Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

5. Schneewittchen – der vergiftete Apfel (Feuerprobe)

Schneewittchen im Glassarg

By on 21. Oktober 2020

Schneewittchen im Glassarg

Schneewittchen – Der vergiftete Apfel

Schneewittchen ist nach einen Bissen vom vergifteten Apfel wie tot umgefallen. Diesmal können es die Zwerge nicht mehr wecken. Sie legen es in einen gläsernen Sarg.

Der vergiftete Apfel – gestorbene Liebe

Kurze Inhaltsangabe und Archetypen

Kurze Inhaltsangabe aus dem Märchen:

Die böse Königin ging wieder verkleidet zum Häuschen im Wald und brachte Schneewittchen einen vergifteten Apfel. Schneewittchen ass einen Bissen und fiel wie tot zu Boden. Diesmal konnten die Zwerge es nicht wieder aufwecken.

 Die Zwerge legten Schneewittchen in einen durchsichtigen Sarg, damit sie die Schöne immer anschauen konnten, und schrieben mit goldenen Buchstaben ihren königlichen Namen darauf. Dann setzten sie den Sarg auf den hohen Berg neben dem Häuschen und bewachten ihn immer. Auch die Tiere kamen und beweinten Schneewittchen, erst eine Eule, dann ein Rabe und zuletzt ein Täubchen.

Symbole und Archetypen:

In den mittleren Jahren wird die Frau von ihren Schatten eingholt. Das bedeutet:

  1. Die böse Hexe ist zurück: Längst überwunden geglaubte Schatten tauchen mit Macht auf und wollen integriert werden.
  2. Als alte Frau verkleidet – zwei Botschaften: (1) Tödliche Inhalte kommen im Deckmantel von «Weisheit» daher. (2) Die Frau wird alt.
  3. Der vergiftete Apfel: vergiftete Liebe (der Apfel gilt seit Jahrtausenden als die Frucht der Göttin der Liebe).
  4. Tödliche Ohnmacht: Gestorbene Liebe.
  5. Die Trauer der Zwerge: Die Liebe fehlt auch den Männern. Die Frau als Göttin der Liebe trägt die Liebe in ihrem Herzen und ist so auch die Quelle der Liebe.
  6. Der Glassarg: Die Frau als fernes Ideal, als perfekte virtuelle Realität, aber ohne innewohnendes Leben.
  7. Die drei Vögel symbolisieren drei geistige Zustände der Frau: Die Eule symbolisiert seit Jahrtausenden Macht durch Erotik, der Rabe symbolisiert den Weg in die Unterwelt und die Taube ist der Vogel der Göttin der Liebe (mehr dazu unten in den Erläuterungen am Schluss des Kapitels). 

Lilianas Geschichte – noch immer märchenhaft

Der vergiftete Apfel und der Glassarg 

Die böse Hexe ist wieder da

Nachdem die böse Königin Liliana sechs Hochzeitskandidaten vorgestellt hatte, ohne dass einer bei ihr hätte landen können, war sie überaus unzufrieden. Die Tochter hätte jeden der Männer haben können! Was war bloss los mit ihr? Warum wollte sie nicht in den sicheren Hafen der Ehe flüchten? Die Königin wurde misstrauisch. War sie am Ende doch noch intakt, noch immer Jungfrau? Hatte sie noch hohe Ideale?

Als alte, weise Frau verkleidet

Die Königin beschloss, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Sie ging zu Liliana und redete mit weicher Stimme schmeichelnd auf sie ein:
– Liliana, du bist ja nun erwachsen, eine richtige Frau. Darum lass uns ein Gespräch von Frau zu Frau haben.
Um sicherzugehen, dass Liliana wusste, wovon sie sprach, klärte sie sie gründlich auf und endete mit den Worten:
– Du musst lernen, dich zu schützen. Und wisse: Deine Vagina ist deine stärkste Waffe!
Sie liess sich nicht beirren durch den Umstand, dass Liliana keineswegs an dem Gespräch interessiert schien, sondern fuhr fort:
– Setze deine Weiblichkeit und Schönheit ein, dann kannst du im Leben alles erreichen, was du willst. Natürlich musst du dazu auch deinen Verstand gebrauchen, aber das ist nicht so schwierig, denn Männer sind sehr eindimensional!
Sie lächelte zufrieden und fuhr fort:
– Wenn du es richtig anstellst, fressen dir die Männer aus der Hand! – Weisst du, die Männer sind alle gleich. Möglicherweise hast du ja auch schon die eine oder andere Erfahrung gemacht …?

