Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

6. Schneewittchen – der Prinz und das glückliche Ende

By on 30. Oktober 2020

Schneewittchen – Der Prinz und das glückliche Ende

Der Prinz fand das schlafende Schneewittchen bei den Zwergen und wollte es in sein Schloss bringen. Da erwachte die Prinzessin. Bald darauf wurde Hochzeit gefeiert.

Der Prinz und das glückliche Ende

Kurze Inhaltsangabe und Archetypen

Kurze Inhaltsangabe aus dem Märchen:

Der Prinz kam zum Zwergenhaus, um darin zu übernachten. Er sah die Schöne im Sarg auf dem Berg und seine Liebe entbrannte. Die Zwerge hatten Mitleid mit ihm, und als er versprach, sie immer zu lieben, gaben sie sie ihm. Als er den Sarg mit seinem Diener wegtrug, stolperte er plötzlich. Durch die Erschütterung löste sich das giftige Apfelstück aus dem Hals der Prinzessin und sie erwachte.

Nun wurde eine prachtvolle Hochzeit angeordnet. Die böse Königin aber musste in rotglühenden Schuhen tanzen, bis sie tot umfiel.

Symbole und Archetypen:
  • Der Prinz – Integration der männlichen Anteile: Er symbolisiert den positiven inneren Mann (Animus, Antrieb aus Liebe).
  • Stolpern: Schwäche, Integration der weiblichen Anteile: In der letzten Phase des Heldenweges erlebt der Held eine Verletzung. Mit der Erfahrung der Schwäche wird Macho-Männlichkeit (auch jene der Frau!) überwunden. So wird die weibliche Seite des Geistes (positive Anima als Jungfrau, Sanftheit und reine Liebe) integriert (s. u. und Die Feuerprobe). Die Schwäche des Mannes rührt das Herz der Frau an.
  • Auferstehung: Mit dem liebenden Bewusstsein („männlich“, Prinz) erwachen auch die Handlungskraft und Selbstwirksamkeit zu neuem Leben.
  • Hochzeit – Vereinigung des liebenden Bewusstseins (Prinz) mit dem Unbewussten (Prinzessin): Die heilige Hochzeit)
  • Das Königreich: Königsherrschaft im Leben und Selbstwirksamkeit.
  • Rotglühende Schuhe – die Feuerprobe: (egoistisches) Begehren muss in Flammen aufgehen, das Ego muss sterben: So wird die Macht der „bösen Königin“ gebrochen. Mehr s. am Ende des Artikels.
  • Tod der bösen Königin: Überwinden des Triebes, inneres Sterben (des Egos) und Integration der Schatten.

Lilianas Geschichte – noch immer märchenhaft

Das glückliche Ende: Der Prinz und die Hochzeit

Ohnmacht und Trauer: Tiefe Unbewusstheit aus Negativität

Liliana war traurig und niedergeschlagen. Sie trug die schönen Gewänder, welche ihr bereitgelegt wurden und liess sich frisieren.
Wieder hatte die Königin einen Bewerber eingeladen. Er verehrte Liliana. Er war kultiviert und intelligent, ja er brachte Liliana sogar zum Lachen!
Dies machte ihm Mut. Eines Tages kniete er vor ihr nieder und sagte:
– Ich will, dass ihr meine Königin werdet! Ihr seid so schön und so edel. Wenn ich euch doch bloss glücklich machen könnte …!
Aber Liliana lächelte traurig und blieb unnahbar. Die Königin begann jedoch, die Hochzeit vorzubereiten.

Auferstehung (der innere Held/Prinz: Aufstehen für die Liebe)

Liliana konnte jedoch Johan nicht vergessen. Ihr wurde klar: Sie musste ihn nochmals sehen! Sie musste wissen ….
Am nächsten Morgen wurde Liliana von einem Sonnenstrahl auf ihrem Gesicht geweckt. Auf dem Fenstersims sass eine Taube und gurrte. Sie blickte aus dem Fenster in den blühenden Garten hinab und sah den Schlossbrunnen glitzern, umsäumt von den schönsten Blumen.
– Ich muss hinausgehen! sagte sie sich: Das wird mir guttun!, sagte sie sich.

Als sie ihren Kleiderschrank öffnete, entdeckte sie in der hintersten Ecke ihre alten Hosen und das Hemd. Schnell streifte sie sie über. Denn verliess sie ihr Zimmer und gelangte über den Dienstbotengang ins Freie. Sie eilte zum Pferdestall, wo Diamant sie freudig schnaubend begrüsste. Schnell streifte sie ihm das Zaumzeug über, das an einem Haken hing. Den Sattel wollte sie nicht holen, denn sie wollte niemandem begegnen. Sie führte Diamant hinaus, schwang sich auf seinen Rücken und ritt langsam zum Tor. Als sie draussen war, versetzte sie Diamant in Galopp und sprengte über die Ebene.

