, welche sich hingibt und mit Liebe in das Weibliche eingeht und zwar, wenn die Salbung als Zeichen der Bereitschaft gegeben ist.

Der Gesalbte und die Salbung

Die Salbung als Autorisation des Gesalbten: Liebe und Vertrauen

Der Gesalbte ist derjenige, der nur dann in das Weibliche eingeht, wenn die Salbung da ist. Sie ist das Zeichen, dass das Weibliche auf die gute Absicht und Hingabe aus Liebe vertraut und bereit ist, den Auserwählten in Liebe zu empfangen. Er ist derjenige, der auserwählt worden ist, als «guter König» das «gelobte Land» einzunehmen und seinen Samen («Programm», Instruktion) darin zu säen, um so das Neue, das werden soll, anzustossen (das Kind oder die neue Realität).

Legitimation zur Erzeugung neuer lebendiger Realität

Die Liebe verbindet männlich und weiblich und bringt so den Samen des «Wortes», die In-Formation, in die lebendige Materie. Diese nimmt die Instruktion auf und setzt sie in neue Realität um. Im Körper der Frau wächst ein Kind. Analoges gilt im kollektiven Kontext. Das Volk als das empfangende Weibliche setzt die Weisungen (das Wort) des gesalbten Verantwortlichen vertrauensvoll und dienstfertig in lebendige Realität um, indem es der Liebe Raum gibt und Gutes tut.

Zum Weiblichen als Impulse empfangende und gestaltungsfähige Materie gehören: die Frau, das Volk, die Erde ...

  • Die Frau, alle Frauen: Sie können Samen aufnehmen und neues Leben gebären.
  • Der menschliche Körper: Er nimmt Impulse des Bewusstseins („männlich“) auf und setzt sie in Worte, Taten und neue Realität um.
  • Das Kollektiv (Gruppe, Volk, die ganze Menschheit): Es reagiert auf Information, zum Beispiel auf Nachrichten, mit Stimmungen und Handlungen. Es nimmt auch die Instruktionen des Herrschers auf und gestaltet diese zu neuer, materieller Realität (führt Weisungen aus, wie zum Beispiel den Bau von Strassen).
  • Die Erde: Sie kann Samen aufnehmen und Wachstum geben. Sie reagiert auch auf unterschiedlichste Impulse aus dem Kosmos oder aus menschlichem Verhalten, z. B. mit Klimaerwärmung.
  • Die ganze Schöpfung: Sie ist der Vergänglichkeit preisgegeben und damit in der „Unterwelt“ (s. Das grosse Weibliche in der Unterwelt).

Das Weibliche als lebendige Materie, die Samen oder Impulse aufnehmen und neue Realität gebären kann, gehört per Definition zum Unbewussten (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste).

Der Gesalbte, die Salbung und die Erzeugung von neuer Realität

Der Geschlechtsakt als Modell für den grösseren Kontext

Der Akt der Zeugung eines Kindes beim Geschlechtsakt dient als Modell für die Erzeugung neuer lebendiger Realität durch den den Gesalbten.  

Die Salbung: Das Zeichen der Annahme und die Scheidenflüssigkeit der Frau

So wie die Scheidenflüssigkeit der Frau für ihren Geliebten das Zeichen ist, dass sie bereit ist, ihn zu empfangen, so ist die Salbung des auserwählten Königs/Priesters im Kollektiv das Zeichen seiner Annahme durch das Volk.

Der Gesalbte: der gehorsame Sohn als Kraft und Potenz des (künftigen) Vaters

Der «Sohn», der eingeht in die lebendige Materie, um darin zu «sterben», indem er den Samen (des Wortes der Liebe) darin ausgiesst, entspricht dem Penis des Mannes. Denn in diesem ist die Kraft, die Potenz, in der Frau wiederum einen Sohn zu zeugen.
Im kollektiven Kontext entspricht der Gesalbte jenem menschlichen Glied, welches autorisiert ist, in der lebendigen Materie neue Realität zu initiieren. (Das gesalbte Haupt entspricht demzufolge der Eichel des Penis.)

