Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Dornröschen und die Dornenhecke (Wüste: 3 und Erfolg: 4)

Dornenröschen und die Dornenhecke (Episode 3 und 4)

By on 10. November 2021

Dornenröschen und die Dornenhecke (Episode 3 und 4)

Dornröschen und die Dornenhecke: verfluchte Beziehungen

Dornen statt Rosen: Mühsal und negative Paardynamik

Die nächste Episode des Märchens, «Dornröschen und die Dornenhecke», handelt von Mühen und Nöten in der Partnerschaft und der Aufzucht der Kinder. Es herrscht ein erbitterter Geschlechterkampf um Vorherrschaft im Leben und ein Ringen um Kontrolle über den Nachwuchs.
Die Mutter, welche die Tochter beschützen wollte, muss nun miterleben, dass ihr dasselbe Schicksal widerfährt.

Der Märchentext:

Die Dornenhecke (Wüste, 3)

Um das Schloss wuchs eine Dornenhecke, so hoch, dass nicht einmal mehr die Fahne sichtbar war.

Prinzen krepieren in den Dornen (Erfolg, 4)

Einige Königssöhne, die von der schönen Prinzessin gehört hatten, versuchten ins Schloss zu gelangen, aber sie blieben in den Dornen hängen und starben eines jämmerlichen Todes.

Dornröschen: Der knappe Märchentext

Das Märchen stellt mit der Dornenhecke die gestorbene Liebe und die Negativität der Frau dar. Es gibt für die Liebe («Prinzen») kein Durchdringen, während die Schöne (in Ohnmacht und Unbewusstheit) «schläft».

Maleficent und die Dornenhecke

Gestorbene Liebe und die Macht der Frau (Wüste, 3 und Erfolg, 4)

Während das Märchen sich mit einem einzigen Bild begnügt (die Dornenhecke), rollt die Erzählung um Maleficent die ganze Tragweite des Fluches auf. Damit füllt sie das verschlingende schwarze Loch des Todesfluches, das hinter den tabuisierenden Dornen liegt, mit einer detaillierten Darstellung des Problems.
Sie beschreibt die Verletzung und Abwehr der Frau aufgrund von mangelnder Liebe und erzählt die Geschichte der Mutter, die im Kampf ums Überleben ihre Schmerzen verdrängt, um «stark» zu sein.

So kommt es, dass niemand da ist, um die zarte Liebe zu schützen und in die richtige Bahn zu lenken. Dadurch geraten zwei junge Menschen in den Strudel der Realität der Macht, welche der Fluch ist seit Anbeginn der Kultur (s. Der Sündenfall-Bericht der Bibel und Der Fluch).

Dornröschen-Maleficent, Vergleich der Handlung

Die Neuerzählung des Märchens ist von Disney’s Maleficent-Filmen inspiriert, welche eine Deutung von Dornröschen darstellen.
[S. Maleficent, Handlung und Deutung; rechts eine schematische Gegenüberstellung von Dornröschen und Maleficent, s. auch Maleficent als Dornröschen–Interpretation.]

Maleficents Interpretation von Dornröschen und die Dornenhecke

Trennung zwischen den Reichen

Ohnmacht und Macht der Frau

Maleficent hat eine grosse Dornenhecke um ihr Reich wachsen lassen. Doch König Stefan schmiedet wie ein Besessener eiserne Waffen, um ihr Reich zu unterwerfen. Und während seine Frau krank im Bett liegt, begibt er sich immer wieder zu Maleficents Flügeln, die im Eisenschrank mit Glasscheiben eingeschlossen sind.

Anima-Träume des Mannes (Flügel) und die Negativität der Frau ("Krankheit")

Die Anima-Obsession des Mannes und das Streben nach Macht
  • Eisen: Symbol für Macht durch Unterdrückung. Das Ziel ist Herrschaft über die Frau und das Weibliche (Materie), um nehmen zu können (statt sich hingeben zu müssen).
  • Gespräche mit Maleficents Flügeln: Der weibliche Geist, seine innere Frau, verführt ihn zu Sex, Geld und Macht (s. Die negative Anima als Hure oder Schlange).

