Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Aschenarbeit im fremden Schloss (Eisenhans 3: in der Wüste)

Im fremden Schloss

By on 20. Mai 2020

Im fremden Schloss

Aschenarbeit im fremden Schloss (Eisenhans 3: Wüste)

Der Königssohn muss muss als Gärtners- und Küchengehilfe Aschenarbeit im fremden Schloss leisten. Indem er auf diese Weise unten durch muss, hat er die Gelegenheit, sich in Mangel und Entbehrungen zu bewähren. Zudem versucht die Tochter des fremden Königs, ihn zu locken? Wie kann er dieser Versuchung widerstehen?

Der nächste Abschnitt des Märchens:

Aschenarbeit im fremden Schloss

Der fremde König

Küchenarbeit

Da verliess der Königssohn den Wald und ging über gebahnte und ungebahnte Wege immerzu, bis er zuletzt in eine grosse Stadt kam. Er kam an einen Königshof. Dort nahm ihn der Koch in Dienst und sagte, er könnte Holz und Wasser tragen und die Asche zusammenkehren.

Begegnung mit dem König

Einmal, als gerade kein anderer zur Hand war, hiess ihn der Koch die Speisen zur königlichen Tafel tragen, da er aber seine goldenen Haare nicht wollte sehen lassen, so behielt er sein Hütchen auf. Dem König war so etwas noch nicht vorgekommen, und er sprach: «Wenn du zur königlichen Tafel kommst, musst du deinen Hut abziehen!» – «Ach Herr,» antwortete er, «ich kann nicht, ich habe einen bösen Grind (Ausschlag) auf dem Kopf.» Da liess der König den Koch herbeirufen, schalt ihn und fragte, wie er einen solchen Jungen hätte in seinen Dienst nehmen können; er sollte ihn gleich fortjagen. Der Koch aber hatte Mitleid mit ihm und vertauschte ihn mit dem Gärtnerjungen.

Die Königstochter

Gartenarbeit

Nun musste der Junge im Garten pflanzen und begiessen hacken und graben und Wind und böses Wetter über sich ergehen lassen. Einmal im Sommer, als er allein im Garten arbeitete, war der Tag so heiss, dass er sein Hütchen abnahm und die Luft ihn kühlen sollte.

Begegnung mit der Königstochter

Wie die Sonne auf das Haar schien, glitzte und blitzte es, dass die Strahlen in das Schlafzimmer der Königstochter fielen und sie aufsprang, um zu sehen, was da wäre. Da erblickte sie den Jungen und rief ihn an: «Junge, bring mir einen Blumenstrauss!»

Er setzte in aller Eile sein Hütchen auf, brach wilde Feldblumen ab und band sie zusammen. Als er damit die Treppe hinaufstieg, begegnete ihm der Gärtner und sprach: «Wie kannst du der Königstochter einen Strauss von schlechten Blumen bringen? Geschwind hole andere und suche die schönsten und seltensten aus!» – «Ach nein,» antwortete der Junge, «die wilden riechen kräftiger und werden ihr besser gefallen.»

Verbergen der wahren Identität

Als er in ihr Zimmer kam, sprach die Königstochter: «Nimm dein Hütchen ab, es ziemt sich nicht, dass du ihn vor mir aufbehältst.» Er antwortete wieder: «Ich darf nicht, ich habe einen grindigen Kopf.» Sie griff aber nach dem Hütchen und zog es ab, da rollten seine goldenen Haare auf die Schultern herab, dass es prächtig anzusehen war. Er wollte fortspringen, aber sie hielt ihn am Arm und gab ihm eine Handvoll Dukaten.

Bescheidenheit und Abstinenz

Er ging damit fort, achtete aber des Goldes nicht, sondern er brachte es dem Gärtner und sprach: «Ich schenke es deinen Kindern, die können damit spielen.» Den andern Tag rief ihm die Königstochter abermals zu, er sollte ihr einen Strauss Feldblumen bringen, und als er damit eintrat, grapschte sie gleich nach seinem Hütchen und wollte es ihm wegnehmen; aber er hielt es mit beiden Händen fest.

Sie gab ihm wieder eine Handvoll Dukaten, aber er wollte sie nicht behalten und gab sie dem Gärtner zum Spielwerk für seine Kinder. Den dritten Tag ging’s nicht anders: Sie konnte ihm sein Hütchen nicht wegnehmen, und er wollte ihr Gold nicht.

Kurze Zusammenfassung

Weit weg von Zuhause kann der Königssohn nicht mit den Vorzügen seiner Herkunft auftrumpfen. Nun muss er sich bewähren. Hier werden seine Treue, sein Durchhaltevermögen und seine Dienstbereitschaft geprüft. Hier zählt nicht, was er ist, sondern was er tut.

