Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Heilige Hochzeit – Integration des Unbewussten

Heilige Hochzeit

By on 24. März 2020

Die Heilige Hochzeit

Die heilige Hochzeit – Ganzheit durch die Integration des Unbewussten

Vereinigung von männlich und weiblich, bewusst und unbewusst

Die Hochzeit zwischen Prinz und Prinzessin, König und Königin, Göttin und ihrem Heldenkönig symbolisiert die geglückte Vereinigung von männlich und weiblich im Menschen selber. Sie bedeutet Ganzheit durch die Integration des Unbewussten (Königin, weiblich) ins liebende Bewusstsein (Glaube, König, männlich). [S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung.]

Der Quantenphilosoph Ulrich Warnke[1] schreibt:

Braut und Bräutigam stehen wie in der Alchemie, wo Königin und König verwendet wird, für Seele [das Leben in der Materie] und Geist. Diese beiden Polaritäten sollen sich in der Hochzeit, im Brautgemach der Liebe, vereinigen. So sollen laut Logion 22 [Thomas Evangelium] „das Männliche und das Weibliche zu einer Einheit“ werden. Dies knüpft an den Urzustand im Paradies an, wo, wie es heisst, Eva nicht von Adam getrennt war, sondern beide als Teile eines Körpers das Ganze ausmachten.

Der König – das liebende Bewusstsein, der Glaube

Das Bewusstssein ist Impuls gebende, initiierende Kraft und damit «männlich». Es ist der Glaube, der Berge versetzen kann, beziehungsweise die «Sicht» oder Absicht, welche das, was verwirklicht werden soll, schon «sieht», wie der Liebende, der in den Augen der Geliebten das Kind sieht, das werden wird.

Die Königin – der Körper und das Unbewusste

Das Unbewusste nimmt den Impuls des Bewusstseins auf und realisiert ihn zu lebendiger, materieller Realität (Materie von lateinisch mater = Mutter). Zum Unbewussten gehören der Körper mit seinen automatischen Funktionen, Trieben und tief verankerten Gefühlen und im kollektiven Sinn die lebendige Materie mit ihren Gesetzmässigkeiten und Naturgesetzen.

[S. Das Bewusstsein und das Unbewusste und Vater und Mutter – Geist und Materie]

Heilige Hochzeit in reliösen Überlieferungen – kollektive Ganzheit

Das Bild von der Hochzeit ist schon immer auch im kollektiven Kontext verwendet worden. Es ist im Hinblick auf ein Volk oder auf die ganze Menschheit bereits in den ersten menschlichen Überlieferungen ein wichtiges Thema.
So wurde in der Bronzezeit im Frühling die Vermählung der Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit mit ihrem Heldenkönig gefeiert.
Im Judentum bedeutet die heilige Hochzeit den Bund des Vater-Gottes mit seinem auserwählten Volk, während sie im Christentum durch die «Hochzeit des Lammes» und durch Vereinigung des Bräutigams mit seiner «Braut» dargestellt wird. Gemäss der christlichen Lehre ist die «Verlobung» schon geschehen (das Versprechen der künftigen Herrlichkeit), aber die Hochzeit wird erst vollzogen, wenn der Sohn Gottes in vollkommener göttlicher Vollmacht als König über die ganze Erde erscheint.

Ganzheit durch Integration der unbewussten gegengeschlechtlichen Anteile

Der männliche und der weibliche Geist – Animus und Anima

Beide – Mann und Frau – haben beides: männliche und weibliche Persönlichkeitsanteile. Entsprechend gewinnen sie Ganzheit, wenn sie auch ihre gegengeschlechtlichen Persönlichkeitsanteile integrieren, das heisst wenn sie diese in ihrem positiven Aspekt leben.

  • Die innere Frau ist die Seele und die Liebe als geistiger Aspekt.
  • Der innere Mann ist der Körper und der Lebenstrieb und -antrieb als geistiger Aspekt. 

