Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Georg und das weisse Pferd: tragende Leidenschaft (4 und 5)

Georg und das weisse Pferd

By on 12. März 2021

Georg und das weisse Pferd

Georg und das weisse Pferd: Tragende Leidenschaft für das Gute

Georg wird von seinem besten Freund bestohlen und betrogen. Er stellt die höchste Liebe, die Feindesliebe unter Beweis, indem er ihn rettet und heilt und gewinnt so das weisse Pferd.
Die Leidenschaft für das Höhere und das Richtige macht das Unmögliche möglich und trägt die Heldin und den Helden über seine eigenen Grenzen hinaus.

Georg Dienst und Treue im Erfolg (4)

Im Erfolg

Die Jahre vergingen, er wanderte umher und führte sehr tüchtig Arbeiten und Aufträge aus. Weitere Auskünfte über die Burg in den rosigen Wolken erhielt er jedoch keine, obwohl er sich überall danach erkundigte. Neun Jahre hatte er den Mantel getragen, da befand Georg sich wieder in einer gebirgigen Gegend. Doch diesmal war er nicht alleine, sondern führte einen Freund mit sich, der ihn schon eine Weile begleitet hatte.

Das Geheimnis des Mantels und der treulose Gefährte (2)

Sein Gefährte hatte ihn immer wieder nach dem Geheimnis des Schwertes und des Mantels gefragt, bis er ihm eines Tages alles erzählte. 
Als er am nächsten Morgen erwachte, war der Gefährte verschwunden – und mit ihm Schwert und Mantel! «Ich bin von meinem besten Freund bestohlen worden», dachte er und zog besorgt weiter. 

Georg und das weisse Pferd: Die Feuerprobe (5)

Der Sturz aus der Höhe und die Verletzung

Da erblickte er von Weitem seinen falschen Kameraden mit dem Diebesgut. Doch plötzlich geschah etwas Sonderbares. Der Mantel breitete sich aus wie ein paar mächtige Flügel und hob den Gefährten in die Luft. Dies alles vollzog sich offensichtlich gegen dessen Willen, denn er schrie und strampelte, um loszukommen – jedoch ohne Erfolg. Er war wie ein Hase in den Klauen eines Adlers. Der furchterregende Flug führte nun über den Abgrund einer breiten FelskluftAuf der anderen Seite liess ihn der Mantel aus der Höhe fallen.

Der Gefährte schlug derart hart auf dem Boden auf, dass er das Bewusstsein verlor.
– Wenn ich ihn liegen lasse, wird er verbluten, dachte Georg, doch wie komme ich über die Felskluft zu ihm hinüber?

Ein todesmutiger Sprung und das weisse Pferd

Ich muss versuchen zu springen! Es gibt keinen anderen Weg. Er sammelte seine ganzen Kräfte, nahm einen Satz und sah – mitten im Sprung, – dass es nicht reichen würde.
Schon schloss er die Augen und erwartete, auf dem Grund aufzuschlagen …
Da spürte er plötzlich etwas unter sich: Er sass auf dem Rücken eines Pferdes! Er öffnete die Augen und sah einen Apfelschimmel, der wie ein Pfeil mit ihm über die Kluft flog

Rettung und Heilung des Verletzten

Beim Gefährten angelangt, begann er sofort, seine Kleider zu zerreissen, um dessen Wunden zu verbinden. Erst als dieBlutung gestillt war, blickte er um sich und sah das Pferd, das neben ihm stand und ihn anblickte.
– Der Apfelschimmel für den Weg in den Himmel … Das muss er sein!, sagte er sich. Das Schwert und der Mantel lagen auf dem Boden.
Er legte den Mantel über seine Schultern, umgürtete sich mit dem Schwert und hob den Verletzten vor sich auf das Pferd. Im nächsten Dorf umsorgte er den treulosen Freund so lange, bis dieser wieder vollständig hergestellt war.

