Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Dornröschen und die Spindel (Initiation: 2)

Dornröschen und die Spindel (Erfüllung des Fluches)

By on 16. Oktober 2021

Dornröschen und die Spindel (Erfüllung des Fluches)

Dornröschen und die Spindel (2: Initiation)

Diese Episode, «Dornröschen und die Spindel», handelt davon, dass sich die Königstochter an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel sticht. Obwohl der König alles getan hat, um dies zu verhindern, erfüllt sich damit der Fluch. Dornröschen fällt sogleich in tiefen Schlaf und mit ihr das ganze Schloss. Was hat es mit der Spindel auf sich?

Der Märchentext:

Dornröschen und die Spindel (2: Initiation)

Das Tabu: Alle Spindeln im Land verbrannt

Der König versuchte, den Fluch zu verhindern, indem er alle Spindeln im ganzen Land verbrennen liess. Seine Tochter wuchs heran, und die Gaben der weisen Frauen erfüllten sich. Dornröschen war wunderschön und klug, und alle hatten es lieb. 

Dornröschen und die Spindel

An ihrem 16. Geburtstag, als die Eltern nicht zu Hause waren, ging die Königstochter überall herum. Über eine Wendeltreppe gelangte sie in das Turmzimmer. Dort sass eine alte Frau und spann. 

Die Erfüllung des Fluches

Die Prinzessin, die noch nie eine Spindel gesehen hatte, streckte neugierig ihre Hand aus. Da stach sie sich mit dem Finger an der Spindel, sodass ein Tropfen But floss. Sofort fiel sie in einen tiefen Schlaf und mit ihr das ganze Schloss.

Symbole und Themen von Dornröschen und die Spindel

Deutung von sämtlichen unterstrichenen Wörtern in Dornröschen und die Spindel:
Das Tabu: Alle Spindeln im Land verbrannt
  • Fluch: Ein böser Wunsch und die kollektive Realität von Missbrauch beziehungsweise die Erbsünde (s. Der vergiftete Apfel: Missbrauch als kollektive Realität).
  • Der König will den Fluch verhindern: Das Bewusstsein will nichts von der Realität des Fluches wissen und verdrängt sie ins Unbewusste, in den Schatten. 
  • Alle Spindelnverbrannt? Die verdrängte Realität brennt jedoch wie das Feuer im Inneren der Erde und kann jederzeit wieder ausbrechen wie ein Vulkan.
Dornröschen und die Spindel
  • Geburtstag: Geschlechtsreife
  • Eltern nicht zuhause:ausserhalb der Aufsicht der Eltern
  • Wendeltreppe: Immer höher …
  • Turmzimmer: … bis zum Höhepunkt.
  • Alte Frau, die spinnt: Diegrosse Mutter (s. Maleficent als Schicksalsgöttin)
  • Spinnrad, Spindel: Da dreht sich alles: eine Trance.
Die Erfüllung des Fluches
  • Hand: weibliche Geschlechtlichkeit, Zärtlichkeit und Emotionen
  • Finger: Geschlechtsorgan
  • Ein Tropfen Blut: Entjungferung
  • Schlaf: Unbewusstheit
  • Schloss: das ganze Leben ist davon betroffen

Das Tabu: die verbrannten Spindeln 

Es gibt Themen, über die nicht gesprochen werden ….

Spinnräder verbrannt: Lebensgefahr für die Frau!

Die Frau ist in Gefahr, ihre Liebe und ihr Leben zu verlieren, und zwar aus diesen Gründen:

1. Der Mann ohne Seele: Unfähigkeit zu lieben

Über das, was einer jungen Frau widerfahren kann, wird nicht gesprochen. Es ist ein Tabu. Und gerade darum erfüllt sich der Fluch (s. Dunkle Geheimnisse als Fluch). Das verborgene Geheimnis ist, dass der Mann nicht (so wie eine Frau es sich wünscht) lieben kann, solange er seine weiblichen Anteile nicht integriert hat (s. Die Integration der Anima und Die heilige Wunde). Die geschieht meistens erst in der Krise der mittleren Jahre(!). (Aus diesem Grund haben Religion und Tradition den Mann in eine verbindliche Beziehung hineingezwungen «sonst gibt es keinen Sex», damit er durch Treue, Hingabe und freundliche Taten Liebe lernen und zeigen kann.)

