Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Der Weg des Mannes und des Männlichen in den Geist

Hilma af Klint, Altar Nr. 1

By on 18. Februar 2021

Hilma af Klint, Altar Nr. 1

Altar Nr. 1 (1915) von Hilma af Klint für den Weg des Mannes:
Das männliche Dreieck weist nach oben, aus der Materie und dem Körper (schwarz-rot) über die Fülle des Lebens (Seele, alle Regenbogenfarben) in die unbegrenzte Weite und Ganzheit des Geistes (Gold).

Der Weg des Mannes und des Männlichen, Einführung

Das männliche Dreieck weist nach oben in den Geist

Der Weg des Männlichen führt aus der Verhaftung an die Materie empor in die Freiheit des Geistes. Der Mann beginnt als „roter Ritter“ im Körper, gewinnt als „weisser Ritter“ und Retter seine Seele und erfährt als „schwarzer Ritter“ eine Verwundung, welche ihn mit dem Geist in Verbindung bringt. (Mehr zu den drei Farben s. Parzival, Der Eisenhans, oder auch Die Legende von Ritter Georg, dem Drachentöter).

Der Lebenstrieb in der Materie – männlich!

Aufstieg des Lebens zu Bewusstsein

Der männliche Geist (Animus) ist der Trieb und Lebensantrieb in der Materie. Das Leben ist von primitiven Strukturen wie Einzellern zu komplexen Gebilden wie Säugetieren und dem Menschen aufgestiegen (s. Das Leben und die Schlange – Auf und Abstieg). 

Der Geist, das menschliche Bewusstsein: männlich

Das menschliche Bewusstsein ist impulsgebende, initiierende Energie als «männlich» zu bezeichnen (im Gegensatz zur lebendigen, Realität «gebärenden» Materie; s. Männlich und weiblich – die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung). Mit seinen geistigen Fähigkeiten zur Abstraktion und Reflexion hat der Mensch von allen Lebewesen die höchste Bewusstseinsstufe erlangt. Er kann sich damit auf eine geistige Ebene begeben, von welcher er sich selber (wie von aussen) betrachten und instruieren kann (s. Das menschliche Bewusstsein).

Ritter Georg, der Heilige Georg

Herrschaft, «Sieg» über den inneren Drachen, den Trieb

Lenkt der Mensch sein Leben im Einklang mit dem liebenden Bewusstsein, dann übt er Königsherrschaft im eigenen Leben aus. Der Weg dahin ist der Heldenweg. 

Damit er selbstwirksam und verantwortlich als «König» in seinem Leben «regieren» kann, muss er über seine Triebe (symbolisiert durch die «Schlange») herrschen. Die Überwindung des Egos kommt dabei der «Tötung des (inneren) Drachens» gleich (s. Der Drache, die alte Schlange und ihre Überwindung).

Der männliche Weg zu Ganzheit – Integration des Weiblichen

Das Ziel: Ganzheit, männlich und weiblich vereint

Integration des Gegenteiligen           

Das Ziel für den Menschen ist Ganzheit und ein erfülltes Leben. Dies bedeutet die Vereinigung der männlichen wie auch der weiblichen Persönlichkeitsanteile im Menschen selber. In Überlieferungen ist sie durch die Hochzeit symbolisiert (s. Die heilige Hochzeit).

Gott, Ganzheit, männlich und weiblich, 3-in-1

Der Mensch erreicht Ganzheit, indem er mit seinen gegengeschlechtlichen Anteilen das Andersartige integriert.

Männliche Ganzheit durch Integration des Weiblichen (Seele, Geist)

Die Seele gewinnen – Hingabe des Lebens und Kontrolle über den Trieb

Geboren aus dem Körper der MUTTER beginnt der Mann im Körper und in der Materie. Hier fühlt er sich «zu Hause». Früh übt er, seine Kraft zu beherrschen, misst sich mit anderen Jungen und lernt, mit seiner zunehmenden Kraft umzugehen. Sein Weg zu Ganzheit führt aus der Materie «hinauf» in den Geist, indem er seinen Körper, seine Kraft und seine Ressourcen für ein immaterielles Ziel einsetzt. Er gewinnt seine Seele durch Hingabe an das Weibliche, an das Grössere wie die Beziehung, die Familie, die Gemeinschaft, die gute Sache.

