Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Der Gesalbte, Christus/Messias und der Antichristus

Der Gesalbte (Kirchturm von Graun)

By on 5. April 2020

Kirchturm der Kirche von Graun

Der Kirchturm von Graun am Reschenpass im Südtirol: der Turm als Phallussymbol und das Wasser als Symbol für die Salbung, des grossen Weibliche und für das Unbewusste.

Der Gesalbte und die Salbung

Der Gesalbte ist derjenige, der nur dann ins Weibliche eingeht, wenn die Salbung als Zeichen der Liebe und Annahme gegeben ist.
Die Bezeichnung “der Gesalbte” ist die Übersetzung von griechisch “Christos” und auch von hebräisch “Moshiach”. Als Titel gebührt sie dem auserwählten König, Priester oder Propheten.

Übersicht über den Inhalt dieses Beitrages:

  1. Vollmacht und Hingabe des Gesalbten: das Weibliche und der Heilige Geist
  2. Die beiden Söhne des Vaters: Christus und der Antichristus 
  3. Der Gesalbte als Erlöser: Heilung der geknechteten Schöpfung

1. Vollmacht und Hingabe des Gesalbten

Hingabe des Gesalbten an das Weibliche

Könige, Priester und Propheten wurden und werden als “heiliges” Zeichen ihrer “göttlichen” Vollmacht gesalbt. “Der Gesalbte” ist die Bezeichnung für den auserwählten Geliebten, der im Geist der Liebe und der Einheit kommt. Dies ist seine göttliche Legitimation, dass er als ein wahrhaft Liebender das Weibliche respektiert, sich hingibt, ohne sich aufzudrängen und auf die Salbung achtet. So sät er seinen Samen (des Wortes) nur dort, wo er erwartet und in Liebe angenommen wird und initiiert dabei die neue Realität, geboren aus der Liebe.

Zum Weiblichen als lebendige und Realität gebärende Materie gehören: die Frauen, das Volk, das Land ...

Das Weibliche als lebendige Materie, die Samen oder Impulse aufnehmen und neue Realität gebären kann, gehört per Definition zum Unbewussten (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste).
Als “weiblich” im Sinne von Geist (Information) empfangend und Realität gebärend sind zu bezeichnen:

  • Die Frauen: Sie können Samen aufnehmen und neues Leben gebären.
  • Der menschliche Körper: Er nimmt Impulse des Bewusstseins („männlich-initiierend“) auf und setzt sie in Worte, Taten und neue Realität um.
  • Das Kollektiv (Gruppe, Volk, die ganze Menschheit): Es reagiert auf Impulse (zum Beispiel in Form von Informationen wie Nachrichten) mit Stimmungen und Handlungen. Es nimmt auch die Instruktionen des Herrschers auf und gestaltet diesen entsprechend in neue Realität, indem es Weisungen ausführt, wie zum Beispiel den Bau von Strassen.
  • Das Land mit seinen Ressourcen: Letztere ermöglichen das Erschaffen von neuer Realität.
  • Die Erde: Sie nimmt Samen auf und ermöglicht Wachstum. Zudem reagiert sie ebenfalls auf unterschiedlichste “geistige” Impulse, ob sie nun auf kosmische Einflüsse (wie Sonnenaktivität oder Meteoriten) zurückzuführen sind oder auf menschliches Verhalten (wie der Ausstoss von CO2). Sind diese Einflüsse stark, reagiert die Erde mit globalen Erscheinungen wie Abkühlung oder Klimaerwärmung.
    (Der “Kosmos” steht in den Überlieferungen für die übergeordnete geistige Kraft, auch Gott. Hierzu gehört das Element des Feuers und damit göttlich-geistige und initiierende Kraft, s. Die Dynamik der Elemente.)
  • Die ganze Schöpfung: Sie ist der Vergänglichkeit preisgegeben, in Leiden und Negativität und damit in der „Unterwelt“ und harrt darum auf den gesalbten Erlöser (Messias oder Christus), der das Elend aufheben wird; (s. Das Grosse Weibliche in der Unterwelt).

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung; Weibliche Ganzheit 3-in-1 und Das Grosse Weibliche in der Unterwelt.]

