Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Quadratur des Kreises und die Ganzheit

By on 13. Dezember 2024

Der Adventskranz für die Quadratur des Kreises.jpg

Mit seinen vier Kerzen ist der Adventskranz ein Symbol für die Ganzheit und die Quadratur des Kreises, welcher als Grundlage für den Stein der Weisen dient.

Die Quadratur des Kreises

Ein mächtiges Symbol für Ganzheit

Der Kreis mit seiner runden Form ist ein Symbol für Ganzheit. Ebenso ist das Quadrat ein Symbol für Ganzheit, sofern seine vier Ecken für die vier schöpferischen Urkräfte stehen, welche gemeinsam zur Entstehung von neuer Realität zusammenwirken.
Darin mag auch die tiefere Bedeutung des Adventskranzes liegen, dessen vier Kerzen ja – im Hinblick auf das Kommen der Liebe und Ganzheit (“Erlösung”) in diese Welt – eine nach der anderen angezügndet werden. Sie bilden ein unsichtbares Quadrat im Kranz und deuten damit die Quadratur des Kreises an.

So steht die Quadratur des Kreises als Symbol für Ganzheit und Göttlichkeit, welche sowohl in der runden Form des Kreises als auch in vier besonderen Aspekten zu sehen ist.

Ganzheit und Göttlichkeit

In diesem Beitrag wird die Quadratur des Kreises von ihrer symbolischen Bedeutung her betrachtet, wie sie auch als Grundlage für den Stein der Weisen und als Modell für den Thron Gottes dient.

Grundlage für diesen Beitrag:

Die vier Elemente, ihre Bedeutung und ihr Geheimnis

WASSER, FEUER, ERDE und LUFT, die vier geistigen Elemente

Die Quadratur des Kreises

Geometrie oder Symbolik? Der Inhalt als Gemeinsamkeit

Die symbolische Betrachtung hat auf den ersten Blick wenig mit Geometrie zu tun. Denn letztere hat das Ziel, aus dem Kreis ein Quadrat mit derselben Fläche zu erstellen.
Doch gerade darin lässt sich eine Parallele finden. Denn man kann sagen, dass es in beiden Fällen um den Inhalt geht. Bei den Geometern geht es um die mathematische Fläche, bei der symbolischen Deutung um die inhaltliche Botschaft des Symbols: Ganzheit.

Einheit und Ganzheit

Der Kreis und das Quadrat “aus dem Kreis” haben beide das Ziel, Ganzheit zu versinnbildlichen. Damit kommt den vier Aspekten des Quadrats eine ganz besondere Bedeutung zu. Als Aspekte der Ganzheit stellen sie die vier schöpferischen Ur-Kräfte dar, die auch als die “vier Elemente” bezeichnet werden und deren Zusammenwirken zur Entstehung von neuer, lebendiger Realität führt.

Quadratur des Kreises

Die Quadratur des Kreises mit den vier Seiten für die vier schöpferischen Elemente.

Die Geburt der neuen Wirklichkeit

Um wieder auf den Adventskranz als Symbol für Ganzheit und Göttlichkeit zurückzukommen; sind diese vier gegensätzlichen Energien am Licht des Bewusstseins sein oder anders formuliert «erleuchtet», dann wird aus der Einheit das Neue “geboren” werden, so wie die Geburt Christi als Archetyp für die Liebe, die an Weihnachten gefeiert wird.

Der Adventskranz für die Quadratur des Kreises.jpg

Der Kreis als Symbol für Ganzheit

Männlich und weiblich vereint

Kreis und Kugel sind aufgrund ihrer runden Form Symbole für Ganzheit.
Gott, Ganzheit beinhaltet alles, was ist, in sich selbst, insbesondere auch die beiden schöpferischen Urkräfte, männlich und weiblich.

Die Quadratur des Kreises als Metapher für eine schwierige Aufgabe

Die zwei gegensätzlichen Pole zu vereinen ist eine äusserst schwierige Aufgabe, die man durchaus als „die Quadratur des Kreises” bezeichnen kann. Dies ist nur in der Kraft der Liebe möglich. Dabei hilft, dass in jedem auch etwas vom anderen enthalten ist. Dies zeigt das Symbol Yin-Yang (die kleinen Kreise oder Punkte):

Grafik 1: Yin/Yang für die Vereinigung der Gegensätze und zwei Pole als Dualität.