Nun hatte er sie alle gewonnen: den roten Mantel, das weisse Pferd und das Schwert, welches das Haupt des schwarzen Ungeheuers, der Drachenschlange, gespalten hatte.

Gedanken zu «Ritter Georg und das weisse Pferd»

Dienst im Erfolg (Phase 4 des Heldenweges)

«Er war sehr tüchtig, erkundigte sich nach der Burg», aber ... – Mehr:

Im Märchen wird diese Phase des Heldenweges (Dienst im Erfolg) mit ein paar knappen Sätzen abgehandelt: Der Held hat sein Bestes gegeben und seine Ressourcen gut eingesetzt und vermehrt. Auch hat er sein hohes Ziel nicht aus den Augen verloren. Hierbei hat er Treue, Zuverlässigkeit und Beständigkeit der Hingabe gezeigt. Doch in einem Punkt hat er versagt:

Der trügerische Gefährte und das Geheimnis des Mantels

Das Ego hat sich der Liebe bemächtigt und verführt zu Stolz und Überheblichkeit. – Mehr:

 Das «Geheimnis» ist die Liebe: Schwert und Mantel wurden durch Liebe errungen. Der trügerische Gefährte kann als das Ego gedeutet werden. Dieses hat sich nun der Liebe bemächtigt und setzt sie anderweitig im eigenen Interesse ein. Das kleine Ich, süchtig nach Applaus und Bewunderung, verführt zu einem Vertrauensbruch, durch welchen der Partner und letztlich auch der Held selber betrogen werden.

Jeder Mensch ist allem voran sein eigener Feind. Die ungeliebten Eigenschaften und Persönlichkeitsanteile werden weggesperrt, eben im Schatten verdrängt. So betrügt er sich immer wieder selber über sein vermeintliches Heldentum. Er möchte gross, stark und wunderbar sein … Doch dahinter steckt häufig das Ego, das seinen Mangel auf Kosten der Anderen decken möchte.

Dieser grossspurige und falsche Gefährte stiehlt dem Suchenden, was er errungen hat und hindert ihn daran, den ganzen Weg zu Ende zu gehen. So betrügt der Mensch sich selber um das Beste, indem er auf halbem Weg stecken bleibt, entwedder satt und selbstzufrieden, sich selber auf die Schulter klopfend: «Was bin ICH doch ein toller Hecht, was habe ICH alles erreicht!» oder in Verletzungen verharrend: «Die Welt ist so ungerecht …». So manipuliert das Ego den Menschen über die Triebe.

Ritter Georg und das weisse Pferd (die Feuerprobe, Phase 5 des Heldenweges)

Die Feuerprobe, die letzte Prüfung auf dem Heldenweg

In der Feuerprobe tauchen längst überwunden «tot» geglaubte Schatten nochmals auf. Mehr:

Die letzten, in der dunkelsten Tiefe verborgenen Muster drängen nun in einer bis anhin noch nie erlebten Intensität ans Licht und wollen endlich wahrgenommen, geheilt und integriert werden. Dies ist mythologisch gesprochen der Weg «durch die Unterwelt». Auf diesem Weg begegnen der Held und die Heldin dem eigenen Tod, dem Ego. Indem sie sich selber in der Erfahrung der Schwäche lieben und vergeben, werden die Schatten integriert.

Dabei wird das Ego, der dunkle Schattenherrscher, überwunden und das Selbst, eins mit Christus, gefunden. Das Selbst als der der wahre, göttliche Kern im Menschen, beinhaltet starke Leidenschaft für das Gute und die Kraft, die Schatten zu überwinden. Diese ist im Märchen durch das weisse Pferd symbolisiert, welches über die Pfade des Himmels gehen kann.

Georg und das weisse Pferd – Überwinderkraft

Schwarz - Weiss: Das fliegende Pferd symbolisiert seelisch-geistige Kraft. – Mehr:

Luft ist ein Symbol für den Bereich des Geistes. In Antwort auf die vollkommene Hingabe wächst übernatürliche, geistige Kraft. So wird das Unmögliche möglich und trägt über die eigenen Grenzen hinaus.