Sie lächelte einfühlsam und durchbohrte Liliana dabei mit ihren Augen. Als diese schwieg und ihrem Blick auswich, fuhr sie mit langsamer, sanfter und verträumter Stimme fort:
– Ach ja, die Männer … Sie sind uns Frauen nicht gewachsen … Sie sind so simpel, so einfach gestrickt, so leicht zu durchschauen. Man kann sie problemlos manipulieren, denn sie wollen immer nur das eine …

Der vergiftete Apfel

Der vergiftete Apfel

Nach einer Kunstpause säuselte sie weiter:
– Zum Beispiel der junge Jäger, – vielleicht erinnerst du dich? Ich glaube, er brachte dir das Reiten bei? – Na ja, wie auch immer … Auch er war, wie alle Männer, meinen Reizen komplett ausgeliefert. Er verlor die Fassung, wenn er in meiner Nähe war … Da machte ich mir einen Spass daraus, mich ein bisschen mit ihm zu vergnügen, wenn du verstehst, was ich meine? – Schliesslich ist der König ja viel zu selten hier. Und unter uns gesagt: Wer weiss, was er so treibt, wenn er unterwegs ist? – Wie dem auch sei, der Jäger ­– er hiess Johan, wenn ich mich recht erinnere … Er war ja nur ein kleiner Angestellter, aber soo leidenschaftlich! Dann musste er leider weg … Aber bevor er ging, gab er mir noch dies hier zur Erinnerung oder so …

Sie hob Lilianas Kettchen mit der Taube in die Luft und liess es vor ihrer Nase baumeln.
– Hattest du nicht einmal etwas Ähnliches?, fragte sie gespielt unwissend.
Liliana erkannte das Kettchen, das sie Johan geschenkt hatte, und erbleichte.
Mit Genugtuung und geheucheltem Erstaunen sagte die Königin:
– Oh, war es am Ende sogar deines?
Liliana schwieg und blickte es erstarrt an. Tränen standen in ihren Augen. Die Königin fuhr mit weicher Stimme fort:
– Ach! Meine Tochter, nimm es nicht so tragisch! – Aber eines muss ich dir noch sagen: Männer bevorzugen reife Frauen, Frauen mit Erfahrung!

Mit einem kalten Lächeln wünschte die böse Königin Liliana eine gute Nacht und drückte ihr mit harten Lippen einen Kuss auf die Stirn, dann verliess sie das Zimmer.  

Ohnmacht

Die junge Frau blieb aufgewühlt zurück. Sie hatte nicht erwartet, von ihrer Mutter Gutes über Männer zu hören, … aber das war zu viel für sie. Der Jäger Johan, der Mann, der ihr Herz gewonnen hatte, dem sie ihr Kettchen geschenkt hatte … War das möglich? Wie war die Königin an das Kettchen gekommen?

Liliana verspürte einen schmerzhaften Stich in der Herzgegend, wenn sie nur schon daran dachte. Oh, sie hasste ihre Stiefmutter! Sie hasste, was sie ihr gesagt hatte, und war darüber verwirrt und am Boden zerstört. Sie warf sich aufs Bett und weinte. Die Königin, die noch geblieben war, um an der Tür zu lauschen, wandte sich zufrieden ab und ging davon. 

Die traurigen Zwerge und der Glassarg

Die sechs Heiratskandidaten erhielten alle eine Absage. Sie waren darüber traurig, denn sie hatten die sanfte Schöne in ihr Herz geschlossen. Gerne hätten sie sie glücklich gemacht und ihr Leben und ihre Kraft für sie gegeben. Sie war die Frau ihrer Träume gewesen …

Die drei Vögel: Eule, Rabe, Taube

Schneewittchen wurde krank und blieb die nächsten Tage im Bett. Nun hatte sie viel Zeit, um nachzudenken. Langsam wurden ihre Gedanken klarer. Sie erkannte, dass sie nie wie die böse Königin werden wollte, die dürch Erotik über die Männer, auch über ihren Vater, herrschte (Eule). Sie dachte: „Die Königin hat kein Herz (Rabe). Aber ich habe ein Herz, und ich will lieben!“ (Taube). Bei diesem Gedanken kam ihre aufgewühlte Seele wieder zur Ruhe.

