Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Georg und der rote Mantel – Rettung aus dem Feuer (3)

Ritter Georg: der rote Mantel

By on 2. März 2021

Ritter Georg: der rote Mantel

Georg und der rote Mantel – Rettung aus dem Feuer

Georg hat den lahmen Vater Lars aus dem brennenden Haus gerettet und stellt zu seiner Überraschung fest, dass das Feuer ihm nichts anhaben konnte. Es war der rote Mantel, der ihn vor den Flammen schützte …

Georg und der rote Mantel 

Sechs Jahre war er bereits im Besitz des Schwertes gewesen, als er eines Tages in ein Dorf kam. Da herrschte ein grosser Tumult, denn das grösste Haus stand in Flammen. Jemand schrie: „Dort im obersten Stockwerk, ist der alte lahme Vater Lars, man hat ihn vergessen!“ Die längste Leiter war verbrannt, die anderen reichten nur bis zwei Stockwerke darunter. «Der rote Mantel würde mir jetzt helfen …», dachte der Jüngling. Kurzentschlossen schlug seinen alten, abgewetzten Mantel um sich, rannte ins Haus hinein und die Treppen hinauf. Bald darauf erschien er wieder. Er trug den Lahmen in seinen Armen – Vater Lars war gerettet. Das Volk jubelte. Er selber wunderte sich: „Wie kam ich heil durch Feuer und Glut?“ – Georg blickte an sich herunter und sah: da war der rote Mantel .. Es musste der Mantel sein, der vor Feuer und Glut schützt!

Archetypen, Deutungen und Bemerkungen

3 – 6 – 9 Jahre 3 x 3, für Ganzheit Rot / Weiss / Schwarz in 3 Lebensphasen

Ganzheit wird erreicht durch das Überwinden des Egos und der Triebe im Bereich von Körper (Sohn) / Seele (Vater) / Geist (Grosser Vater. (Rot: Wut, Blut zu Hingabe des Körpers; Weiss: Hingabe der Seele; Schwarz: Sterben Ego und Integration des Geistes); s. Männliche Ganzheit Vater / Sohn / Geist und Der Weg des Mannes).

Symbole und Archetypen

Deutungen der Symbole und Archetypen

6 Jahre – Übertritt von der roten in die weisse Phase:

Geprüft wird, ob der Held tatsächlich in der Lage ist, wenn es sein muss, seine stürmische jugendliche Kraft im Zaum zu halten und stattdessen wahre hingebungsvolle und vergebende Liebe des Vaters zu leben.

Das Haus in Flammen – negative Paardynamik „Feuer“:

Der „Haussegen“ hängt schief, stattdessen befindet sich die Beziehung in einer eskalierenden Spirale der Gewalt. Denn beide Partner sind in der roten Phase (s. Grafik unten). Er ist noch nicht zur Weisheit des Vaters durchgedrungen. Sie indes ist im Griff ihrer unreifen männlichen Anteile aus dem Schatten und durch diese in Zorn und Schmerz zu Aggressionen getrieben. Er ist durch seine negative innere Frau (Anima als Schlange) in Reaktion darauf wie gelähmt und somit unfähig zu reagieren (s. Negative Paardynamik „Feuer“).

Der lahme Vater Lars:

  1. Vater: Das Märchen sagt unmissverständlich: Es geht um den Vater. Diese Eposode zeigt den Weg des Mannes zu Vaterschaft, von Jugendlichkeit hin zu reifer Liebe (von Rot zu Weiss) auf.
  2. Der Vater im Mann ist gelähmt: Es ist negative Weiblichkeit, welche dafür verantwortlich ist, dass der Mann nicht seinen Mann stehen kann. Die Ursache der Lähmung ist die nicht integrierte innere Frau des Mannes, seine Anima als „Schlange“. Negative Weiblichkeit bewirkt, dass sich der Mann im Angesicht des Konflikts blockiert fühlt.
  3. Der Mann hat einen Namen: Der Name ist ein Hinweis auf die seelische Identität, eine ganz eigene Persönlichkeit. Er ist ein Individuum und hat eine Seele. Diese gilt es aus dem verzehrenden Feuer zu retten.