Der weibliche Schoss als Gral - Wasser des Lebens (Karen Salicath Jamali)

Die Salbung als die Antwort des Weiblichen

Antwort aus der Fülle: Liebe und Annahme

Die Salbung als die weibliche Seite ist das Zeichen der Annahme des Gesalbten. Sie signalisiert den richtigen Zeitpunkt und die Bereitschaft, den Auserwählten als König zu empfangen.
Er erhält dadurch die Vollmacht, in das gemeinsame Heiligtum, in die lebendige Materie einzugehen, um darin die Entstehung von neuer Realität anzustossen.

[S. Das Heiligtum 3-in-1 und der Weg zu Ganzheit (Gott) und Die Frau, 3-in-1 (Körper, Seele, Geist).]

Wie im Kleinen, so im Grossen: der Geschlechtsakt als Modell für den grösseren Kontext

Es ist ein Geheimnis, dass im grossen Kontext dieselben Prinzipien zur Entstehung von neuer Realität gelten wie im Kleinen, bei der Erzeugung eines Kindes.
So dient der Geschlechtsakt als Modell auch für die Entstehung von neuer lebendiger Realität im Kollektiv.
Das grundlegende Prinzip ist dabei immer dasselbe: Das liebende Bewusstsein (Geist, männlich) initiiert in der lebendigen Materie (weiblich) die Entstehung des Neuen, indem es darin den Samen (des Wortes, die In-Formation) sät.

[S. Vater und Mutter, Geist und Materie und Das Bewusstsein und das Unbewusste.]

Das Weibliche wählt

Der Akt der Wahl vollzieht sich nach einem archaischen Prinzip, welches auch in der Natur gilt:
Das Weibliche wählt unter den anstehenden Bewerbern einen aus gewährt und ihm Zugang zu ihrem Innersten. Ebenso wählt auch das Ei unter allen Samen, die anstehen, eines aus.

Das Männliche initiiert durch In-Formation und In-Struktion

Und wie ein winziges Spermium von dem so viel grösseren weiblichen Ei aufgenommen wird und es befruchten darf, so erhält ein einziger Mensch durch die Salbung den autorisierten Zugang zum Volk als dem empfangenden, weiblichen Seite. Damit kann er nun seine “Samen des Wortes” sähen, konkret Weisungen und Instruktionen erteilen, zum Beispiel zum Bau von Strassen oder Gebäuden, Erlass von Gesetzen zur Gründung von Bildungsinstituten. Diese werden vom Volk als lebendige und empfangende Materie in Realität umgesetzt

Der Gesalbte und die Salbung

Die Salbung, heiliger göttlicher Akt

Das Öl für Ganzheit und den Heiligen Geist

Das Öl, das auf das Haupt des Gesalbten gegossen wird, symbolisiert göttliche Ganzheit, nämlich die Einheit von Männlich, Weiblich als die beiden schöpferischen Kräfte der Existenz, die auch im Heiligen Geist Gottes zum Tragen kommt.

[S. Ruach, Geist Gottes – männlich und weiblich und Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich.]

Anwesenheit und Zustimmung des Volkes als die weibliche Seite

In diesem “heiligen”, weil Einheit schaffenden Akt, ist das Weibliche durch das Volk und das Land repräsentiert und die männliche Seite durch den auserwählten König oder Leiter als das gesalbte Glied. Das Volk bestätigt den Gesalbten als seinen auserwählten Regenten, indem es selbst oder durch seine Vertreter beim Akt der “Salbung” anwesend ist und seine stille Zustimmung gibt. 

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Krönungsfeier von König Charles III. von England in der Westminster Abbey

Die Salbung von König Charles III. von England im Rahmen der Krönungsfeier in der Westminster Abbey im Jahr 2023.

Insignien der Macht: Krone, Zepter, Reichsapfel
Die vielsagende Symbolik der Salbung und Krönung

Die Salbung mit dem geweihten Öl symbolisiert dabei in Analogie zur Scheidenflüssigkeit der Frau die liebende Bereitschaft des Volkes zur Annahme und damit die Legitimation des Gesalbten, das Volk durch sein Wort zu regieren und auf diese Weise Materie zu bewegen und Neues zu schaffen.

Dabei steht der Gesalbte für das männliche Glied, das bereit ist, ins Weibliche einzugehen, um darin den Samen (Wort, Information) zu säen. Dessen Haupt steht in logischer Konsequenz also für die Eichel des Penis, und die Krone, welche nach der Salbung auf das Haupt gesetzt wird, symbolisiert als Ring die Penetration ins Weibliche. Manchmal ist die Krone auch mit einer roten Haube versehen, als anschauliches Symbol für die Gebärmutter. Das Zepter ist ein Phallussymbol, das ebenfalls die Vollmacht zu regieren symbolisch ausdrückt. Der Reichsapfel schliesslich steht für das beherrschte Volk (das weibliche Symbol auf dem Kopf, ein Thema für sich, s. Weisse Magie).