Bemerkungen zu dieser Deutung: Sieben Zwerge und sieben Berge

Der vergiftete Apfel 

Schneewittchen symbolisiert die innere Jungfrau der Frau, ihre reine, unschuldige Liebe. Das Märchen sagt in Bildern: Die Frau selber (als  Hexe) hat ihre reine Liebe (Schneewittchen) getötet, aus Zorn und Negativität, weil sie verletzt wurde. Sie muss sich ihren Verletzungen stellen, damit ihre Liebe heilen kann.

Drei Vögel für drei Lebensphasen der Frau

Lilians Geschichte: Konfrontation mit dem Schatten

Ohnmacht

Als die Kinder mich weniger brauchten, arbeitete ich mehr und härter, um ein Gefühl der Leere zu verdrängen. Doch je älter ich wurde, umso mehr musste ich feststellen, dass ich mich verbraucht, abgehärmt und verbittert fühlte. Manchmal war ich frustriert und zornig, dann wieder depressiv und antriebslos. Mit anderen Worten: Ich steckte in einer Krise und fragte mich: «Lilian, wo bist denn du eigentlich in deinem Leben?»

Die Hexe ist zurück

Ich hatte das Gefühl, dass Männer mich nicht mehr wahrnahmen, ja, dass ich für sie durchsichtig geworden war. Und es machte mir etwas aus! Bis anhin hatte ich mein gutes Aussehen immer als Selbstverständlichkeit genommen und unbewusst darauf gebaut. Doch nun zerbröckelte dieses Kartenhaus. Auch empfand ich, dass ich immer für alle da gewesen war, ausser für mich selber, getrieben von einem Bestreben, es allen Recht zu machen. Das musste nun ein Ende haben! Ich wollte etwas verändern, wollte endlich mein eigenes Leben leben. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies im Rahmen unserer Ehe möglich sein sollte. Zu lange hatte ich darin mich selber verleugnet, zu ausgetreten waren die Pfade …                                                                                    

Als alte, weise Frau verkleidet (Eule)

Eines Tages ertappte ich mich dabei, dass ich mit Eifersucht auf meine Tochter Miriam blickte. Sie war so frei und geborgen aufgewachsen.
Ich hingegen hatte nie ein positives Vorbild von Weiblichkeit. Alexandra hatte nur versucht, mich so zu machen wie sie, nämlich zu einer Hexe, welche ihre Umgebung manipuliert und mit den Männern spielt.

Die Zwerge

Entsprechend stand es auch mit unserer Ehe nicht gerade zum Besten. Wir hatten häufig Streit. Matthias schien die Welt nicht mehr zu verstehen. Statt mir in meiner Schwäche Verständnis und Zuwendung entgegenzubringen, fühlte er sich getroffen, kritisiert und angeklagt. Das machte mich nur noch wütender, und ich dachte: «Er ist gar nicht in der Lage, auf mich einzugehen und für mich da zu sein, jetzt, wo ich ihn brauchen würde». Aber Matthias war einfach traurig und überfordert.

Der vergiftet Apfel

Schliesslich entschloss ich mich, Hilfe zu suchen. Im Rahmen einer beratenden Therapie wurde mir bewusst, dass Schatten, die ich lange überwunden geglaubt hatte, wieder aufgetaucht waren. Auch die Erinnerung an Bruce stand plötzlich stark im Raum, und dabei spürte ich eine grosse Wut auf Männer.

Der Rabe (Weg in die Unterwelt)

Es wurde mir schliesslich auch bewusst, dass mir ein negatives Männerbild eingepflanzt worden war. Um mich vor schmerzhaften Beziehungen zu schützen, hatte ich mein Herz verschlossen. Es war noch immer eingefroren, wie auf Eis gelegt! Es schmerzte mich, dies zu realisieren.
Ich hatte noch nie wirklich jemanden an mich herangelassen. 

