Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Gilgamesh und Enkidu, die Mutter-Gattin und der Trieb (Episode 2)

Gilgamesh und Enkidu im Nahkampf

By on 10. März 2025

Gilgamesh und Enkidu (Episode 2)
Gilgamesh und Enkidu als Kämpfer in einer antiken Arena [1]

Episode 2: Gilgamesh, Enkidu, und die Mutter-Gattin

Einleitung, Inhalt und Übersicht

Enkidu (“Sohn des Gottes der Erde”) – der starke Trieb

Gilgamesh und Enkidu stossen in Uruk aufeinander. Es kommt zunächst zu einem erbitterten Kampf, bei dem sich die beiden als gleich stark erweisen. Sie kämpfen, gehen zusammen in die Knie und freunden sich an!
Daraufhin bringt Gilgamesh Enkidu nach Hause, doch seiner Mutter mag den Wilden nicht akzeptieren. Gilgemesh ist darüber sehr traurig und darum beschliesst er gemeinsam mit Enkidu, auf Abenteuer auszuziehen, um so ewigen Ruhm zu erlangen. 

In diesem Abschnitt des Epos wird weiter ausgeführt, dass Enkidu Gilgameshs wilden Trieb darstellt. Auch wird dargelegt, dass es sich bei Gilgameshs “Mutter” in Wahrheit um seine Göttin-Gattin handelt, die in der Mutterrolle steckt und mit Gilgameshs Trieb nicht klarkommt, sondern Erholung davon braucht.

Begründung: Gilgamesh – Findelkind ohne Mutter!

1. Gilgameshs wilder Trieb (Enkidu) und die Erholungsbedürftigkeit der Gattin

Der Urtext besagt in diesem Abschnitt, dass Uruk, als Symbol für das Weibliche überhaupt, für die Königin und die Menschen der Stadt, sich erholen müsse von der Umtriebigkeit des Königs (dazu
Gilgamesh – Königgott und Tyrann von Uruk (I, Prolog) .
Dies ist der Gund, weshalb die Götter Enkidu, den Wilden, geschaffen haben. Eine Anspielung mit Kausalzusammenhang. Anders formuliert:
Gilgamesh sollte sich mit seinem wilden Trieb auseinandersetzen, damit die Gattin sich von ihm “erholen” kann.

2. Externalisierung des Triebes (Enkidu) zur Darstellung seiner Energie

Die Aufsplittung des Helden Gilgamesh in zwei Persönlichkeiten, ist ein mythologischer Schachzug. So bleibt der Gottkönig unantastbar und der wilde Trieb wird externalisiert (dazu: Episode 1: Die Initiation von Gilgamesh und Enkidu).

3. Gilgamesh-Sargon – Findelkind und Sohn eines Wilden und einer verstossenen Priesterin

Hinzu kommt, dass Gilgamesh gar keine Mutter hatte, denn er war ein Findelkind, der als Gärtnersjunge am Hof des Königsist aufwuchs, bis die Königstochter ihr Auge auf ihn warf.  
So steht es in der Sargon-Legende, die das Modell für das Gilgamesh-Epos war, welches Sargon, den ersten Weltherrscher, verherrlicht (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos). Weitere Hinweise und Bestätigungen dazu findet findet man weiter hinten im Epos selbst, im Zusammenhang mit der negativen Paardynamik zwischen Gilgamesh und seiner Göttin-Gattin (Episode 6).

Axt für das Fällen von Frauen als Bäume

Gilgameshs Mutter und Enkidu (Tafel 2) *

Gilgamesh und Enkidu – eine Männerfreundschaft?

Vom Kampf der Giganten zur Liebesbeziehung

Die Beziehung von Gilgamesh und Enkidu entwickelt sich vom stürmischen Kampf zur stürmischen Liebesbeziehung, wobei der Enkidu, der wilde Trieb gleich stark ist wie der König (der Mensch, der zu Königsherrschaft im Leben berufen ist).

Ein Traum des Königs und dessen Deutung durch die Mutter

Passend dazu beginnt denn auch die Begegnung von Gilgamesh und Enkidu mit einem Traum des Gilgamesh, welcher von einer Mutter gedeutet wird (s. Märchen und Mythen als Träume oder Schattentheater).