[S. Die Insignien der Macht und Ring und Stab als Zeichen der Königsherrschaft.]

Sterben und Auferstehen des Gesalbten

Das gesalbte Glied als Sohn, Kraft und Potenz des Vaters 

Um in der Symbolik noch einen Schritt weiterzugehen, symbolisiert das gesalbte Glied des (künftigen) Vaters auch den “SOHN” des Vaters, nämlich einerseits seine Kraft und andererseits auch seine Potenz, einen Sohn zu zeugen (als die neue Realität). [S. Männliche Ganzheit 3-in-1, Vater – Sohn – Geist.]

Der Gesalbte als Erlöser

Im kollektiven geistigen Kontext entspricht der Gesalbte jenem menschlichen Glied, welches berufen ist, die lebendige Materie aus allem Leid zu erlösen und die neue Existenz der Herrschaft Gottes und der Liebe herbeizuführen (mehr dazu unten).

Der Gesalbte, Potzenzial  und neue Realität (Chiesa die Santa Maria dell'Itria, Ragusa, Sizilien)

Sterben und Auferstehen der Kraft

Aus den besagten symbolischen Betrachtungen erscheint es darum logisch und völlig nachvollziehbar, dass das gesalbte Glied, also die Kraft des Vaters (seine Potenz), stirbt, nachdem der Same (des Wortes) ausgesät worden ist. So wie auch jeder aufgeklärte Mensch verstehen wird, dass “er” auch wieder in Kraft (zu Potenz) aufstehen wird.

Abbildung: der Eingang ins grosse Weibliche

Diese Symbolik ist im religiösen Kontext omnipräsent, doch in der Abbildung oben rechts ist sie besonders anschaulich dargestellt (Chiesa di Santa Maria dell’Itria, Ragusa, Sizilien). Eine Skulptur vor einem Gemälde zeigt Christus am Kreuz in eine Art Vulva gebettet. Sie stellt den Eingang in das Innerste des Weiblichen dar und steht entsprechend direkt unter dem Bildnis von der Jungfrau, Symbol für das Potenzial mit dem Kind, Symbol für die neue Realität.

[S. Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Das gesalbte Glied und das Sterben der Potenz in der Vulva

Detail der obigen Installation: Der sterbende “Sohn Gottes” als der Gesalbte am Kreuz dargestellt in einer Skulptur, die einer Vulva gleicht – für den Eingang ins grosse Weibliche, in die lebendige Materie. 

Das Sterben des Samenkorns zum Wachstum des Neuen

Und zuletzt muss auch noch der Same “sterben”. Denn gerade indem er sich in der Materie auflöst und damit zu einem verschmilzt, entsteht das Neue, welches viel Frucht bringen wird (s. Bibel, NT, Johannes 12,24 und 1 Kor 15,35 ff. im Bibelserver).

Igor Mitoraj, Kirchentür in Warschau

Relief von Igor Mitoraj (an der Tür der Jesuitenkirche der gnädigen Mutter Gottes in Warschau): zwei Söhne unter einer weiblichen Figur. Der eine von ihnen hat das Bild des Vaters im Herzen, dem andern fehlt das Gehirn. – Zur ausführlichen Bildbeschreibung.

2. Die beiden “Söhne” – Christus und der Antichristus

Jesus erzählte dieses Gleichnis:

Die beiden Söhne des Vaters [1]

Ein Mann hatte zwei Söhne. Er bat den ersten: «Mein Sohn, arbeite heute in unserem Weinberg!» – «Ich will nicht!», entgegnete dieser aber. Später tat es ihm leid, und er ging doch an die Arbeit.
Auch den zweiten Sohn forderte der Vater auf, im Weinberg zu arbeiten. «Ja, Herr», antwortete der. Doch er ging nicht hin.
Wer von den beiden Söhnen hat den Willen des Vaters getan?

Hinter der Tat steckt er Antrieb oder Treib. Je nach Art des Antriebes kann somit von zwei sehr verschiedenen, ja gegensätzlichen Söhnen gesprochen werden.