Die weibliche Seite des Geistes und das ewige Leben

Der Mann integriert die weibliche Seite des Geistes (Anima als reine, sanfte Liebe «Jungfrau»), indem er seine Triebe und Identität der Macht (Ego) überwindet. Dies geschieht durch eine Erfahrung der Schwäche, die zur «heiligen Wunde» wird und ihn für den weiteren Bereich des Geistes öffnet (s. unten). Durch die Überwindung des Egos, der Identität der Trennung und der Macht, gewinnt er sein Selbst, die ewige Identität der Liebe (s. Das Ego und das Selbst).

Der Weg des Mannes zu Ganzheit

Übersicht

Drei Lebensphasen ( Rot – Weiss  – Schwarz) und der Heldenweg (die Sieben)

Das Ziel ist männliche Ganzheit Weiss – Rot – Schwarz (Vater – Sohn – Geist). Die drei Farbensymbolisieren drei Lebensphasen mit ihren Übergängen und entsprechen auch dem Heldenweg.

Für einen Überblick diese beiden Darstellungen:

 

Der männliche Weg

Krisenpotenzial: Der Körpertrieb und der Machttrieb

Die Herausforderung für den Mann ist es, Herrschaft über seinen körperlichen Trieb zu lernen und stattdessen Liebe und Hingabe zu leben. Dies geht nicht ohne Bereitschaft, Entbehrungen auf sich zu nehmen. (S. Überwinden in Versuchungen – der Trieb und die Macht).

  • Die rote Phase (Sturm und Drang) beginnt mit der Bindung an die Mutter (welche zur Zeit der Geburt ebenfalls in der roten Phase ist). Die Initiation als Weihe oder Grenzerfahrung stellt den Übergang in die Welt der erwachsenen Männer dar und bereitet den Mann auf Hingabe und Verantwortung vor.
  • Einsatz der Kraft und des Lebens für das Grössere, die Gemeinschaft, die Familie und Vaterschaft ist das Wesen der weissen Phase des Mannes.
  • Die schwarze Phase führt durch eine Verwundung oder Grenzerfahrung zum Sterben des Egos und damit in die weitere Existenz des Geistes.

Werden diese Phasen nicht durchlebt, bleibt der Mann sein Leben lang ein unreifer Macho- und dem Konsum verhaftet. 
Jede der drei Lebensphasen wird auch durch einen Übergang eingeleitet, welcher als solcher bereits Krisenpotenzial beinhaltet (denn Veränderungen sind immer kritisch).

Der männliche Weg zu Ganzheit des Vaters in sieben Phasen

Die Geburt (7)

Die Sieben und die Geburt des Neuen

Die Geburt des neuen Lebens kann der Zahl Sieben zugeordnet werden, denn das Neue entsteht aus der Ganzheit, aus der Vereinigung von männlich und weiblich, Mann und Frau.  Die Ganzheit der Sieben ist auch das Ziel für den Menschen: eine neue Geburt in die ewige Existenz des Geistes.
Märchen und Mythen beginnen häufig mit einer Vision von Ganzheit und führen das Ziel vor Augen, bevor die Handlung, die einen Lebensweg darstellt, ins Rollen kommt.

Der Mann – geboren aus dem Körper einer Frau

Es ist ein besonderer Umstand, dass der Mann aus dem Körper einer Frau geboren wird. Sie ist zur Zeit der Geburt in der „roten Phase“. Die Loslösung von der Mutter ist für den Mann wichtig, damit er zu seiner Männlichkeit finden kann.

Gefahr: Verharren in der Mutterbindung und Komfortzone („Muttersöhnchen“)

Die grösste Gefahr für den Mann ist, dass er in seiner Mutterbindung verharrt. Dann bleibt er möglicherweise ein Leben lang der Konsumhaltung verhaftet und will „wie bei Mutter“ umsorgt werden und nehmen können.

Die Mutter kann ihren Sohn an sich binden und von sich abhängig machen, indem sie ihn von klein auf zu ihrem „König“ macht. In diesem Fall erlangt er viel zu früh und völlig unverdientermassen die „Königswürde“. Das heisst, er hat für nichts (ausser dafür, dass er Mamas Sohn ist) Achtung und Respekt erhalten. Dabei ist er möglicherweise sogar über den Vater gesetzt worden. Ist er so faktisch als Partner-Ersatz missbraucht worden, dann hat seine Mutter sein Herz «gestohlen». Er ist sich dessen aber vollkommen unbewusst, denn er kennt nichts anderes.
Doch als Erwachsener wird er Beziehungsprobleme haben, weil er meint, er habe das Recht zu konsumieren, ohne etwas dafür tun zu müssen. So wird er nach Macht streben und Frauen «kaufen» wollen (s. Die Befreiung von der Mutter, Materialismus und Konsum).

