Salmon erzählt seine Gilgamesh-Sargon-Story weiter
Liebe Freunde,
Mal wieder ein paar persönliche Worte von mir in dem ganzen Durcheinander. Es ist natürlich nicht ruhmreich für den ersten und grössten König aller Zeiten, als der Pantoffelheld seiner Gattin dazustehen. Zumal ich mich vom Schicksal betrogen fühlte. Denn jetzt hatte ich schmerzhaft erfahren müssen, dass ich nicht ein unterprivilegierter Emporkömmling, sondern der Sohn einer Priesterin und eines Königs war. (Schmerzhaft, weil ich mit meiner Mutter … naja und auch noch den Tod meines Vaters auf dem Gewissen habe …
Das alles hatte ich noch immer nicht verdaut, als ich in die Auseinandersetzung mit Ischa geriet, auch wenn meine Mutter souverän über unserem Irrtum stand. – Und nichts desto Trotz: Mein Vater war ein grosser König, grösser als der Vater meiner Gattin.
Zudem hatte ich ihre ewigen Anschuldigungen und Vorwürfe so etwas von satt!
Im Heldenepos den Spiess umgedreht
Darum drehte ich im Epos den Spiess um! Das war ein raffinierter Schachzug, die verschiedenen Persönlichkeitsapsekte und Lebensabschnitte auf verschiedene Liebhaber der Göttin der Liebe zu verteilen und sie so der Untreue zu bezichtigen.
Ja, das Spiel hatte ja schon mit der sumerischen Überlieferung angefangen… Isimud – Dumuzi – Gilgamesh – alles ein und dieselbe Person! Und darin auch noch die pikante Story von der jungen Göttin, die den Vater verführt, indem sie ihn unter den Tisch trinkt und ihm dann die Weisheit klaut …
Ach, solche Geschichten kennen wir ja schon aus Ägypten mit der List der Isis als Schlange und dem erblindeten RA.
In diesem Sinn konnte ich einfach nur ins selbe Horn stossen. Also weiter …
Die Göttin als Hure? – Mein Zoff mit Ishtar
Lass mich einfach in Ruhe!
Nach einer langen Reise heimgekehrt, wollte ich einfach nur meine Ruhe. Doch Ischa war noch immer dieses herrische Stressmonster. Aber jetzt, wo ich meine wahre Identität kannte, Sohn Zagesis, des Königs von Uruk und Herrscher über mehrere Stadtstaaten des Zweistromlandes, hatte sich in mir etwas verändert: Mir war bewusst geworden: Das muss ich mir nicht mehr gefallen lassen!
Natürlich war Ischa sauer auf mich und hatte sich wohl einiges von meinen Eskapaden während meiner Reise rumgesprochen …
Ishtars Annäherungsversuch
Ischa gab natürlich nicht auf und hatte ihren Kopf. So hatte sie sich nun etwas anderes einfallen lassen, eine andere Strategie: Sie suchte mich in meinen Gemächern auf – oder soll ich eher sagen: heim?
Und zwar kam sie völlig aufgetakelt daher, sodass ihre verführerische Absicht unverkennbar war.
Aber ich hatte einfach keinen Bock.
Das kränkte sie natürlich und sie drang mit Worten in mich:
– Was ist mit dir?! Rede mit mir!
– Lass mich bitte … Ich bin müde!
– Was?! Wie soll ich das verstehen??? Du bist monatelang weg gewesen, um nicht zu sagen Jahre und jetzt, wo du wieder da bist, soll ich mich gleich wieder verkrümeln …?! Hattest doch genügend Zeit, um auszuschlafen …!
Ablehnung durch den Heldenkönig
Ich konnte nicht anders, mir platzte der Kragen:
– Verdammt! Hör einfach auf, mich zu bedrängen und zu tyrannisieren! Ich mag nicht mehr nach deiner Pfeife tanzen, ich bin nicht dein Spielzeug, ich schulde dir nichts! Du bist verwöhnt und egoistisch! Du hast immer genommen und bekommen, was du wolltest … Aber mir reichts jetzt! Nicht mehr mit mir!!!
Ischa blickte mich völlig entgeistert an. Solche Töne war sie sich von mir nicht gewohnt. Dann gab sie sich einen Ruck, machte auf der Ferse kehrt und verliess den Raum.