2. Geschlechtsverkehr: Hingabe von Körper, Seele und Geist der Frau

Beim Geschlechtsverkehr nimmt der Mann Körper, Seele und Geist der Frau ein (s. Die Frau 3-in-1). Wenn die Frau aber, nachdem sie sich aus Liebe hingegeben hat, keine Zeichen der Gegenliebe erhält, gerät sie in Negativität und damit in die Unterwelt, das Reich der Schatten (s. u. der Todesschlaf und Missbrauch, das gestohlene Leben und der Fluch).

Dornröschen, die Wendeltreppe und die Spindel: eine Trance (Rausch) 

Eine Trance im Rausch der Erotik und der erste Geschlechtsverkehr
Die alte Frau: Die Mutter-Gottheit in ihrem dritten Aspekt als Schicksalsgöttin

Das grosse Weibliche als lebendige Materie weist diese drei Aspekte auf: Jungfrau (Potenzial), Mutter (Realität) und alte weise Frau (Lebenskraft in der Materie und Schicksal durch die materiellen Umstände und den Körpertrieb). Sie ist damit die Herrin der Unterwelt (s. Weibliche Ganzheit – die Göttin, Weiss / Rot / Schwarz).

Der Mensch versöhnt sich mit seinem Schicksal, integriert seine Schatten auf dem Weg durch die Unterwelt und gewinnt Kraft und Vollmacht über die Materie.

Die Wendeltreppe: Aufstieg zum Höhepunkt (Turmzimmer)

Das Mädchen geht eine Wendeltreppe hoch und immer höher, bis es zum drehenden Spinnrad gerät, welches durch die Drehbewegung und das monotone Geräusch geeignet ist, eine Trance zu induzieren. Die Trance ist der Rausch von Macht und Begehren, welcher die jungen Menschen in seinen Bann zieht.

Der Stich der Spindel – Entjungferung (Hingabe, «Sterben» von Körper, Seele und Geist)

Es dringt etwas Spitzes in ihr Fleisch ein und es fliesst ein Tropfen Blut … und bumm! Das Mädchen fällt um. Oder anders formuliert: Die Schöne ist gefallen. Damit erfüllt sich der Fluch.
Denn mit der Entjungferung «stirbt» oder «fällt» die Jungfrau (Symbol für reine, himmlische Liebe) in die Härte der Realität hinein. Wenn eine Frau mit einem Mann schläft, gibt sie ihm ihren Körper, ihre Seele (Unterleib) und ihren Geist (Liebe; s. Die Frau 3-in-1)!

Die Erfüllung des Fluches: Sterben der Frau an Körper, Seele und Geist 

Das verlorene Leben: Negativität (Nicht-Leben) statt Fülle in allen Bereichen
Der Körper im Todesschlaf: Schwäche, Ohnmacht und negative Körper-Gefühle (Emotionen)

Die Schöne hat mit ihrem Körper ihr Leben hingegeben, ihre Identität aufgegeben und hängt nun damit an diesem Mann, weil er mit ihrem Körper alles genommen hat, auch ihr Leben (Seele, Unterleib) und ihre Liebe (Geist). [S. Die Frau, 3-in-1.]

Sie ist darum in Gefahr, in Kraft- und Willenlosigkeit, Krankheit und Depression  zu fallen (Nicht-Leben). Denn hat sie alles gegeben, ohne dafür etwas zu empfangen, gerät sie in Mangel und damit in ein Minus. Sie hat die Verankerung in ihrer Liebe verloren. Zudem ist ihr Körper im Griff negativer Emotionen, die ihn lähmen oder innerlich aufreiben (s. Starke Emotionen und das Unbewusste.) Dies ist der weibliche Trieb, der «Schmerzkörper».

Seele: Verletzung durch Sex statt Liebe und Nicht-Leben (Leben in Negativität, in der Unterwelt)
Die Hand symbolisiert die weibliche Seite der Sexualität, Zärtlichkeit. Statt Zärtlichkeit zu erfahren, wird ihre Liebe konsumiert. Wenn sie deshalb aus von Schmerz und Verletzung in Negativität gerät, ist sie mit der Göttin der Unterwelt identifiziert (s. Das grose Weibliche in der Unterwelt). Sie steht dann in einem nächsten Schritt zu Aggression, Macht und Rache auf (s. Der zweite Schöpfungsbericht der Bibel: die Männin; Der Sündenfall-Bericht der Bibel und das Geheimnis der Schlange und Der Fluch nach dem Fall).

Die Negativität der Frau ist der «Schlaf», von welchem das ganze Schloss, nämlich ihr ganzes Leben betroffen ist (im Hinduismus wird er «der dunkle Schlaf der Göttin Kali» genannt).

