Salmon erzählt seine Gilgamesh-Sargon-Story weiter
Liebe Freunde,
“Schlimmer geht immer …”
Wer denkt, es könnte nicht schlimmer kommen, irrt sich. Was jetzt folgt ist die absolute Katastrophe! Die Wahrheit ist so hässlich und beschämend, dass sie kaum ausgesprochen werden kann … Naja so nach über 3000 Jahren ist es wohl schon an der Zeit, dass sie ans Licht kommt, damit sie endlich heilen kann, die Not der Menschheit …
So ist es wohl an der Zeit die Monster und die seltsamen Verschlüsselungen zu entlarven … und einfach nur Mensch zu sein … Mensch als Spielball höherer Kräfte vielleicht …
Die Tötung Chumbabas und Fällung der Zeder: Vater und Mutter
Wer ist der Tote? Chumbaba-Zagesi
Wir waren ins Haus gelangt. Der tote Zagesi war in einem separaten Zimmer aufgebahrt worden. Saba blickte mich mit einem Blick an, der schwer zu deuten war (1):
– Wer bist du wirklich?, wollte sie wissen. Ich antwortete wahrheitsgemäss:
– Ich bin Chababas Ziehsohn. Seine Tochter ist meine Frau. Chababa schickte mich für Verhandlungen zu Zagesi. Ich gebe zu, dass ich weg wollte, weg von Ischa, und so kam mir dies als Vorwand gerade gelegen. Dazu erbat ich von Chababa ein Beglaubigungsschreiben .., das offenbar anders ausfiel, als ich dachte, nämlich als üble Verleumdung.
– Du bist Chababas Ziehsohn…? Shaba sah nachdenklich aus: Und du bist verheiratet … mit seiner Tochter? Mit Ischa???
Wer bin ich?
Ich war überrascht, dass sie ihren Namen nannte: Kennst du sie?, wollte ich wissen.
– Sie ist meine kleine Schwester!, antwortete Saba.
– Was sagst du da… – Aber warum…? Ich war sprachlos.
– Ich bin Chababas ältere Tochter. Als erste Tochter des Königs war ich die jungfräuliche Hohepriesterin der Göttin der Liebe. Doch dann wurde ich schwanger … von Zagesi, der als Gärtner am Hof arbeitete. Ich hielt meine Schwangerschaft geheim, so lange es ging. Doch als sie weit fortgeschritten war, kam Vater, also Chababa, dahinter. Er wurde unglaublich wütend und schlug mich halb tot. Seine Schläge leiteten die Geburt ein. Ich starb beinahe dabei. Als ich von meiner Ohnmacht erwachte, war das Kind weg. Vater sagte, es sei tot zur Welt gekommen.
Eine Totgeburt?
Nach einer nachdenklichen Stille fügte sie hinzu:
– Doch in meinem Inneren spürte ich, dass mein Kind noch lebte, ja ich wusste: Mein Sohn lebt!
Ich spürte einen Stich im Herzen und mir fehlten die Worte. Shaba holte Luft und fuhr fort:
– Zagesi entführte mich aus meinem Krankenzimmer, in welchem ich eingesperrt worden war. Er pflegte mich wieder gesund. Vater hätte niemals meine Verbindung zwischen mir und Zagesi akzeptiert. Darum beschlossen Zagesi und ich, gemeinsam zu fliehen. Zagesi erwarb sich Ruhm und Ansehen und baute mir dieses Anwesen hier … Auch hatte Zagesi vernommen, dass Chababa einem Jäger den Auftrag gegeben hatte, unser Kind in den Wald zu bringen und zu töten …
Das Findelkind, der verlorene Sohn
Nachdem ich diese Worte hatte auf mich einwirken lassen sagte ich:
– Aqi zog mich in einem Korb aus dem Wasser – meinst du…?