Das Zwergenhäuschen im Wald

Erst im Wald verlangsamte sie das Tempo. – Die Hütte … ob sie sie wiederfinden würde? Sie liess die Zügel los in der Hoffnung, dass Diamant sie führen würde. Tatsächlich! Es dauerte nicht lange, da erblickte sie das Häuschen zwischen den Bäumen. Sie führte Diamant hinter das Häuschen. Dort befand sich ein kleiner Teich, auf welchem Seerosen blühten. Sie stieg ab und setzte sich ins weiche Gras. Diamant entfernte sich grasend. Doch plötzlich schnaubte er.

Der Prinz

Da hörte sie Pferdehufe. Durch die Bäume sah sie einen edlen Ritter nahen. Er trug glänzende Gewänder, einen roten Umhang und sass auf einem weissen Pferd. Sie wollte sich verstecken, doch Diamant wieherte. Sie blickte an sich hinab – die alten Hosen, das viel zu weite Hemd …

Schon stand der Ritter vor ihr:
– Liliana!
Lilianas Herz machte einen Sprung.
ER war es! Es war Johan!

Das Stolpern

Liliana erzählte von den Machenschaften der Königin und sagte aufgebracht:
– … und dann zeigte sie mir die Kette, die ich dir geschenkt hatte und sagte, du hättest mit ihr geschlafen!
Johan erbleichte:
– Diese Hexe!, rief er aus, dann verfiel er wieder in finsteres, grüblerisches Schweigen. Schliesslich sagte er:
– Ich hatte die Kette verloren! Ich war sehr unglücklich, als ich es merkte. Es war wegen deiner Stiefmutter. Sie kam genau in dem Moment, als ich wegreiten wollte. Sie sagte ein paar giftige Bemerkungen. Ich wollte nicht hinhören, sondern steckte das Kettchen ein und ergriff rasch die Zügel und gab Domino die Sporen. Bei der hastigen Bewegung muss das Kettchen aber aus meinem Wams gerutscht sein. Ich kam sogar einmal zurück, um es zu suchen – erfolglos.

Wieder schwieg er, dann brach aus ihm hervor:
– Niemals hätte ich mit ihr geschlafen! Aber sie! Sie versuchte mehrmals, mich zu verführen! – Was denkst du denn von mir?! Nur über meine Leiche!!! Sie hat dich belogen! Und mehr noch: Als sie merkte, dass sie mich nicht haben kann, wollte sie mich auf dich hetzen …
Die letzten Worte sprach er sehr leise mit gesenktem Kopf aus.

Der Bissen im Hals

Liliana schüttelte verständnislos den Kopf. Sie dachte an ihre letzte Begegnung im Häuschen, als er ihr mitteilte, dass er fortgehen müsse. Schliesslich sagte sie:
– Ich wollte nicht, dass du gehst. Ich wollte, dass du bleibst. Dass wir zusammenbleiben.

Er nickte, schwieg und hielt noch immer seinen Kopf gesenkt. Da wollte sie wissen:
– Wo gingst du denn hin, nachdem du uns verlassen hattest?
In ihrem Herzen bangte sie, dass er eine andere gefunden hätte.
– Ich ging nachhause, antwortete er.
Lilianas Herz sank in den Keller. Er hatte also eine andere! So musste es sein.

Der Sohn des Königs

Aber Johan fuhr fort und erzählte:
– Ich bin der Sohn eines Königs. Aber als mein Vater krank wurde, stellte mir sein hinterhältiger Berater Schlangenzunge nach und wollte mich umbringen lassen. Darum floh ich vom väterlichen Schloss. – Nachdem ich dann von euch weggegangen war, entschied ich, nach Hause zurückzukehren und mich Schlangenzunge zu stellen. Ich fand Vater. Er war sehr schwach, aber er war noch am Leben. Zusammen mit ein paar Leuten, die ihm treu geblieben waren, gelang es mir, Schlangenzunge und seine üblen Machenschaften zu entlarven und ihn fortzujagen. Vater wurde wieder gesund!

 Liliana blickte ihn an. Ja, er sah wirklich aus wie ein Prinz! Sie war verwirrt und konnte seinem Blick nicht standhalten. Da kniete Johan vor ihr nieder und sagte:
– Liliana! Immer habe ich an dich gedacht und dich in meinem Herzen getragen! Nun finde ich dich hier! Willst du meine Königin werden?
Nun leuchteten ihre Augen auf, sie strahlte und rief:
– Ich will!
Dabei umarmte sie ihn stürmisch.