Das weisse Pferd als sogenannter «Apfelschimmel» kommt dunkel, beinahe schwarz zur Welt. Er hat runde dunkle Flecken, etwas in der Grösse von Äpfeln. Sie werden im Lauf des Lebens immer heller. Als „Äpfel“ erinnern diese sinnigerweise an die Frucht der Göttin der Liebe. Mit ihrer Wandlung von dunkel zu hell erinnern sie daran, dass die «dunklen Flecken» der Persönlichkeit im Lauf eines Lebens immer heller werden – in dem Mass, wie sie ans Licht des liebenden Bewusstseins kommen.

Es braucht Mut, sich dem Abgrund des eigenen Unvermögens zu stellen und dabei dem Tod, nämlich dem Ego mutig ins Gesicht zu schauen. So wächst neue Kraft und der Entschluss, trotzdem unerschrocken weiterzumachen, und zwar anders und besser zuvor. Dies im Sinn der Ganzheit der Sieben und dieses Spruches:

Denn ein Gerechter fällt siebenmal und steht [siebenmal!] wieder auf, aber die Frevler versinken im Unglück. (Bibel, Sprüche 24,16)

Schwäche und Scheitern als «heilige Wunde»

Im Scheitern wird der Mensch mit seinen Schwächen und Verwundungen konfrontiert. Mehr:

In dem Augenblick, da der Held die Schwäche des Feindes erkennt, blickt er auch in den eigenen, inneren Abgrund. Er muss dabei Todesangst überwinden. Es ist ein Sterben, die eigene Fehlerhaftigkeit zu erkennen und …

Sich selber im Versagen zu lieben und zu vergeben, ist überaus heldenhaft.

So wird Heilung wird möglich und werden Schwäche und Verletzungen zur «heiligen Wunde», die den Helden zu Ganzheit führen.

«Was ans Licht kommt, wird selber licht».

Gerade in Mangel, Entbehrungen und herben Herausforderungen drängen die Schatten vermehrt ans Licht. Es ist die Aufgabe des Menschen, im Leben zu lernen und letztlich alles, was noch «unerlöst» ein Schattendasein fristet, durch das liebende Bewusstsein ans Licht zu bringen und so zu transformieren (s. Heilung – Was ans Licht kommt, wird selber licht). 

Georg und das weisse Pferd: Deutungen der einzelnen Aspekte und Symbole

In der Feuerprobe wird nochmals der Mensch als Ganzes auf die Probe gestellt. Darum  beinhaltet sie einen «Miniatur-Heldenweg», in welchem der Held sich nochmals den sieben Aspekten der Ganzheit stellen und darin überwinden muss:

Die Feuerprobe mit sieben Aspekten als «Heldenweg im Heldenweg» – Mehr:

Der Sturz aus der Höhe (höheres Weisheit, die Ganzheit der 7).

«Hochmut kommt vor dem Fall».
Macht und Stolz über das Erreichte haben die Errungenschaften der Liebe in den Dienst des Egos gestellt. Der rote Mantel der Leidenschaft wurde so zu „Flügeln“, welche den Abtrünnigen zuerst hoch in die Luft hoben, bevor sie ihn fallen liessen. Zwischen dem Helden und seinen Errungenschaften liegt ein Abgrund: das Reich der eigenen Schatten. 

Bewusstsein verloren und Gefahr zu verbluten (Bewusstwerdung: 1)

Der Täter ist in Unbewusstheit gefallen und seinen Trieben verfallen. Blut (Lebenskraft) fliesst ab und sein Leben (seine ewiges Seele) ist in Gefahr.