Gilgameshs Mutter oder eben Mutter-Gattin ist von Anfang an in Gilgameshs Beziehung zu Enkidu involviert. Sie ist es auch, die einen Traum deutet, noch bevor die beiden zusammengetroffen sind:

Gilgameshs Traum von der Axt und Enkidu 

Der Traum von der Axt

Gilgamesh war durch einen Traum von einer Axt auf die Begegnung mit Enkidu vorbereitet worden und erzählte den Traum seiner Mutter:

 Eine Axt lag plötzlich da […]. Diese Axt sah unheimlich aus!
Da nun ich sie [die Axt] erblickte, wurde ich froh,
Gewann sie lieb; wie über einem Weib raunte ich über ihr
Ich nahm sie und legte an meine Seite sie an.

Sumerische Überlieferung: die Axt zur Fällung von Inannas Lebensbaum als der 1. Geschlechtsverkehr
Eine Streitaxt!

Bei der AXT handelt es sich um eine Streitaxt aus Bronze. Diese ist mit Stärke und der Macht, Leben zu fällen, verbunden und verschafft dem Träger Durchsetzungskraft, sodass er sich nehmen kann, was er will.

Sumerische Mythologie: Fällung von Inannas Baum durch Gilgamesh
Bereits in der sumerischen Mythologie betritt Gilgamesh mit seiner Axt Inannas „Garten“ und fällt ihren Baum, was als Entjungferung gedeutet wurde (s. Gilgamesh und die Fällung des Baumes als Initiation). 
Der Trieb, zu nehmen und zu konsumieren (allem voran auch Frauen)

Es ist wohl der Rausch der Kraft, der Macht und des Triebes, welchem Gilgamesh noch mindestens so zugeneigt ist wie den Frauen. So steht bereits im Prolog des Gilgamesh-Epos, dass Gilgamesh für sich das Recht der ersten Nacht beanspruchte, das heisst reihenweise Jungfrauen schändete (“und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt!”.

[S. Gilgamesh – Königgott und Tyrann von Uruk (Prolog) und  Frauen als Bäume und ihre Fällung als Entjungferung.]

[S. Frauen als Bäume und ihre Fällung als Entjungferung.]

Aus dem Prolog des Epos geht schon hervor, dass Gilgamesh Jungfrauen “fällte”, indem er sie vergewaltigte mit Berufung auf das “Recht der ersten Nacht”. So lässt sich auch erklären, weshalb Gilgamesh die Axt „liebgewinnt“ und über sie „raunt” wie über einem WEIB … oder vielen Weibern.

Deutung des Traums durch die Mutter:

Die Axt ist ein Mann! 

Die Axt, die du sahst, ist ein Mann!
Vielleicht, Gilgamesh, wurde einer wie du
in der Steppe geboren und herangewachsen –
siehst du ihn, so wirst du Freude haben …

“DIE AXT IST EIN MANN!” – Der personifizierte Trieb: ENKIDU!

Die Mutter-Gattin stellt die Verbindung zum wilden Mann her: “Die Axt … ein Mann, ein Wilder wie du!” Sie thematisiert Trieb und Potenz, als die „männliche Waffe“.

Die Axt: Enkidu, der Wilde, als der externalisierte Trieb

Externalisierungen und Archetypen

Der Mensch tendiert dazu, das was ihn bewegt, zu externalisieren, ihm mit anderen Worten eine äussere Gestalt zu geben, so zum Beispiel Engeln oder Dämonen, Gott oder der Teufel … So wird in den Überlieferungen der Animus als Trieb und Antrieb im Körper in der Materie durch verschiedene negative oder ambivalente Archetypen dargestellt wie zum Beispiel durch den Gott der Luft (EnLil) oder Shamash, weiter durch den Teufel, Mephistos (Faust), durch ein Phantom usw.

