Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Heilige Hochzeit – Integration des Unbewussten

Heilige Hochzeit

By on 24. März 2020

"Heilige Hochzeit", Elisabeth Baldenweg (2022)

Die heilige Hochzeit – Ganzheit durch die Integration des Unbewussten

Vereinigung von männlich und weiblich, bewusst und unbewusst

Die Hochzeit zwischen Prinz und Prinzessin, König und Königin, Göttin und ihrem Heldenkönig symbolisiert die geglückte Vereinigung von männlich und weiblich im Menschen selber. Diese bedeutet die Integration des Unbewussten (Königin, weiblich) ins liebende Bewusstsein (Glaube, König, männlich) und führt so zu Ganzheit. 

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung.]

Der Quantenphilosoph Ulrich Warnke formuliert es so:

Braut und Bräutigam stehen wie in der Alchemie, wo Königin und König verwendet wird, für Seele [das Leben in der Materie] und Geist. Diese beiden Polaritäten sollen sich in der Hochzeit, im Brautgemach der Liebe, vereinigen. So sollen laut Logion 22 [im Thomas Evangelium] „das Männliche und das Weibliche zu einer Einheit“ werden. Dies knüpft an den Urzustand im Paradies an, wo, wie es heisst, Eva nicht von Adam getrennt war, sondern beide als Teile eines Körpers das Ganze ausmachten.[1]

Der König – das liebende Bewusstsein, der Glaube

Der König steht für Impuls gebende, initiierende Kraft, welche als solche als «männlich» zu bezeichnen ist. Er ist identisch mit dem VATER, der als Archetyp das liebende Bewusstsein symbolisiert. Dieses beinhaltet auch einen Glauben, der Berge versetzen kann, oder mit anderen Worten die zielsichere Absicht, welche in der lebendigen Materie die Entstehung des Neuen schon verwirklicht sieht. – So wie der Liebende in den Augen der Geliebten die gemeinsamen ungeborene Kind «sieht».

 

Die Königin – der Körper und das Unbewusste

Das Unbewusste als lebendige und empfangende Materie («weiblich») nimmt den Impuls des Bewusstseins auf und setzt ihn in neue materielle Realität um. Zum Unbewussten gehören der Körper mit seinen automatischen Funktionen, Trieben und tief verankerten Gefühlen und im kollektiven Sinn die lebendige Materie mit ihren Gesetzmässigkeiten und Naturgesetzen.

[S. Das Bewusstsein und das Unbewusste und Vater und Mutter – Geist und Materie und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Die Heilige Hochzeit

Heilige Hochzeit in religiösen Überlieferungen – der kollektive Kontext

Die ersten Überlieferungen

Das Bild von der Hochzeit ist schon immer auch im kollektiven Kontext verwendet worden. Es ist im Hinblick auf ein Volk oder auf die ganze Menschheit bereits in den ersten menschlichen Überlieferungen ein wichtiges Thema.
So wurde in der Bronzezeit im Frühling die Vermählung der Göttin des Lebens mit ihrem Heldenkönig gefeiert.


Jüdisch-christliche Überlieferung

Im Judentum bedeutet die Heilige Hochzeit den Bund des Vater-Gottes mit seinem auserwählten Volk, während sie im Christentum die Verlobung des Bräutigams mit seiner Braut darstellt. Dabei wird die «Hochzeit des Lammes» dann vollzogen, wenn der Sohn Gottes in vollkommener göttlicher Vollmacht als König über die ganze Erde zurückkehrt.

Ganzheit durch Integration der unbewussten gegengeschlechtlichen Anteile

Der männliche und der weibliche Geist – Animus und Anima

Beide – Mann und Frau – haben beides: männliche und weibliche Persönlichkeitsanteile. Ganzheit wird durch Integration der gegengeschlechtlichen Anteile erlangt. Dabei kommen diese in ihrem positiven Aspekt zum Tragen.

  • Die innere Frau steht für die Seele und die Liebe als geistiger Aspekt.
  • Der innere Mann steht für Kraft und Antrieb als geistiger Aspekt. 

C.G. Jung nannte diese beiden geistigen Typen von männlich und weiblich Animus und Anima. Sie stellen einen besonderen Aspekt des Schattens dar. 

Die innere Frau des Mannes – seine Seele (Anima)

Jeder Mann trägt ein Bild von Frau in sich. Als blosse Vorstellung von Weiblichkeit, ist es ein geistiger Aspekt, welchen C.G. Jung Anima nannte. Die Anima als der weibliche Geist erscheint in Überlieferungen in Gestalt verschiedener Archetypen, wie zum Beispiel der GÖTTIN, der JUNGFRAU oder der PRINZESSIN oder auch der HEXE, SCHLANGE oder des DRACHEN (mehr s. Die Anima).

