Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Maleficent – die dreizehnte Fee als Schicksalsgottheit

Maleficent und die Mächte der Finsternis

By on 21. Juni 2021

Maleficent und die Mächte der Finsternis

Angelina Jolie in der Disney-Verfilmung «Maleficent 2 – Die Mächte der Finsternis»

Maleficent als Dornröschen-Interpretation

Dornröschen-Maleficent, Vergleich der Handlung

Die Filme «Maleficent» 1 (2014) und 2 (2019) sind eine Interpretation des Märchens Dornröschen und erzählen dieses neu. Dabei wird Maleficent, die böse Fee, als die gute Fee dargestellt.

Rechts als Übersicht ein Vergleich zwischen «Dornröschen» und den beiden «Maleficent»-Filmen (anklicken).

Worum es in den Maleficent-Filmen geht:

Maleficent 1 und 2: kurze Inhaltsangabe

Zwei Reiche

Die Geschichte handelt von zwei Reichen. Das Königreich der Menschen wird durch König Stefan regiert, das Feenreich durch Maleficent. Stefan ist durch Betrug an Maleficent zum König geworden. Maleficent verflucht aus diesem Grund seine Tochter Aurora.

Maleficent und das Feenreich in Gefahr

Im Feenreich der Moore ist alles lebendig und beseelt. Tiere können sprechen und zu jeder Pflanze gehört eine kleine Fee. Zwischen dem Feenreich und dem Königreich der Menschen herrscht Krieg. Denn der machtgierige König und später seine böse Schwester wollen das Feenreich unterwerfen und über dessen Ressourcen verfügen.

Das verborgene Feenreich in der Unterwelt

Maleficent kämpft für die Freiheit des Feenreiches. Es gibt darüber hinaus aber auch ein mächtiges Feenreich unter der Erde, zu welchem Maleficent in Wirklichkeit gehört. Es ist von geflügelten und gehörnten Feen wie Maleficent bewohnt. Diese helfen ihr im Kampf gegen das Reich der Macht auf der Erde.

Sieg der Feen und Einheit der beiden Reiche

Zuletzt wird die ungerechte Königsherrschaft überwunden und die beiden Reiche vereint. Die Einheit wird durch die Hochzeit zwischen Maleficents Schützling, Prinzessin Aurora, Königin des Feenreiches, und dem Prinzen und Thronfolger des Menschenreiches besiegelt.

Deutungen und Bemerkungen

Die beiden Reiche: männlich und weiblich

Das Feenreich symbolisiert die weibliche Seite der Existenz, die lebendige Materie. Es ist immer wieder in Gefahr, durch Macht und Gewalt (symbolisiert durch Eisen) unterworfen und versklavt zu werden.
Das Königreich stellt die männliche Seite, das Bewusstsein, dar. Die Frage ist: Dient dieses der Macht oder der Liebe? (S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung und Das Bewusstsein und das Unbewusste: König und Königin).

Krieg: Macht statt Liebe

Die Kraft des Weiblichen, welche sich im Feenreich manifestiert, ist die Kraft des Lebens und der Liebe. Wenn das Weibliche unterdrückt und ausgebeutet wird, stirbt die Liebe. Dann steht stattdessen die Macht auf (symbolisiert durch die «böse» Fee, böse Königin oder Hexe; s. Das Ego und das Selbst).

Kampf gegen das Böse: das Ego und die Schatten

Der böse König Stefan und seine Schwester, die intrigante Königin Ingrith stellen das Ego, die Identität der Macht dar.
Die Ressourcen, die im Schatten weggesperrt und gebunden sind, sind durch die Feen in der Unterwelt symbolisiert. Sie werden integriert, indem sie gemeinsam mit Maleficent für das Gute kämpfen.
So wird das Böse im Menschenreich überwunden und kommt zuletzt die Liebe zum Tragen.
Nun können Prinz Philip und Prinzessin Aurora endlich heiraten und die beiden Reiche werden vereint.

Die dunkle Fee als die gute Fee?

Maleficent ist in den Disney-Produktionen der Name der bösen Fee (von lateinisch male ficent bedeutet «Böses tuend»). In den Filmen mit Angelina Jolie wird die dunkle Fee aber als die «gute Fee» dargestellt, welche die Prinzessin beschützt und sie vor Unglück bewahrt, ja sie sogar aus dem Todesschlaf rettet.

Wie kommt es zu dieser Umkehr und was hat sie zu bedeuten?

Dahinter steckt der tiefere Sinn, dass gerade jene schicksalsmässigen Umstände, die der Mensch als böse oder ungerecht empfindet, ihm letztlich helfen, seine Stärken zu entwickeln. Sie bringen seine Schatten ans Licht, welche in der Kraft der Liebe integriert und zu Ressourcen transformiert werden und tragen so zu Heilung und Ganzheit bei.