Kindheit und Jugend: Sturm und Drang (rot; 1)

Junge Männer haben von Natur aus ein starkes Bedürfnis, ihre Energie und ihre körperlichen Grenzen zu spüren. Sie messen sich mit anderen, versuchen ihren Körper und das Feld einzunehmen und zu dominieren. Kämpfe, Mutproben, waghalsige Aktionen, bei denen Adrenalin freigesetzt wird, gehören dazu. Rot ist auch die Farbe von Blut und Wut. „Macho-Männlichkeit“ bedeutet, Stärke zu zelebrieren und schnell „rot zu sehen“, beleidigt zu sein und zuschlagen.

Doch bereits in dieser Phase kann Bewusstwerdung geschehen und eine innere Entscheidung für eine Leben in Hingabe an das Gute getroffen werden. Das hohe Ziel des Helden erscheint häufig als «Jungfrau», wie im Märchen von Ritter Georg. Sie symbolisiert reine, hingebungsvolle Liebe.

Gefahr: Frühe „Kastration“ der männlichen Energie

Es ist trotzdem wichtig, dass die Jungen diese rote Phase ausleben dürfen. Werden sie ausschliesslich von Frauen erzogen, müssen sie also zum Beispiel Feinmotorik üben (Stricken oder Häkeln), statt mit Hammer und Nagel einen Holzblock bearbeiten zu dürfen, dann kommt dies einer „Kastration“ gleich.
Wenn die männliche Energie von Anfang an unterbunden wird, werden die Jungen als Erwachsene zu verweichlichten Softies, verklemmten Geistlichen oder moralisierenden Politikern.

Initiation: Weihe, Bekenntnis (rot-weiss; 2)

Die Initiation den reisst jungen Mann muss aus der weiblichen Geborgenheit heraus und «gebiert» ihn in die Welt der Männer hinein. Dazu ein paar Zitate von Richard Rohr, Franziskanerpater und geistlicher Lehrer: 

In früheren Zeiten war klar: Der Junge musste aus der schützenden weiblichen Energie herausgerissen und in einen rituellen Raum gebracht werden, wo die Begegnung mit der männlichen Energie zur heiligen Erfahrung werden konnte.[1]:

Mehr lesen:

Der Junge musste rituell verwundet und auf die Probe gestellt werden, dabei die Erfahrung der Verbundenheit mit anderen Männern machen und zur Loyalität gegenüber den Werten des Stammes finden, sodass er auch etwas zurückzugeben hatte.  

Die verschiedenen Kulturen haben seit alters speziell für die jungen Männer Initiationsriten entwickelt, viel mehr als für die Frauen. Es scheint, als ob die biologischen Erfahrungen der Menstruation und des Gebärens den Frauen genug Weisheit vermittelten, Männer jedoch müssen unweigerlich auf die Probe gestellt, begrenzt, herausgefordert, bestraft, schikaniert und beschnitten, Hunger, Durst und Nacktheit ausgesetzt und so zur Reife gebracht werden. Männliche Initiation hat immer zu tun mit Härte und Grenzerfahrungen, Schwierigkeiten und Kampf und sie beinhaltet normalerweise die Konfrontation mit dem Nichtrationalen, dem Unbewussten und, wenn man so will, mit dem Wilden. Sie bereitet den jungen Mann darauf vor, dem Leben anders zu begegnen als in den Kategorien von Logik, Dominanz, Kontrolle und Problemlösung. Es bereitet ihn auf die Begegnung mit dem Geist vor.

Und an anderer Stelle:

Wenn die männliche Kraft nicht kanalisiert wird, scheint sie fast immer destruktiv zu wirken. Männer missbrauchen ihre Macht, wenn sie nicht auf einen Weg der Machtlosigkeit geführt werden. Die meisten Männer scheinen sich in ihrer Psyche nicht über den Stand eines Teenagers hinaus entwickelt zu haben.[2]

Gefahr: Hat der Mann keine derartige oder entsprechende Erfahrung nicht gemacht, wird er wahrscheinlich bis ins hohe Alter Macho-Männlichkeit, Macht und Triebhaftigkeit leben.