Ein todesmutiger Sprung und erster Schritt in die gute Richtung (Initiation: 2)

Der Sprung über den Abgrund bedeutet, sich dem eigenen Unvermögen zu stellen.
Der Held legt in einer mutigen Tat seine ganze Existenz in die Waagschale und nimmt in Kauf, auf dem Grund aufzuschlagen. Das kann er nur, weil er sein Ego höherer Weisheit unterordnet. („Es geht jetzt um Wichtigeres als um mein kleines, fehlerhaftes Ich“).

Das weisse Pferd: Hingabe aus Leidenschaft (Wüste: 3)

In Mangel und Entbehrungen, in der Not («Wüste») ist der Held gefordert, seine bedingngslose Hingabe zu zeigen. Aus dieser wächst neue Leidenschaft für das Gute (symbolisiert durch das weisse Pferd s. auch obige Ausführungen).

Hilfe und Rettung durch Stillung der Blutung (Hingabe der Ressourcen: 4)

Der Held zerreisst seine eigenen Kleider, um die Blutung zu stillen. Die Kleider zu zerreissen war im Altertum eine Geste warmherziger Empathie, welche besagte: «Dein Leid trifft mich, als wäre es mein eigenes». Wer anderen mit Warmherzigkeit begegnet und ihnen so heilende Liebe zukommen lässt, heilt auch sich selber!

Vergebung und Heilung: Integration der Schatten (Feuerprobe: 5)

Indem der Held den Verletzten pflegt, bis er wieder hergestellt ist, zeigt er selbstlose Liebe,   Vergebung und Versöhnung. So wird die Verwundung zur «heiligen Wunde», welche beide zu Ganzheit führt. Wer seine eigenen Wunden durch Versöhnung geheilt hat, wird zum «verwundeten Heiler».

Neue «Geburt» in die Ganzheit: Rot, Weiss, Schwarz (6)

Damit hat der Held nun sein Ego überwunden (schwarz). Es hat das Schwert, den roten Mantel und das weisse Pferd errungen und Ganzheit erreicht.

Triade des Mannes: Rot, Weiss, Schwarz

Georg und das weisse Pferd – die Geschichte anders erzählt

Georgs Erfolg (4)

Neun Jahre

Seit neun Jahren hatte ich nun meine eigene Firma. Ich war erfolgreich, arbeitete viel und hatte viele Verpflichtungen, denen es nachzukommen galt. Ohne dass ich es merkte, hatten sich meine Priorisierungen schleichend begonnen zu verschieben: Ich genoss den Umgang mit Leuten, die meinen Erfolg würdigten. Das gab Energie!

Aber ich war immer weniger zuhause und vernachlässigte unsere Beziehung. In Folge davon erwies Debbie mir keinen Respekt. Sie liess sich immer mehr gehen und hatte auch ziemlich zugenommen. Darüber hinaus zeigte depressive Verstimmungen, trank etwas viel und machte mir stets Vorwürfe. All das war nicht gerade eine Motivation für mich, nach Hause zu kommen …

Das Geheimnis des Mantels und der treulose Gefährte

Meine hübsche und talentierte Sekretärin Brigitte hingegen war mir eine grosse Stütze. Schon längere Zeit machte sie willig und aufopfernd Überstunden. Eines Abends (es gab noch so einiges zu besprechen) schlug ich vor, dazu in die Bar um die Ecke zu gehen. Wir redeten viel, tranken und lachten. Dann begann sie mir von ihrer gescheiterten Beziehung zu erzählen und wie schlecht ihr Freund sie behandelt hatte. Eine haarsträubende Geschichte. Sie tat mir aufrichtig leid.