 

Negativität der Frau: Zwischen Depression und Aggression
  • Die Dornenhecke: stachelige Abwehr der Frau
  • Die «andere» Frau ist krank im Bett: Depressionen

Erste Bewusstwerdung: die (innere) Tochter, der Fluch und der Prinz

Unterdessen wird Aurora zu ihrem Schutz weitab vom Schloss von guten Feen aufgezogen. Doch sie sind mit ihrer Aufgabe überfordert. Maleficent hingegen passt auf die Prinzessin auf und rettet sie immer wieder aus Gefahren.

Mit 15 Jahren begegnet Aurora Maleficent zum ersten Mal und erkennt sie als ihre „gute Fee“, die sie immer wieder beschützt hat. Da zeigt Maleficent Aurora ihr Reich.
Nun lernt Aurora Prinz Philip kennen, der auf dem Weg zum Schloss des Königs ist. Sie wollen sich wiedersehen.

Weit weg vom Schloss: ohne Bezug zu Männern

Die Dornenhecke: Angst vor weiterer Verletzung
  • Weit ab vom Schloss aufgezogen: Die junge Frau wächst ohne positive Beziehung zu Männern heran und hat keine Ahnung von Paardynamik.
  • Die guten Feen sind überfordert: Liebenswürdigkeit allein genügt nicht, um sicher durch diese Welt zu kommen.
  • Schutz durch Maleficent: Es braucht auch klare Grenzen, selbst wenn diese als Abwehr wahrgenommen werden (Dornen).
Maleficent als gute Fee und das Reich der Moore
  • Maleficent als gute Fee: starke, selbstbestimmte Weiblichkeit
  • Das Reich der Moore: Harmonie zwischen dem weiblichen Körper (Erde) und der Seele der Frau (Wasser, das Erde befeuchtet, s. Die vier Elemente).

 

Der Prinz auf dem Weg zum König
  • Er löst in der Prinzessin einiges aus, auf seelisch-körperlicher Ebene. So gerät sie bildhaft gesprochen in Maleficents Reich, während er auf dem Weg zu Königs-Herrschaft ist.

 

[Für die unterschiedlichen Energien s. Die Frau als Göttin und der Mann als ihr Heldenkönig.; Das Bewusstsein und das Unbewusste und Männlich und weiblich – die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung.]

Die Erfüllung des Fluches: Das Schicksal wiederholt sich  

Der Schatten: gestörte Beziehungen

Aurora will nun das Einverständnis der guten Feen einholen, fortan bei Maleficent zu leben. Dabei erfährt sie, dass ihr wahrer Vater lebt und der König ist und dass Maleficent sie verflucht hat. Als sie Maleficent zur Rede stellt, gesteht diese schweren Herzens die Wahrheit. Sie hat aber seither ihre Meinung geändert und hatte nur auf eine gute Gelegenheit gewartet, Aurora alles zu sagen. Doch diese stürzt daraufhin aufgebracht davon, um ihren König-Vater aufzusuchen.  

Aber Stefan hat für Aurora keine Zeit, sondern ist noch immer mit Kriegsvorbereitungen beschäftigt. So irrt die Prinzessin durchs Schloss und gelangt in den Keller zu einem Spinnrad, das sich gerade wieder herstellt. So geschieht das Unvermeidbare: Sie sticht sich an der Spindel und fällt sogleich in tiefen Todesschlaf.