Erwachsenenalter – Hingabe und Vaterschaft

Wüste: Mangel und Entbehrungen (rotweiss; 3)

Kontrolle über den Trieb – Enthaltsamkeit aus Liebe, Liebe statt Macht

Der weisse Ritter leuchtet und glänzt. Er lebt seine männliche Kraft und Leidenschaft und gibt sich hin, kämpft für eine gute Sache, für ein Ideal. Dabei lässt er sich auch nicht durch „Durststrecken“ und Widerstände beirren. Auch in Mangel und Entbehrungen (Wüste) hat er seine Triebe unter Kontrolle und lässt sich nicht durch Versuchungen beirren und von seinem Weg abbringen.

Dienst im Erfolg, Barmherzigkeit (weiss; 4)

Die Ressourcen, die er durch Einsatz und Treue errungen hat, setzt er im Interesse der Anderen ein. Er wird nicht stolz, sondern bleibt bescheiden und hilfsbereit. Dabei übernimmt Verantwortung für sich selber und für andere und lebt so Fürsorge und Vaterschaft (auch wenn er keine leiblichen Kinder hat). In seiner freundlichen Warmherzigkeit nimmt er Not wahr und sieht, was getan werden muss (Dienst im Erfolg durch Hingabe der Ressourcen). 

Der weisse Ritter ist der Held, der das Böse besiegt, den Drachen erschlägt, der Licht in die dunkle Welt bringt, Heilung für das Volk, der sich für Gerechtigkeit einsetzt. Damit ist er eine Erlöserfigur, eins mit Christus.

Gefahr: Die Versuchung, mit Macht zu nehmen, weil man es kann

Der weisse Ritter erkennt die Schwäche des Gegenübers und könnte darum mit Leichtigkeit manipulieren oder Druck ausüben. Seine Position der Stärke und die Ressourcen, die er gewonnen hat, verleihen ihm Macht. In dieser Phase ist die Prüfung darum, weiter enthaltsam und hilfsbereit zu bleiben und der Versuchung der Macht zu widerstehen.

Die Feuerprobe und die heilige Wunde (weiss schwarz; 5)

Die heilige Wunde in Überlieferungen

Der schwarze Ritter ist der Erfahrene, der Senior. Doch gerade er ist derjenige, der eine Niederlage, eine Verletzung erfährt. In den Überlieferungen ist die Verwundung häufig die letzte Prüfung (Feuerprobe) des Helden. So wird zum Beispiel Odysseus nackt an den Strand von Ithaka gespült, nachdem er alle seine Männer und Schiffe verloren hat. Der Held wird als schwarzer Ritter durch die Soldaten des Königs gejagt, verwundet und gefangen genommen (Eisenhans). Der Gottesheld wird hingerichtet, gekreuzigt.

Integration der weiblichen Anteile durch eine existenzielle Verwundung

Im heutigen alltäglichen Leben kann die Verwundung unterschiedliche Gestalt annehmen, zum Beispiel:

  • Ein Scheitern (Kündigung, Konkurs, Scheidung)
  • Verlust des Rufes oder der Integrität
  • Vermögensverlust oder Konkurs
  • Verlust der sexuellen Potenz
  • Tod einer geliebten Person (z. B. der Tochter)
  • Krankheit oder ein Burn-out.

Diese Wunde ist eine Kränkung für das Ego. Indem der Held mit seiner körperlich-materiellen Begrenztheit konfrontiert wird, wächst seine Bereitschaft, sich für die unendliche Dimension des Geistes zu öffnen (s. Die heilige Wunde).

Das Sterben des Egos und die grosse Mutter, das Schicksal (6)

Die zornige Göttin

Es ist das Leben selber, das grosse Weibliche, welches Männlichkeit herausfordert.
Das Schicksal, die Umstände und auch das Unbewusste drängen in Richtung Erweiterung der Persönlichkeit und Integration der Schatten. Dies möglicherweise durchaus im Einklang mit der Partnerin, die sich einen liebevollen und empathischen Partner wünscht. Ist ihre Geduld ausgereizt, senkt sie die Hörner zum Angriff und scharrt mit den Füssen wie ein wildgewordener Stier. Oder sie schäumt und tobt wie die aufgewühlte See. So fordert «die zornige Göttin der Unterwelt» und letztlich das Unbewusste und das Schicksal selber vom Mann und vom bewussten Leben Veränderung ein – und sei es im Bann des «Auges des Todes» (s. Sumerische Mythologie
, Der Hirte wird geschlagen).

Angst und Auflehnung

Begreiflicherweise will man lieber in der Komfortzone verharren und sich dem Leiden entziehen, das da über einen hereinzubrechen droht. Die männliche Angst vor dieser geballten weiblichen Kraft mag mit ein Grund dafür sein, dass Frauen seit über 3000 Jahren unterdrückt und verfolgt worden sind.

