Goldspur

Der Ewigkeit auf der Spur

Die Befreiung von der Mutter, Materialismus und Konsum

Parcifal, Gr.1 Nr. 3, Hilma af Klint

By on 9. Mai 2020

Parcifal, Gr.1 Nr. 3, Hilma af Klint

Gollum! – oder die Sucht, Leben zu nehmen.
Hilma af Klint, Serie Parcifal, Gruppe 1, Nr. 3 Oktober 1916.
Zur Bildbeschreibung.

BEITRAG IN ÜBERARBEITUNG

Die Befreiung von der Mutter

Von der Verhaftung an die Materie in die Freiheit des Geistes

Der Mann ist von klein auf von der Mutter abhängig. Wenn es ihm gelingt, sich aus der nährenden, aber auch einengenden Geborgenheit des Weiblichen zu befreien, dann gewinnt er sein eigenes Leben und seine Seele. Zudem bedeutet die Befreiung von der Mutter in einem weiteren Sinn die Loslösung aus der Verhaftung an die Materie hin zur grenzenlosen Freiheit des Geistes (des Vaters).

Der Mann – geboren aus einer Frau

Im Leib der Mutter erfährt das Ungeborene Einheit und hat alles, was es braucht: Wärme, Nahrung, Geborgenheit.
Es ist ein besonderer Umstand, dass der Mann aus dem Körper einer Frau hervorgeht. Das Männliche entsteht aus dem Weiblichen, so wie unbewusstes Leben zu Bewusstsein heranwachsen kann (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste).

Der Mutter-Sohn und Trumpf der Mutter

Für die Frau war und ist die Geburt eines Sohnes in vielen Kulturen von besonderer Bedeutung. Denn einerseits verhilft ihr dieser in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu einem besseren Status. Zudem hat sie nun einen Trumpf gegen ihren dominierenden Gatten: ihren heranwachsenden Sohn, den sie von klein auf prägen kann. Er wird heranwachsen und eines Tages stärker sein als ihr Gemahl, ja er wird eines Tages sogar dessen Thron übernehmen.

Der Orakelspruch: “Der Sohn wird den Vater töten und die Mutter heiraten.”

Mythologisch gesprochen stellt diese Konstellation einen „Fluch“ dar, der sich schicksalhaft erfüllen muss, solange das Ganze im Unbewussten bleibt. Dies kommt zum Beispiel im Orakel von zum Ausdruck. Es sagte dem Königspaar voraus, dass der Sohn seinen Vater “töten” und seine Mutter “heiraten” werde. Das Paar versuchte alles, um dies zu verhindern. Der Knabe Ödipus wurde am Fuss verletzt im Wald ausgesetzt. Doch gerade dadurch, weil Ödipus seine wahren Eltern nicht kannte, erfüllte sich das Orakel. Kennen bedeutet mehr. Kennen bedeutet auch Erkennen der destruktiven Dynamik, welche nur durch Bewusstwerdung ausgehebelt kann (s. Heilung am Licht). Darum noch einen vertieften Blick in die entsprechenden Muster:

Das Muttersöhnchen als verdorbener Despot

Abhängigkeit von der Mutter

Sozusagen mit der Muttermilch kann eine Mutter ihrem Sohn von klein auf ihre Sicht der Dinge buchstäblich “einflössen”. Mit dem Ziel, ihren Günstling bald anstelle des unliebsamen Gatten auf dem Thron zu sehen, macht die Mutter ihn zu früh zu ihrem König. Dies tut sie, indem sie ihm für nichts ihre Bewunderung und Bestätigung, Dienstleistungen und Komfort gibt.

Das gestohlene Leben des Sohnes: Missbrauch

Für nichts? Nein! Ohne es zu wissen, bezahlt er einen hohen Preis: sein Leben und sein Herz. Denn indem die Mutter ihn verwöhnt und verhätschelt, nimmt sie von ihrem Sohn männliche Energie, welche der Partner ihr ja vorenthält (wenn/weil das Paar in einer Dynamik der Macht steckt, s. Negative Paardynamik – Macht und Magie in Beziehungen). Das ist als Missbrauch zu bezeichnen (s. Missbrauch – das gestohlene Leben).