Die positive Anima – die Jungfrau oder Göttin der Liebe

In ihrer positiven Gestalt bringt die Anima den Mann durch ihre Ausstrahlung reiner Liebe mit seiner Seele in Berührung und zieht ihn empor, in die Freiheit des Geistes. So «erlöst» sie ihn aus seiner «Knechtschaft», nämlich aus seiner Bindung an den Körper und die Materie.

Die negative Anima – die Hure oder die Schlange

In ihrer negativen Gestalt bindet die Anima den Mann durch Erotik und Verblendung an den Körper und die Materie und hindert ihn so daran, die immaterielle Seite der Existenz einzunehmen, mit anderen Worten seine Seele zu gewinnen und den Geist (Liebe) zu gewinnen.

Der innere Mann der Frau – Antrieb im Körper (Animus)

Jede Frau hat ein inneres Bild von Männlichkeit. Dieses Bild ist stark geprägt von den Erfahrungen, welche die Frau mit Männern, insbesondere im Zusammenhang mit ihrem Körper, gemacht hat. Der innere Mann als der männliche Geist ist die Lebenskraft und der Antrieb im Körper. (Wenn also die Prinzessin «ohnmächtig» oder «wie tot» ist, hat sie keinen positiven Zugang zu ihren männlichen Persönlichkeitsanteilen. Da steckt meistens Missbrauch dahinter.)
Als kollektive («göttliche») Kraft wird der Animus von mächtigen Figuren wie der «Himmelsstier» (im Gilgamesh-Epos) oder der Gott des Sturms, Christus oder den Teufel dargestellt (mehr s. Der Animus).

Der positive Animus – der Antrieb aus Liebe

Der positive Antrieb ist in Märchen durch den Archetyp des erlösenden Helden oder Prinzen dargestellt. In religiösen Schriften und Überlieferungen erscheint er in der Figur des helfenden Gottes, des liebenden, vergebenden Vaters und des Sohnes, der sich hingibt und so das kollektive Weibliche (die Menschen, die Schöpfung) aus Leid, Krankheit und Tod erlöst.

Der negative Animus – der Antrieb aus Negativität (Ohnmacht oder Aggression aus Schmerz oder Zorn)

Der negative Animus ist der Antrieb aus Negativität, wie Angst, Mangel oder Schmerz. Er führt in einem ersten Schritt zu Ohnmacht und in einem zweiten Schritt zu Wut und Auflehnung. Er ist identisch mit dem Schmerzkörper. Ein Beispiel dafür ist das Phantom der Oper. Im kollektiven Aspekt ist er durch Archeypen wie das «Tier» oder der «Teufel» symbolisiert.

Die Integration von Animus und Anima 

Animus und Anima werden in ihrer positiven Form gewonnen, indem sie durch Liebe integriert werden. Dies bedeutet, unbewusste Negativität und verdrängte Schmerzen oder Schwäche wahrzunehmen und sich selbst darin zu lieben.

Der Weg durch die Unterwelt

Auseinandersetzung mit dem Schatten

Der Weg zur Integration der gegengeschlechtlichen Anteile wird in Mythen und Überlieferungen durch den Weg durch die «Unterwelt», durch das Reich der Schatten oder auch hinab in die Tiefe des Meeres dargestellt. Er fordert ein inneres Sterben des Helden und ist als die Feuerprobe die letzte Prüfung, bevor er Ganzheit und damit das ewige Leben erlangt.

Beispiele aus den Überlieferungen:

  • In der sumerischen Mythologie (um 3000 v. Chr.) macht sich die Göttin der Liebe auf den Weg in die Unterwelt, wird getötet und vom liebenden Vater wieder auferweckt.
  • Im babylonischen Gilgamesh-Epos (um 2000 v. Chr.) kämpft der Held mit dem Himmelsstier, fährt über die Wasser des Todes und begegnet seinem Urahnen und dessen Frau, die «Göttlichkeit» erlangt haben.
  • Der biblische Prophet Jona macht im Bauch des Walfisches eine Wiedergeburts-Erfahrung (s. Jona, Bibelserver).
  • Christus erlöst durch sein Sterben die gesamte geknechtete Materie aus Krankheit und Tod (das Wort Materie von lateinisch mater = Mutter).
  • Odysseus begegnet auf dem Meeresgrund seiner Mutter.
  • Herkules und Orpheus erlösen ihre Liebe aus dem Tod.

Diese und viele weitere Überlieferungen und Autoren wie Wolfram von Eschenbach (Parzival), Dante oder auch J.R.R. Tolkien (Der Herr der Ringe) beschreiben dieses grundlegende Thema der Reise durch die Tiefen der materiellen Existenz, um zu Ganzheit und (ewiger) Königsherrschaft zu gelangen.

Läuterung auf dem Weg zu Vollkommenheit

Der Weg durch die Unterwelt, welcher das Reich des Unbewussten und der Triebe darstellt, ist der Weg der Läuterung der Seele. Sie wird gereinigt und erlangt Vollkommenheit, indem sie in Liebe die eigenen Schatten anerkennt und dafür Verantwortung übernimmt.