Die beiden "Söhne" in den Überlieferungen

Sumer

Schon die sumerische Überlieferung beschreibt die beiden Söhne (Isimud und Dumuzi, in Episode 4), wobei Dumuzi für den guten Sohn des Vaters (EnKi = Gott der Erde) steht, der bereit ist, in die Beziehung hineinzustehen und seine Göttin zu heiraten (Dum-Zi = Sohn-Leben).

Babylon

Die babylonische Überlieferung handelt von Gilgamesh und Enkidu, was “Sohn des Gottes der Erde” bedeutet (En-Ki-Dum = Gott-Erde-Sohn). Dieser ist ein Bild für den Menschen in einem ehemals tierischen und triebhaften Körper. Damit stellt er auch den Trieb des Gilgamesh dar, welcher den König zu unzähligen Untaten verleitet. Aus diesem Grund, weil die beiden den Bogen überspannen, lassen die Götter Enkidu sterben.  Erst dann ist Gilgamesh bereit, sich auf den Heldenweg der Liebe zu machen, um seine Seele und das ewige Leben zu gewinnen.

Bibel

Die zwei unterschiedlichen Söhne sind dann auch in die jüdisch-christlichen Überlieferungen der Bibel eingegangen (Kain und Abel, Jakob und Esau oder in dem obigen Gleichnis von Jesus).

Der “gute” und der “schlechte” Trieb: Liebe oder Angst?

Liebe vs. Angst und Macht

Es gibt zwei Arten von Antrieb in der Materie, den Antrieb aus Liebe und den Antrieb aus Angst. Der “gute Sohn” entspricht dem inneren Antrieb aus Liebe (positiven Animus, Christus), während der “schlechte Sohn” dem inneren Antrieb aus Mangel, Defizitempfinden und Schmerz entspricht (s. Der negative Animus als Teufel oder Schmerzkörper).

Der Gesalbte als der innere Held: das liebende Bewusstsein!

Liebe statt Macht – ein Thema für Männer

Der Heldenweg ist der Weg der Liebe. Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Frau die Liebe schon ins Herz gegeben ist (s. Der Heldenweg der Frau). Wenn sie diese jedoch verloren hat, gilt es auch für sie, ihr Bewusstsein zu mobilisieren und sich auf den Heldenweg zu machen.
Der Mann muss hingegen noch seine Seele und mit der Liebe auch die weibliche Seite des Geistes gewinnen (s. Der Weg des Mannes). Auf dem Heldenweg wird er in allen Bereichen des Lebens geprüft, ob er Liebe statt Macht wählt.

Das liebende Bewusstsein: männlich-initiierende Energie

Hinzu kommt, dass, wenn vom Helden die Rede ist, damit im weitesten Sinn das liebende Bewusstsein gemeint ist (personifiziert im Christus/Messias als Archetyp). Es bildet die männlich-initiierende Seite der schöpferischen Kräfte, welche die Information (Geist) als den «Samen des Wortes» in die lebendige Materie (weiblich-empfangend) sät. Das Neue entsteht aus der Synthese der beiden Kräfte männlich und weiblich.

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Der innere Held der Frau

Dabei ist festzuhalten, dass eine Frau, welche zu ihrer strategisch-schöpferischen Kraft Zugang haben möchte, dazu ihre männlichen Anteile und damit ihren inneren Helden integrieren muss (s. und Maria Magdalena und die Frau als Heldin und Die Integration des Animus).

[So auch im Song  HERO, gesungen von Mariah Carey.]

Das Bild des Vaters im Herzen

Der Sohn mit dem Bild des Vaters im Herzen, Detail der obigen Abbildung von Igor Mitoraj.  
Zur ausführlichen Bildbeschreibung.

Der Gesalbte als der gute Sohn des Vaters

Der SOHN als Animus (Trieb und Antrieb)

Der VATER stellt als ARCHETYP für das liebende Bewusstsein die männliche Seite der schöpferischen Kräfte dar. Sein SOHN verkörpert dabei seine Kraft und schöpferische Potenz und im kollektiven Sinn damit auch den Trieb und Antrieb in der Materie (Animus). Der dritte Aspekt der göttlichen Ganzheit, die Samen, die gesät werden, beinhaltet den Geist, nämlich als die Information für das Neue, das entstehen soll.

[S. Männliche Ganzheit 3-in-1, Vater – Sohn – Geist und Der Animus – Leben und Antrieb in der Materie.]