Als wir die Bar verliessen, war unverkennbar, dass ihr nicht daran gelegen war, ohne mich nach Hause zu gehen. Mit nicht unerheblicher Willensanstrengung schaffte ich es, mich zu Abwehr durchzuringen:
– Ich kann das nicht …, brach es aus mir hervor: Tut mir leid … Ich habe Verpflichtungen …
Sie blickte mich an, als hätte ich ihr soeben eine kalte Dusche verpasst. Da legte ich meine Hand auf ihre Schulter und sagte wertschätzend:
– Brigitte, du bist eine wunderbare Frau und eine grosse Stütze für mich. Ich will dir so etwas nicht antun … Du hast etwas Besseres verdient.
Ohne darauf zu antworten, wandte sie sich rasch um und eilte davon.

5. Scheitern, Feuerprobe (7 Aspekte)

Der Sturz aus der Höhe: «Hochmut kommt vor dem Fall» (höheres Bewusstsein, 7)

In meinem Wagen legte ich meinen Kopf auf das Lenkrad. Ich fühlte mich elend:
– So weit ist es gekommen, sagte ich mir: Um ein Haar hätte ich Debbie betrogen … – Was soll ich tun??? Ich beschloss, den Tatsachen ins Auge zu sehen und Debbie nichts zu verschweigen. Schlimmer konnte es mit uns ohnehin nicht werden … oder doch?

Als ich nach Hause kam, war Debbie noch auf. Sie hatte offensichtlich wieder getrunken, sah kampflustig aus und durchbohrte mich mit ihrem Blick:
– Wo warst du denn so spät?
– In einer Bar … mit meiner Sekretärin, antwortete ich wahrheitsgetreu.
– Ach …!, sagte sie und es fiel mir schwer, ihren Tonfall zu deuten.
Ich erzählte ihr, dass wir noch etwas zu besprechen gehabt hätten, dass ich genug von den Abenden im Büro hatte und darum die Bar vorgeschlagen hatte:
– Das war aber nicht wirklich eine gute Idee, schloss ich und blickte Debbie unsicher an.
– Oh! Hat sie sich an dich rangeschmissen?, wollte sie wissen und in ihrer Stimme schwang Neugierde mit.
– Ja, sagte ich.
– Und???, bohrte sie weiter.
– Nichts! – Du bist meine Frau, antwortete ich.

Debbie sah fast etwas enttäuscht aus. Zögernd und nachdenklich meinte sie schliesslich:
– Dann bist du ja besser als ich …
Als ich sie fragend anblickte, rückte sie mit der Sprache raus:
– Ich habe mich verliebt … Wollte schon länger mit dir darüber reden … Sorry …!!!
– Wie bitte ???

Bewusstsein verloren – (Bewusstwerdung: 1)

DEBBIE

Sie erzählte mir, dass sie eine intime Beziehung mit einem etwas älteren Mann angefangen hatte.
– Kenne ich den Typen?, wollte ich wissen.
– Nur flüchtig. Du hast ihn mal bei unseren Freunden, den Hubers, getroffen. Es ist ihr Architekt: Robert Meier, ein sanfter, verständnisvoller Mann. Seine Gegenwart tut mir gut, denn er ist anders als du, nimmt sich Zeit, und hat immer ein Ohr für mich …

Ich suchte in meinen Erinnerungen und schüttelte schliesslich innerlich den Kopf. Den Mann hatte ich als eitle, eher etwas hilflose Gestalt wahrgenommen. Debbie fuhr fort:
– Ich möchte von hier ausziehen, in eine eigene Wohnung. Denn ich empfinde, dass ich Zeit brauche für mich, Zeit um nachzudenken. – Ich weiss nicht, wie’s weitergehen wird, fügte sie hinzu.
– Debbie! Lass uns nichts überstürzen!, sagte ich und blickte sie flehend an.
Aber ich sah Entschlossenheit und Abwehr in ihren Augen, darum lenkte ich widerstrebend ein.
– Ok! Nimm Dir eine Wohnung. Wir trennen uns vorübergehend und ich gebe dir Zeit! Besprechen wir in drei Monaten, wie’s weitergehen soll?
Sie lächelte mich dankbar an.
– Ok! Du bist wirklich ein grosszügiger Mensch, sagte sie und fügte hinzu: Danke, dass du mir keine Vorwürfe machst!