Das folgerichtige Sterben des Gesalbten in der Vereinigung mit der Materie

Ebenfalls sehr natürlich und nachvollziehbar ist entsprechend, dass das «gesalbte Glied» beziehungsweise seine Kraft nach dem Aussäen des Samens (des Wortes) in der Materie «stirbt». Oder mit anderen Worten: die Potenz stirbt, nachdem «es» vollbracht ist.
Und gerade im Sterben des Samenkorns, – indem es sich in der Vereinigung in der Materie auflöst und darin aufgeht, – wird das Neue, das werden soll, initiiert: die neue Schöpfung!

Der Gesalbte als der gute Sohn des Vaters

Die zwei Söhne: Trieb oder Gehorsam? 

Der Vater ist ein Archetyp für das liebende Bewusstsein.
Betrachtet man das Glied des (künftigen) Vaters als seinen «Sohn», kann man sagen: Der Vater hat zwei unterschiedliche «Söhne». Der eine «gehorcht dem liebenden Bewusstsein, der andere tut, was er will.
Dazu dieses Gleichnis von Jesus:

Das Gleichnis von den beiden Söhnen [1]

Ein Mann hatte zwei Söhne. Er bat den ersten: «Mein Sohn, arbeite heute in unserem Weinberg!» – «Ich will aber nicht!», entgegnete dieser. Später tat es ihm leid, und er ging doch an die Arbeit.
Auch den zweiten Sohn forderte der Vater auf, im Weinberg zu arbeiten. «Ja, Herr», antwortete der. Doch er ging nicht hin.
Wer von den beiden Söhnen hat nun getan, was der Vater wollte?

Trieb oder Enthaltsamkeit

Der eine «Sohn» entspricht dem gehorsamen Sohn des Vaters. Dieser hat seinen «Sohn» unter Kontrolle. Er gehorcht ihm. Er ist bereit, (Beziehungs-) Arbeit zu leisten, bevor er geniessen kann. Der andere «Sohn» symbolisiert den Trieb, der nicht arbeiten, sondern nur geniessen will («I want it all, and I want it now» – «Ich will alles jetzt»!).

In den ersten menschlichen Überlieferungen

Diese beiden Söhne sind schon in der sumerischen Überlieferung (Der Gott der Weisheit und Isimud) in der babylonischen Überlieferung (Gilgamesh und Enkidu) ein Thema.

Der Gesalbte und der Anti-Gesalbte

Christus und der Anti-Christus

Der Gesalbte, der «Christus», ist der gute Sohn des liebenden Vaters. Er gibt sich gemäss dem Willen des Vaters der Materie hin und wartet auf die «Salbung». Der «Anti-Christus» hingegen will nicht geben und nicht warten. Er will jetzt nehmen.

Der Anti-Christus als der verkehrte Sohn

Der eine Sohn ist der «verkehrte» Sohn, der nicht nach dem Willen des Vaters handelt. Er ist auf eigenen Lustgewinn aus und pfeift auf die Salbung.

Ein Beispiel dafür findet sich im Märchen Aladin und die Wunderlampe.
Der junge und unschuldige Aladin erhält vom Zauberer aus Afrika (als schwarzer Magier) die Instruktion, direkt in die Mitte der Wunderhöhle vorzudringen, die Lampe zu nehmen, sie auszulöschen und ihr Öl wegzuschütten. «Dann gehören alle Schätze dir!»

Wasser des Todes: Egoistisches Begehren

Der verkehrte Sohn, der keine Ordnungen respektiert, will als Egoist und Anti-Gesalbter Materie und das Weibliche konsumieren. Als Vergewaltiger und Unterdrücker kommt er im Geist der Macht, um eher Leben von anderen zu nehmen, als sich hinzugeben. Das ist schwarze Magie und entspricht dem Trieb oder dem «Tier» im Mann, welches sich im despotischen Herrscher (wie zum Beispiel König Gilgamesh einer war) zu erkennen gibt. Seine Seele, sein Leben ist in Gefahr, in seinem triebhaften Begehren unterzugehen. Gemäss dem Gilgamesh-Epos kann nur Göttlichkeit erlangen, wer das «Wasser des Todes» überwindet.

Der Christus als der «Sohn des Lebens»

Der andere Sohn ist der gehorsame Sohn, der gemäss dem Willen des liebenden Vaters sein Leben hingibt für das Leben der Anderen. Er gibt sich auch dem Weiblichen hin und geht nur dann in es ein, wenn die Salbung – in Antwort auf seine Liebe – gegeben ist. In der sumerischen Überlieferung heisst der Mann, der sich gemäss dem Willen des Vaters hingibt und eine verbindliche Beziehung in Form einer Ehe eingeht Dum-Zi, das heisst «Sohn des Lebens» (s. Heilige Hochzeit).