C.G. Jung nannte diese beiden geistigen Typen von männlich und weiblich Animus und Anima. Sie sind ein besonderer Aspekt des Schattens (s. Der Schatten). 

Die innere Frau des Mannes – seine Seele (Anima)

Jeder Mann hat ein inneres Bild von Frau. Weil es sich nicht um eine körperliche Realität, sondern um eine Vorstellung von Weiblichkeit handelt, ist die Anima ein geistiger. Sie ist der weibliche Geist. In Überlieferungen wird sie durch den Archetyp der GÖTTIN, der JUNGFRAU oder der PRINZESSIN dargestellt (mehr s. Die Anima.).

Die positive Anima – die Jungfrau oder Göttin der Liebe

In ihrer positiven Gestalt bringt die Anima den Mann durch ihre Ausstrahlung reiner Liebe mit seiner Seele in Berührung und zieht ihn empor, in die Freiheit des Geistes. So «erlöst» sie ihn so aus seiner «Knechtschaft», nämlich aus seiner Bindung an den Körper und die Materie.

Die negative Anima – die Hure oder die Schlange

In ihrer negativen Gestalt bindet die Anima den Mann durch Erotik und Verblendung an den Körper und die Materie und hindert ihn so daran, die immatereille Seite der Existenz einzunehmen, mit anderen Worten seine Seele zu gewinnen und den Geist (Liebe) zu gewinnen.

Der innere Mann der Frau – Antrieb im Körper (Animus)

Jede Frau hat ein inneres Bild von Männichkeit. Dieses Bild ist stark geprägt von den Erfahrungen, welche die Frau mit Männern, insbesondere im Zusammenhang mit ihrem Körper, gemacht hat. Der innere Mann als der männliche Geist ist die Lebenskraft und der Antrieb im Körper und in der Materie. (Wenn also die Prinzessin «ohnmächtig» oder «wie tot» ist, hat sie eine negative Erfahrung gemacht und darum ist ihr positiver innerer Mann «gestorben».)
Als kollektive («göttliche») Kraft wird der Animus von mächtigen Figuren wie der «Himmelsstier» (im Gilgemesh-Epos) oder der Gott des Sturms dargestellt (mehr s. Der Animus).

Der positive Animus – der Antrieb aus Liebe

Der positive Antrieb ist in Märchen durch den Archetyp des erlösenden Helden oder Prinzen dargestellt. In religiösen Schriften und Überlieferungen erscheint er in der Figur des helfenden Gottes, des liebenden, vergebenden Vaters und des Sohnes, der sich hingibt und so das kollektive Weibliche (die Menschen, die Schöpfung) aus Leid, Krankheit und Tod erlöst.

Der negative Animus – der Antrieb aus Negativität (Ohnmacht oder Agression aus Schmerz oder Zorn)

Der negative Animus ist der Antrieb im Körper und in der Materie aus Negativität, das heisst aus Angst, Mangel, Defizitempfinden, Druck oder Schmerz. Er führt in einem ersten Schritt zu Ohnmacht und in einem zweiten Schritt zu Empörung und Auflehnung. Er ist identisch mit dem Schmerzkörper. Ein Beispiel dafür ist das Phantom der Oper. In seinem kollektiven Aspekt ist er durch  Archteypen wie zum Beispiel das «Tier» oder der «Teufel» symbolisiert.

Die Integration von Animus und Anima – der Weg durch die Unterwelt

Animus und Anima werden in ihrer positiven Form gewonnen, indem sie durch Liebe integriert werden. Der Weg dahin ist die Integration des Schattens, mythologisch gesprochen der durch die «Unterwelt» oder die «Nachtmeerfahrt», welche die letzte Herausforderung auf dem Heldenweg ist damit ist das Tor zur weiteren Dimension der Ganzheit (s. Die Feuerprobe).