Der alte, abgewetzte Mantel 

Der Held legt sein ganzes Sein in die Waagschale und damit das Wenige, was er hat. Es ist nicht viel, es erscheint ihm wie ein schäbiger alter Mantel. Doch damit setzt er trotz allem seinen Körper und seine hoffnungsvolle Leidenschaft für das Gute ein.

Der rote Mantel, der vor Feuer und Glut schützt 

In dem Augenblick, als er sich mit Todesmut in die Flammen stürzt, erfährt er, wie er bewahrt, geschützt und gestärkt wird. Der rote Mantel symbolisiert die Kraft leidenschaftlicher Liebe, welche vor zersetzender, tödlicher Negativität schützt (s. Männliche Ganzheit, Gott, Vater – Sohn – Geist).

Die Rettung des Vaters: Von Rot zu Weiss

Der Held wird zu seinem Erstaunen erleben, dass ihm das Feuer nichts anhaben kann, sondern dass er vielmehr tatsächlich aus den Flammen retten kann. Er rettet dabei nicht nur sein Gegenüber, sondern auch die Liebe in sich selber. Er dringt zur Liebe des Vaters durch (Weiss; s. Der Weg des Mannes).

Zusammenfassung aufgrund der obigen Deutungen:

Die Rettung des lahmen Vaters Lars aus den Flammen bedeutet, dass der innere Held aktiv wird. Todesmutig stürzt er sich mitten in die Flammen, in das verzehrende Feuer von Schmerz, Wut und Lähmung (s. Die negative Paardynamik «Feuer»). Er legt seine ganze Existenz in die Waagschale, um die Liebe zu retten. So wird er selber zum liebenden Vater, voll Erbarmen.

Georg und der rote Mantel ­– die Geschichte anders erzählt

6 Jahre

Debbie und ich waren nun schon sechs Jahr zusammen und damit ins «verflixt siebte Jahr» gekommen. Tatsächlich hatten wir so üble Auseinandersetzungen, dass ich mir nicht sicher war, ob unsere Beziehung das überleben würde.

Das brennende Haus

Immer wieder stritten wir uns heftig. Schnell war «Feuer unterm Dach». Dann ging Debbie auf mich los, buchstäblich wie vom Teufel geritten. Immer wieder griff sie mich an, provozierte mich, setzte mich ins Unrecht.

Der lahme Vater

Ich fand mich dann jeweils ratlos, wie gelähmt. Aber sie hörte einfach nicht auf – als wollte sie mich treffen! Ich merkte, wie mein Puls in die Höhe schnellte. Tatsächlich fiel es mir schwer, mich zu beherrschen, hatte ich da und dort doch das Gefühl, dass meine Hand zuckte.
Manchmal kam es mir vor, als versuchte sie zwanghaft, mich zu ärgern und mich aus der Reserve zu holen. Als hätte sie es darauf angelegt, mich derart aus dem Gleichgewicht zu bringen, damit ich zu Gewalt greife, wie ihr Vater es getan hatte.

Dabei kam mir auch mein eigener Vater in den Sinn. Früher konnte ich nicht verstehen, wie er sich gegenüber Mutters Angriffen so passiv verhalten konnte. Auch pflegte ich Paare zu belächeln, in denen die Frau sich wie ein Drache benahm und offensichtlich der «Mann» in der Beziehung war, während er sich weibisch-unterwürfig verhielt: «Ja Schatz …»
Kaum zu glauben: Jetzt war ich selber in dieser Rolle und konnte nichts dagegen tun, sondern fühlte mich einfach nur ohnmächtig.

Die Leitern sind zu kurz und verbrannt!