Begegnung mit den Schatten und der Fluch als Schicksal

Das verborgene Geheimnis: Krieg zwischen den Geschlechtern
  • Einverständnis der guten Feen: NEIN, denn es gibt da gewisse Probleme, die im Schatten lauern. Diese müssen zuerst ans Licht kommen. Sie lösen aber in der jungen Frau Überforderung, Angst und Abwehr aus.
  • Keine Zeit – Krieg zwischen den beiden Kräften und fehlende Vaterliebe: Er geht seinen „Geschäften“ nach.
  • Das Spinnrad im Keller stellt sich wieder her, bereit für das nächste Opfer des Fluches. Gerade weil der Fluch ein Tabu ist, kann er sich erfüllen Denn die Betroffenen wissen nicht, wogegen sie in Wahrheit zu kämpfen haben (s. Der vergiftete Apfel – Missbrauch als kollektive Realität).

Der wahren Liebe erster Kuss

Maleficents Kuss

Maleficent will Aurora retten und ist auf dem Weg zur Burg, als sie Philipp begegnet. Kurzerhand nimmt sie ihn mit. Die Feen bitten nun den Prinzen, die ohnmächtige Aurora zu küssen, aber sie erwacht nicht.
Maleficent, die todtraurig darüber ist, dass sie Aurora verflucht hatte, küsst sie sanft auf die Stirn. Da schlägt die Prinzessin die Augen auf …

Was ist wahre Liebe?

Philips untauglicher Kuss
Philips Kuss „funktioniert“ aber nicht: Es ist nämlich ein Problem, dass der junge Mann noch keine «wahre» Liebe hat. Er muss sie als die weibliche Seite des Geistes zuerst integrieren und so zur «Vaterliebe» durchzudringen (s. Der Weg des Mannes und Die Integration der Anima).

 

Maleficents Kuss: zurück zur wahren Liebe

Die Frau hingegen hat von Anfang an wahre, nämlich bedingungslose Liebe. Doch sie hat diese auf ihrem Lebensweg verloren (s. Der Weg der Frau). Durch die Liebe zu ihrer (inneren) Tochter beginnt sie, auch sich selbst wieder zu lieben und sich in ihrer Schwäche und verletzten Unschuld anzunehmen. Damit steht die innere unschuldige Liebe wieder auf. (So auch in der sumerischen Mythologie, s. Der Aufstieg aus der Unterwelt.)

Kraft und Macht der Frau: Prinzen krepieren

Nun hat Stefan gemerkt, dass Maleficent im Schloss ist und lässt seine ganze Kriegsmaschinerie auf sie los. Doch Aurora hat in der Zwischenzeit Maleficents Flügel befreit, die sogleich wieder mit ihr verbunden haben.

Zusammen mit Diaval, ihrem treuen Gefährten, den sie in einen Drachen verwandelt hat, kämpft Maleficent nun erfolgreich gegen König Stefan. Im Turmzimmer angelangt versucht dieser zuletzt, sie von hinten zu erstechen, wobei beide vom Turm stürzen. Während Maleficent jedoch von ihren Flügeln getragen wird, schlägt Stefan unten auf dem Boden auf.

Sieg mithilfe des Drachen und der Flügel

Stefans Machtmittel: Eisen als Symbol für Unterdrückung
  • Stefans Kriegsmaschinerie – Macht durch Unterdrückung, symbolisiert durch das Eisen: Der Mann versucht die Frau zu unterwerfen, um ihre Lebenskraft für sich nehmen zu können (s. dazu ausführlich in Aladin und die Wunderlampe; s. auch Schwarze Magie).
  • Im Turmzimmer von hinten erstechen: Die Unterwerfung geschieht durch lieblosen Geschlechtsverkehr (s. letzter Abschnitt: s. Die Spindel).

 

Maleficents befreite Flügel: Die Kraft der Liebe
  • Die befreiten Flügel bedeuten, dass Maleficent wieder mit ihrer geistigen Kraft verbunden ist.
    Durch die Liebe zu ihrer (inneren) Tochter sowie durch Mitleid mit der Not vieler Frauen integriert die Frau ihre eigene weibliche Schwäche und versöhnt sich damit.