Die dunkle Fee als Schicksalsgottheit

Die Feen und das Schicksal

Feen verfügen über übernatürliche Kräfte. Sie können «zaubern», das heisst, sie können Materie bewegen. Als Symbol für die lebendige Kraft in der Materie sind sie ein Ausdruck der Muttergottheit in ihrem dritten Aspekt als Schicksalsgottheit (s. Weibliche Ganzheit – die Göttin, Weiss / Rot / Schwarz).

Gute Gaben und Prüfungen

Der Mensch erhält im Leben gute Gaben und Ressourcen, die ihm ermöglichen, sein Ziel zu erreichen. Er erhält aber auch Prüfungen, die es zu überwinden gilt, indem die Liebe zum Tragen kommt und siegt. Diese haben die Gestalt von «Schicksalsschlägen» oder – mythologisch gesprochen – die Gestalt einer bösen Fee.

Maleficent – das Schicksal der Prinzessin

So ist auch das Schicksal der jungen Prinzessin mit Maleficent verknüpft. Der Fluch bedeutet, dass sie dasselbe Schicksal wie Maleficent treffen wird, welches und überhaupt unzähligen Frauen widerfährt. Es ist die Not, dass viele Frauen durch unrechtmässigen und lieblosen Geschlechtsverkehr missbraucht und verletzt werden. (S. Der vergiftete Apfel – Missbrauch als kollektive Realität).

Sterben und Auferstehen der Liebe

Weil dabei die Liebe sterben kann, ist sie in Gefahr, der Macht zu verfallen.
Doch Maleficent lernt Aurora lieben und rettet sie mit ihrer ganzen Kraft und Macht vor diesem Schicksal. Das bedeutet nichts anderes, als dass die starke Frau lernt, sich selber zu lieben und ihre Schwächen zu integrieren. Damit steht die JUNGFRAU in ihr, die reine Liebe, wieder auf (symbolisiert durch die Prinzessin).

Maleficent: Weibliche Macht mit Flügeln und Hörnerkrone

Flügel: Macht im Bereich des Geistes

Lilith, Königin der Nacht (Burney Relief)

Die Flügel bedeuten Macht im Bereich des Geistes. Maleficent bewegt sich darin sicher und stark, bis ihr Geliebter Stefan sie betrügt und ihr die Flügel abschneidet. Dies bedeutet: Ihre geistige Kraft, die Liebe, ist gestorben.
Als geflügeltes Wesen und geistige Gestalt ist Maleficent eine «Göttin» und damit auch eine Anima-Figur. Einst war sie «Göttin des Himmels», nämlich JUNGFRAU. Mit vollzogenem Geschlechtsverkehr wird sie zur MUTTER und Königin der Erde. Dies wird in Maleficent 1 durch den Umstand dargestellt, dass diese nun auf der Erde gehen muss, statt durch die Luft zu fliegen.

Als GROSSE MUTTER, Grossmutter,  wird sie zur Königin der Unterwelt. In negativer Gestalt erscheint die verletzte Frau, die im Bereich des Geistes durch Erotik und Manipulation Macht ausübt, als Hexe oder Harpyie. So wird sie im Burney-Relief mit Flügeln und Raubvogelkrallen dargestellt (Abbildung, Babylon, um 1800 v. Chr.). Ihre mythologische «Mutter», Lilith, kommt schon in der sumerischen Überlieferung vor. Auch Isis, die ägyptische Göttin der Liebe, wird immer wieder auch mit Flügel oder als Falke dargestellt.

Hörner als Zeichen weiblicher Macht

Hathor, ägyptische Göttin der Unterwelt

Die Göttin der Unterwelt

Hörner und das Weibliche gehören zusammen. Schon Hathor, die ägyptische Göttin der Unterwelt, trägt eine Hörnerkrone (welche die Sonnenscheibe umschliesst, Abbildung Wikipedia).
Das Zentrum weiblicher Macht und Kraft ist im Unterleib der Frau, denn hier wächst neues Leben heran.
Interessanterweise ähneln Gebärmutter und Eileiter der Gestalt eines Tierkopfes mit Hörnern:

Gebärmutter mit Eileitern als Tierkopf

Der Tanz um das Goldene Kalb

So lässt sich auch der Stier-Kult und der Tanz um das Goldene Kalb erklären (s. Der Stier als weibliches Symbol und Der Auszug aus Ägypten). Er ist weniger ein Fruchtbarkeitskult, sondern bringt vielmehr abgöttische Anbetung des Weiblichen und seiner Leben spendenden Kraft zum Ausdruck. Dazu gehört auch die Verehrung der Schicksalsgottheit in der Unterwelt, welche sich dann später mit der Diffamierung starker Weiblichkeit zu einem Totenkult entwickelte.