Wenn ich versuchte, Lösungsvorschläge zu bringen, tickte Debbie nur noch mehr aus und das Ganze entglitt mit noch mehr:
– Immer willst du mir Ratschläge und Rezepte erteilen!, schrie sie mich gereizt an: Wenn du doch einfach aufhören könntest und wenigsten versuchen würdest, mir zuzuhören und mich zu verstehen!
– Aber ich verstehe dich doch. Darum würde ich an deiner Stelle…
– Ach! Hör einfach auf!!!
Sie liess mich nicht einmal ausreden! Es war mir alles andere als egal! Ich kochte innerlich, ich wurde wütend … Aber noch mehr machten mir diese alarmierenden Gefühle Angst – gegenüber der Frau, die ich doch liebte … Was ging hier ab? Was sollte ich bloss tun???

Die Flammen schlagen über dem obersten Stockwerk zusammen

Debbie hatte sich mal wieder resigniert von mir abgewandt und sagte:
– Du hast ja keine Ahnung … Du interessierst dich überhaupt nicht für mich.
Es kostete mich viel Überwindung, ruhig zu bleiben. Schliesslich sagte ich:
– Doch ich interessiere mich für dich. Ich liebe dich. Aber ich verstehe tatsächlich nicht, was los ist. Sag es mir!
Sie holte tief Luft:
– Also gut: Ich fühle mich missbraucht!
– Von mir???
– Ja! Von dir!!!

Bumm, das kam wie ein Hammer. Ich war sprachlos. Das war ja die Höhe! Gedanken kreisten in meinem Kopf. Ich dachte an ihre Kindheit, an das, was sie mit ihrem Vater erlebt hatte. ‘Ich bin doch nicht wie ER!’ schrie es laut in meinem Kopf: ‘Ich mache ALLES für sie! – Und was bekomme ich dafür??? Nichts! Nichts als Ärger!’ – Mein ganzes Sein lehnte sich voll Empörung auf: Wie konnte sie nur?! Sie war soo undankbar! – Ich hatte den Drang, mich zu rechtfertigen. Aber das würde die Sache nur noch schlimmer machen, das hatte ich schon mehrmals erlebt.
Was sollte ich bloss tun? Debbie stand zornig und trotzig vor mir und aus ihren Augen schossen Feuerflammen.

Ein heldenhafter Entschluss

Ich atmete tief durch und sagte:
– Das tut mir leid.
Mehr sagte ich nicht und erwartete den nächsten Sturm. Aber der kam nicht. Debbie sagte nichts. Sie schwieg, schien sich sogar etwas zu entspannen, war in sich gekehrt. Ich fühlte mich jedoch sehr gekränkt und wäre am liebsten gegangen. Dennoch beschloss ich, wenigstens noch einen Versuch zu wagen, ihr zugewandt zu bleiben.

Der abgewetzte Mantel

Darum fragte ich sie schliesslich:
– Und inwiefern fühlst du dich missbraucht – von mir?
Nun blickte sie mich an. Sie rang offensichtlich nach Worten, die dann chaotisch aus ihr herauspurzelten:
– Immer geht es nach deinem Kopf! Du ziehst kompromisslos dein Vorhaben durch, machst was du willst … und ich … ich muss spuren. Wenn nicht, lässt du es mich spüren, wie daneben ich bin. Immer geht es um dich, und ich komme nicht auf meine Rechnung … Ich weiss gar nicht, wer ich überhaupt bin!

Wieder war mein Puls in der Höhe. Das war doch das Letzte! Alles, was ich tat, tat ich für sie, weil ich sie glücklich sehen wollte, weil ich das suchte, was ihr guttat, weil ich zu wissen glaubte, was sie brauchte … Und jetzt diese Vorwürfe! Unglaublich! Das musste ich wirklich nicht haben!
Ratlos blickte ich sie an. Sie sah aus wie ein verwundetes Tier, das in die Ecke gedrängt war. Das stimmte mich dann doch etwas milder.

Schliesslich sagte ich langsam mit gedämpfter Stimme:
– Es tut mir sehr leid, dass du das so erlebst. Das will ich nicht …
Ich hatte noch immer Lust, davonzulaufen, aber in mir leuchtete ein Hoffnungsfunke auf.