Hochzeit

Bald wurde geheiratet, und im Schloss gab es ein grosses Fest, zu dem auch die umliegenden Königreiche eingeladen waren.
Wie gross war Lilianas Freude, als auch ihr Vater zum Fest erschien. Die böse Königin war nicht mit ihm. Sie war an einem Herzversagen gestorben.

 Die beiden Reiche wurden zusammengelegt und dem jungen Paar übergeben.

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.

Bemerkungen zu dieser Deutung: Der Prinz und sein Stolpern

Die Prinzessin aktiviert ihren inneren Mann (Prinzen), indem sie aus der Lethargie aufsteht und sich aufmacht, ihren Traum zu verfolgen. Sie schwingt sich aufs Pferd, welches Leidenschaft symbolisiert.  

Der Prinz im Märchen ist natürlich völlig integer. Aber das kindgerechte «Stolpern» deutet Schwäche, nämlich einen Fehltritt an. In vielen menschlichen Überlieferungen, angefangen mit dem babylonischen Gilgamesh-Epos, verbergen sich hinter den «Abenteuern» des Helden auch Frauengeschichten und damit Untreue gegenüber der Gattin. (So begegnet Odysseus zum Beispiel auf seiner Reise unzähligen Frauenfiguren, denen Mann nicht widerstehen kann und wird zuletzt von der Nymphe Kalypso nach Hause geschickt). Die glückliche Heimkehr des Helden bedeutet entsprechend, dass er zu seiner ersten Liebe zurückkehrt. Die erste Liebe symbolisiert jedoch in einem weiteren Sinn wiederum das reine gute Ideal der Jugend, dass wieder zurückgewonnen wird und für das es sich lohnt, sein Leben hinzugeben.

Lilians Geschichte: Aufstehen zu Liebe

Der Prinz

Aber Matthias kämpfte um mich und um unsere Liebe. Er sagte: «Es ist ein Muster von dir fortzulaufen, aber ich will nicht, dass du gehst!». Es gelang ihm schliesslich, mich dazu zu bewegen, mit ihm gemeinsam in eine Ehe-Therapie zu gehen.

Der Bissen des vergifteten Apfels

Dabei kam mein verlassenes inneres Kind zum Vorschein, das Trost brauchte und nicht genug Liebe erhalten hatte. Auch meine Wut auf Männer kam ans Licht, die Enttäuschung über meinen Vater, der nie für mich da war, und der Hass gegen meinen Onkel, der mich missbrauchte. Matthias weinte mit mir. Mein Herz wurde weicher.

Auferstehung zu Liebe

Das nächste Thema war die Liebe. Ich hatte als Kind wenig – zu wenig Liebe empfangen. Ich empfand: Ich kann nicht lieben. Würde ich je lieben können?

«Du bist wunderbar! Ich liebe dich! Bitte verlass mich nicht», hatte Matthias unter Tränen gesagt. Ich weinte mit ihm, weinte auch über meine begrabene Liebe. Hoffnung erwachte tief in meinem Inneren, ein kleiner Funke, der begann, sich auszubreiten und zu einem Licht zu werden.

 Hochzeit und das Königreich

Heute bin ich dankbar, dass Matthias mich nicht alleine liess, sondern dass wir diesen Weg gemeinsam gehen konnten. Heute stehe ich auf einem anderen Grund. Auch unsere Beziehung hat eine neue, stärkere Basis. Da ist mehr Nähe, mehr Vertrauen, Liebe und Respekt zwischen uns. Ich bin dankbar für mein Leben und ich freue mich auf die Jahre, in denen Matthias und ich die Früchte, die wir errungen haben, geniessen können.

In mir war das Bedürfnis gewachsen, mich mit meinen Eltern zu versöhnen. Ich nahm also mit ihnen Kontakt auf und lud sie ein. Es kam zu einer sehr tiefen, berührenden Begegnung. Nachdem ich meine Geschichte erzählt hatte, auch wie Matthias mir geholfen hatte, standen Vater die Tränen in den Augen.

Stolpern

Schliesslich sagte Vater:
– Ich bin so froh, dass du diesen Schritt gemacht hast und uns eingeladen hast. Ich war kein guter Vater für dich, habe dich oft im Stich gelassen. Es tut mir leid. Es ist so: Ich war auch kein guter Ehemann für Alexandra. Sie machte es mir vielleicht nicht immer so leicht, aber es war nicht in Ordnung, dass ich ihr untreu wurde. Es führte zu einer Trennung. Ich hatte ein schlechtes Gefühl, aber irgendwann wurde mir klar, dass wir uns versöhnen müssen. Da nahm sie mit mir wieder Kontakt auf. Es war nicht einfach, aber heute bin ich so dankbar, dass sie mir vergeben hat! Und ich freue mich, den Rest meiner Tage mit ihr zu verbringen.