Gilgamesh und Enkidu im Nahkampf
Gilgamesh und Enkidu im Nahkampf [1]

Die erste Begegnung von Gilgamesh und Enkidu

Als nächstes wird nun das Aufeinandertreffen von Gilgamesh und Enkidu beschrieben:

Sie stießen zusammen auf dem Marktplatz.
Enkidu sperrte das Tor mit dem Fuß,
Da Gilgamesch eintrat, gab er nicht nach.
Da packten sie sich, gingen in die Knie wie Stiere,
Zerschmetterten den Türpfosten, es erbebte die Wand! 
Gilgamesch und Enkidu 
[…]
Als Gilgamesch ins Knie sank, am Boden den Fuß 
Da verrauchte sein Zorn, er wandte seine Brust.
Sobald er gewandt seine Brust,
Sprach Enkidu zu ihm, zu Gilgamesch:
»Wie so einzig gebar deine Mutter dich,
Des Geheges Wildkuh, Rimat-Ninßun!
[Für die jüngere Fassung des Epos war diese Frau die Mutter des Gilgamesh]
Erhöht ist über die Männer dein Haupt,
Dir bestimmte der Leute Königtum Enlil! [= Dir ist das Königtum des Enlil bestimmt!]
Die Fürsten der Welt überragt deine Kraft..

Das Königreich des EnLil – der Gott der Luft stürmische Macho-Männlichkeit, Macht und Gewalt

EnLil, der Gott der Luft und des Sturms, symbolisiert als solcher jugendlich-invasive Macho-Männlichkeit. Sein Königtum beinhaltet, dass er sich nimmt, was er will – notfalls mit Gewalt (s. Prolog). Und Gilgamesh ist bereits im Rausch … Der Gott der Luft steigt in Babylon zum obersten Gott auf.

[S. Der Gott der Luft – eroberungswütige Männlichkeit.]

Ablehnung Enkidus durch Gilgameshs Mutter

Doch nicht dieser Wilde!

Daraufhin brachte nun Gilgamesh Enkidu nach Hause zu Mutter, doch sie war keineswegs glücklich darüber, sondern sagte:

Sein loses Haupthaar wurde niemals geschnitten,
In der Steppe ist er geboren, so erzog ihn niemand.

Die Partnerin in der Mutterrolle: Ablehnung des Triebes

Die Deutung der Mutter als die Partnerin ergibt sich aus diesen Gründen:

1. Die Haare des Enkidu: geschnitten oder nicht? Und wenn ja, von wem?

Der Urtext selbst enthält eine Ungereimtheit. Denn die Mutter sagt hier: “Sein loses Haupthaar wurde niemals geschnitten”. Doch im letzten Abschnitt (Episode 1) wurde das Haar des Enkidu sehr wohl geschnitten! Und zwar bevor er nach Uruk kam, nämlich durch die Shamkat, die Enkidus Trieb weckte und ihm auch menschliche Umgangsformen beibrachte.

2. Die Dienerin der Göttin der Liebe: Königstochter und Gilgameshs Frau

Die Shamkat wurde mit der Tempeldienerin, der “Ischchara” gleichgesetzt, mit der Gilgamesh seine Initiation erlebte. Diese Dienerin der Göttin der Liebe wiederum wurde mit der Tochter des Königs gleichgesetzt, die als “Günstling der Ishtar” (Göttin der Liebe) die Stelle am Hof des Königs als Mundschenk verschafft.
Dies ist daher ein erstes Beispiel für die Verschlüsselungen in dem verschachtelten Epos. Weitere werden folgen.  

3. Als Ehefrau in der Mutterrolle: Ablehnung des wilden Triebes
In der unerlösten Paarbeziehung als die Beziehung der Macht übernimmt die Frau die Mutterrolle und der Partner findet sich in der Rolle des trotzigen Sohnes.
4. Uruk erhole sich! Luft für das Weibliche
Der Plan der Götter war es ja, einen Wilden zu schaffen, der – gleich stark wie Gilgamesh – dessen Energie auf sich ziehen solle, damit Uruk sich erhole (s. Episode 1). Der Grund war, dass Uruk, die Stadt von ihrem wilden und konsumierenden König „Erholung“ brauche. Dabei ist die Königstochter die oberste Vertreterin der Stadt und auch der Göttin vertreten Inanna-Ishtar. Alles zusammen symbolisiert das Weibliche, das unter der triebhaften Energie des Königs leidet.

Fazit:

Die “Mutter” steht hier für die Königstochter durch deren Gunst Gilgamesh an den Königshof gelangt ist. Sie war von Anfang an in einer “gehobenen” Position und sagt ihm, wie er sich benehmen hat.

Die Partnerin als “Mutter” kaschiert – Weshalb die Verschlüsselung?

