Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die dunkle Fee als Schicksalsgottheit (Disney’s Maleficent)

Maleficent und die Mächte der Finsternis

By on 21. Juni 2021

Maleficent und die Mächte der Finsternis

Angelina Jolie als die dunkle Fee in der Disney-Verfilmung «Maleficent 2 – Die Mächte der Finsternis»

Die dunkle Fee als Schicksalsgottheit

Die dunkle Fee als die gute Fee?

In den Disney-Produktionen heisst die dunkle Fee Maleficent (von lateinisch male ficent bedeutet «Böses tuend»). Die Filme mit Angelina Jolie in der Hauptrolle stellen eine Interpretation des Märchens Dornröschen dar und machen dabei eine interessante Aussage. Die dunkle Fee wird nämlich darin als die «gute Fee» dargestellt, welche die Prinzessin beschützt und sie vor Unglück bewahrt, ja sie sogar aus dem Todesschlaf rettet.

[S. Maleficent als Dornröschen-Interpretation.]

Wie kommt es zu dieser Umkehr und was hat sie zu bedeuten?

Dahinter steckt der tiefere Sinn, dass gerade jene schicksalsmässigen Umstände, die der Mensch als böse oder ungerecht empfindet, ihm letztlich helfen, seine Stärken zu entwickeln. Sie bringen seine Schatten ans Licht, welche in der Kraft der Liebe integriert und zu Ressourcen transformiert werden und tragen so zu Heilung und Ganzheit bei.

Die dunkle Fee als Schicksalsgottheit

Von der Jungfrau zur Schicksalsgottheit

Feen verfügen über übernatürliche Kräfte. Sie können «zaubern», das heisst, sie können Materie bewegen. Als geflügeltes Wesen ist Maleficent eine geistige Gestalt, eine «Göttin» und auch eine Anima-Figur. Einst war sie «Göttin des Himmels», nämlich JUNGFRAU. Ihr Weg führt sie hinab auf die Erde, wo sie zu Fuss gehen muss, weil ihre Flügel abgeschnitten wurden. Zuletzt gewinnt sie ihre geistige Kraft wieder. Als Königin der Unterwelt ist sie ein Bild für die Muttergottheit in ihrem dritten Aspekt als Schicksalsgottheit (s. Weibliche Ganzheit – die Göttin, Weiss / Rot / Schwarz).

Das Schicksal: gute Gaben und Prüfungen

Der Mensch erhält im Leben vom Schicksal als der Grossen Mutter gute Gaben und Ressourcen, die ihm ermöglichen, sein Ziel zu erreichen. Er hat aber auch Prüfungen zu bestehen und überwindet Hindernisse, indem er die Liebe zum Tragen bringt. 

Maleficent – das Schicksal der Prinzessin

So ist auch das Schicksal der jungen Prinzessin mit Maleficent verknüpft. Der Fluch bedeutet, dass sie dasselbe Schicksal wie Maleficent treffen wird, welches und überhaupt unzähligen Frauen widerfährt. Es ist die Not, dass viele Frauen durch unrechtmässigen und lieblosen Geschlechtsverkehr missbraucht und verletzt werden. (S. Der vergiftete Apfel – Missbrauch als kollektive Realität).

Sterben und Auferstehen der Liebe

Weil dabei die Liebe sterben kann, ist sie in Gefahr, der Macht zu verfallen.
Doch Maleficent lernt Aurora lieben und rettet sie mit ihrer ganzen Kraft und Macht vor diesem Schicksal. Das bedeutet nichts anderes, als dass die starke Frau lernt, sich selber zu lieben und ihre Schwächen zu integrieren. Damit steht die JUNGFRAU in ihr, die reine Liebe, wieder auf (symbolisiert durch die Prinzessin).

Die dunkle Fee: Weibliche Macht 

Die dunkle Fee und ihre Flügel: Macht im Bereich des Geistes

Lilith, Königin der Nacht (Burney Relief)

Die Flügel bedeuten Macht im Bereich des Geistes. Maleficent bewegt sich darin sicher und stark, bis ihr Geliebter Stefan sie betrügt und ihr die Flügel abschneidet. Dies bedeutet: Ihre geistige Kraft, die Liebe, ist gestorben.
Als geflügeltes Wesen und geistige Gestalt ist Maleficent eine «Göttin» und damit auch eine Anima-Figur. Einst war sie «Göttin des Himmels», nämlich JUNGFRAU. Mit vollzogenem Geschlechtsverkehr wird sie zur MUTTER und Königin der Erde. Dies wird in Maleficent 1 durch den Umstand dargestellt, dass diese nun auf der Erde gehen muss, statt durch die Luft zu fliegen.

Als GROSSE MUTTER, Grossmutter,  wird sie zur Königin der Unterwelt. In negativer Gestalt erscheint die verletzte Frau, die im Bereich des Geistes durch Erotik und Manipulation Macht ausübt, als Hexe oder Harpyie. So wird sie im Burney-Relief mit Flügeln und Raubvogelkrallen dargestellt (Abbildung, Babylon, um 1800 v. Chr.). Ihre mythologische «Mutter», Lilith, kommt schon in der sumerischen Überlieferung vor. Auch Isis, die ägyptische Göttin der Liebe, wird immer wieder auch mit Flügel oder als Falke dargestellt.