Die Mitgift bei der Hochzeit: Gold und ein Königreich 

Der Held, der den Tod nicht fürchtet und die Schatten überwindet, erhält als Belohnung die Jungfrau und das Königreich.

Die Jungfrau: Vollmacht über die Materie

Die Jungfrau symbolisiert einerseits reine Liebe, welche den Impuls des Bewusstseins («männlich») in die Materie («weiblich») bringt. Andererseits symbolisiert sie auch das Potenzial selbst (s. Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und Potenzial).

Wer die Jungfrau gewinnt, erhält Zugang zum Potenzial, Vollmacht über die Materie und damit auch das ewige Leben (s. Die Salbung – Vollmacht über die Materie). Dies kommt zum Beispiel in der Legende von Georg, dem Drachentöter anschaulich zum Ausdruck.

Das Reich und die Königsherrschaft

Göttliche Herrschaft im Leben

Das Königreich bedeutet: Königsherrschaft im Leben. Im Märchen Der Eisenhans gewinnt der Held neben der Jungfrau sogar drei Königreiche. Sie sind ein Hinweis darauf, dass er in allen drei Bereichen seines Lebens, in Körper, Seele und Geist zur Herrschaft Gottes oder eben zur Königsherrschaft im eigenen Leben gelangt ist. (Wenn er sich durch die Integration der Schatten von der Herrschaft der Triebe und des Unbewussten befreit.)

Königsherrschaft durch Integration des Unbewussten

Königsherrschaft im Leben bedeutet konkret Selbstwirksamkeit und Gestaltungsfreiheit im Leben. Indem der Mensch durch sein liebendes Bewusstsein (Glauben) die Herrschaft und Verantwortung über seinen Körper, seine Ressourcen und seine Gestaltungsmöglichkeiten übernimmt, wird das Unbewusste («weiblich», Königin) ins Bewusstsein («männlich», König) integriert.

Das versprochene Land: der Körper und die eigenen Ressourcen

Der eigene Körper, die Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten stellen also das «Königreich» dar. Der Mensch regiert als guter König, wenn er diese in der Kraft der Liebe mit Weisheit und zum Guten einsetzt.

Gold für Ganzheit und das ewige Leben

Das Ziel: den göttlichen Kern finden

In den Überlieferungen symbolisiert Gold die Läuterung der Seele, welche zu Einheit und Ganzheit und damit zum ewigen Leben führt. Denn wie im Feuerofen edle Metalle gewonnen wird, so gewinnt der Mensch in seiner «minderwertigen», begrenzten irdischen Existenz seine Seele wie auch seinen Geist und damit Gold für die Ewigkeit. Dabei «verschmelzen» auch die weiblichen und die männlichen Persönlichkeitsanteile, das heisst die Liebe und die Kraft (Vollmacht) in ihm selbst zu Einheit. Die so gewonnene Ganzheit ist die «edle Substanz», der wahre Kern des Menschen, sein Selbst. Sie macht ihn unkorrumpierbar und unvergänglich – wie reines Gold.

Jesus: «Wenn ihr die zwei zu einem macht …»

Dazu dieses Zitat von Jesus aus dem Thomas-Evangelium:

Wenn ihr die zwei zu einem macht, wenn ihr das Innere wie das Äussere macht und das Äussere wie das Innere und das Obere wie das Untere, nämlich dass ihr das Männliche und Weibliche zu einem einzigen macht […], dann werdet ihr eingehen in das Königreich.[2]

C.G. Jung schrieb:

Einheit und Ganzheit stehen auf der höchsten Stufe der objektiven Wertskala, denn ihre Symbole lassen sich von der imago dei [lat. für Bild Gottes] nicht mehr unterscheiden.[3]

Der Mensch nach dem Bilde Gottes

Wie Gold als beständiges Metall sich nicht zersetzen lässt, so gewinnt der Mensch, der sich in Prüfungen als beständig und treu erwiesen hat, sein Leben für die Ewigkeit. Wer durch innere und äussere Versöhnung Ganzheit erlangt hat, ist Gott gleich oder eben «wie Gott».

Dies entspricht dem guten, ursprünglichen Plan Gottes für den Menschen:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, nach unserem Abbild! […] Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.[4]

Detail, Altar Nr. 3, Hilma af Klint

Nachweise

[1] Ulrich Warnke, „Quantenphilosophie und Spiritualität“ (2011, S. 202), in Kapitel 9, S. 257
[2] Thomas Evangelium, Logion 22, wörtlich: in Gottes Herrschaft (Kurzsiv durch die Autorin).
[3] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“, S. 41, § 60
[4] Bibel, Altes Testament, 1. Buch des Mose, Kapitel 1, 26 und 27 (Elberfelder Übersetzung, wörtliche Textvariante)


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