Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Eisenhans und der Sieg über den Feind (4: Dienst im Erfolg)

Der siegreiche Ritter in Der Eisenhans

By on 26. Mai 2020

Gib mir ein starkes Ross!

Eisenhans und der Sieg über den Feind (4: Dienst im Erfolg)

Da das Land wird vom Feind bedroht wird, ist nun die Gelegenheit für den Königssohn gekommen. Er geht zum Wald und ruft: «Eisenhans …!», und der Sieg über den Feind gehört ihm.

Der nächste Abschnitt des Märchens:

Der Eisenhans und der Sieg über den Feind (4: Erfolg)

Krieg

Nicht lange danach ward das Land mit Krieg überzogen. Der König sammelte sein Volk und wusste nicht, ob er dem Feind, der übermächtig war und ein grosses Heer hatte, Widerstand leisten könnte.

Hunkepus

Da sagte der Gärtnerjunge: «Ich bin herangewachsen und will mit in den Krieg ziehen; gebt mir nur ein Pferd!» Die andern lachten und sprachen: «Wenn wir fort sind, so suche dir eins; wir wollen dir eins im Stall zurücklassen.» Als sie ausgezogen waren, ging er in den Stall und zog das Pferd heraus; es war an einem Fuss lahm und hickelte hunkepuus, hunkepuus. Dennoch setzte er sich auf und ritt fort nach dem dunkeln Wald.

«Eisenhans!»

Als er an den Rand desselben gekommen war, rief er dreimal ‹Eisenhans› so laut, dass es durch die Bäume schallte. Gleich darauf erschien der wilde Mann und sprach: «Was verlangst du?» – «Ich verlange ein starkes Ross, denn ich will in den Krieg ziehen.»  – «Das sollst du haben und noch mehr als du verlangst.»

Ein Schlachtross und ein ganzes Heer

Dann ging der wilde Mann in den Wald zurück, und es dauerte nicht lange, so kam ein Stallknecht aus dem Wald und führte ein Ross herbei, das schnaubte aus den Nüstern und war kaum zu bändigen. Und hinterher folgte eine Schar Kriegsvolk, ganz in Eisen gerüstet, und ihre Schwerter blitzten in der Sonne. Der Jüngling übergab dem Stallknecht sein dreibeiniges Pferd, bestieg das andere und ritt vor der Schar her.

Sieg über den Feind

Als er sich dem Schlachtfeld näherte, war schon ein grosser Teil von des Königs Leuten gefallen, und es fehlte nicht viel, so mussten die übrigen weichen. Da jagte der Jüngling mit seiner eisernen Schar heran, fuhr wie ein Wetter über die Feinde und schlug alles nieder, was sich ihm widersetzte. Sie wollten fliehen, aber der Jüngling sass ihnen auf dem Nacken und liess nicht ab, bis kein Mann mehr übrig war.

Weiterhin verdeckt (bescheiden)

Statt aber zu dem König zurückzukehren, führte er seine Schar auf Umwegen wieder zu dem Wald und rief den Eisenhans heraus. «Was verlangst du?» fragte der wilde Mann. «Nimm dein Ross und deine Schar zurück und gib mir mein dreibeiniges Pferd wieder!» Es geschah alles, was er verlangte, und er ritt auf seinem dreibeinigen Pferd heim.

Wer ist der fremde Ritter?

Als der König wieder in sein Schloss kam, ging ihm seine Tochter entgegen und wünschte ihm Glück zu seinem Siege. «Ich bin es nicht, der den Sieg davongetragen hat,» sprach er, «sondern ein fremder Ritter, der mir mit seiner Schar zu Hilfe kam.» Die Tochter wollte wissen, wer der fremde Ritter wäre, aber der König wusste es nicht und sagte: «Er hat die Feinde verfolgt, und ich habe ihn nicht wiedergesehen.»

Neugierde und Hartnäckigkeit der Königstochter

Die Königstochter erkundigte sich bei dem Gärtner nach dem Jungen; der lachte aber und sprach: «Eben ist er auf seinem dreibeinigen Pferde heimgekommen, und die andern haben gespottet und gerufen: ‹Da kommt unser Hunkepuus wieder an.› Sie fragten auch: ‹Hinter welcher Hecke hast du derweil gelegen und geschlafen?› Er sprach aber: ‹Ich habe das Beste getan, und ohne mich wäre es schlecht gegangen.› Da ward er noch mehr ausgelacht.»

Der siegreiche Ritter in Der Eisenhans

Wichtige Symbole und Archetypen: 

Krieg

Nun ist für den Helden die Gelegenheit gekommen, alles was er hat und ist, in die Waagschale zu werfen.

Hunkepus und die verborgenen Ressourcen

«Gebt mir ein Pferd!» Der Held zeigt Bereitschaft, sich voll hineinzugeben und auch vollen Einsatz, mit dem Wenigen, das ihm anvertraut ist. Weil es zu wenig ist, wird er nun auf seine verborgenen Ressourcen zurückgreifen. Dabei geht es ihm wiederum nicht darum, selber gut dazustehen, sondern sein Motiv ist vielmehr, zu helfen und Rettung zu bringen.