MEIN EGO

Es war hart für mich. Ich war zornig und sehr gekränkt. Brigitte nahm natürlich meinen Zustand wahr und erkundigte sich, ob es mir nicht gut gehe. Ich antwortete ihr wahrheitsgemäss, dass ich in einem Prozess der Selbstklärung sei.

Wie konnte es nur so weit mit uns kommen?, fragte ich mich. Gewiss, vieles war nicht richtig gelaufen. Ich musste mir eingestehen, dass ich Debbie vernachlässigt hatte. Wenn ich doch bloss die Zeit zurückdrehen könnte!
Ein ungutes Gefühl beschlich mich. Die drei Monate erschienen mir wie eine Ewigkeit. Als die Zeit um war, wartete ich eine Woche und noch eine weitere.

Ein todesmutiger Sprung (erster Schritt in die gute Richtung, Initiation: 2)

In mir war Entschlossenheit erwacht. Mein Leben sollte anders werden! Es sollte wieder Sinn machen, ja einen wahren Sinn haben. Ich wollte nochmals neu anfangen, endlich meine Träume, ja wenn möglich unsere Träume verwirklichen und so vielleicht in dieser Welt sogar einen Unterschied machen! Und vielleicht würde dann auch Debbie wieder dabei sein wollen.

Als ich weiterhin nichts von Debbie hörte, rief ich sie an.
Sie klang merkwürdig am Telefon und ziemlich abweisend. Es sei zurzeit sehr ungünstig und sie müsse jetzt auflegen. Ich spürte einen Stich im Herzen und blieb verwirrt zurück. Dabei verstärkte sich mein ungutes Gefühl. Ich machte mir Sorgen!

Eines Abends war ich auf meinem Spaziergang in die Gegend gekommen, wo Debbie nun wohnte. Kurzentschlossen ging ich hin und klingelte an der Türe. Es dauerte eine Weile, bis ich Schritte hörte.
Debbie öffnete die Tür. Ich erschrak bei ihrem Anblick. Sie sah schlecht aus.
– Darf ich reinkommen?, fragte ich sie.
Sie verzog ihren Mund:
– Nun, wo du ja ohnehin schon da bist …
Ich trat also ein und schaute mich um. Alles sah ordentlich aus. In der Garderobe hingen nur Debbies Kleider.
– Setz dich doch! Debbie wies auf die Sitzgruppe.
Ich gehorchte und konnte nicht anders, als sie besorgt anzublicken.
– Ist Robert auch hier?, wollte ich wissen.

Das weisse Pferd (aus Hingabe wird Leidenschaft Wüste: 3)

– Nein. Robert ist nicht mehr Teil meines Lebens.
– Wie? So schnell??
– Es stellte sich heraus, dass er keine wirkliche Beziehung wollte und nie im Sinn hatte, seine Familie zu verlassen, wie er mir zu Beginn gesagt hatte. Er war gar nicht in der Trennung und hatte auch seiner Frau nichts erzählt von unserer „Affäre».
– Oh, das tut mir leid …, sagte ich zögernd.
– Ach, halb so schlimm! Ich habe jetzt grössere Probleme, antwortete sie und wandte ihren Blick ab.

Die Verwundung und der Verletzte: Hilfe und Rettung (Hingabe der Ressourcen: 4)

Ich spürte sogleich wieder diesen Stich im Herzen und blickte sie besorgt an. Es schien, als müsse sie sich sammeln, um weitersprechen zu können:
– Ich war beim Arzt …
– Beim Arzt?!
– Bei einem Onkologen. Wieder schwieg sie eine Weile. Dann stiess sie hervor: Ich habe Krebs … Brustkrebs … Von der aggressiven Sorte … Milchdrüsenkrebs ..
– Und was bedeutet das?
– Das bedeutet, dass ich nicht mehr sehr lange leben werde, antwortete sie: Vielleicht sechs Monate, vielleicht drei Jahre …

Als sie mich nun anblickte, standen Tränen in ihren Augen. Sie verzog dabei den Mund, zuckte hilflos mit den Schultern und sagte:
– Tja … Dumm gelaufen… Vielleicht ist das die Strafe dafür, dass ich dich betrogen habe.
– Red nicht solchen Unsinn!, antwortete ich erschrocken.