Sie blickte mich an und Tränen standen in ihren Augen:
– Du gleichst Zagesi …, sagte sie: Du gleichst ihm stark … Du bist gleich stark wie er …
Die Fällung der Zeder
Ich war im Innersten getroffen. Nur mit grosser Mühe brachte ich hervor:
– Dann habe ich… meinen Vater getötet und mit meiner Mutter…
Ich konnte nichtweiter sprechen.
Wir schwiegen beide eine Weile. Schliesslich sagte Shaba leise:
– Ja. Der Trieb ist stark. Wir wussten nicht, was wir tun. Es sei uns vergeben. Und ja: Ich habe meinen Mann verloren … Aber mir wurde mein Sohn wieder geschenkt! Du musst wissen, dass Zagesi sehr krank war. Nichts wünschte er sich sehnlicher, als vor seinem Tod noch seinen Sohn zu sehen. Der Wunsch wurde ihm erfüllt. Er hat einen strahlenden Krieger gesehen.
Sohn der Priesterin und des Königs – zum König berufen
Nun lächelte sie kaum merkbar:
– Zagesis Thron – er steht dir zu. Du bist sein Sohn! – Du wirst König sein, Lugal, mein Sohn, der grösste König, den es je gab! Alles hier gehört dir… Zedern für deinen Palast…
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Doch Shaba sagte entschieden:
– Du musst zu Ischa zurückkehren. Sonst wirst du nicht Segen, sondern Fluch ernten.
Ich schwieg. Was hätte ich sagen sollen? In mir drehte sich alles. Ich ging hinaus, um den aufgebahrten Toten anzuschauen. Vor mir lag ein starker Mann mit kräftigem Bartwuchs, von ähnlicher Statur wie ich:
– Vater, sagte ich, Vergib mir!
Die Rückkehr
Schweren Herzens trat ich also die Reise nachhause, nach Kish an. Mit mir führte ich Zagesis Helm, den Shaba mir als Trophäe und Siegesbeweis mitgegeben hatte, um mich als König über Uruk zu deklarieren. Auch führte ich viel Zedernholz mit.
So kehrte ich als siegreicher Held nach Kish zurück.
Begegnung mit Chababa
Chababa sah zu Tode erschrocken aus, als er mich sah, tat aber, als freute er sich:
– Ach sieh an… seine Stimme überschlug sich: Unser Mundschenk, der verlorene Sohn, ist zurückgekehrt! Das wollen wir feiern!
Er packte mich am Arm und zerrte mich in den Thronsaal. Nachdem er Bier herbeischaffen liess, schenkte er mir ein.
Ich durchbohrte ihn mit meinem Blick, als ich ihn fragte:
– Soll ich tatsächlich mit dir trinken? Ich trinke nicht mit dir! – Hast du hier etwa Gift drin?
Chababa fiel in sich zusammen:
– Aber neiiin! Wie kommst du darauf? Etwas dergleichen würde ich niemals tun!, sagte er und seine Stimme überschlug sich beinahe.
Instinktiv hatte ich meine Hand an den Knauf meines Schwertes gelegt.
– Ich weiss alles!, antwortete ich und fuhr fort: Dazu bist du wohl zu feige. Dennoch wolltest du mich umbringen lassen! Lügenworte hast du an Zagesi geschrieben, dass ich ein Mörder und ein Vergewaltiger sei. So wolltest du mich in einen Hinterhalt führen!
Tod Chumbaba-Chababas
Chababa erbleichte und fiel auf die Knie. Mit zitternder Stimme sagte er:
– Bitte … Schone mein Leben..!
– Warum sollte ich? fragte ich grimmig.
– Du hast meine Tochter gestohlen! Mir wurde schon einmal eine Tochter gestohlen …
– Ja, entgegnete ich: Shaba – nicht wahr? Sie war schwanger, und du hast sie halb tot geschlagen …
Ich betrachtete das zusammengefallene Häufchen Fett zu meinen Füssen und sagte grimmig:
– Ich bin ihr Sohn!