"Eisenhans!": Stärke und Gunst – Der Eisenhans und die grosse Mutter
Günstige Umstände und Gnade

Er reitet zum Wald und ruft den Eisenhans! Die verborgenen Ressourcen sind nicht wirklich „seine“ Ressourcen. Vielmehr ergeben sich günstige Umstände, also «Zufälle», die jenen zufallen, die sich in Entbehrungen als treu erwiesen haben. Dahinter steckt die lebendige Materie, die sich in den Umständen und im Schicksal des Menschen manifestiert. Sie ist die «grosse Mutter», die sich ihrem treuen Günstling gnädig erweist (s. Weibliche Ganzheit 3-in-1 oder auch in Frau Holle). Sie gibt ihren geliebten Söhnen und Töchtern Gnade, Gelingen und Gold, das heisst ewiges Leben und belohnt damit ihren Einsatz.

Ergänzung: der Eisenhans und die grosse Mutter im Unbewussten

Der Eisenhans als «Mutter»? Als männlicher Trieb und Antrieb wohnt er im Wald, Symbol für das Unbewusste im Bereich des Körpers. Beide, sowohl das Unbewusste wie auch der Körper sind als «weiblich» zu bezeichnen (s. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung und Das Bewusstsein und das Unbewusste). Das Unbewusste leistet dem liebenden Bewusstsein («männlich») Folge und führt dessen Weisungen durch. (So wird der «Eisenhans», der Trieb, «erlöst», indem er nämlich durch das liebende Bewusstsein für das Gute eingesetzt wird.

Ein Schlachtross und ein ganzes Heer führen zum Sieg: Vollmacht über die Materie

Das Schlachtross und das Heer symbolisieren siegreiche Vollmacht, die jenen gegeben wird, die sich als treu bewährt haben und der Liebe dienen. Die Vollmacht über die Materie (glückliche Umstände) gepaart mit Leidenschaft (Pferd) und männlicher Kraft und Druchsetzungsvermögen (das Heer) führen folgerichtig zum Sieg. Dieser stellt die neue, positive Realität dar (s. Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität).

Weiterhin bedeckt: Bescheidenheit, Geduld und Vertrauen

Der Held hält sich weiterhin verdeckt. Er bleibt bescheiden und brüstet sich nicht mit dem Sieg. Denn er ist voller Respekt und weiss, dass er Gnade erfahren hat, die sein eigenes Vermögen bei weitem übersteigt. Er hält auch an der Haltung fest, dass es nicht um ihn geht, sondern dass er im Kontext des Grösseren steht. Darum bleibt er bescheiden und wartet er auch geduldig, bis ihm das Schicksal den Weg bahnen wird.

Hier geht es zur Deutung sämtlicher Symbole dieses Abschnitts «Eisenhans und der Sieg über den Feind».

Aus den obigen Deutungen ergibt sich die moderne Geschichte:

Eisenhans und der Sieg über den Feind – die Geschichte anders erzählt

Thomas erzählt weiter:

Krieg

Wir haben ernste Probleme in der Firma. Wir hatten dieses neue Produkt, an dem wir lange geforscht und gearbeitet haben. Doch nun ist unsere Partnerfirma genau mit diesem Produkt an den Markt gelangt und verkauft es als ihr eigenes. Dies ist natürlich eine Katastrophe für uns!

Hunkepus und die verborgenen Ressourcen

An einer Krisensitzung sagte Richard, der CEO, er wolle die Bande vor Gericht ziehen. Linda räumte richtigerweise ein, dass wir dazu Beweise bräuchten. Die Diskussion ging hin und her. Ich weiss nicht, was mich dazu trieb, aber ich sagte: „Man sollte sich bei denen mal ein bisschen umschauen …“. Leo, unser Teamleiter, grinste und sagte ironisch: „Natürlich! Du wirst da reinspazieren und sagen: Zeigt mir mal, wie ihr unsere Idee geklaut habt … und sofort werden sie dir alles auf den Tisch legen!“ Er lachte laut, und die Anderen stimmten mit ein.

«Eisenhans!»

Da kam mir der Zufall zur Hilfe. Es war Freitagabend und so ging ich in eine Bar in der Nähe. Da traf ich auf Gavin, den CEO von unserer Konkurrenzfirma! Er kam gleich zu mir herüber und sagte laut: „Na, da haben wir ja unseren Branchenneuling!“. Dabei klopfte er mir jovial auf die Schulter und wollte wissen: „Wie läufts denn so im Geschäft?“ – „Na ja, nicht so gut …“, antwortete ich ausweichend. „Probleme – ha?“, gluckste er angeheitert. Offensichtlich hatte er schon einiges getrunken. „Ach, mach dir nichts draus!!», fuhr er fort: «Ist ja auch ein Saftladen! Die lassen kein gutes Haar an einem … Hast wohl einen schweren Stand da?!“ Er grinste mich vielsagend an.