Geist: Sterben der Liebe der Frau

Es sind aber die Frauen, welche von Anfang an mit der Liebe von ausgestattet sind. Denn sie beginnen «im Geist», das heisst, wenn alles gut geht, geboren aus der Liebe des Vaters (s. Die Jungfrau – Wunder wirkende Liebe und Potenzial und Der weibliche Weg / der Weg der Frau). Wenn sie keine Liebe mehr haben, dann wird es dunkel in dieser Welt (s. Das letzte Einhorn). Eine Frau, deren Liebe gestorben ist, ist nur noch eine leere Hülle, schön anzusehen, aber ohne innewohnendes Leben – wie ein schwarzes Loch.

Wendeltreppe für Trance

Der erste Geschlechtsverkehr im Bann des Fluches

Geschlechtsverkehr, der nicht in einem Beziehungsnetz getragen ist und mit Verbindlichkeit einhergeht, kann die Frau verletzen und zum Sterben ihrer Liebe führen. Die Folgen davon sind Negativität aus Schmerz oder Zorn und Ohnmacht oder Macht und Rache (Unbewusstheit, «Schlaf», s. Der zweite Schöpfungsbericht: die Männin).

Die Vertreibung aus dem Paradies und der Fluch

Diese Problematik ist schon in den ersten Überlieferungen ein Thema (s. Die Vertreibung aus dem Paradies in den Überlieferungen). In der sumerischen Überlieferung wird Inanna, die Göttin der Liebe getötet und wird nach drei Tagen vom liebenden Vater wieder auferweckt. Im babylonischen Gilgamesh-Epos wird der wilde Mann durch eine Hure zum Mann, auch die Göttin der Liebe ist eine Hure (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos).

Vom Fluch zur «Erbsünde»

Die jungen Menschen im Rausch der Erotik wissen nicht, was sie tun. Die gestorbene Liebe fehlt den Männern genauso und ist wie ein schwarzes Loch in dieser Welt, welches alles um sich herum hinabzieht ins Nichts (in Negativität). Der Mangel wird von Generation zu Generation weitergegeben. Das ist die tiefere Bedeutung des Fluches, auch «Erbsünde» genannt.

Dornröschen-Maleficent, Vergleich der Handlung

Dornröschen und die Spindel anders erzählt: Maleficent-Malena

Die Neuerzählung des Märchens ist von Disney’s Maleficent-Filmen inspiriert, welche eine Deutung von Dornröschen darstellen.
[S. Maleficent, Handlung und Deutung; rechts eine schematische Gegenüberstellung von Dornröschen und Maleficent, s. auch Maleficent als Dornröschen–Interpretation.]

Maleficent – die Erfüllung des Fluches: die abgeschnittenen Flügel

Das Tabu (das dunkle Geheimnis): Macht als geistige Realität dieser Welt

Maleficent und Stefan sind nun herangewachsen. Maleficent ist nun erwachsen und damit die Herrin und Beschützerin der Moore geworden. Stefan auf der anderen Seite möchte Königsherrschaft im Menschenreich erlangen. Er sieht in seiner Beziehung zu Maleficent die Gelegenheit dazu gekommen. Denn der herrschende König Henry, der die Moore unterwerfen möchte, hat sein Königreich demjenigen versprochen, der Maleficent tötet. (Macht statt Liebe)

Die Spindel: im Rausch der Erotik, Sex statt Liebe

Stefan trifft sich mit Maleficent und spielt ihr wahre Liebe vor. Dann jedoch betäubt er sie mit einem Trank und schneidet ihre Flügel ab. Diese bringt er dem König. So erlangt er Königsherrschaft. (Sex statt Liebe)

Die Erfüllung des Fluches: Die Seele, das Weibliche in Negativität

Maleficent, die nun nicht mehr fliegen kann, muss stattdessen auf der Erde gehen. Stefan hat offenbar eine andere geheiratet. Als Maleficent erfährt, dass ihm eine Tochter geboren worden ist, erscheint sie am Fest und verflucht diese. Sie soll sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und in einen todesähnlichen Schlaf fallen. Sie mildert den Fluch auf Bitten Stefans so, dass ein Kuss aus wahrer Liebe sie wieder aufwecken könnte.

Daraufhin lässt König Stefan alle Spinnräder des ganzen Reiches in den Keller des Schlosses bringen, um sie zu verbrennen.