Die Hörner der dunklen Fee: weibliche emotionale Kraft

Hathor, ägyptische Göttin der Unterwelt

Die Göttin der Unterwelt

Hörner und das Weibliche gehören zusammen. Schon Hathor, die ägyptische Göttin der Unterwelt, trägt eine Hörnerkrone (welche die Sonnenscheibe umschliesst, Abbildung Wikipedia).
Das Zentrum weiblicher Macht und Kraft ist im Unterleib der Frau, denn hier wächst neues Leben heran.
Interessanterweise ähneln Gebärmutter und Eileiter der Gestalt eines Tierkopfes mit Hörnern:

Gebärmutter mit Eileitern als Tierkopf

Der Tanz um das Goldene Kalb

So lässt sich auch der Stier-Kult und der Tanz um das Goldene Kalb erklären (s. Der Stier als weibliches Symbol und Der Auszug aus Ägypten). Er ist weniger ein Fruchtbarkeitskult, sondern bringt vielmehr abgöttische Anbetung des Weiblichen und seiner Leben spendenden Kraft zum Ausdruck. Dazu gehört auch die Verehrung der Schicksalsgottheit in der Unterwelt, welche sich dann später mit der Diffamierung starker Weiblichkeit zu einem Totenkult entwickelte.

Der Stier als Symbol für rasende Weiblichkeit und der Sündenbock-Brauch

Christina Krüsi; Archway (2016)

Schon die alten Griechen sahen den Sitz der Hysterie der Frau in ihrer Gebärmutter (griechisch: hysterix) und entfernten diese operativ. Der Stierkampf ist ein anschauliches Modell für negative Paardynamik. Der erste Stierkampf wird im Gilgamesh-Epos beschrieben. Nachdem Gilgamesh, der Geliebte der Göttin, sie als Hure abgewertet hat, holt sie aus Zorn den Himmelsstier auf die Erde hinab. Doch Gilgamesh und sein Kumpan töten diesen.

Seit dann (seit gut 3000 Jahren) ist vor Wut schäumende Weiblichkeit zum Sündenbock gemacht und starke Weiblichkeit verteufelt worden.

All das ist die tiefere Bedeutung von Maleficents Hörnern.

Der Kampf der Geschlechter und der Fluch

Die dunkle Fee und der Fluch als menschliches Schicksal

Der berechtigte Zorn der «dunklen Fee»

Die dunkle Fee wurde nicht zum Fest geladen und ist deshalb wütend, das versteht jedes Kind. Doch dies ist nur die vordergründige Erklärung. Dahinter steckt sehr viel mehr, wie in den beiden Disney-Verfilmungen «Maleficent» mit Angelina Jolie zum Ausdruck kommt.

Missbrauch der Frau als kollektive Realität

Der Umstand, dass Maleficent von ihrem menschlichen Geliebten missbraucht und verletzt wurde, ist der Grund, warum sie «böse» ist. Sie stellt den Fluch als kollektive Realität dar.

Missbrauch war bereits in der sumerischen Mythologie (um 3000 v. Chr.) das Thema. Sie erzählt, dass der Lebensbaum der Göttin der Liebe von finsteren Wesen besetzt war und darum von Gilgamesh gefällt wurde.

Der Fluch aus dem Schatten und die dunkle Fee

Die kollektive Realität von Missbrauch und Unterdrückung der Frau hat sich gerade darum so lange und hartnäckig gehalten, weil sie verdrängt und geleugnet wurde. Sie war aber dennoch da und wirkte als Fluch aus dem Schatten zu immer neuen schicksalhaften Verstrickungen im Machtspiel zwischen Mann und Frau. (S. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos und Dunkle Geheimnisse als Fluch.)

Das grosse Weibliche, das Leben und das Schicksal

Maleficent mit ihrer Magie und Stärke symbolisiert als mächtige Fee auch diesen kollektiven Aspekt des Schattens und die Kraft, welche zusammen mit Schmerzen und Zorn darin weggesperrt ist (s. Das Grosse Weibliche in der Unterwelt).

Ganzheit durch Integration der Schatten

Es ist zunächst Auroras unschuldige Liebe, welche Maleficents Liebe wieder auferweckt. Sie vertraut ihr und sieht in Maleficent ihre «gute Fee».

Fluch und Stärke der Frau

Maleficent symbolisiert beides: den Fluch und auch die Stärke der jungen Frau, welche für die Auferstehung der tödlich verletzten Liebe kämpft. So will sie (2) zunächst auch die Hochzeit zwischen Aurora und dem Prinzen verhindern. Der weitere Verlauf des Films zeigt, dass auch dies seine guten Gründe hat: Im Königshaus des Prinzen liegt vieles im Argen, und so ist der Prinz nicht wirklich frei, Aurora zu lieben und sich ihr hinzugeben.

Die Schatten kommen ans Licht

Zuerst müssen die Schatten ans Licht kommen. In Maleficent 2 sind sie durch ein ganzes Heer von dunklen Feen dargestellt, welche die von der bösen Königin verletzte Maleficent bei sich in der Unterwelt aufnehmen. Sie zeigen sich nun, bekennen Farbe und kämpfen zusammen mit Maleficent gegen die ungerechte Herrschaft der Macht (s. Die Integration des Schattens).

So wird zu guter Letzt für die Prinzessin und das Feenreich die Freiheit errungen und der Sieg der Liebe durch die Hochzeit besiegelt. Sie symbolisiert die geglückte Integration des Unbewussten ins Bewusstsein (s. Die heilige Hochzeit). 

Bildnachweise:

Burney Relief: Wikipedia
Hathor: Wikipedia
Der Stier (mächtige Weiblichkeit); Christina Krüsi, «Over the Peak» (2016)


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