 

Diaval: Maleficents innerer Mann (Animus)
  • Diaval als Drache: Er symbolisiert rasende Wut der Frau über erfahrene Schmerzen, die wie FEUER in ihrem Inneren brennen. In der Kraft ihres negativen Animus (Schmerz und Zorn) steht sie auf, um gegen die Unterdrückung zu kämpfen.

 

Der Sturz vom Turm
  • Die Liebe zu sich selbst trägt die Frau wie Flügel. Doch häufig bedeutet das in einem ersten Schritt das Verlassen der schmerzhaften Beziehung. Dies führt dann dazu, dass er hart stattdessen auf dem Boden der Realität aufschlägt. (Damit setzt seine Verwundung ein, die seinen Weg zum wahren König einleitet; s. Die heilige Wunde).

Der innere Mann der Frau

Diaval – Maleficents treuer Begleiter und Helfer

Diaval ist Maleficent treuer Gehilfe. Der Grund dafür ist, dass Maleficent ihn einst gerettet hatte. Er war ein Rabe und in Gefahr, von einem Bauern erschlagen zu werden. Doch Maleficent verwandelte ihn in einen Menschen, einen sympathischen jungen Mann, sodass der Bauer von ihm abliess. Aus Dankbarkeit schwor ihr Diaval darum Treue und ist seither bereit, jede beliebige Gestalt anzunehmen, um Maleficent zu helfen. So fliegt er als Rabe umher und bringt Neuigkeiten aus dem Reich. Als Drache oder starker Bär hingegen kämpft er an ihrer Seite und verhilft ihr zum Sieg.

Maleficents innerer Mann und ihre Lebenskraft (Animus)

Der Animus: Diaval – «Teufel» und Diener der Herrin der Unterwelt

Der Name Diaval lehnt sich an griechisch diabolos an, von welchem das Wort «Teufel» kommt. So besteht auch tatsächlich eine Verbindung zwischen ihm und dem dienstbaren Geist der gefürchteten Herrin der Unterwelt. (In der sumerischen Mythologie ist er der Diener der Göttin der Unterwelt, welcher die Göttin der Liebe demütigt und entblösst (s. Inanna und die Göttin der Unterwelt). In Goethes Faust hingegen wird er als eigene Macht beschrieben, nämlich als «Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
– den alten Rang, den Raum ihr streitig macht».)

Ein dienstfertiger junger Mann: Der Animus der Frau

Der Körper und die Lebenskraft der Frau sind mit ihrem inneren Mann (Animus) identisch. Dieser ist durch Diaval auf der einen Seite dargestellt (als kämpferischer «Schmerzkörper«) und durch den Prinzen auf der anderen Seite (als Symbol für hingebungsvolle Liebe; s. Die Integration des Animus).

Der Animus in unterschiedlicher Gestalt, als Rabe, Bär oder Drache

Der Umstand, dass Diaval seine Gestalt verändern kann, ist ein klarer Hinweis darauf, dass es sich bei ihm um einen geistigen Aspekt handelt. Als Rabe symbolisiert er Maleficents Ohren, die überall sind. Insbesondere gilt der Rabe auch als Vogel, der zwischen der Welt und der Unterwelt hin und herfliegen kann. Als Bär symbolisiert er den leidenschaftlichen Kampf der Bärenmutter um ihr Junges, als Drache hingegen Weiblichkeit, die vor Zorn rast und destruktiv wütet.

Als Rabe beinahe von einem Bauern erschlagen

Tatsächlich erhielten Bauern früher Geld, wenn sie getötete Raben zur Ortsverwaltung brachten. Mythologisch kann man dieses Bild jedoch so deuten:

  1. Der Mann, der die Realität des Unbewussten ausblendet, «tötet» bildhaft gesehen den Raben als Symbol für die Verbindung zur Unterwelt. Indem er sich auf diese Weise weigert, sich mit seinem Schatten auseinanderzusetzen, ist er nicht viel besser als ein plumper Bauer. Darum verdient er es nicht, Königswürde über das Leben und die Liebe einer Frau zu erhalten.
  2. Die Frau, die bei einem solchen Mann mit ihren Anliegen durchkommen will, muss ihn auf männliche Art und Weise überzeugen, nämlich mit Strategie oder mit Macht und Kraft. Nur so kann er sie (buchstäblich) leben lassen (s. Der zweite Schöpfungsbericht der Bibel: die Männin).