Ganzheit – die Vier der Familie

Der (gehorsame) Sohn des Lebens des Vaters

Der “gute Sohn” respektiert die höheren Ordnungen, welche zum Archetyp des VATERS gehören (so bereits in Sumer, s. Die ME,  die Kräfte der Weisheit). Damit steht der gute Sohn für den Trieb, der unter der Kontrolle des liebenden (Vater-)Bewusstseins ist. In der sumerischen Überlieferung heisst er Dumuzi, was übersetzt “Sohn des Lebens” bedeutet (Dum-Zi). Der “verkehrte Sohn” hingegen heisst Isimud – in Umkehrung vom Dum-Zi: Zi-Mud (s. Notizen zur sumerischen Sprache).

Hingabe an das Leben (das grosse Weibliche, “Mutter”)

Gemäss dem Willen des liebenden Vaters gibt sich der “Sohn des Lebens” dem Weiblichen hin und ist auch bereit zu arbeiten, ja auch die nötige Beziehungsarbeit zu leisten, bevor er die Früchte geniessen kann.
Er kann in Beziehungen leben, denn er hat seine Seele und die Liebe integriert (s. Die Integration der Anima: die Seele und das ewige Leben). Auch kann er sich gedulden und auf die Antwort seiner Liebe warten: die Salbung, auch “das Wasser des Lebens” genannt (s. Wasser – weiblich).

Bildhaft gesprochen pflegt der gute Sohn auf diese Weise den “Weinberg” des Vaters hingebungsvoll. Wein ist denn auch das Symbol für die geläuterte Seele (s. Brot und Wein).

Ring der Macht in J.R. Tolkiens Epos

Der “verkehrte” Sohn des Vaters, der Antichristus

Der “unbeschnittene” egoistische Trieb

Der andere “Sohn” symbolisiert im Gegensatz dazu den ungezügelten männlichen Trieb, der noch beschnitten werden muss. Dieser will sich nicht hingeben, sondern ist nur auf den eigenen Lustgewinn aus. Er tut, was er will, kann nicht warten, sich nicht gedulden, sondern dringt ungebeten ein, um zu konsumieren. So wird sein Begehren zum “Wasser des Todes” (mehr unten).
Weil er ganz der Materie verhaftet ist, hat er auch keinen Zugang zu seiner eigenen immateriellen Seele (s. Der Mensch, Körper, Seele und Geist). Deshalb muss er Leben von anderen nehmen (denn die Seele ist das Leben), allem voran Leben von Frauen, aber auch von Männern. Das ist schwarze Magie.

Der Antichristus als kollektiver Geist der Macht: Unterdrückung und Gewalt

Die Bibel spricht im kollektiven Zusammenhang mit den Christus/Messias als Erlöser und auch vom Anti-Christus, der (zur Zeit des Jüngers Johannes und früher) schon in der Welt ist (s. 1 Joh 4,3 im Bibelserver).

Der Gegenspieler des Christus ist der Antichristus, der als der “ungehorsame Sohn” den ungezügelten Trieb und negativen Antrieb aus egoistischer Lust, Machtstreben und Schmerz darstellt. Er stellt dabei auch den Geist der Macht dar, der sich mit List oder Gewalt nimmt, was er will (s. Weisse und schwarze Magie).

[S. Der negative Animus als Teufel, Tier oder Schmerzkörper und Die Versuchungen von Jesus.]

Der Geist des Antichristus in Überlieferungen

Der Gott der Luft in der sumerischen Überlieferung: Missbrauch und Vergewaltigung

Die sumerische Überlieferung erzählt, dass der Gott der Luft dafür verantwortlich war, dass die Göttin in die Unterwelt geriet, indem er seine junge und zarte Gattin immer wieder vergewaltigte. Daraufhin wurde ihr die Unterwelt von den anderen Göttern als Herrschaftsgebiet zugesprochen.

Babylon: Gilgamesh, das Recht der ersten Nacht und die Wasser des Todes

In Babylon wurde der Gott der Luft zum höchsten Gott erhoben. Das Gilgamesh-Epos erzählt im Prolog, dass Gilgamesh unter Berufung auf das “göttliche Recht der ersten Nacht” reihenweise jungfräuliche Bräute vergewaltigte. Damit handelt er als Anti-Gesalbter, also im Geist des Antichristus.
Auf seinem Heldenweg musste er seine Fehler erkennen und sein Begehren in der Fahrt über “die Wasser des Todes” überwinden. [S. auch Wasser des Todes und Wasser des Lebens.]