Ein Schlachtross

Als ich ihn fragend anblickte, meinte er: «Na ja, spricht sich so einiges rum …», um gleich wohlwollend fortzufahren: „Bei uns läuft’s gut! Schau doch mal bei uns rein! Wir finden schon noch ein Plätzchen für dich!“. Ich nickte und sagte: „Das werde ich tun». Entschlossen, die Gelegenheit gleich beim Schopf zu packen, fragte ich ihn: «Wann kann ich denn kommen?“ Gavin zuckte mit den Schultern: „Wann immer du willst!“

… und ein ganzes Heer

Am Montag meldete ich mich von der Arbeit ab und erschien stattdessen in der Partnerfirma. Gavin kam herbeigestürmt und begrüsste er mich mit seiner überschwänglichen Art: „Ah! Tom! Das ging aber schnell! Bist du desertiert? Haha! Willkommen bei uns!!!“ Er führte mich kurz durch das Gebäude und zeigte mir alle Räumlichkeiten. Dann brachte er mich in ein Büro: „He Leute! Wir haben hier einen Neuling, der etwas bei uns schnuppern will!“ – „Das stimmt!“, nickte ich und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Gavin klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Also! Zeig mal, was du kannst!“. Dann verschwand er wieder in seinem Büro.

Ansonsten schien sich aber niemand wirklich für mich zu interessieren. So hatte ich Zeit und Gelegenheit, rumzuspazieren und mich gründlich umzuschauen. Es war nicht schwierig, an die Informationen zu unserem Produkt zu kommen. Sie lagen überall herum. Dabei entdeckte auch zufällig auf einigen Unterlagen Leos Kontaktdaten.

Eisenhans und der Sieg über den Feind

Nachdem ich genug gesehen hatte, ging ich zu Gavin und konfrontierte ihn. Ich sagte: «Ich habe gesehen, dass ihr unser Produkt gestohlen habt, und habe nun genug Beweise.“ Gavin holte Luft, aber ich liess ihm keine Zeit, etwas zu sagen, sondern fuhr fort, dass er sich bei Richard entschuldigen solle. Zudem verlangte ich, dass er öffentlich richtigstellen solle, dass wir das Produkt entwickelt hatten. Als Letztes riet ich ihm Richard auch allfällige Gewinne aus den Verkäufen zurückzuerstatten. «Wenn nicht, werden wir dich und deine Firma vor Gericht ziehen!“
Richard war erbleicht und so räumte noch ein: „Weil du wohlwollend und grosszügig zu mir sein wolltest, werde nichts von unserem Gespräch verlauten lassen, wenn ich bald höre, dass du die Bedingungen erfüllt hast.“ 

Weiterhin bedeckt

Am nächsten Tag erschien ich wieder wie gewohnt zur Arbeit. Im Laufe des Vormittags wurden wir zu einer Sitzung einberufen. Als wir kamen, waren bereits Richard und Linda im Gespräch. Richard strahlte, als er sich an uns alle richtete. Er sagte: „Etwas Unglaubliches ist geschehen …“ Er berichtete, dass Gavin ihn kontaktiert hatte, um uns zu unserem guten Produkt zu gratulieren. Einiges sei falsch gelaufen, weshalb es irrtümlicherweise so ausgesehen habe, als sei es sein Produkt, aber er werde das natürlich offiziell richtigstellen.“ Die meisten starrten Richard ungläubig an. Aber unter allen war grosse Erleichterung spürbar.

Wer ist der fremde Ritter? Neugierde der Königstochter

Leo wandte sich zu mir und sagte ironisch: „Ah, bist du heute auch wieder zurück? Na, hast du dich an deinem verlängerten Wochenende gut erholt?!» – „Es gab einiges zu tun“, sagte ich nur.

Linda blickte mich überrascht an und meinte: «Ach! Du warst gestern gar nicht hier …?!»

Die vierte Phase des Heldenweges: Dienst im Erfolg

Zusammenfassung von «Eisenhans und der Sieg über den Feind»

Der Held hat seine Ressourcen im Interesse des Grösseren eingesetzt und damit Gutes getan und Hilfe geleistet. Dabei ist er weiterhin verdeckt und bescheiden geblieben und hat seine Macht nicht missbraucht, um jemandem Schaden zuzufügen und sich selber auf dessen Kosten aufzubauen.

Damit hat unser Held nun die dritte Phase des Heldenweges abgeschlossen.
[Zum Hintergrundartikel zu dieser Episode: Dienst im Erfolg (die vierte Phase des Heldenweges).]

Zur Übersicht über den Heldenweg des Eisenhans und die vierte bestandene Prüfungsphase diese Tabelle:

Heldenweg 4, Eisenhans

Überleitung:

Nachdem der Held sich auch im Erfolg als treu erwiesen hat, wird er als Letztes in eine existenzielle Prüfung, in die Feuerbrobe, geführt

Weiter geht es mit:
Die Königstochter und die Verwundung 


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