Feuerprobe

Alexandra nickte. Nach einer Weile blickte sie mich an und sagte:
– Danke, dass du auch mich eingeladen hast. Ich weiss, ich war oft hart und ungerecht zu dir. Es tut mir leid. Aber da war so viel Schmerz und Zorn in mir. Sie führten auch dazu, dass ich mich von deinem Vater trennte. Aber irgendwann merkte ich, dass ich so nicht weiterleben will und dass ich selber verantwortlich bin dafür, ob ich glücklich bin oder nicht. Da nahm ich wieder mit deinem Vater Kontakt auf. Ich bin dankbar, dass ich meine Bitterkeit loslassen konnte und ich bin sehr glücklich, dass wir wieder zusammengekommen sind.

Nun hatte auch sie Tränen in den Augen. Sie blickte mich unsicher an. Ich nahm ihre Hände in meine und sagte:
– Danke! Es ist gut. Ich bin froh, dass ihr glücklich seid. So wie auch wir!

Ich blickte auf Mattias, der seinen Arm liebevoll um mich legte.

Schneewittchens Heldenweg über sieben Berge, Überblick:

Schneewittchens Heldenweg über 7 Berge

Ganzheit – Neues Leben und Auffahrt zum Geist

Das Ego ist überwunden

Die böse Königin muss in rotglühenden Schuhen tanzen, bis sie tot umfällt. Die Füsse symbolisieren die Geschlechtsorgane (so z. B. in der griechischen Tragödie König Ödipus, was „Schwellfuss“ bedeutet). Sexualität hat viel mit Macht zu tun. Der Geist der Macht mit seinem Begehren muss in der Feuerprobe überwunden werden.

  • Die Feuerprobe des Mannes bedeutet, sein Begehren in Flammen aufgehen zu lassen und zur Partnerin zurückzukehren. Das Sterben des Egos ist seine Bitte um Vergebung und das demütige Ertragen ihres Zorns.
  • Die Feuerprobe der Frau bedeutet, feurige brennende Schmerzen in der Seele und den Wunsch nach Rache loszulassen, dem Mann zu vergeben und ihn wieder anzunehmen.

Beide «Feuerqualen», sowohl männliches sexuelles Begehren wie weibliches emotionales negatives Begehren, müssen durchgestanden werden, «durchgetanzt» oder «ausgefressen», bis der Mensch nicht mehr kann und endlich bereit ist, zu «sterben», das heisst, sein Ego und seine Identität der Macht in den Tod zu geben.

Generationenübergreifende Paardynamik

«Der Prinz heiratet die Prinzessin» ist ein Symbol für die heilige Hochzeit. Sie bedeutet:

  • Hochzeit des jungen Paares
  • Versöhnung des reifen Paares
  • Vereinigung von männlichen und weiblichen Anteilen im Menschen selber
  • Vereinigung des liebenden Bewusstseins («Vater», Geist) mit dem Unbewussten («Mutter», lebendige Materie)

In der Deutung der Überlieferungen lassen sich darum die vorkommenden Figuren meistens auf vier Archetypen reduzieren, auf Vater, Mutter, Tochter und Sohn. Diese vier lassen sich wiederum auf zwei Archetypen reduzieren: auf Mann und Frau.

(Denn auf dem Weg zu Ganzheit und Reife durchläuft der Mensch ja beide Stadien: Tochter/Sohn und Frau/Mann; s. Menschliche Ganzheit, 3-in-1).

Individuation: Ganzheit erreicht

C.G. Jung nannte den Weg des Menschen zu Ganzheit den Prozess der Individuation. Mann und Frau beiden lassen sich je letztlich auf ein Individuum reduzieren, welches beides, männlich und weiblich, in sich vereint. Das Wort «Individuum» bedeutet: «das Unteilbare». Dies ist das Ziel für den Menschen: Ganzheit, Einheit in Liebe. Was nicht geteilt werden kann, kann nicht zerfallen. Es ist darum auch durch den Tod nicht angreifbar. Der Körper des Menschen kann zwar zerfallen, aber seine Seele ist geistig und wird «ungeteilt» durch Liebe und Versöhnung.

Und weil sie (im Leben selber) gestorben sind, leben sie für immer.


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