Nun blickte Chababa zu mir hoch und seine Augen waren zu schmalen Schlitzen geworden, während er krächzte:
– Dachte ich’s mir doch! Du gleichst jenem Bastard, der sie schwängerte – Hätte ich dich doch besser gleich getötet … Ich dachte, du seist … tot. Der Jäger…?
Als Antwort zog ich mein Schwert hervor und legte die Spitze unter sein Kinn, wobei ich grimmig sagte:
– Ich lebe, wie du siehst! – Ab heute bin ich der König, König vom unteren bis zum oberen Meer – und du bist mein Vasall – Grossvater!
Das war zu viel für Chabbaba, er fiel tot zu Boden – sein Herz hatte aufgehört zu schlagen.
Ischa
Ischa kam herein, sah ihren Vater auf dem Boden und mich mit dem Schwert in der Hand.
– Du hast ihn … getötet?, sagte sie nur kühl, ohne jede Spur von Trauer.
Bevor ich antworten konnte, presste sie sich an mich und sagte:
– Nun bist du Lugal! Nun bist du König über Kish! Und du hast Zagesi besiegt! Nun bist du auch König von Uruk und der Hirte, ja Gott-König über das ganze Zweistromland! Und ich bin deine Göttin, du mein stössiger Stier! – Aus den Zedern des Libanons bauen wir unseren Palast!
Oh Gott!
Mir wurde plötzlich schwarz vor Augen und mit einer unwillkürlichen Bewegung stiess ich Ischa zur Seite und verliess den Raum. In meinem Kopf stürmten die Gedanken. Nun hatte ich alles erreicht, wovon ich je geträumt hatte – und noch mehr! Ich war König-Gott von Kish und Uruk! Herr von Shaba, Herr von Ischa!
Die Welt lag mir zu Füssen – vom oberen Meer bis zum unteren Meer.
Aber ich war verwirrt und mein Herz war tieftraurig.
Ich hatte mein Leben verschlafen, hatte meinen Vater getötet und mit meiner Mutter … Ich mochte nicht daran denken. Und Ischa war ihre kleine Schwester, meine Tante …
Würde ich je wieder kämpfen können? Würde ich je wieder lieben können?
Die Gürtelschnalle und die Zedern
Ischa war mir gefolgt und stand nun wie angewurzelt da. Sie blickte mich missmutig und misstrauisch an. Ihre Augen hatten sich zu Schlitzen verengt, während sie mir einen Gegenstand vors Gesicht hielt:
– Eine Frage, mein Göttergatte: Wo hat er diese Gürtelschnalle verloren?!
Es war meine Gürtelschnalle, jene, die Ischa mir geschenkt hatte … Tatsächlich hatte ich sie verloren – am Teich in Shabas Zaubergarten. Ich blickte an mir herab. Dort prangte eine neue Schnalle, die Shaba mir gegeben hatte. Ich zuckte die Schultern.
Ischa schwenkte die Schnalle triumphierend hin und her und blickte mich erwartungsvoll an.
– Wo hast du die her?, fragte ich nur matt.
– Einer der Männer, die den Holztransport begleiteten, trug sie. Ich erkannte sie sogleich als jene, die ich dir zur Hochzeit geschenkt hatte. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er, er hätte sie beim Teich im Shabas Anwesen gefunden.
Als ich nichts dazu sagte, tickte Ischa aus:
– Ooh, grosser Jäger, wer war es diesmal? Welche Hure? Oder sollte ich besser sagen: Welche Huren??? Oder gar die Hexe im Wald? Du kannst es einfach nicht lassen – nicht wahr?!
Mir war speiübel und so stiess ich Ischa zur Seite und stürzte aus dem Haus.
Hysterisch schrie sie mir nach:
– Du Schwein! Du Riesenarschloch! Wusste ich es doch! Wie soll ich dir je wieder vertrauen? Du hast mich zur Hure gemacht! – Und nicht nur mich, sondern überhaupt jedes weibliche Geschöpf, dem du begegnest!!!