Wasser des Lebens und die Salbung

Er handelt gemäss dem Willen des liebenden Vaters und respektiert höhere Ordnungen der Weisheit. Er kann Beziehungen auch auf der Ebene der Seele leben und so seinen «Weinberg» pflegen. (Wein ist das Symbol für die geläuterte Seele, s. Brot und Wein.) Er kann sich gedulden und auf die Antwort seiner Liebe, die Salbung warten. Wasser ist das Element der weiblichen Seele (s. Wasser – weiblich). Wer seine Seele gewonnen hat, hat dieses Wasser des Lebens:

Jesus lehrte:
Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.[2]

Der Gesalbte und die Salbung

Jesus Christus – gesalbter Retter

Der Name Jesus ist die griechische Version von hebräisch Jehoshua, was mit „Gott rettet“ übersetzt werden kann. Christus bedeutet wie erwähnt «der Gesalbte».

Es ist derselbe Titel und dieselbe Funktion, die bereits vom jüdischen Volk dem Messias als Erlöser zugeschrieben wurde.

Die Schöpfung in der Unterwelt, in Krankheit und Tod

Bereits die ersten Überlieferungen berichten, dass das grosse Weibliche in der Unterwelt ist (s. Der sumerische Schöpfungsbericht). Mit anderen Worten: Die ganze Schöpfung ist Leid, Vergänglichkeit und Tod ausgeliefert und braucht darum Rettung oder „Erlösung“. Das Leben selber liegt ausserhalb des menschlichen Bewusstseins, es ist eingebunden in Naturgesetze.

Der Gesalbte – der Erlöser der geknechteten Schöpfung

Die Bezeichnung „der Gesalbte“ gilt als Titel demjenigen, der die Kraft und die Vollmacht hat, das kollektive Problem der Schöpfung zu lösen. Es ist jener Auserwählte, der im Geist der Liebe und mit Vollmacht kommt.

Das grosse Weibliche, das Leben selber, nimmt seine liebende Hingabe an und gewährt ihm Vollmacht über die Materie, die sich auf sein Wort hin durch Zeichen, Wunder und Totenauferweckungen manifestiert. Die lebendige Materie als die Grosse Mutter anerkennt den Sohn Liebe als den Gesalbten und bestätigt ihn, indem sie sein Wort in Realität umsetzt.

Hingabe bis in den Tod

Er gibt sich mit seinem Leben ganz hin, indem er sich mit ihr, mit dem Leiden der Schöpfung bis in den Tod identifiziert. Er gibt sich ganz hinein, bis tief in die dunkelste und tiefste Existenz, bis in die Unterwelt. Im Sterben vereinigt er sich mit der geknechteten Realität und sät so den Samen des Wortes von der Liebe des Vaters in die lebendige Materie hinein. So ruft er die neue Schöpfung der Liebe ins Leben:

Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. [1]

Die Mur-Quelle für die Quelle des Lebens

Weiter geht es mit:

Die Salbung – Vollmacht über die Materie 
Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität

Weiterführende Texte:

Archetypen
Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung
Schwarze Magie   
Das grosse Weibliche in der Unterwelt  
Brot und Wein
Wasser – weiblich).

Erwähnte Überlieferungen:

Die sumerische Mythologie von Inanna, Zusammenfassung
Der sumerische Schöpfungsbericht
Die Kräfte der Weisheit
Heilige Hochzeit
Das babylonische Gilgamesh-Epos, Zusammenfassung
Gilgamesh und Enkidu
Das Wasser des Todes
Aladin und die Wunderlampe: Die Zauberhöhle   

Nachweise

[1] Bibel, neues Testament, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 21,28 – 31 ff.
[2] Bibel, Neues Testament, Evangelium nach Johannes, Kapitel  7,38
[3] Neues Testament der Bibel, Brief des Paulus an die Epheser, Kapitel 5,14 (Luther) und Tanach / Altes Testament der Bibel, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 60,1 (das Licht für das liebende Bewusstsein, den Gesalbten)


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