Heilung, Vergebung, Integration der Schatten (Feuerprobe: 5)

Ich ergriff ihre Hände und hielt sie fest und blickte ihr in die Augen:
– Debbie! Ich weiss nicht, was ich sagen soll, es ist so schmerzhaft. – Gewiss, wir haben Fehler gemacht, beide! Wir sind eben nicht perfekt … – Aber ich liebe dich von ganzem Herzen! Das ist das Einzige, das zählt!  Zusammen schaffen wir das! Es wird gut!

Nun weinte sie, doch sie gab sich Mühe, meinen Blick zu erwidern und sagte:
– Das habe ich gar nicht verdient. Ich schäme mich so! Weisst du, ich fühlte mich einfach nicht mehr geliebt und so vernachlässigt. Ich hatte mich selber verloren …
– Ja, ich weiss, antwortete ich: Ich habe dich wirklich vernachlässigt und alleine gelassen. Im Rausch meines Erfolgs wollte ich die Zeichen und Warnungen nicht wahrnehmen. Dabei warst du diejenige, die mir über all die Jahre die Kraft gab, so über mich hinauszuwachsen. – Es tut mir so leid!, fügte ich hinzu: – Aber jetzt bin ich da! Ich liebe dich!

Rasch holte ich ihren Mantel und legte ihn um ihre Schultern:
– Komm, wir gehen nach Hause!

Ganzheit: Rot, Weiss, Schwarz und neue Geburt (6)

Debbie und ich hatten noch ein paar wunderschöne, unbeschwerte Monate. Wir unternahmen jene lange Reise durch Australien, von der wir immer geträumt hatten.

Als sich ihr Zustand zunehmend verschlechterte, begann eine harte Zeit. Debbie war sehr tapfer, beklagte sich nie, und ich war bei ihr bis zu ihrem letzten Atemzug.

Bevor sie starb, sagte sie:
– Du warst die Liebe meines Lebens! Ich erinnere mich noch als sei es gestern, wie ich dich als jungen, engagierten Mann kennenlernte. – Du hast immer um mich und für unsere Liebe gekämpft. Dafür danke ich Gott.
Von ganzem Herzen wünsche ich dir noch viele glückliche Jahre. – Und so Gott will werden wir uns in der Ewigkeit wiedersehen.

Abschliessende Bemerkung :

Der «treulose Gefährte» ist in dieser Deutung also einerseits das Ego des Helden, seine Identität der Macht und sein Stolz. Andererseits ist er auch in der Partnerin. Als der innere Schattenmann (negativer Animus als Macho oder Schmerzkörper) treibt er sie in Mangel und Negativität. Er verleitet sie dazu, fremd zu gehen, in einer Beziehung, in welcher sie die Oberhand hat, während der Andere eine eher schwache Figur darstellt.

Am Ende finden beide Partner zur reinen Liebe («Jungfrau») zurück und damit zu Ganzheit. So hat die Liebe letztlich allen drei Bereichen des Lebens  (Rot / Weiss / Schwarz) gesiegt.

Die Neun für Ganzheit, 9 = 3 x 3

Neun Jahre: Übertritt von der weissen in die schwarze Phase

Nach drei Jahren (Körper), sechs Jahren (Seele) steht nun nach neun Jahren die letzte Prüfung im Bereich des Geistes an. Es handelt sich dabei um die Feuerprobe, die schwarze Phase, das Sterben des Egos und die Integration der Schatten (s. Tabelle).


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