Wichtige Symbole und Archetypen

Küchenarbeit und Begegnung mit dem König: Versuchungen im Bereich des Körpers
Enthaltsamkeit im Bereich des Körpers

Zunächst leistet der Königssohn als Küchengehilfe Aschenarbeit, ohne sich dafür zu gut zu fühlen. In der Küche wird Brot gebacken, das Symbol der Läuterung des männlichen Körpers (s. Brot und Wein). Hier zeigt sich der Königssohn dienstfertig bereit, dem fremden König köstliche Speisen zu servieren. Dabei widersteht der Versuchung, seine wahre Identität nicht preiszugeben.

Widerstand gegen Versuchungen auch bei existenziellen Herausforderungen

Dies selbst dann, als er den Zorn des fremden Königs auf sich zieht und als «schwach» oder «krank» abgelehnt wird. Denn er hat sein Ziel vor Augen: Er will nicht aufgrund seiner Herkunft glänzen, sondern aufgrund seiner Taten bestehen und gewinnen. Diese Haltung ist sein «goldenes Haar», das er verbirgt, und sein wahrer Adel.

Der fremde König: Der «Gott dieser Welt», der herausfordert und prüft

Die Haltung des Helden bringt letztlich volles Vertrauen in die höhere Bestimmung zum Ausdruck, indem sie letztendlich besagt: «Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat».
[Mt. 4,4; S. Überwinden in Versuchungen und Die Versuchungen von Jesus in der Wüste: Macht.]

Gartenarbeit und Begegnung mit der Königstochter: Versuchungen im Bereich der Seele
Die Anima, die innere Frau des Helden

Die Königstochter als Symbol für die ANIMA und innere Frau spricht den emotionalen Bereich an und mit diesem das Bedürfnis nach Wertschätzung und Bestätigung. Wer kennt nicht den Wunsch, endlich einmal wahrgenommen zu werden, gesehen und wertgeschätzt zu werden für das, was man ist?

Keine Verblendung, sondern das Wahre, das Echte

Als weibliches Gegenüber ist die Königstochter neckisch, verspielt und vor allem auch neugierig. Sie will wissen, was „dahinter“ steckt. Der Held sucht (für seine Seele) nicht eitler, hohle Hochglanz-Schönheit ohne wahres Leben, sondern das Echte, das gut „riecht“ und der Seele wohltut. Im Märchen wird der Unterschied durch die Gegenüberstellung von Zuchtblumen und Wildblumen thematisiert. Wieder enthält er sich der Versuchung, durch sein Erbe zu blenden, sondern stellt stattdessen seinen Einsatz zur Verfügung (das Pflücken von Wildblumen, statt das Schneiden der Zuchtblumen im Garten).

Verbergen der wahren Identität: Charakter (bescheiden bleiben statt blenden)
Charakterstärke
Der Held bleibt bescheiden und zeigt dadurch Charakter. Er hält sich weiter bedeckt und erduldet die «Dürre in der Wüste», indem er Enthaltsamkeit übt und der Versuchung widersteht, sich durch seine wahre Herkunft zu nehmen, was er will. Mit anderen Worten, er lässt sich nicht durch schnellen Gewinn verführen und widersteht der Versuchung, mit einem glänzenden Auftritt zu blenden.
Vertrauen

So bleibt er seiner Vision treu. Er hat sein hohes Ziel vor Augen. Er strebt nach einer Gerechtigkeit, die höher ist als er selber und seine Umgebung. Darum kann er sie nicht selber verdienen oder erringen. Mutig und geduldig erträgt das Gefälle, das aufgrund seiner Jugend oder Unerfahrenheit da ist. Dabei lässt sich aber nicht beirren; er bleibt bescheiden, im Wissen, dass er noch dazugewinnen muss und kann. Er gibt sein Bestes im Vertrauen, dass seine Zeit kommen wird.

Das Gold, die Macht und die Kinder: Wahre Liebe kann man nicht kaufen.
Die Königstochter und die Macht

Die Königstochter gibt dem Gärtnersjungen Golddukaten und will damit ein Machtgefälle installieren. Doch der Held hütet sich davor, sich kaufen zu lassen. Auch verzichtet er darauf, durch seine Herkunft zu blenden oder seinerseits sein Gegenüber durch exklusive Geschenke (wie edle Blumen) zu «kaufen». Denn er weiss: Wahre Liebe kann man nicht erzwingen, man bekommt sie geschenkt.

Gold für die Kinder: Reinheit des Herzens

Der Held nimmt das Gold nicht für sich, sondern gibt es den Kindern des Gärtners. Kinder leben im Augenblick. Sie haben ein reines Herz, ihre Gedanken sind nicht auf Macht ausgerichtet. Als Erwachsener könnte der Held sich aber vom Gold korrumpieren lassen, besonders wenn er sich im Mangel fühlt. Es braucht eine Lockerheit und eine kindliche Verspieltheit, um nicht in Versuchung zu geraten (s. Überwinden in Versuchungen).

Auch sind Kinder offen und lernbereit. Damit macht das Märchen eine klare Aussage, nämlich: Das Gold ist für das innere Kind. Es ist die Reinheit des Herzens, welche das wahre Gold ist und den Zugang zum Grösseren bereitet.