Triade des Mannes: Rot, Weiss, Schwarz

Die Partnerschaftstriade mit Anima und Animus

C.G. Jung nannte die innere Frau des Mannes Anima und den inneren Mann der Frau Animus (s. Animus und Anima: Antrieb und Motivation). Diese eigenen gegengeschlechtlichen Anteile helfen, mit dem anderen Geschlecht in Berührung zu kommen.
Damit hat jeder Partner seine eigene “Partnerschaftriade” (3-in-1), welche sich durch ein Dreieck darstellen lässt (s. Abb. oben). Diese Triade setzt sich durch diese 3 Faktoren zusammen:
(1) Er/sie selbst in Beziehung mit 
(2) der Partnerin/dem Partner über  
(3) die eigenen gegengeschlechtlichen Persönlichkeitsanteile (männlich oder weiblich, in Ergänzung des eigenen Geschlechts, also Animus beziehungsweise Anima; s. Abb. unten links).

Quaternio als Grundlage für die Quadratur des Kreises

Grafik 2: Partnerschaftstriaden, männlich und weiblich (oben links), die zum Quadrat (zur Quaternio nach C.G. Jung verschmelzen, oben rechts). Dies wird möglich, indem die gegengeschlechtlichen Persönlichkeitsanteile (Anima oder Animus) sich mit der Partnerin beziehungsweise im Partner decken/überlagern und durch Liebe integriert werden.
[S.Anima und Animus in der Paarbeziehung: der/die unsichtbare Dritte und Die Integration von Animus und Anima.]

Von der Triade zur Quaternio, vom Dreieck zum Quadrat

Wenn nun der Mann eine Frau trifft, welche seiner inneren Frau entspricht, verliebt er sich – und umgekehrt. Die Einheit der beiden lässt sich dann grafisch als Quadrat darstellen (Abb. oben rechts). C.G. Jung nannte die Vierheit “Quaternio” [1].

Die Mitte des Quadrats ist die Liebe, welche die Gegensätze verbindet. Sie entspricht dem göttlichen Kern des Menschen, Gott im Menschen, dem Selbst:

Die Quadratur des Kreises

Grafik 3: Die Quadratur des Kreises mit der Mitte, der Liebe, welche männlich und weiblich (die beiden Triaden, s. Grafik 2 links) sowie Körper (immanent, Materie) und Seele (transzendent, Geist) miteinander verbindet. Aus der Spannung zwischen den gegensätzlichen Energien entsteht eine Drehbewegung um diese Mitte: das Leben selbst. 

Zwei schöpferische Urkräfte

Männlich und weiblich als polare Energien

Die Ganzheit lässt sich wie ein Diamant grundsätzlich in unzählige Facetten auffächern. Doch im Wesentlichen besteht sie aus zwei entgegengesetzten energetischen Polen, die als «männlich» und «weiblich» bezeichnet werden können. Aus ihrer Vereinigung entsteht neue lebendige Realität, zum Beispiel eine Beziehung oder auch ein Kind. (In den Überlieferungen steht das Kind als Symbol für die Beziehung, zum Beispiel der Erstgeborene für die erste Beziehung, s. Der Auszug aus Ägypten).

[S. Männlich und weiblich, die beiden Ur-Kräfte der Schöpfung und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

  • Die «männliche» Seite ist aktiv-initiierende Energie, die Impulse setzt (FEUER) und bewegt (LUFT, Wind).
  • Die «weibliche» Seite ist passiv-empfangende Lebenskraft (WASSER) sowie Realität gestaltende und Wachstum schenkende Kraft (ERDE).

Die vier Elemente

2 x 2: aus zwei mach vier

Grundsätzlich ist die Existenz beides, materiell-immanent (Materie, Körper) und geistig-transzendent (Geist, Seele). Dies trifft auch auf die beiden schöpferischen Urkräfte zu, welche sich in Körper und Seele, männlich und weiblich aufteilen lassen. Energetisch gesehen sind diese wiederum den vier Elementen FEUER, WASSER, ERDE und LUFT gleichzusetzen.

 

Männlich: aktiv-initiierender Geist

  • FEUER – der erste aufleuchtende Funke des Lichts, wärmende Kraft: das VATER-Element.
  • LUFT wird durch Feuer erwärmt und kommt in Bewegung: das SOHN-Element (sekundär). Wind trägt Samen mit sich, welche das «Programm» für das Neue enthalten.