Starke Weiblichkeit – in der Kraft der Liebe – fehlt darum in dieser Welt – den Männern wie auch den Frauen.

Die Integration der weiblichen Seite des Geistes: die Jungfrau

So zwingt also die Verletzung den Helden buchstäblich, sich mit seiner Schwäche auseinanderzusetzen und dadurch die weibliche Seite des Geistes (Anima) zu integrieren. Sie bringt ihn in Berührung mit seinen Grenzen und lässt ihn darüber hinauswachsen, ja lässt daraus Liebe und warmes Mitgefühl wachsen. Mit seiner Seele gewinnt der Held auch das ewige Leben.
Dazu Robert Bly:

Eine alte Überlieferung besagt, dass kein Mann erwachsen wird, bevor er sich nicht der Welt der Seele und des Geistes geöffnet hat und dass diese Öffnung durch eine Wunde an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit und in der richtigen Gemeinschaft erfolgt. Eine Wunde ermöglich es dem Geist oder der Seele einzudringen. James Hillman sagt über Hans Castorp im Zauberberg und dessen Lungentuberkulose: „Durch das kleine Loch seiner Wunde dringt das gewaltige Reich des Geistes ein“.[3]

Die positive Anima als Jungfrau ergänzt den Helden mit dem, was ihm noch fehlt, mit der Schönheit und Kraft reiner Liebe. 

GANZHEIT des Vates: Weiss, Rot, Schwarz (7)

Vom Tod zum Leben – vom Ego zum Selbst

Der Held hat seinem Ego dem eigenen Tod ins Gesicht geblickt und diesen überwunden. Mit der Liebe hat er seine Seele und das ewige Leben im Geist gewonnen, sein Selbst, eins mit Christus (s. Das Ego und das Selbst).  Er hat sein Unbewusstes («weiblich») integriert. Die Vereinigung der männlichen und weiblichen Anteile im Menschen selber wird in Mythen durch die Hochzeit von Prinz und Prinzessin symbolisiert (s. Heilige Hochzeit). Das Königreich, das gewonnen wird, symbolisiert Königsherrschaft im eigenen Leben.  

Der reife, weise Mann als grosser Vater

Einheit, Ganzheit und Schöpferkraft!

Durch die Einheit der männlichen und weiblichen Anteile hat der Mann nun alles: Er hat mit der männlichen Seite die Liebe des Vaters, geistige Kraft und Vollmacht in der Materie (Sohn, «Christus») inne. Mit der weiblichen Seite hat er zudem Liebe, Empathie und das Wort gewonnen. Diese Kräfte vereinen sich in ihm zu geistiger Schöpferkraft.

[S. Männliche Ganzheit, Gott, Vater – Sohn – Geist]

Zum Abschluss dazu noch dieses Zitat von Richard Rohr[4]:

Ein spirituell ganzer Mensch integriert in sich die männlichen und die weiblichen Dimensionen des menschlichen Geistes. Faszinierenderweise sahen manche Stämme und Kulturen tatsächlich im Frau-Mann bzw. der Mann-Frau, den Schamanen, den Weisen, die spirituelle Seherin. Sie galten als Abbild der göttlichen Ganzheit. [… Um] das zu erreichen, braucht es wahrscheinlich die Arbeit eines ganzen Lebens und darin liegt wohl die Schönheit, die man oft bei alten Männern und Frauen sehen kann. […]
In den klassischen Legenden und Mythen stehen am Ende aber unweigerlich die starke alte Frau und der sanfte alte Mann. Das ist das Ziel.

Nachweise:

[1] Rohr, Richard (2009). Vom wilden Mann zum Weisen Mann (2. Auflage). München: Claudius, S. 43 f. 

[2] Rohr, Richard (2011). Verwandlung. Was radikale Veränderung bedeutet. München: Claudius, S. 101

[3] Bly, Robert (2011). Eisenhans. Ein Buch über Männer (7. Auflage). Kindler Verlag GmbH, München, S. 274

[4] Rohr (2009, s.o), S. 29 f. (Hervorhebung durch die Autorin)


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top

Newsletter Abonnieren

We respect your email privacy

Newsletter abonnieren

You have successfully subscribed to the newsletter

There was an error while trying to send your request. Please try again.

Goldspur will use the information you provide on this form to be in touch with you and to provide updates and marketing.