Und wir drehen uns im Kreis …

Malena:

Das Tabu

Stefan hatte sich in letzter Zeit wieder verändert. Er war plötzlich liebenswürdig und interessiert, sogar zärtlich und wollte offensichtlich viel Zeit mit mir verbringen. Ich merkte, wie mein Herz für ihn aufging und auch mein Körper: es war so berauschend.
Kurz vor meinem 16. Geburtstag waren meine Eltern noch verreist. Ich benutzte die Gelegenheit, um mich bei uns zu Hause mit Stefan zu treffen.

Die Spindel

Eines Abends hatten wir auch noch reichlich Wein getrunken. Wir gingen zu weit.
Plötzlich war Stefan nicht mehr zu bremsen und drang in mich ein, bevor ich überhaupt realisierte, wohin er unterwegs war. Und dann war es auch schon vorbei. Aber ich war verwirrt und fühlte mich elend.

Der Fluch

Ach! Wie wünsche ich, es wäre nicht geschehen!
Es ist ein Elend ….
Von Stefan habe ich seither nichts mehr gehört. Das ist schon schlimm genug, aber das könnte ich noch tragen. Denn wenn er nur auf dem Ego-Trip ist, kann er mir ohnehin gestohlen bleiben!

Aber das andere … das ist VIEL schlimmer. Es ist eine Katastrophe:
Ich bin schwanger!
Darüber bin ich völlig verzweifelt! Wie konnte ich nur so dumm sein?! Wie konnte ich mich so gehen lassen?
Oh Gott! Ich verfluche den Tag, an dem ich Stefan traf, und ich verfluche meine Naivität, dass ich ihm vertraute und mich ihm hingab.

Alles dreht sich in mir …
Ich verfluche den Tag, an dem ich geboren wurde, und ich verfluche das Kind in mir …!
Mir ist sterbensübel.

Was soll ich jetzt bloss tun???

Bemerkungen zu dieser Deutung

Schwangerschaft?

Zur Frage: Warum ist die verletzte Frau in dieser Deutung auch noch schwanger und wie lässt sich das mit dem Märchen Dornröschen vereinen?

Die dunkle Fee: Negativität aus Verletzung und Betrug

In der Maleficent-Verfilmung wird gezeigt, warum Maleficent «böse» wurde und König Stefans Tochter Aurora verfluchte: Er hatte sie missbraucht, ihr Liebe vorgespielt, sie mit einem Trank betäubt und ihre Flügel abgeschnitten, um so König zu werden. Maleficent rächt sich an ihm, indem sie seine Tochter verflucht. Diese ist auch ihre Tochter …

Die Fee und die Prinzessin – Mutter und Kind: Wie die Mutter, so auch die Tochter …

Doch trotz dieser schwierigen Situation entwickelt sich im Lauf der Geschichte zwischen Maleficent und Prinzessin Aurora eine Mutter-Tochter-Beziehung. Der Fluch beinhaltet jedoch, dass es der Tochter gleich ergehen soll wie der Mutter – mit anderen Worten, dass sie ebenfalls missbraucht werden wird.

Dornröschen: Verschiedene Persönlichkeitsanteile einer und derselben Person?

Man könnte Dornröschens Fluch als geerbte Negativität deuten, welche dazu führt, dass die Frau sich verletzen lässt. Damit vereint sie die Figuren des Märchens als verschiedene Aspekte ihrer Persönlichkeit in sich selbst. Sie ist auf der einen Seite die «böse Fee», die sich in die Ohnmacht und Unbewusstheit (Schlaf) manövriert hat. Dies, weil sie auf der anderen Seite ihr inneres, vertrauensvolles Kind im Stich gelassen und nicht für ihre intakte Liebe («Jungfrau«) gekämpft hat. [S. Märchen und Mythen als Träume oder Schattentheater.]

Verschiedene Personen in Beziehung und der Weg zu Heilung

Doch in den Maleficent-Filmen sind diese Persönlichkeitsanteile durch verschiedene Figuren dargestellt. Dabei liegt ein Schwergewicht auf den Beziehungen und auf der Frage, wo das Problem ist und wie es geheilt werden kann. Die ganze Komplexität von inneren Abläufen ist mit verschiedenen realen Personen einfacher darzustellen und laufen auch nach dem gleichen Muster ab (s. Die innere Familie und die zwölf Bäume im Paradies).

Im Folgenden werden nun die Konsequenzen der Verletzung und auch die Heilung das Thema sein, die im Märchen Dornröschen recht knapp mit der Dornenhecke, dem hundertjährigen Schlaf und dem Prinzen dargestellt sind.


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