Weiblich passiv-empfangend: lebendige Materie: WASSER und ERDE

  • WASSER ist die Voraussetzung für Leben und als solches das MUTTER-Element.
  • ERDE, durch Wasser befeuchtet, kann als TOCHTER-Element bezeichnet werden (sekundär). Sie nimmt Samen auf, bringt das neue Leben hervor und lässt es wachsen.
Quadratur des Kreises
schlange

Die vier Aspekte des Heldenweges

Auch der Heldenweg kann auf diese vier geistigen «Elemente» zurückgeführt werden. Denn die vier Elemente sind auch in den vier mittleren Phasen des Heldenweges ein Thema (welche auch den mittleren Chakren entsprechen, s. Abb. rechts/oben. Das Ziel dabei ist, dass Held und Heldin sich in jedem Aspekt der irdischen Existenz bewähren. Haben sie sich erst für den Weg der Liebe entschieden, wird ihre Liebe in vier verschiedenen Bereichen geprüft:

  • WASSER: Bekenntnis, «Taufe»
  • ERDE: Durchhalten in Mangel und Entbehrungen, «Wüste»
  • LUFT: Bescheidenheit im Erfolg, Teilen der Ressourcen, «Dienst»
  • FEUER: Feuerprobe, Läuterung, Enthaltsamkeit, Integration der Schatten, inneres Sterben (des Egos), «Kreuzigung»

 Vier Cherubim oder fünf Bäume des Lebens

Diese vier entsprechen als geistige Inhalte auch den vier Wesen («Cherubim», Engeln) um den Thron Gottes und werden im Thomas-Evangelium als die “fünf Bäume des Lebens” bezeichnet (Lg 19, wobei derjenige in der Mitte mit Gott identisch ist, s. auch Der Weg zurück zum Baum des Lebens):

Fünf Bäume des Lebens

Grafik 5: Fünf Bäume des Lebens als Quadrat mit der der Mitte (“Quintessenz”)

Das fünfte Element: die Liebe

Die Liebe als die Mitte

Diese vier schöpferischen Kräfte, zusammengehalten durch die Mitte, die Liebe, wirken auf diese hin. Die Liebe stellt das fünfte Element dar, die sogenannte Quintessenz, welche die Gegensätze verbindet (s. auch Alchemie, Gold und der Weg zu Ganzheit). [Mehr dazu in Der Stein der Weisen und als unterhaltsamen Veranschaulichung der Film Das fünfte Element mit Bruce Willis und Milla Jovovich von Luc Besson (1997).]

Von Macht zu Liebe: Auflösung der Negativdynamik

Wenn es jedoch an Liebe fehlt, geraten die vier Elemente in eine destruktive Negativdynamik (FEUER und EIS). Diese ist jedoch an jedem Ort wiederum durch Liebe anstelle von Macht aufzulösen (s. Die Auflösung der Negativdynamik).

Denn allein die Liebe als das verbindende Element hat die Kraft, die sich widerstrebenden Energien zu einem fruchtbaren Zusammenwirken zu vereinen. Sie ist die ruhende Achse, um die sich alles dreht, in einer Bewegung, die aus der Spannung zwischen den sich widerstrebenden Energien entsteht: das Leben selbst. 

Von der Quadratur des Kreises zum Rad und zum Stein der Weisen

Dazu dieses Zitat von C.G. Jung [2]:

Von dem Kreis- und Vierheitsmotiv leitet sich das Symbol des geometrisch gebildeten Kristalls und damit des wunderbaren Steines her [s. Der Stein der Weisen.]. Eine weitere Variante ist das Rad. Ersteres Motiv betont das Enthaltensein des Ich im grösseren Umfang des Selbst, letzteres die Rotation, welche auch als rituelle Zirkumambulation erscheint. Psychologisch hat sie die Bedeutung der Konzentration auf und der Beschäftigung mit einer Mitte, die als Zentrum eines Kreises gedacht ist und daher als Punkt formuliert wird. 

Somit drückt das “Vierheitsmotiv” oder die “Quaternio”, wie Jung es nennt, in verschiedener Hinsicht Ganzheit aus, sowohl im individuellen wie im kollektiven Bereich. Dazu diese Abbildungen [3]:

Grafik 6: Zwei Kreise mit je 4 Aspekten: links individuelle Ganzheit, rechts kollektive Ganzheit

Zusammenfassung: Die Bedeutung der Quadratur des Kreises

Der Weg zum Stein der Weisen und damit zu Weisheit

Die Quadratur des Kreises, mit ihren vier Aspekten der Ganzheit, hat auch eine wichtige Bedeutung für die Darstellung Gottes. So sind die Vier einerseits die Grundlage für den Stein der Weisen und andererseits sind sie auch in biblischen Visionen von der Manifestation Gottes enthalten. So umgeben sie den Thron Gottes als die vier Wesen oder Cherubim.

Die vier Elemente und der Stein der Weisen

Grafik 7: Der Stein der Weisen auf der Grundlage der Quadratur des Kreises

Verweise:

[1] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“, Beiträge zur Symbolik des Selbst, N. 377,
S. 254 f.

[2] C.G. Jung, 9/II, N. 352, S. 240

[3] C.G. Jung, 9/II, N. 377, S. 255


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