Die Überlieferungen wollen möglichst “jugendfrei” sein. Zudem soll Gilgamesh als Held dargestellt werden und darf darum nicht als “Pantoffelheld” am Gängelband seiner königlichen Frau auftreten, geschweige denn nach ihrer Pfeife tanzen.

Später wird sich die negativee Dynamik der Macht klar zeigen, in welcher auch die Vorherrschaft der Partnerin in der Mutterrolle offensichtlich wird (Episode 6).

Enkidu und die Shamkat (nach Simson und Delila, Wikipedia)

In Episode 1 war es ja auch die Geliebte und künftige Königin, welche dem Helden erstmals das Haupthaar schnitt (Abbildung: Simson und Delilah (Zeichnung nach einer Skulptur von Artus Quellinus, d.Ä., 1640: Samson und Dalila, Wiki)

Bloss Weg hier! – Pläne zum Aufbruch

Trauer von Gilgamesh und Enkidu über die Ablehnung

Enkidu weinte darüber, weil Gilgameshs Mutter ihn nicht akzeptierte. Gilgamesh war ganz auf seiner Seite:

Sie faßten einander, zusammen sich setzend,
Die Hände verschränkend wie Liebende 
Gilgamesch neigte sein Antlitz herab und sprach zu Enkidu:
“Mein Freund, warum sind gefüllt deine Augen mit Tränen,
Ward weh dir zumute, mühtest … du dich ab?”

Enkidu tat den Mund auf und, sprach zu Gilgamesch:
Die Klagen, mein Freund, machten meinen Nacken starr;
meine Arme sind erschlafft, meine Kraft ward geschwächt.”

Gilgamesh und Enkidu: wie Pech und Schwefel
  • Enkidu und Gilgamesh verschränken ihre Hände wie Liebende: Hände sind ein Symbol für Zärtlichkeit und gehören zum Bereich der Seele. Gilgamesh hängt mit seiner Seele an seinem Trieb.
  • Warum mühtest du dich ab … der Alten zu gefallen??? – Es hat ja doch keinen Sinn, man kann es ihr nicht recht machen.
  • Ihr (ewiges) Klagen … kann ich nicht ertragen! – Es geht mir buchstäblich total auf den Sack!

Aufbruch zu “Heldentaten”

Zum Zedernwald der Göttin!

Gilgamesh beschloss, sich gemeinsam mit Enkidu auf Heldentaten zu begeben, die den beiden göttlichen Ruhm verschaffen sollte: Sie wollten zum unberührten Zedernwald der Göttin reisen, den Berg besteigen, den gefürchteten Hüter des Berges, Chumbaba töten, und die eine grosse Zeder fällen. Wörtlich:

Das grosse Weibliche als gewaltiges Ziel!

Im Wald wohnt der gefährliche Chumbaba,
Ich und du, wir wollen ihn töten,
Aus dem Lande tilgen jegliches Böse!
Laß uns fällen den Zederbaum !

Zedern fällen und die eine hohe Zeder: Frauen und die Hohepriesterin …

Die Symbole lassen darauf schliessen, dass es sich bei den sogenannten „Heldentaten“ allem voran um die der Eroberung von Frauen und insbesondere einer hohen Frau handelt. Mehr und ausführlich dazu in der nächsten Episode. 

Erholung für Uruk!

Und damit erfüllt sich nun also auch das Ziel der Götter: Erholung für die Stadt Uruk und ihrer Göttin-Königin Ishtar (s. Episode 1). Denn Gilgamesh und Enkidu richten jetzt ihre Energie auf “auswärtige” Abenteuer, welche als Bekämpfung “des Bösen” getarnt sind.

König Gilgamesh und sein "tierischer" Freund" Enkidu
Gilgamesh mit Königsmütze oder Hörnerkrone und Enkidu als Faun mit Hörnern [2]

Mit dem Segen der Ältesten

Rücksichtsloser Konsum von Frauen

Die Ältesten unterstützten Gilgamesh und Enkidu bei ihren Plänen:

Enkidu möge den Freund behüten, den Gefährten bewahren,
Bis zu den Gattinnen bring‘ er seinen Leib!

Den Leib des Gilgamesh bis zu den Gattinnen bringen? Was soll denn das bedeuten?

Gemeint sind wohl die noch jungfräulichen Bräute (und möglicherweise jegliche Art von Frauen), welche Gilgamesh mit der ganzen Wucht seines Körpertriebes buchstäblich zerschlägt (s. Prolog des Epos und Gilgamesh und die Zerschlagung der Steinernen).