Sieg: Krönung Auroras (Erfolg: 4)

Maleficent macht nun Aurora im Beisein von Prinz Philip zur Königin der Moore.

Dornen-Kaktus

Bemerkung zu dieser Interpretation von Dornröschen und die Dornenhecke

Wie die Mutter, so die Tochter – das Schicksal wiederholt sich.

So stellt sich das Spinnrad im Keller wie von selbst wieder her und Aurora gerät in den Bannkreis der weiblichen Realität, indem sie mit Philip schläft. Und so geht der Fluch gerade darum in Erfüllung, weil er ein unausgesprochenes Geheimnis und ein Tabu ist. Denn weil ein Teil der Wahrheit verschwiegen wird, sind die Beziehungen durch eine diffuse Negativität, die nicht eingeordnet werden kann, getrübt. Dies ist die Bedeutung des Fluches.

Das Unausgesprochene zwischen Mutter und Tochter
Die junge Frau kommt beim Heranreifen unweigerlich mit weiblicher Negativität in Berührung – über ihre Mutter, über andere Frauen, über ein «kollektives Wissen» (s. Der vergiftete Apfel – Missbrauch als kollektive Realität). Gerade dann, wenn Schmerz und Leiden nicht bearbeitet und integriert sind, kann der Fluch seine Macht entfalten. Dies nur schon darum, weil er in allen, die mit ihm in Berührung kommen, diffuse negative Gefühle wie Angst oder eine Abwehrhaltung auslöst.
Abwesenheit des Vaters und fehlende Vaterliebe
Die fehlende Präsenz des Vaters und der männlichen Welt, die nur damit beschäftigt ist, das Reich der Macht auszubauen, trägt ebenfalls zur Erfüllung des Fluches bei. Zudem führt die Weigerung des Mannes, Verantwortung zu übernehmen, zu einer fatalen Tabuisierung der Wahrheit (alle Spindeln im Land verbrannt). Dieses Thema ist so alt wie die Menschheit selbst (s. Der Fluch und die Vertreibung aus dem Paradies als negative Paardynamik).

Die Geschichte anders erzählt: Malena

Dornröschen und die Dornenhecke

Maleficent und die Anima-Obsession des Mannes

Ich hatte mich entschlossen, das Kind zu behalten. Von Stefan hörte ich einfach nichts mehr, was mich unglaublich traurig machte. Schliesslich beschloss ich, dass er meine Liebe nicht verdient hatte. Als ich ihm zufällig mal wieder begegnete, verhielt ich mich darum entsprechend abweisend. Das war’s dann auch. Sicher würde ich nicht hinhalten, um sein Ego aufzubauen!

Erste Bewusstwerdung: die (innere) Tochter, der Fluch und der Prinz (15)

Das Kind kam zur Welt, eine Tochter, und ich gab ihr den Namen Aurora. Dieser Name – Morgenröte – war Ausdruck meiner Hoffnung, dass sich unser Leben in eine gute Richtung entwickeln würde. Zudem sollte es meine Tochter einmal besser haben als ich!

Schutz vor Verletzung

Ich liess Aurora teilweise fremdbetreuen und arbeitete hart für unseren Lebensunterhalt. Die Kleine war wild und fordernd. Und natürlich fragte sie auch nach ihrem Vater. Ich sagte ihr, er sei bei einem Unfall gestorben, kurz nachdem sie gezeugt worden war. Das war keine Lüge. Denn für mich war er gestorben! (Und sie war der «Unfall».)