Der rote Mantel

Und so fügte ich nach einer kurzen Pause mit mehr Energie hinzu:
– Ich will, dass du glücklich bist. Ich liebe dich!
Sie sagte nichts, doch in ihren Augen stand noch immer ungläubiger Trotz.
Da wagte ich noch einen weiteren Vorstoss. Ich ging zu ihr hin, packte sie an den Schultern und blickte ihr in die Augen:
– Debbie! Du gehörst zu mir! Hörst du? Ich liebe dich! Du hast viel durchgemacht! Wir werden einen Weg finden, wir zwei!
Ich zog sie an mich, schlug meine Arme um sie und hielt sie fest:
– Ich bin bei dir. Du bist nicht alleine! Es wird gut! Wir schaffen das zusammen! Und wir zwei sind auch nicht alleine … Wir werden bekommen, was wir brauchen und finden, was uns guttut!
Ich spürte, wie sie sich etwas entspannte. Als sie mich anblickte, hatte sie Tränen in den Augen:
– Meinst du?, fragte sie unsicher.
– Ja! Ganz sicher!

Wieder draussen

Wir begannen vorsichtig, über Dinge zu reden. Es war nicht leicht. Da war so Vieles, das aus der Vergangenheit aufstieg und sofort waren wieder negative Emotionen im Spiel. Darum suchten wir Hilfe bei einem Therapeuten.

Debbie hatte sich zudem für Einzelgespräche entschieden:
– Das ist mein erster Schritt in die Richtung, endlich Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen, sagte sie.
Ich schluckte, doch sie lächelte mich an:
– Ich bin froh, dass es dich gibt und dass wir zusammen auf dem Weg sind … DANKE !

Abschliessende Bemerkung

Der Held überwindet in der Kraft der Liebe auch Ungerechtigkeit. Die Liebe ist wahrhaft gerecht, denn sie sieht mit dem Herzen. Sie sieht die Not des Gegenübers und kann so dessen destruktives Handeln einordnen und sogar helfen, indem sie einen Ausweg zeigt.
Die Liebe schützt auch vor verzehrender Negativität wie ein Mantel.
So heisst es in der jüdischen Überlieferung:

Freuen, ja, freuen will ich mich im NAMEN [des Vaters]. Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan[i].

Der Held hat damit den roten Mantel gewonnen und erfolgreich die erste Phase der Jugend (3) erfüllt. Nun erfolgt sein Übertritt in die nächste, die weisse Phase (6).
Dazu diese Übersicht:

Die Neun für Ganzheit, 9 = 3 x 3

Nachweis:

[i] Jes 61,10 wörtlich:

Freuen, ja, freuen will ich mich in dem HERRN! […] Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan.

Bemerkung zur Übersetzung „HERR“ für „JHWH“, den Namen Gottes in diesem Zitat

Für das Wort „HERR“ steht in der Übersetzung überall dort, wo im hebräischen Urtext JHWH für den heiligen Namen Gottes erscheint.
Über dessen Ursprung und Aussprache wird gerätselt. Jahwe? – Eine mögliche und interessante Hypothese ist, dass der Name von „Ja-Hu“ kommen könnte, welcher der Name für die Taube der Göttin der Liebe war.

Die Taube, der Heilige Geist und die Liebe des Vaters

Dazu (Wikipedia über die Friedenstaube): «Die „erhabene Taube“, Jahu, war ursprünglich der sexuelle Aspekt der sumerischen Inanna

Anmerkung dazu: Der sexuelle Aspekt der Frau hat immer mit ihrem Körper und ihren männlichen Anteilen zu tun.
Im neuen Testament der Bibel wird die Taube mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht. So heisst es als Jesus sich taufen liess: «Der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.» (Lk 3, 22).

Im Heiligen Geist ist der dritte Aspekt des männlichen Gottes mit dem dritten der weiblichen Gottheit vereint. In diesem Sinn könnte man überall, wo HERR (für JHWH) steht auch das Wort «Ganzheit / Einheit» (männlich und weiblich!) einsetzen. In diesem Zusammenhang wurde aber stattdessen der «VATER» eingesetzt, weil es um die Liebe des Vaters geht.

 

 

 


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