Hier geht es zu: Deutung sämtlicher Symbole dieses Abschnitts «Aschenarbeit im fremden Schloss».

Aus den obigen Deutungen ergibt sich die moderne Geschichte:

Eisenhans und der Goldbrunnen – die Geschichte anders erzählt

Thomas erzählt weiter:

Küchenarbeit und Begegnung mit dem König

Nun habe ich eine Stelle bei einer kleinen Firma angenommen. Ich verdiene zwar nur die Hälfte, aber ich kann ganz hinter dem Konzept stehen. Die Firma ist im Bereich der Umwelt tätig. Es bedeutet für mich einen Neuanfang. Was ich bis jetzt gemacht habe, nützt mir hier nicht viel. Während einer Sitzung gab Richard, unser CEO, überraschenderweise mir das Wort und fragte mich nach meiner Meinung.

Obwohl ich mir durchaus Gedanken gemacht hat, hielt ich es nicht für angebracht, diese im breiten Forum kundzutun. Darum antwortete ich: «Aufgrund meiner Unerfahrenheit in dieser Branche enthalte ich mich zu diesem Zeitpunkt einer Aussage». Der CEO runzelte die Stirn und kam nach der Sitzung zu mir: «Ist das alles, was du zu bieten hast?», wollte er mit einem zynischen Unterton wissen. «Tatsächlich ist es mir wichtig, in dieser für mich zuerst zu orientieren und lernen,» antwortete ich.
Darauf sagte meinte er: „Wenn du dich so schlecht verkaufst, wirst du bei uns aber nicht weit kommen.“

Gartenarbeit und Begegnung mit der Königstochter

Der Junior-Partner unserer Firma ist eine Frau. Sie heisst Linda und ist sehr attraktiv! Es ergab sich, dass wir nach der Sitzung noch ein Stück denselben Weg zu gehen hatten. Linda sagte: „Stark, wie du Richard gegenüber cool bliebst. Mir ist es wichtig, dass die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, authentisch sind.» – «Das sehe ich auch so. Meiner Meinung nach ist ein offener, wertschätzender Umgang für alle eine Bereicherung,“ pflichtete ich ihr bei und verkniff mir eine Bemerkung zu Richards zynischer, nicht besonders wertschätzender Bemerkung.

Verbergen der wahren Identität

Dann begann Linda mir zu meiner Vergangenheit und zu meinem Werdegang Fragen zu stellen. Sie war neugierig, wirkte dabei ungezwungen und locker. Auch versuchte sie, etwas über mein Beziehungsleben zu erfahren. Ich antwortete ihr wahrheitsgemäss, dass ich getrennt sei, um herauszufinden, was ich im Leben wirklich will. Es schien sie zu beeindrucken und sie löchert mich weiter mit Fragen. Dabei hatt ich wirklich Mühe, nicht zu viel preiszugeben. Ich lächelte sie an und sagte: «Viel mehr kann ich nicht dazu sagen, mein Weg hat ja eben erst angefangen.» Da blickte sie mich etwas verwundert an und zuckte die Schultern.

Die Macht, das Gold und die Kinder

«Um auf die geschäftliche Ebene zurückzukommen …», fuhr sie fort: „Du hast Führungseigenschaften, das spüre ich! Und wir brauchen eigentlich einen zweiten Junior-Partner …“. Dabei fixierte sie mich mit ihrem Blick und sagte: „Ich habe das Gefühl, dass du für deinen jetzigen Job überqualifiziert bist. – Und du könntest auch mehr verdienen. Wieso hast du diese Stelle überhaupt angenommen?“ – „Ich wollte die Branche wechseln“, antwortete ich: „Und ich weiss noch nicht sehr viel von der Materie.“

„Ach komm schon!“, insistierte sie, „Bestimmt hast du etwas vorzuweisen, was deinen Wert erhöht? Ich könnte dann beim CEO ein gutes Wort für dich einlegen. Da lässt sich bestimmt was machen … Hm?“ – „Vielen Dank, ich weiss deine Freundlichkeit zu schätzen, aber ich nehme mir gerne etwas Zeit, um mich umzuschauen und zu lernen“, entgegnete ich entschieden.
Sie hob die Augenbrauen und sagte nur: „Ok, wie du willst.“

Die dritte Phase des Heldenweges: Wüste

Bewährung in der Fremde

Im Wort „Bewährung“ steckt das Wort „wahr“. In Härte und schwierigen Umständen wird sichtbar, was der Mensch wirklich ist.
Damit hat unser Held nun die dritte Phase des Heldenweges abgeschlossen.
[Zum Hintergrundartikel zu dieser Episode: Die dritte Phase des Heldenweges: Wüste (Bewährung in Mangel und Entbehrungen.]

Zur Übersicht über den Heldenweg des Eisenhans, die dritte Phase («Aschenarbeit im fremden Schloss»), diese Tabelle:

Überleitung:

Nachdem der Held sich in der Wüste bewährt hat, wird er als Nächstes mit Erfolg gesegnet

Weiter geht es mit:

Der Eisenhans – Sieg über den Feind


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