Die Taube (Auferstehung)

Ich fragte mich: Würde ich überhaupt je richtig lieben können?

Schneewittchens Heldenweg über sieben Berge, Überblick:

Schneewittchens Heldenweg über 7 Berge

Die fünfte Phase des Heldenweges: Die Feuerprobe

Läuterung: Sterben des Egos, der Identität der Macht

In der Feuerprobe wird alles «verbrannt», was nicht im Angesicht der Liebe und der Ewigkeit bestehen kann. Dazu gehören negative Gefühle (der Schmerzkörper) und Macht (ihre unreifen männlichen Anteile, der Animus). Die Frau, die älter wird, wird zwangsläufig mit dem Dahinschwinden ihrer Macht, die auf ihren  äusseren Reizen beruhte, konfrontiert. Dies kann ihre Negativität noch verstärken und dazu führen, dass sie stattdessen ihre Macht durch Manipulation ausweitet («Hexe»), durch List und Intrigen oder durch eine anklagende Opferhaltung. Indem sie ihrem Ego und ihren weiblichen Trieben Raum gibt, tötet sie ihre reine, hingebende Liebe.

Die ermordete Liebe

Dies war bereits in der sumerischen Mythologie ein Thema. Sie beschreibt, wie der Lebensbaum von Inanna, der jungen Göttin der Liebe von finsteren Wesen der Macht besetzt ist, unter anderem von Lilith, der dunklen Jungfrau. Dies stürzt Inanna zunächst in Ohnmacht und Depression, bis sie später der Herrscherin der Unterwelt begegnet (s. Inanna und die Göttin der Unterwelt).

Der Weg der Frau zurück zu reiner Liebe

Die drei Vögel

Eule, Rabe und Taube symbolisieren drei geistige Zustände der Frau und ihre drei Lebensphasen (s. Der Weg der Frau):

  • Die Eule symbolisiert seit Jahrtausenden Macht durch Erotik (s. Burney Relief, 1800 v. Chr.). Sie steht für die rote Phase der Frau.
  • Der Rabe symbolisiert den Weg in die Unterwelt und ins Unbewusste. Es wird gesagt, dass er zwischen den beiden Welten hin und herfliegen kann. Er steht für die Krise der mittleren Jahre (die schwarze Phase), welche das Sterben des Egos mit sich bringt.
  • Die Taube ist der Vogel der Göttin der Liebe (Othmar Keel, Gott weiblich, s. 110 ff.) und steht für die Auferstehung zu Liebe (weiss) und Fülle.

Metamorphose – der Weg in die Freiheit des Geistes

Die drei Vögel beschreiben die Metamorphose von der materiellen Realität hin zur geistigen Existenz der Liebe. In der irdischen Existenz ist die Macht der Frau durch Erotik eine Tatsache (Eule). Das Ziel ist jedoch, dass sie zu ihrer inneren Schönheit zurückfindet, zur göttlichen Ausstrahlung reiner Liebe (Taube). Der Weg dahin führt durch die Unterwelt und die Integration der Schatten.

Auferstehung der Liebe

Um wieder zu ihrer Liebe zurückzufinden, muss sie ihre Macht durch Erotik aufgeben (Eule) und sich auf dem Weg durch die Unterwelt ihren Schatten stellen und diese integrieren (Rabe). Dies geschieht, indem sie ihre Schwäche und Verletzungen anerkennt und sich selber darin liebt. Dazu gehört auch, dass sie sich und anderen vergibt. Dann wird ihre Liebe auferstehen (Taube).


Kommentare

  1. Liebe Anne
    Grossartig, den Gold-Schatz, welchen du da hebst und wie du alles vernetzt. Eine Schule für das Seelenheil. Für Selbstverantwortung und dadurch eine bessere Beziehung zu mir selbst und im Aussen. Es lohnt sich, einzutauchen und, auch wenn es anspruchsvoll ist, dran zu bleiben für ein immer tieferes Verständnis. Es hilft mir, der goldenen Mitte auf die Spur zu kommen und mich danach auszurichten. Ich finde Goldspur verbessert mein Leben und meine Beziehungen nachhaltig, speziell im Familiensystem. DANKE für deinen Mut und deine Arbeit
    Cathy

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