Der Stier als Symbol für rasende Weiblichkeit und der Sündenbock-Brauch

Christina Krüsi; Archway (2016)

Schon die alten Griechen sahen den Sitz der Hysterie der Frau in ihrer Gebärmutter (griechisch: hysterix) und entfernten diese operativ. Der Stierkampf ist ein anschauliches Modell für negative Paardynamik. Der erste Stierkampf wird im Gilgamesh-Epos beschrieben. Nachdem Gilgamesh, der Geliebte der Göttin, sie als Hure abgewertet hat, holt sie aus Zorn den Himmelsstier auf die Erde hinab. Doch Gilgamesh und sein Kumpan töten diesen.

Seit dann (seit gut 3000 Jahren) ist vor Wut schäumende Weiblichkeit zum Sündenbock gemacht und starke Weiblichkeit verteufelt worden.

All das ist die tiefere Bedeutung von Maleficents Hörnern.

Der Kampf der Geschlechter und der Fluch

Ein Fluch als menschliches Schicksal

Der berechtigte Zorn der «bösen Fee»

Die dreizehnte Fee wurde nicht zum Fest geladen und ist deshalb wütend, das versteht jedes Kind. Doch dies ist nur die vordergründige Erklärung. Dahinter steckt sehr viel mehr, wie in den beiden Disney-Verfilmungen «Maleficent» mit Angelina Jolie zum Ausdruck kommt.

Missbrauch der Frau als kollektive Realität

Der Umstand, dass Maleficent von ihrem menschlichen Geliebten missbraucht und verletzt wurde, ist der Grund, warum sie «böse» ist. Sie stellt den Fluch als kollektive Realität dar.

Missbrauch war bereits in der sumerischen Mythologie (um 3000 v. Chr.) das Thema. Sie erzählt, dass der Lebensbaum der Göttin der Liebe von finsteren Wesen besetzt war und darum von Gilgamesh gefällt wurde.

Der Fluch aus dem Schatten

Die kollektive Realität von Missbrauch und Unterdrückung der Frau hat sich gerade darum so lange und hartnäckig gehalten, weil sie verdrängt und geleugnet wurde. Sie war aber dennoch da und wirkte als Fluch aus dem Schatten zu immer neuen schicksalhaften Verstrickungen im Machtspiel zwischen Mann und Frau. (S. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos und Dunkle Geheimnisse als Fluch.)

Das grosse Weibliche, das Leben und das Schicksal

Maleficent mit ihrer Magie und Stärke symbolisiert als mächtige Fee auch diesen kollektiven Aspekt des Schattens und die Kraft, welche zusammen mit Schmerzen und Zorn darin weggesperrt ist (s. Das grosse Weibliche in der Unterwelt).

Ganzheit durch Integration der Schatten

Es ist zunächst Auroras unschuldige Liebe, welche Maleficents Liebe wieder auferweckt. Sie vertraut ihr und sieht in Maleficent ihre «gute Fee».

Fluch und Stärke der Frau

Maleficent symbolisiert beides: den Fluch und auch die Stärke der jungen Frau, welche für die Auferstehung der tödlich verletzten Liebe kämpft. So will sie (2) zunächst auch die Hochzeit zwischen Aurora und dem Prinzen verhindern. Der weitere Verlauf des Films zeigt, dass auch dies seine guten Gründe hat: Im Königshaus des Prinzen liegt vieles im Argen, und so ist der Prinz nicht wirklich frei, Aurora zu lieben und sich ihr hinzugeben.

Die Schatten kommen ans Licht

Zuerst müssen die Schatten ans Licht kommen. In Maleficent 2 sind sie durch ein ganzes Heer von dunklen Feen dargestellt, welche die von der bösen Königin verletzte Maleficent bei sich in der Unterwelt aufnehmen. Sie zeigen sich nun, bekennen Farbe und kämpfen zusammen mit Maleficent gegen die ungerechte Herrschaft der Macht (s. Die Integration des Schattens).

So wird zu guter Letzt für die Prinzessin und das Feenreich die Freiheit errungen und der Sieg der Liebe durch die Hochzeit besiegelt. Sie symbolisiert die geglückte Integration des Unbewussten ins Bewusstsein (s. Die heilige Hochzeit). 

Bildnachweise:

Burney Relief: Wikipedia
Hathor: Wikipedia
Der Stier (mächtige Weiblichkeit); Christina Krüsi, «Over the Peak» (2016)


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