Aladin und die Wunderlampe: Macht über den Geist der Liebe

Das Märchen Aladin und die Wunderlampe enthält gleich zu Beginn eine sehr präzise Anleitung zur Vergewaltigung.  Der junge, noch unschuldige Aladin erhält vom Zauberer aus Afrika (als schwarzer Magier) präzise Instruktionen:

  1. Er muss den Deckel zur Wunderhöhle mithilfe des Rings “nach der Sitte der Väter” öffnen (Ring und Eheversprechen).
  2. Soll er direkt in die Mitte der Wunderhöhle vordringen, ohne dabei etwas zu berühren (Vergewaltigung ohne Zärtlichkeit).
  3. Dann soll er die Lampe an sich nehmen (sich der Lebenskraft im Schoss der Frau bemächtigen)
  4. Dabei soll er die Lampe auslöschen (das Licht der Liebe) und
  5. ihr Öl wegschütten (die Salbung).

“Dann gehören alle Schätze dir!”, verspricht ihm der Zauberer. Von nun an braucht er nur noch an der Lampe zu reiben (die Frau aufzureiben) und schon erscheint der mächtige Geist (der Liebe).

Tolkiens Epos “Der Herr der Ringe”: Unterwerfung des Weiblichen

Das Epos der Herr der Ringe stellt eine moderne Variante des Gilgamesh-Epos dar. Im Zentrum steht der Ring der Macht als Zeichen des Eindringens mit Gewalt, um das grosse Weibliche zu unterwerfen. Die Anlehnung ans Gilgamesh-Epos und an die Sargon-Legende wird nicht zuletzt in den Hauptrollen als verschiedene Persönlichkeitsanteile des Königs sichtbar. So klingt in den Namen Sauron (das Ego als dunkler Herrscher und schwarzer Magier), Aragorn (der gute König, der kommen wird) und Saruman (der weisse Magier) der Name SARGON-Salomon an.

Wasser aus dem Felsen als Bild für die Salbung

3. Der Gesalbte als Erlöser der Schöpfung

Jesus Christus – gesalbter Retter

Tod und Auferstehung

Der Name Jesus ist die griechische Version von hebräisch Jehoshua, was mit „Gott rettet“ übersetzt werden kann. Christus bedeutet wie erwähnt “der Gesalbte”. Jesus Christus als der gesalbte Retter identifizierte sich in Worten und Taten mit dem im Judentum lange erwarteten Erlöser, dem Messias.

Kraft und Vollmacht in der Materie

Gemäss Berichten von Zeugen wurde er durch Zeichen und Wunder wie Heilungen und Totenauferweckungen als der erwartete Gesalbte bestätigt.
Diese unbegrenzte Vollmacht wurde ihm einerseits in Antwort auf seine liebende Hingabe durch die grossen Mutter-Gottheit, Archetyp für das Leben in der Materie, zuteil. Andererseits stellt er als der gehorsame Sohn des Vaters, dessen “rechten Arm”, Kraft und Potenz dar.

Die Schöpfung in der Unterwelt

In der Materie gefangen: Leid, Krankheit und Tod

Dass die Schöpfung Erlösung braucht, war schon lange vor der Bibel ein Thema. In der sumerischen Überlieferung rettet der liebende Vater EnKi die Göttin der Liebe, indem er sie am dritten Tag von den Toten auferweckt (Episode 15). Dies nachdem beschrieben worden ist, dass das grosse Weibliche, das Leben selbst, in die Unterwelt geraten ist, darin “begraben” oder anders formuliert im Unbewussten “gefangen” ist (Prolog).

 [S. Das Grosse Weibliche in der UnterweltDer sumerische Schöpfungsbericht und “Ich bin EreshKiGal, sumerische Göttin der Unterwelt”.]

Integration des kollektiven Schattens

Das Reich der Schatten und des Todes ist ein Bild dafür, dass die ganze Schöpfung der Vergänglichkeit ausgeliefert ist, nämlich in Negativität, Leid und Tod. Indem der Gesalbte aus Liebe, in Einklang mit dem Vater (als dem liebenden Bewusstsein), sich mit dem Leiden und Sterben der Menschen identifiziert, integriert er den kollektiven Schatten.