Die Schneekönigin und das erstarrte Herz

Ja mehr noch: Indem sie ihm Bewunderung, Macht und “Vollmacht” gibt, nimmt sie sein Herz! Denn sie hat selbst keine Liebe (weil sie selbst keine Liebe hat, keine Liebe zu sich selbst, sondern stattdessen Verführung lebt (weisse Magie, s. Andersens Märchen Die Schneekönigin). Darum hat er keine Liebe erfahren, sondern nur Bestätigung als Erfolgserlebnis und danach ist er nun süchtig.

Keine Seele und keinen Zugang zur Ewigkeit

Doch keine gesunde Frau wird einem solchen Mann für nichts ihr Königreich schenken. Dies kann der Mann gar nicht verstehen, denn er ist sich der ganzen Problematik völlig unbewusst. Er spürt nichts, denn sein Herz ist kalt und er weiss nicht, wer er ist, solange ihm keine Bewunderung und Bestätigung zuteilwird. Darum strebt er nur nach Erfolg und Macht. Auch hat er keinen Zugang zu seiner Seele und damit auch nicht zum Geist. Andersen drückt das in seinem Märchen so aus, dass der kleine Kay bei der Schneekönigin nicht wegkommt, solange er das Wort “EWIGKEIT” nicht schreiben kann.

Beziehungsunfähigkeit, geistige Unreife und Unfreiheit

Weil sich der „Mutter-Sohn“ viel zu früh und ohne es wirklich „verdient“ zu haben an seine „Königswürde“ gewöhnt hat, begegnet er allen Frauen in der entsprechenden Erwartungshaltung. Was er nicht weiss, ist, dass er aus den besagten Gründen beziehungsunfähig ist und nie eine andere lieben kann als die Mutter.

Dazu dieses Zitat von C.G. Jung[2]:

Er [der Sohn…] bleibt der Mutter treu, vielleicht zu deren größter Sorge (zum Beispiel, wenn er sich ihr zu Ehren als homosexuell erweist), und zugleich zu ihrer unbewussten, mythischen Genugtuung. […]
Er möchte Wirkliches berühren, die Erde umarmen und den Acker der Welt befruchten. Er nimmt aber nur ungeduldige Anläufe, denn die geheime Erinnerung daran, dass man die Welt und das Glück auch geschenkt bekommen kann – nämlich von der Mutter – lähmt seine Stoßkraft sowohl wie seine Ausdauer.

Der Weg zurück in die Freiheit

An dieser Stelle eine Vorwegnahme: Es gibt einen Weg für den Mann vom Pantoffelhelden zurück zum Leben und zu seiner ureigenen Kraft. Dieser ist im Märchen Der Eisenhans schön beschrieben. Es beginnt damit, dass der Königssohn (das innere Kind) den Schlüssel zum Käfig des wilden Mannes unter dem Kopfkissen der Königin hervorholen und den Wilden befreien muss (s. Episode 1 und unten).

Die “falsche Mutter” – Materialismus

Solange sich der Mann nicht aus seiner Mutterbindung gelöst hat, ist also die Wahrscheinlichkeit gross, dass er einer kindlichen Anspruchshaltung verhaftet bleibt.

Macht und Konsumverhalten

Destruktive Energie und schwarze Magie

Auch wenn keine Verbindung zur Mutter mehr besteht, bleibt das Verhalten des Sohnes dennoch dasselbe: Er will konsumieren, also Güter und Frauen nehmen können. Darum hängt nun sein Herz stattdessen an der Materie und am Material (in beiden Wörtern findet sich das lateinische Wort mater = Mutter). Sein alleiniges Begehren ist darauf gerichtet, durch die Anhäufung von Geld und Gütern Macht zu gewinnen, um herrschen und nehmen zu können. Das ist jedoch schwarze Magie, Macht durch Unterdrückung und Gewalt.

[S. auch Abbildung oben mit Erklärungen und Der Ring der Macht und der dunkle Herrscher. Der Ring ist ein Symbol für das Eindringen in die lebendige Materie.]

Der Ring der Macht

Der Meister-Ring mit der Inschrift:
“Der Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zur treiben und ewig zu binden.”

So formuliert Richard Rohr [3]:

Wenn die männliche Kraft nicht kanalisiert wird, scheint sie fast immer destruktiv zu wirken. Männer missbrauchen ihre Macht, wenn sie nicht auf einen Weg der Machtlosigkeit geführt werden. Die meisten Männer scheinen sich in ihrer Psyche nicht über den Stand eines Teenagers hinaus entwickelt zu haben.

