Salmon erzählt seine Gilgamesh-Sargon-Story weiter:
Liebe Freunde
Kraft durch den Konsum von Frauen …
Es galt wohl nie als besonders heldenhaft, Frauen zu konsumieren, bildhaft gesprochen, sie zu fällen. Doch leider ist es eine traurige Tatsache, dass “der Mann der Macht” in sich selbst keine Liebe hat und darum Frauen konsumieren muss. Denn auf diese Weise erhält er von ihnen Lebenskraft.
… getarnt durch den Sieg über Monster
Der Sieg über ein furchtbares Monstrum hingegen, das ist guter Stoff für eine ruhmreiche Heldengeschichte! Also machte ich in meiner Story die starken Frauen zu Monstern und die schwachen zu Zedern, die für den Bau meines Palastes gefällt wurden. Das passt auch im übertragenen Sinn: Die Eroberung der Frauen gab mir die Kraft, unentwegt vorwärts zu streben und so mein Weltreich, meinen grossen Palast, aufzurichten!
Negative Paardynamik – weg von zu Hause!
Ich musste weg von Ischa! Denn sie war fürwahr ein Monstrum! Sie tyrannisierte mich und versuchte, mich zu gängeln und einzusperren. Sex gab sie mir keinen mehr, stattdessen war sie eifersüchtig misstrauisch und machte mir immer wieder Szenen und Dramen, ja sie wurde sogar handgreiflich und ging auf mich los! Wenn ich nicht reagierte, wurde sie noch wütender. Das benutzte ich, um sie zu Fall zu bringen. Ja das war ganz leicht, ich ging einfach nicht auf sie ein und so setzte sie sich selbst ins Unrecht.
Dennoch verständlicherweise begann ich also, mir Gedanken zu machen, wie ich von ihr wegkommen könne.
Die Träume
Doch dann hatte ich mehrere Träume, die mich erschreckten:
Erster Traum: Zwei Wildstiere gingen aufeinander los. Ich wurde ergriffen, meine Zunge herausgerissen, meine Schläfen schwollen an, doch dann wurde ich mit frischem Wasser begossen.
Diesen Traum deutete ich als Bestätigung meiner Wahrnehmung: Der Kampf der Stiere: das waren Ischa und ich! Und das frische Wasser? Ich musste cool bleiben! Und vielleicht auch: Ich brauchte frisches Wasser … Lebenskraft von anderswo!
Zweiter Traum: Wir standen vor einem grossen Berg, da stürzte der Berg über uns – er stürzte auf uns ein …
Ich war in dem Traum nicht alleine … Doch wer war bei mir? Ischa, meine Göttin? Nein! Sie war eher ein Teufel! Ein Gott? Shamash vielleicht? Ja, er musste es sein! Also deutete ich diesen Traum so: Und wenn Berge auf dich einstürzen, was geschieht, du bist nicht alleine! Geh nur mutig vorwärts! Ja, das war ein guter Traum und wieder eine Bestätigung!
Dritter Traum: Die Himmel schrien, das Erdreich dröhnte, der Tag erstarrte, Finsternis brach hervor, ein Blitz, loderndes Feuer, es regnete Tod. Asche fiel vom Himmel und bedeckte alles …
Zugegeben, dieser Traum war von einer Wucht, die mir Angst machte. Ich war nicht so sicher, ob meine bisherigen Gedanken in die richtige Richtung wiesen.
Dinge geraten ins Rollen
Doch dann kam prompt Ischa am nächsten Morgen auf mich zu und konfrontierte mich geradeheraus:
– Ich hatte heute Nacht einen Traum… ich weiss nicht, was er bedeutet, aber ich habe so ein Gefühl …
Indem sie ihren Blick auf mich heftete, fuhr sie fort:
– Du willst mich doch nicht etwa verlassen … oder …?
Ich schluckte, denn ihre Worte stachen mich geradewegs in meine Mitte, in die Brust, und so entfuhren mir – bevor ich darüber nachgedacht hatte – diese Worte:
– Niemals würde ich dich verlassen, meine Göttin, meine teuerste Ishtar!
Vor dem König
Doch dann überstürzten sich die Ereignisse, das Schicksal kam mir zu Hilfe.
Noch am gleichen Tag erzählte mir Ischas Vater, König Chababa, dass sein Vasallenkönig Zagesi mit seinen Tributzahlungen im Rückstand sei. Da bot ich ihm an, die Sache für ihn in Ordnung zu bringen, also zu ihm zu fahren und ihn an seine Pflichten zu erinnern.
Der König blickte mich misstrauisch an:
– Soso, du möchtest wohl von hier wegkommen … ein bisschen Abenteuer?
Er lächelte hämisch, als er sagte:
– Meine Tochter Ischa ist nicht gerade pflegeleicht, nicht wahr? Habe mir schon gedacht, dass es mit eurer Ehe nicht gerade zum Besten steht …
Doch ich sagte dreist:
– Ischa hatte einen Traum, der mein Vorhaben bestätigt!
Eine Chance
Nun blickte Chababa mich kritisch an und seine Augen verengten sich zu Schlitzen, als er sagte:
– Wenn das so ist … Aber das sage ich dir: Wenn du meine Ischa in irgendeiner Weise verletzt, werde ich dich um einen Kopf kürzer machen … Damit das klar ist!
Ich blickte Chababa geradewegs in die Augen und nickte.
Nun wurde er nachdenklich und sein Blick glitt in die Ferne. Dabei schien es, als rede er zu sich selbst:
– Zagesi hat mit dieser Shaba zu tun. Sie ist eine gefährliche Frau … eine Hexe …
Ich horchte auf. Zagesi, seine Frau … Das könnte meine Chance sein! Sogleich bemühte ich mich jedoch, dem König zu versichern:
– Ich werde Eure Interessen gut vertreten, so wahr Shamash mir beistehe!
Er stand auf und sagte:
– Ich werde die Sache mit meinen Ältesten besprechen und dir Bescheid geben.
Hohe Aussichten: der Zedernwald und die eine hohe Zeder
Am nächsten Tag rief Chababa mich zu sich. Sein Blick war wieder in die Ferne gerichtet und er zuckte die Schultern, als er sagte:
– Nun gut, du hast es so gewollt. Wenn du meinst, du könntest bei Zagesi etwas bewirken … Ich gebe dir ein Schreiben mit, das dich als meinen Gesandten legitimiert. Zagesi weilt im Libanon in den Zedernbergen. Er ist überheblich geworden, lässt dort Zedern für den Bau seines Palastes fällen. Du wirst dich also dorthin begeben müssen, wenn du ihn treffen willst.
Aufbruch!
Zum Libanon! Das passte mir gut, je weiter weg von Ischa und ihrem dominanten Vater Chababa, umso besser! Ich würde wieder frei sein, tun und lassen, was ich wollte! Weit weg von zu Hause würde mir niemand nachspionieren. Ich würde Frauen nach Belieben nehmen können – und sogar Ruhm erlangen. Ja, wenn ich dabei auch noch Zagesis Platz einnehmen könnte …
Zudem hatte sich die Schönheit von Zagesis Frau im ganzen Land herumgesprochen. Man sagte, sie sei eine Göttin, Nisaba, die Königin Saba! Wenn ich sie erobern könnte …! Wenn ich anstelle von Zagesi König sein könnte, dann würde die ganze Erde, vom unteren bis zum oberen Meer, mir gehören!
Also zog ich mit ein paar verwegenen Kumpanen los. Shamash würde mir beistehen! In meinem Wams barg ich die versiegelte Tontafel von König Chababa.