Aurora wuchs auf und wurde eine schöne junge Frau. Eines Tages erzählte sie mir, dass sie einen jungen Mann kennengelernt habe, Philip. Er sei gleich alt wie sie. Sie hatte Gefühle für ihn. Ich riet ihr, auf Distanz zu bleiben und sich nicht zu schnell mit ihm einzulassen. Zudem wollte ich wissen, wie der Junge hiess und wer seine Eltern waren.

Der Prinz auf dem Weg zum König

Aurora war nun in ihrem 16. Lebensjahr und traf sich immer wieder mit Philipp. Ich war nicht glücklich darüber. Nachdem ich an einem Wochenende geschäftlich verreist war, kam sie zu mir und sagte:
– Du wolltest doch wissen, wer Philips Eltern sind?
– Hm, ja, das will ich wohl.
– Weisst du, Sie sind wirklich sehr nett! Und sie sind auch noch jung und dennoch sehr vermögend. Sie haben ein grosses Haus mit Pool. Ihr Name ist Schlosser, Hannes und Ingrid Schlosser. … Und … Mama?

Die Erfüllung des Fluches

Begegnung mit den Schatten

Ich war tatsächlich in Grübeleien versunken. Schlosser! Stefan hiess Schlosser zum Nachnamen. Nachdem ich seine Adresse von Aurora bekommen hatte, googelte ich und fand: Hannes Stefan Schlosser! Er hatte offenbar nun seinen zweiten Namen vorangestellt.

Es war als durchbohre ein Messer mein Herz. Stefan! Auroras Vater!!! – Und er hatte einen Sohn … Philip, der zu allem Überfluss auch noch mit meiner Tochter befreundet war … Das durfte doch alles nicht wahr sein!
Alle Kraft war aus meinem Körper gewichen, aber ich musste dennoch sogleich mit Aurora sprechen. Sie blickte mich besorgt an und sagte:
– Mutter! Was ist mit dir, du bist ja ganz bleich …

Ich sagte tonlos:
– Es tut mir leid … Da ist etwas, worüber ich schon länger mit dir reden wollte …
– Was denn??
– Du hast einen Vater! … Und er ist offenbar gar nicht so weit weg … Er heisst … Stefan … also Hannes Stefan Schlosser.

Der erfüllte Fluch als Schicksal

Nun war Aurora ebenfalls erbleicht und flüsterte:
Was sagst du da? – Was hast du mir da verschwiegen?!
Hilflos rang ich nach Worten, aber nun schrie sie aufgebracht:
Du hast mich also mein ganzes Leben belogen!!

Ich senkte meinen Kopf:
– Es tut mir so leid, es war schwer für mich … Ich wollte den richtigen Augenblick abwarten, deinen 16. Geburtstag, begann ich zaghaft. Aber Aurora unterbrach mich und ihre Stimme überschlug sich beinahe:
– Dann habe ich also mit meinem Bruder geschlafen! Weil ich das nämlich nicht wusste. Wie hätte ich denn wissen können, dass sein Vater auch mein Vater ist!? !
– Was? Meine Stimme versagte, war nur noch ein Hauch, als ich hinzufügte:
– Wann??
– Am Wochenende, als du weg warst!, zischte sie.

Aurora rannte hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.
Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Was sollte ich tun? Ich hatte nur ein Gebet: «Gütiger Himmel! Lass sie nicht schwanger sein!».

Krieg! Probleme in Beziehungen

Es gab keinen Zweifel: Ich musste den Stier bei den Hörnern packen und zu Stefan gehen. Zum Glück war er zu Hause.
Er war sehr überrascht, als er dir Türe öffnete:
– Malena!? Was führt dich denn hierher?

Ich konnte mich kaum beherrschen, sagte aber kalt, während es in meinem Inneren brodelte:
– Was mich hierher führt, will ich dir sagen: Es ist der Umstand, dass meine Tochter mit deinem Sohn geschlafen hat! –  Du hast doch einen Sohn – oder?
– Philip …? Ach … – Aurora ist deine Tochter?? ?