Die „Mutter-Hexe“ und der „Huren-Sohn“

Die Hure als Archetyp symbolisiert die Frau, die ihren Körper und ihre seelisch-geistige Macht als Mittel einsetzt, um „nehmen“ zu können (Geld, Bestätigung oder Leben von anderen). Deshalb ist denn auch die Beschimpfung der Mutter eines Mannes für ihn in vielen Kulturen die allergrösste Beleidigung und Schande. Denn die Verunglimpfung der Mutter als „Hure“ impliziert, dass der Mann ein skrupelloser Draufgänger ist, ein Mann ohne Herz, ja ein verdorbener „Hurensohn“.

Beispiel aus der Serie „Game of Thrones“: Robin Arryn nuckelt aber noch immer an Mamas Brust, während er genüsslich „Feinde“ in den Abgrund stürzt. oder Joffrey Baratheon, der in jungen Jahren mithilfe der Intrigen seiner Mutter auf den Thron der sieben Reiche kommt, wo er seine tyrannischen Anwandlungen hemmungslos auslebt.

Wie im Kleinen, so im Grossen, im Kollektiv

Die Hure und das Tier in der Offenbarung: Weisse und schwarze Magie

Verführung und Verblendung (die HURE) auf der einen Seite (weisse Magie), sowie Unterdrückung und Gewalt (das TIER) auf der anderen (schwarze Magie) gehören zu einer tiefverankerten kollektiven Realität (s. Weisse und schwarze Magie: wenn die Geister sich scheiden und Die Hure und das Tier).  So werden Menschen einerseits zu Selbstverliebtheit, Bestätigungssucht und Konsum ermutigt und verführt und andererseits werden die Interessen der Macht mittels Gewalt durchgesetzt und vorwärtsgetrieben. Beide Mechanismen wirken zusammen. So haben Herrscher immer ihre Legitimation durch Pomp und Prunk demonstriert und dabei die Untergebenen ausgebeutet. Das ist die “Hure, die auf dem Tier reitet” wie sie in der Offenbarung bezeichnet wird (Kapitel 17).

Es begann in Babylon …

Wenn man so will, beginnt die “Macht des Tieres” schon im Babylon, im Gilgamesh-Epos. Denn es ist der “tierische Freund” des Königs Gilgamesh (Enkidu), der ihn zu zahllosen Untaten anstiftet, bis die Götter dem Treiben dann ein Ende setzen (s. Teil I des Gilgamesh-Epos und Prolog).  Darum wird die Hure in der Bibel auch spezifischer als “Hure Babylon” bezeichnet.

Krone - Königsherrschaft
Weisse-Magie (Verführung und Verblendung)
Das weibliche Dreieck: Verankerung in der Materie

Die Krone – ebenfalls ein Ring oder Reif, welcher das Haupt des Königs als das “gesalbte Glied” ziert. Hier mit roter Haube, welche den Schoss des grossen Weiblichen, der lebendigen Materie als Gebärmutter andeutet. Doch zuoberst prangt der sogenannte “Reichsapfel”, das Symbol der weissen Magie, Weiblichkeit auf dem Kopf für unterdrückte und negative Weiblichkeit (Verführung und Verblendung). S. Die Insignien der Macht.

Das Loch in der Seele

Doch all der Konsumzwang und das Machtverhalten dienen letztlich nur dem einen Zweck, nämlich, das Loch in seiner Seele zu stopfen und die Sehnsucht nach wahrem Leben zu übertünchen. Die gute Botschaft ist: Es gibt einen Weg in die Freiheit und wahre Fülle! Es ist der Weg des Helden.

Befreiung – der Weg der Liebe in die Freiheit des Geistes

Die Initiation als der erste Schritt der Befreiung von der Mutter

Der Franziskanerpater und spirituelle Lehrer Richard Rohr formuliert in seinem Buch „Vom wilden zum weisen Mann“[1] zum Thema Befreiung von der Mutter:

In früheren Zeiten war klar: Der Junge musste aus der schützenden weiblichen Energie herausgerissen und in einen rituellen Raum gebracht werden, wo die Begegnung mit der männlichen Energie zur heiligen Erfahrung werden konnte. Der Junge musste rituell verwundet und auf die Probe gestellt werden, dabei die Erfahrung der Verbundenheit mit anderen Männern machen und zur Loyalität gegenüber den Werten des Stammes finden, sodass er auch etwas zurückzugeben hatte.

Krone (dreamstime stock)

Die göttliche Königskrone für den, der überwunden hat.