Die neue Weltordnung der Macht und die Unterdrückung des Weiblichen

Die Ältesten repräsentieren Normen und höhere Ordnungen und damit letztlich auch das “göttliche Recht”. Daher kann Gilgamesh auch behaupten, dass das Recht, die Bräute zu entjungfern, ihm von den Göttern gegeben sei. Doch es wird hier die neue Weltordnung der Unterdrückung des Weiblichen durch männliche Macht installiert!
[S. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos.]

Zum Leidwesen der Mutter

Die Klagen und Gebete der Mutter-Gattin

Gilgameshs Mutter hingegen war voller Sorge und betete zu Shamash, dem Sonnengott (Symbol für den Animus – Leben und Antrieb in der Materie):

Warum verliehst du zum Sohn mir Gilgamesch,
Erteiltest du ihm ein Herz ohne Ruh‘?
Am Tage, da du auf Gilgameshs Weg schaust,
Möge sie keine Scheu vor dir haben, Aja, die Braut, dich erinnern!

Ein Gebet für die armen Bräute?

Auch hier: “Möge Aja, die Braut, dich erinnern”. Wie ist das zu verstehen? Vielleicht so: “Hilf und erhöre doch die Gebete der Beute-Bräute und erinnere dich daran, dass ich seine Frau bin!”

Shamash – Trieb und Antrieb in der Materie

Shamash stellt als Animus und damit Trieb und Antrieb im Körper und der Materie in dieser Phase den jugendlichen Macht- und Eroberungstrieb dar, auch symbolisiert durch EnLil, den Gott der Luft (wie später noch deutlich wird).  Dieser wiederum entspricht auch dem Archetyp des Teufels, wie in Goethes Faust zum Ausdruck kommt, der mit Mephisto unterwegs ist.

Im Lauf des Epos wird Shamash sich aber zum Wegführer und Erlöser (über die Wasser des Todes) wandeln, mit anderen Worten, zum Antrieb aus Liebe.

[S. Christus / Messias, der Gesalbte und der Anti-Christus als Animus-Gestalt.]

Shamash, der Trieb: negativ oder positiv, Christus oder Antichristus

Der Animus als Trieb und Antrieb in der Materie kann als egoistischer Trieb negativ und destruktiv wirken. Dann ist er durch den Archetyp des Teufels oder Antichristus symbolisiert. Er wird sich aber auch im Gilgamesh-Epos in seine positive Gestalt verwandeln, in den Antrieb aus Liebe, der die Macht hat, den Helden über die Wasser des Todes zu bringen (s. Die Schenkin). Damit ist er mit dem Archetyp des Christus identifiziert. Beim Antrieb im Körper und der Materie handelt es sich also um zwei Seiten derselben Kraft.

[S. Christus / Messias, der Gesalbte und der Antichristus | Der negative Animus als Teufel oder Tier und Faust und der Pakt mit dem Teufel.]

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Gilgamesh und Enkidu: Der König hängt am Trieb!

Identifikation oder Freundschaft mit dem Trieb (EnKiDu)

Der Trieb ist im Epos durch Enkidu symbolisiert, was übersetzt “Sohn des Gottes der Erde” bedeutet. (En=Gott, Ki= Erde, Du(m)= Sohn. Der “Sohn” wiederum symbolisiert den Phallus des Mannes, denn in diesem ist die Potenz, einen Sohn zu zeugen, s. Männliche Ganzheit 3-in-1, Vater – Sohn – Geist).

In jungen Jahren ist der Mann stark mit seinem Körpertrieb identifiziert. Gilgamesh hat sich nun also mit seinem Trieb angefreundet, ja erlaubt diesem sogar, Macht über ihn zu haben.

Die geistige Dimension: Macht oder Liebe? Konsum oder Hingabe?

In diesem Sinne hat Gilgamesh einen Bund mit Enkidu, seinem Trieb, geschlossen, der auch eine geistige Dimension hat.

Der Umstand, dass die Gattin den Trieb, symbolisiert durch Enkidu, ablehnt, treibt Gilgamesh weg von ihr, hin zum Konsum anderer Frauen. Dies geschieht mit dem Segen der Ältesten, die sagen:

“Die wilde Energie des Königs muss Auslass haben … Der junge König muss sich irgendwo austoben können.”