Das verborgene Geheimnis

Ein breites Grinsen flog über sein Gesicht und er sagte:
  Was für ein Zufall …!
– Da gibts nichts zu grinsen!, fuhr ich ihn an: Sie ist zufälligerweise auch deine Tochter!
– Wie bitte??? Er blickte mich entgeistert an.
– Ist Aurora hier?, wollte ich wissen, ohne weiter darauf einzugehen.

Stefan holte Aurora und Philip. Der junge Mann sah überfordert und völlig hilflos aus, während Auroras Augen vor Weinen rot aufgequollen waren.

Wir waren alle sehr aufgewühlt. Es stellte sich aber dann doch immerhin heraus, dass Philip nicht Stefans leiblicher Sohn war, sondern der Sohn seiner Partnerin Ingrid, aus ihrer früheren Beziehung. Ingrid ihrerseits war nicht anwesend, sondern befand sich zurzeit in einer Klinik – wegen Depressionen, wie ich nebenbei aufschnappte.

Der Sturz der beiden vom Turm

Stefan blickte mich eindringlich an und sagte:
– Warum hast du mir nie erzählt, dass wir eine Tochter haben?
– Du hast dich doch nicht mehr bei mir gemeldet, dich nicht interessiert!, antwortete ich und spürte, wie Blitze aus meinen Augen fuhren, als ich weitersprach:
– Ich wollte nicht dieselben Probleme haben wie deine Frau! Warum ist sie wohl in der Klinik?! Weil du ein rücksichtloser Egomane bist!

Nun unterbrach Aurora mich verzweifelt:
– Mama! Hör auf!!

Der wahren Liebe erster Kuss

Ich fiel in mich zusammen. Obwohl ich mich überwinden musste und der Kloss in meinem Hals immer grösser wurde, fuhr ich stockend fort:

– Ich wollte nicht in einer unglücklichen Beziehung stecken bleiben wie meine Mutter. Aurora ist meine Freude, das Licht meines Lebens! Sie ist alles, was ich habe, alles, wofür ich in all den Jahren gekämpft habe. Sie sollte es einmal besser haben als ich … Und jetzt das …! – Wenn du jetzt nur nicht schwanger bist!

Tränen bahnten ihren Weg und ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Wir alle schwiegen, der einzige Laut im Raum war mein Schluchzen.

Maleficents Flügel befreit: die Kraft der Liebe

Aber dann setzte sich Aurora in Bewegung. Sie kam nahe zu mir heran, legte ihre Arme um mich und sagte:

– Mama! Du bist die beste Mutter, die ich mir überhaupt vorstellen kann. Ich glaube dir, dass es schwer für dich war! – Und du hast mir so viel gegeben, deine ganze Liebe und Fürsorge!! Dir verdanke ich alles, mein Leben mit allem, was dazu gehört!
Ich liebe dich über alles. Sei nicht traurig. Es ist alles gut!

Prinzen krepieren: Kraft und Macht der Frau

Philips Kuss

«Ja, meine geliebte Tochter!», dachte ich, «ich würde für dich durchs Feuer gehen!»

Als ich meinen Blick hob, fiel er auf Philip, der noch immer unbeholfen und tölpelhaft dastand und aussah, als würde er am liebsten im Boden versinken.

Aurora atmete tief durch und meinte schliesslich:
– Ich bin ja so froh, dass Philip nicht mein leiblicher Bruder ist!
– Das bin ich auch!, sagte ich und liess mich von ihrem Lächeln anstecken. Genug für heute. Komm, lass uns nach Hause gehen!

Stefan schlägt hart auf

Stefan begleitete uns zur Tür
– Sehen wir uns wieder?, fragte er und blickte mich unsicher an.
– Wenn sich ein Grund dazu ergeben sollte, erwiderte ich kühl. Dann drehte ich mich um und wir gingen.

