Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Georgs Kampf gegen die Drachenschlange (Initiation, 2)

Georgs Kampf gegen die Drachenschlange

By on 11. Februar 2021

Georgs Kampf gegen die Drachenschlange

Georgs Kampf gegen die Drachenschlange

Georgs Kampf gegen die Drachenschlange verschafft ihm das wundersame Schwert «Galle». Dabei rettet er eine hilflose Frau vor dem Drachen.

Der Kampf gegen die Drachenschlange

Georg und die Drachenschlange

Drei Jahre waren vergangen, als sein Weg ihn eines Abends in ein wildes, unwegsames Gebirge führte. Überall öffneten sich Kluften.
Plötzlich hörte Georg einen verzweifelten Schrei. Er stammte von einer alten Frau, welche vor einer riesigen Drachenschlange floh. Die Haut des Untieres bestand aus dicken Panzerplatten, der Rücken war von einer Reihe kräftiger Stacheln gesäumt.
– Nun könnte ich das Schwert Galle gebrauchen, dachte der Georg. 

Doch weil er kein Schwert hatte, zog der Jüngling stattdessen seinen Dolch hervor.
– Ich kann nicht zulassen, dass die Drachens
chlange die Frau auffrisst. Vielleicht kann ich mit dem Dolch durch das Auge in ihr Gehirn dringen und sie so erlegen.

Das Schwert Galle

Die riesige Drachenschlange wandte Georg ihr schreckliches Haupt zu und es sah aus, als würde sie sowohl Georg wie auch den Dolch auf einen Biss verschlingen. Doch gerade als sie ihm ganz nahegekommen war, fühlte er etwas Wundersames in seiner Hand: Der Dolch war verschwunden und er hielt stattdessen ein langes Schwert mit glänzender Klinge. Gerade rechtzeitig hieb er auf das Untier ein, das sich mit Todeszuckungen zusammenrollte.
– Dies muss die Drachenschlange gewesen sein und dies hier ist gewiss das Schwert Galle, dachte Georg. Er blickte sich um und entdeckte seinen Dolch, der auf der Erde lag.
– Da ich dieses Schwert nun erhalten habe, ist es wohl meines, dachte Georg. Darum nehme ich es mit.

Auf seiner Wanderung hatte er später immer wieder einmal die Gelegenheit, es zu gebrauchen und etwas Gutes damit zu tun.

Archetypen, Deutungen und Bemerkungen

Die Frau und die Drachenschlange – das Weibliche in Negativität

Zum Weiblichen als empfangende Materie gehören die Frauen, der menschliche Körper, das menschliche Kollektiv als Gemeinschaft oder Volk und die ganze Erde.
Bereits die ersten Überlieferungen thematisieren, dass das grosse Weibliche in die «Unterwelt» geraten ist. Gewalt und Unterdrückung haben zu Negativität, Schmerz und Zorn geführt. Diese brennen wie das Feuer im Inneren der Erde, Symbol für den weiblichen Körper (s. «Schmerzkörper»).

Symbole und Archetypen

Deutungen der unterstrichenen Wörter

  • 3 Jahre – Initiation in die erste Phase auf dem Weg zu Ganzheit (jugendliche Kraft, rot): Der Weg des Mannes (rot-weiss-schwarz) beginnt mit rot. Die drei Phasen werden im Märchen durch die Vervielfachung der Zahl Drei angetönt (3, 6, 9 Jahre). Hier geht es nun also um die erste Phase, stürmische jugendliche Kraft. Das Schwert symbolisiert die Kraft und Potenz des Helden und leitet damit die rote Phase und den Weg der Liebe (Heldenweg) ein
  • Die Drachenschlange – der Körpertrieb und der emotionale Trieb: Körperliche Verletzungen hinterlassen im Weiblichen negative Emotionen. So stellt der weiblich- emotionale Schmerztrieb häufig die Antwort Übergriffe des männlichen Macht- und Körpertriebes dar (s. Der Drache, die alte Schlange.
  • Die alte Frau – die Geschichte der Menschheit: Das grosse Weibliche in Schmerz und Unterdrückung ist ein Thema, das so alt wie die Menschheit selber ist (s. oben und Der Drache und die Verfolgung der Frau).
  • Der kleine Dolch wird zum langen Schwert – der Phallus: Die Kraft und Potenz männlicher hingebungsvoller Liebe kann aus Negativität befreien und so erlösend wirken.
  • Der Name des Schwertes: „Galle“: Galle ist mit Bitterkeit und Negativität assoziiert. Schon in der sumerischen Mythologie verfolgen die „Galla“, die Dämonen der Unterwelt, die Göttin und ihren Geliebten.
  • Das Haupt der Drachenschlange: Negative Gedanken trennen die Frau und das Weibliche von der Kraft der Liebe und bringen sie zu Fall (s. Die Schlange im Kopf – das Reptiliengehirn).

Die Erlösung der Jungfrau – Bekenntnis zu reiner, hingebungsvoller Liebe

Die Tötung des Drachens und die Erlösung der Jungfrau symbolisiert die Entscheidung, nicht das Ego und Macht, sondern die reine Liebe als Motiv zu haben. Es ist das liebende Bewusstseins, das sich entscheidet, nicht zu nehmen und zu rauben (wie ein Drache), sondern sich hinzugeben (wie die Jungfrau). Damit beginnt Weg des Helden.