Beispiele aus den Überlieferungen:

  • In der sumerischen Mythologie (um 3000 v.Chr.) macht sich die Göttin der Liebe auf den Weg in die Unterwelt und gewinnt ihre Kraft («männlich») wieder.
  • Im babylonischen Gilgamesh-Epos (um 2000 v.Chr.) kämpft der Held mit dem Himmelsstier, fährt über die Wasser des Todes und begegnet seinem Urahn und dessen Frau, die «Göttlichkeit» erlangt haben.
  • Jona, der Prophet, macht im Bauch des Walfisches (im Meer, beides Mutter-Symbole)  eine Wiedergeburts-Erfahrung.
  • Christus erlöst «die geknechtete Materie»  aus Krankheit und Tod (das Wort Materie von lateinisch mater = Mutter).
  • Odysseus begegnet auf dem Meeresgrund seiner Mutter.
  • Herkules und Orpheus erlösen ihre Liebe aus dem Tod.
  • Dantes Inferno

Die Mitgift bei der Hochzeit: Gold und ein Königreich 

Das Reich und die Königsherrschaft

Das Königreich bedeutet: Königsherrschaft im Leben.
Sie ist das Ziel für jeden Menschen und bedeutet konkret Selbstwirksamkeit und Gestaltungsfreiheit im Leben. Indem der Mensch durch sein liebendes Bewusstsein (Glauben) 
die Herrschaft und Verantwortung über seinen Körper, seine Ressourcen und seine Gestaltungsmöglichkeiten übernimmt, wird das Unbewusste («weiblich», Königin) ins Bewusstsein («männlich», König) integriert.

Der eigene Körper, die Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten stellen dabei das «Königreich» dar. Der Mensch regiert als guter König, wenn er diese in der Kraft der Liebe mit Weisheit und zum Guten einsetzt.

Dazu dieses Zitat von Jesus aus dem Thomas-Evangelium:

Wenn ihr die zwei zu einem macht, wenn ihr das Innere wie das Äussere macht und das Äussere wie das Innere und das Obere wie das Untere, nämlich dass ihr das Männliche und Weibliche zu einem einzigen macht […], dann werdet ihr eingehen in das Königreich.[2]

Das Gold – Ganzheit und ewiges Leben

Das Gold symbolisiert Einheit und Ganzheit, die zum ewigen Leben führen. Denn wie im Feuerofen aus der Erde Gold gewonnen wird, so gewinnt der Mensch in seiner «minderwertigen» irdischen Existenz – im Schmelzofen der Läuterung durch Leiden – Gold für die Ewigkeit. Dabei werden auch die gegengeschlechtlichen Anteile integriert: die Liebe (die weibliche Seite des Geistes, Anima) und die Kraft (Vollmacht, die männliche Seite des Geistes, Animus).  Der Mensch «verschmilzt» in sich zu Einheit und Ganzheit und damit zur «edlen Substanz», zu Gold, und gewinnt so das ewige Leben.

C.G. Jung schrieb:

Einheit und Ganzheit stehen auf der höchsten Stufe der objektiven Wertskala, denn ihre Symbole lassen sich von der imago dei [lat. für Bild Gottes] nicht mehr unterscheiden.[3]

Wie Gold als beständiges Metall sich nicht zersetzen lässt, so gewinnt der Mensch, der sich in Prüfungen als beständig und treu erwiesen hat,  sein Leben für die Ewigkeit. Der Mensch, der durch innere und äussere Versöhnung Ganzheit erlangt hat, ist darum Gott gleich oder eben «wie Gott», denn er entspricht dem guten, ursprünglichen Plan Gottes für den Menschen:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, nach unserem Abbild! […] Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.[4]

Detail, Altar Nr. 3, Hilma af Klint

Nachweise

[1] Ulrich Warnke, „Quantenphilosophie und Spiritualität“ (2011, S. 202), in Kapitel 9, S. 257
[2] Thomas Evangelium, Logion 22, wörtlich: in Gottes Herrschaft
[3] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“, S. 41, § 60
[4] Bibel, Altes Testament, 1. Buch des Mose, Kapitel 1, 26 und 27 (Elberfelder Übersetzung, wörtliche Textvariante)


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