Aurora war Gott sei Dank nicht schwanger. Doch ich hatte mir den Kopf darüber zerbrochen, wie diese verworrene Situation aufzulösen sei, denn ich war alles andere als glücklich über Auroras Zuneigung zu Philip. Doch dann ergab sich eine wunderbare Fügung …

Die kranke Königin steht auf zum Zorn

Wenig später, es waren kaum zwei Wochen vergangen, kam Aurora aufgebracht zu mir und sagte:
– Ich muss dir etwas erzählen, es ist ganz schlimm! Ich weiss nicht, was ich tun soll!
Aufgewühlt berichtete sie, dass Ingrid aus der Klinik zurückgekommen sei und sich furchtbar mit Stefan gestritten hatte. Dabei hätte sie ihm vorgeworfen, dass er sie ausgenutzt hätte und ihm gleichzeitig eröffnet, dass sie sich nun von ihm trennen wolle.

Ich muss gestehen, dass dies in meinem Innern ein hämisches Grinsen auslöste. Als ich schwieg, fuhr Aurora verzweifelt fort:
– Aber nicht genug damit! Ingrid verbietet nun Philip, weiter mit mir Kontakt zu haben, weil ich ja Stefans Tochter bin!

In der redlichen Bemühung, empathisch zu sein, fragte ich vorsichtig:
– Und? Wie hat er darauf reagiert?
– Das ist es ja, was mich so fertig macht. Er war durcheinander, verwirrt und schien irgendwie unentschlossen mir gegenüber. Das hat mich so enttäuscht! – Ich frage mich ernsthaft, womit Ingrid ihn gekauft hat. – Ob sie ihm am Ende gedroht hat, ihn zu enterben?

Sieg und der innere Mann (Erfolg: 4)

Mit Drachenkraft gegen Unterdrückung

Offenbar war Ingrid diejenige, die das Geld eingebracht hatte. Sie stammte auch tatsächlich aus einer sehr vermögenden Familie.

Innerlich jubelte ich, denn mein Problem hatte sich von selbst gelöst! Auroras Kontakt zu Philip war unterbunden, ohne dass ich etwas dazu tun musste. Dabei schoss mir auch in den Kopf: «Ich hätte an Ingrids Stelle sein können! – Und ich kann ihren Zorn sogar verstehen. Er ist ein Macho! – Aber Gott sei Dank bin ich frei! Und auch meine geliebte Tochter soll frei sein und frei bleiben, um ihr eigenes Leben einzunehmen und zu gestalten!».

Diaval und männliche Strategie

Fest entschlossen, Aurora aufzubauen, wählte ich meine Worte mit Bedacht und sagte:

– Oh, ich kann deine Enttäuschung gut verstehen. Genau so erging es mir damals mit Stefan, nur mit dem Unterschied, dass ich auch noch schwanger war – mit dir! Nun höre auf meinen Rat, geliebte Tochter: Wenn Philip nicht zu dir stehen kann, dann liegt das wohl daran, dass er ein Muttersöhnchen ist. Wenn das so ist, mach dir nichts draus, und verschwende keinen einzigen Gedanken mehr an ihn. In diesem Fall hat er deine Liebe nicht verdient und du würdest dir nichts als Ärger mit ihm einhandeln.

Aurora, Königin der Moore

– Blicke nach vorn, meine Tochter! Dein Leben liegt vor dir! Lerne deine Lektionen und entwickle dich weiter. Sieh zu, dass du eine solide Ausbildung und einen guten Job bekommst und sei froh, dass du dies in Freiheit tun kannst.
Gewiss: Lebe Beziehungen, liebe wenn du willst, aber binde dich nicht so stark, dass es dich einschränkt. 
Denn du hast die Chance, ein leichteres Leben zu haben als ich es bis jetzt hatte. Wirf dies nicht leichtfertig hin!

So kam es: Aurora und ich erlebten eine schöne und erfüllte Zeit. Ich wurde in der Firma befördert und erhielt viel Verantwortung. Und Aurora schloss die Schule erfolgreich ab und begann zu studieren.

Und so war alles auf gutem Weg, bis …


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