[S. Der sumerische Schöpfungsbericht und der Fall aus der GanzheitDie Erbsünde als kollektives menschliches Problem |Missbrauch und Erlösung in menschlichen ÜberlieferungenDie Integration des SchattensDer Weg durch die Unterwelt als Weg zu Ganzheit.]

Erlösung und eine neue Schöpfung

Hingabe bis in den Tod zur …

In diese Gebrochenheit der Existenz kommt nun der Gesalbte hinein. Er gibt sich aus Liebe ganz dem Leben hin, sogar bis in den Tod, indem er sich im Leiden und Sterben mit der geknechteten Schöpfung identifiziert. So führt sein Weg ganz hinein – bis tief in die dunkelste und tiefste Existenz des Unbewussten. Nachdem er in der Materie den Samen des Wortes von der Liebe des Vaters ausgesät hat, vereinigt er sich im Sterben mit dem grossen Weiblichen, dem Leben selbst.

[S. Der Weg durch die Unterwelt als Weg zu Ganzheit.]

Initiation des Neuen

So ist denn auch das Sterben nicht das letzte Wort, sondern der Beginn des Neuen. Denn die Liebe und das Leben können nicht sterben, und so folgt auf das Sterben die Auferstehung, die das Ganze in ein vollkommen anderes Licht rückt.

Die neue Schöpfung weiss, dass Liebe stärker ist als der Tod. Darum fürchtet sie den Tod nicht. Sie weiss auch um das Geschenk des Lebens, darum respektiert sie das Leben, bewahrt es und ist dankbar dafür. Und nicht zuletzt weiss sie um einen allmächtigen Gott, der als das umfassende liebende Bewusstsein alles in der Hand hat.

Das genügt, um sich als Teil der Ewigkeit zu wissen.

Licht-Kreuz-Baum

Erwähnte Beiträge:

Weiter geht es mit:

Die Salbung – Vollmacht über die Materie 
Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität

Archetypen:

Vater und Mutter, Geist und Materie
Das Bewusstsein und das Unbewusste
Ruach, Geist Gottes – männlich und weiblich
Die Jungfrau, wunderwirkende Liebe und Potenzial

Gott, Ganzheit, 3-in-1, männlich und weiblich
Männliche Ganzheit 3-in-1, Vater – Sohn – Geist
Weibliche Ganzheit 3-in-1, Potenzial, Realität und Schicksal
Das Heiligtum 3-in-1 als Symbol für Ganzheit
Der Mensch 3-in-1, Körper, Seele und Geist
Die Frau, 3-in-1, Körper, Seele, Geist

Der Animus, Antrieb in der Materie
Der negative Animus als Teufel oder Schmerzkörper
Die Integration der Anima: die Seele und das ewige Leben

Der Gott der Luft
Das Grosse Weibliche in der Unterwelt
Der Schoss der Frau als Wunder wirkendes Gefäss (Gral)
Ereshkigal, Herrin der Unterwelt
Brot und Wein
Wasser – weiblich
Wasser des Todes und Wasser des Lebens   

Erwähnte Überlieferungen:

Die sumerische Mythologie von Inanna, Zusammenfassung
Der sumerische Schöpfungsbericht
Die sumerische Schöpfungsgeschichte. Prolog I: “In den ersten Tagen …”
Inanna, Königin der Erde (4)
Die ME,  die Kräfte der Weisheit (5)
Heilige Hochzeit Inannas (10)

Das babylonische Gilgamesh-Epos, Zusammenfassung
Das Gilgamesh-Epos, Einführung
Prolog: Gilgamesh Gottkönig und Tyrann
Gilgamesh und Enkidu (1)
Shamash
Der Himmelsstier
Das Wasser des Todes

 Die Sargon-Legende
Aladin und die Wunderlampe: Die Zauberhöhle
Der Herr der Ringe

Weiterführende Beiträge:

Weisse und schwarze Magie
Schwarze Magie
Die Insignien der Macht   
Ring und Stab als Zeichen der Königsherrschaft
Der Heldenweg, der Weg der Liebe

 

Nachweise

[1] Bibel, neues Testament, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 21,28 – 31 ff.


Kommentare

    1. Danke. Bin auch fasziniert. Je tiefer man auf den Grund der Überlieferungen kommt, umso klarer werden die Zusammenhänge. Sie stehen dann einfach im Raum. Wer Ohren hat, der höre. 🙂

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