Die Neuerzählung von Gilgamesh und Enkidu 

Gilgamesh und Enkidu anders erzählt

Die Neuerzählung verknüpft die Handlung des Gilgamesh-Epos mit der Sargon-Legende.

Personen:

  • Gilgamesh-Salmon als Findelkind beim Gärtner des Königs Chababa (UrZababa von Kish) aufgewachsen und als der Geliebte der Königstochter Ischa zum Mundschenk emporgestiegen.
  • Enkidu, Gilgameshs starker Trieb, von Ischa als Gattin in der Mutterrolle abgelehnt.
  • Ischa von “Ishtar”, Gilgameshs Göttin-Gattin und Tochter des Königs in der Rolle der dominierenden Mutter-Gattin.
  • Königs Chababa (UrZababa von Kish) und Ischas Vater misstraut Gilgamesh.

Salmon:

Liebe Freunde,

Was soll ich sagen? Gibt es etwas Unrühmlicheres für einen Helden, als mit seiner Existenz von der Gunst einer Frau abhängig zu sein? Und wenn überhaupt, dann höchstens als ihr Eroberer … Also musste ich in meiner Heldensaga die unschöne Wahrheit ein bisschen vertuschen oder „frisieren“.

Doch hier soll ja nun die Wahrheit ans Licht kommen. Darum erzähle ich euch, was sich wirklich zugetragen hatte:

Die Mutter-Partnerin, der Trieb und die Axt

Die unheimliche Axt – ich war ein starker Krieger, und in meinem Trieb war ich unüberwindbar! Ihm hatte ich es ja auch zu verdanken, dass ich überhaupt an den Königshof gelangt war, weil Ischa mit mir geschlafen hatte. Aber als ich dann “legitim” an ihrer Seite war (ihr Vater hatte mich zum Mundschenk befördert), erlosch ihre Leidenschaft, stattdessen begann sie, mich zu gängeln, rumzukommandieren und zu überwachen – wie eine Mutter !

Also: besser für das Heldenepos, wenn die Mutter sich sorgt, als wenn der Held unter der Fuchtel seiner Gattin ist, nicht wahr?! Denn eine Mutter darf ja auch nörgeln und besorgt sein wegen des schlechten Umgangs ihres Sohnes. – Und hinzu kommt auch dieser günstige Umstand: Der Held muss seine Mutter verlassen, um wahrer Held zu werden! (Und die Partnerin zu verlassen, ist weniger lobenswert.)

Bloss weg von hier!

Auch Ischas Vater, der König, behandelte mich nicht viel besser als einen Hund und liess mich immer wieder verstehen, dass meine Existenz am Hof nur an einem kleinen, dünnen Faden hänge.
So verdichtete sich in mir der Wunsch wegzugehen, um mir Distanz zu verschaffen und mich ausserhalb des Königshofes zu bewähren. Denn ich fühlte mich zu Grösserem berufen!
Und da kam mir das Schicksal (die grosse Göttin) zu Hilfe: Der König hatte einen Auftrag für mich …

Überleitung zum nächsten Abschnitt

Gilgamesh, bereit aufzubrechen, gerät in Intrigen und Verstrickungen hinein und erfährt Widerstände und Ängste.

Weiter geht es mit:

Episode 3: Gilgameshs Aufbruch zum Zedernwald

ANMERKUNGEN

Originaltext aus Tafel 2

des Gilgamesh-Epos s. Lyrik online

[1] Zeichnungen der Kampfszenen inspiriert durch dieses Youtube-Video: Hercules, Samson and Ulysses

[2] Original der Zeichnung: Bronzeguss, Internet, Quelle unbekannt. Der Faun als “Gott des Waldes” (Symbol für das kollektive Unbewusste im Bereich des Körpers), gehörnt und bocksfüssig, stellt in Literatur und Kunst ein Symbol der hemmungslosen sexuellen Triebhaftigkeit dar und ist damit auch eine Animus-Gestalt.   


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Top

Newsletter Abonnieren

We respect your email privacy

Newsletter abonnieren

You have successfully subscribed to the newsletter

There was an error while trying to send your request. Please try again.

Goldspur will use the information you provide on this form to be in touch with you and to provide updates and marketing.