Rettung vor der Drachenschlange – erlösende Liebe

Der junge Mann setzt der negativen Energie durch entschlossene Männlichkeit ein Ende. Dabei wirft er sein ganzes Selbst in die Waagschale und fürchtet den Tod (des Egos) nicht (Spott, Verachtung, Ablehnung). Vielmehr gibt er alles, was er hat (und mag es in seinen Augen als noch so wenig erscheinen). Dabei wächst er buchstäblich über sich hinaus. Dies ist sein erster Schritt auf dem Weg zum Helden und weissen Ritter (als Ritter Georg, Prinz oder Christus-Gestalt).

Georg und der Drache, Hilma af Klint

Die Geschichte von Georg anders erzählt

Drei Jahre

Nach drei Jahren lernte ich Deborah kennen. Debbie war eine wilde, eigenwillige junge Frau, die sich nicht um gesellschaftliche Konventionen kümmerte. Sie war gerade 18, arbeitete in einem Tattoo-Studio und lebte alleine in einem kleinen Zimmer in der Stadtmitte. Ihre Erscheinung war frech, aufmüpfig, zornig und auch von einer gewissen ironischen Abgeklärtheit. Doch unter ihrer rauen Oberfläche spürte ich einen weichen, verletzlichen Kern.

Debbie faszinierte mich. Doch sie verhielt sich mir gegenüber ambivalent, schien zwar meine Gegenwart zu schätzen, wies mich aber immer wieder auch zurück. Das verunsicherte und kränkte mich.

Georgs Kampf mit der Drachenschlange

An einem lauen Frühsommerabend sassen wir zusammen im Park. Wir hatten Diskussionen und Streitgespräche. Schliesslich war ich der Auseinandersetzungen müde und forderte sie direkt heraus:
– Debbie! Sag mal: Was ist eigentlich los mit dir? !
Sie blickte mich überrascht an und es war, als hätte ich mit einer Nadel in einen Ballon gestochen. Die ganze Energie war weg.
Eine Weile schwieg sie betroffen, dann sagte sie trotzig:
– Das willst du gar nicht wissen …

Ich war zunächst sprachlos. Schliesslich wagte ich einen Vorstoss:
– Doch … Ich glaube, ich will es wissen. Willst du es mir erzählen?
Sie wandte sich von mir ab, schlug die Arme um ihre Beine und schwieg.
– Komm schon! Erzähl …, ermutigte ich sie und versuchte, meinen Arm um sie zu legen, aber sie schüttelte ihn ab.
– Ach, lass mich einfach in Ruhe! Ich bin so was von kaputt … Ich bin nicht gut für dich.
– Debbie! Du bist wunderbar!, widersprach ich: Ich meine, du bist cool, hast etwas Besonderes …
Ich fühlte mich hilflos, legte aber meine Hand zurück auf ihre Schulter und sagte:
– Ich möchte es wissen, weil du mir wichtig bist … Mir kannst du es sagen!, insistierte ich.

Angst und Schrecken

– Also gut. Wie du willst!
Sie erzählte mir daraufhin die traurige Geschichte von ihrer Kindheit und Jugend. Ihr Vater hatte ihre Mutter immer mehr geschlagen und auch begonnen, sie, seine Tochter, zu missbrauchen und zu vergewaltigen.
Debbie endete ihre Erzählung mit den aufgewühlten und zornigen Worten:
– Ich hasse ihn!
Ihre Schminke hatte sich mit ihren Tränen vermischt und zog dicke schwarze Striche über ihre Wangen.
Betroffen schwieg ich und merkte, dass auch ich Tränen in den Augen hatte.
Das Einzige, das mir einfiel zu sagen, war:
– Das tut mir leid … Das tut mir so leid um dich …

Die Frau

Sie begann, langsam den Kopf zu schütteln, dann ihren ganzen Körper. Mit einem Ruck stand sie auf, wischte ihr Gesicht und sagte schnell:
– Ach! Das ist vorbei! Schnee von gestern.
Dann lächelte sie mich an und streckte mir ihre Hand hin:
– Ich habe Hunger! Gehen wir eine Pizza essen?
Ich liess mich von ihr hochziehen und wir gingen zum Italiener in der Nähe. Nachdem wir viel gegessen, getrunken und gelacht hatten, zogen wir noch in eine Bar weiter. Als ich sie nach Hause begleitete, fragte sie mich unter der Türe:
– Willst du noch reinkommen?

Das Schwert Galle

Kaum war ich eingetreten, lagen wir uns schon in den Armen. Sie küsste mich stürmisch und klammerte sich an mich wie eine Ertrinkende. Ich hielt sie fest. Berauscht vom Wein und ihrem wunderschönen Körper hatte ich nur einen Wunsch: Ihr nahe zu sein, so nahe wie nur irgend möglich.
Es war mein erstes Mal.

Gute Taten folgen

Debbie und ich wurden ein Paar. Auch meine Eltern schlossen sie sogleich ins Herz. Als Grossmutter im Sterben lag, rief sie mich zu sich. Sie sagte:
– Georg, ich werde dir einen ansehnlichen Betrag hinterlassen. Ich wünsche, dass du einen Teil davon für Debbies Ausbildung einsetzt.
Ich versprach es ihr. Debbie hatte begonnen, ihre Kindheit aufzuarbeiten und wollte Sozialpädagogik studieren.

Hilma (Detail): Tötung des Drachens

Weiter geht es mit:

Der rote Mantel   


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