Der Weg des Helden, der Königsweg

Die Befreiung von der Mutter ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass der Mann sich überhaupt auf den „Königsweg“, auf den Heldenweg begeben kann.

Der innere Held: das liebende Bewusstsein!

Liebe statt Macht – ein Thema (nicht nur) für Männer

Der Heldenweg ist der Weg der Liebe. Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Frau die Liebe schon ins Herz gegeben ist (s. Der Heldenweg der Frau). Wenn sie diese jedoch verloren hat, gilt es auch für sie, ihr Bewusstsein zu mobilisieren und sich auf den Heldenweg zu machen.
Der Mann muss hingegen noch seine Seele und mit der Liebe auch die weibliche Seite des Geistes gewinnen (s. Der Weg des Mannes). Auf dem Heldenweg wird er in allen Bereichen des Lebens geprüft, ob er Liebe statt Macht wählt.

Das liebende Bewusstsein: männlich-initiierende Energie

Wenn vom Helden die Rede ist, dann ist damit im weitesten Sinn das liebende Bewusstsein gemeint (personifiziert im Christus/Messias als Archetyp). Es bildet die männlich-initiierende Seite der schöpferischen Kräfte, welche die Information (Geist) als den «Samen des Wortes» in die lebendige Materie (weiblich-empfangend) sät. Das Neue entsteht aus der Synthese der beiden Kräfte männlich und weiblich.

[S. Männlich und weiblich, die beiden Urkräfte der Schöpfung und Männlich und weiblich und die Erschaffung neuer Realität.]

Der innere Held der Frau

Dabei ist festzuhalten, dass eine Frau, welche zu ihrer strategisch-schöpferischen Kraft Zugang haben möchte, dazu ihre männlichen Anteile und damit ihren inneren Helden integrieren muss (s. und Maria Magdalena und die Frau als Heldin und Die Integration des Animus).

[So auch im Song HERO, gesungen von Mariah Carey.]

Die Initiation, der erste konkrete Schritt

Der Weg in die Freiheit des Geistes ist der Heldenweg. Der Mensch, der seine Seele verloren hat, gewinnt mit ihr sein Leben wieder, indem er allen Bereichen seines Lebens Liebe zum Ausdruck bringt.
Dabei muss zunächst
Bewusstwerdung geschehen, dass es überhaupt einen solchen “höheren Weg” gibt und dass Geben besser ist als  Nehmen. Auf diese folgt als erster Schritt ein Bekenntnis in Form von Worten und Taten zu diesem Weg (s. Die zweite Phase des Heldenweges – Initiation).

Die Integration der weiblichen Persönlichkeitsanteile

Die letzte Phase des Heldenweges stellt dann die Integration des Geistes dar (wozu auch die gegengeschlechtlichen Persönlichkeitsanteile gehören). Diese Phase ist identisch mit der Feuerprobe und dem Weg durch die Unterwelt. Sie führt zu einem inneren Sterben, bei welchem das Ego überwunden wird.
Dies ist auch die Phase, in welcher der siegreiche Held eine Verwundung erfährt, die zur “heiligen Wunde” wird, weil sie ihn mit der Ganzheit verbindet. Denn auf diese Weise wird er mit seiner eigenen Schwäche konfrontiert und integriert seine weiblichen Anteile, seine Seele. Mythologisch gesprochen gewinnt er durch die Wunde des Königs die Jungfrau, welche wiederum reine Liebe symbolisiert.

[S. Die Integration der weiblichen Anteile und Die Integration von Animus und Anima, Zugang zum Geist.]

Sieg über den inneren Drachen

Auf dem Heldenweg hat der Held seine eigene Seele und sein Herz wiedergewonnen, das verloren war. Bildhaft gesprochen hat er damit die (innere) Jungfrau aus dem Griff des Drachens befreit, der für Gewalt und Gier steht. Damit hat er Königsherrschaft im Leben, Vollmacht und das ewige Leben gewonnen.

[S. Der Drache, die alte Schlange und ihre Überwindung und Die heilige Hochzeit: Ganzheit durch Integration des Unbewussten.]

Dieser Weg des Helden kommt in vielen Überlieferungen anschaulich zum Ausdruck, wie:

John Bauer: "Mit losen Zügeln sprengte er vorwärts." (Georg, der Drachentöter)

Nachweise:

[1] Richard Rohr (2009). Vom wilden Mann zum Weisen Mann (2. Auflage). München: Claudius (2009), S. 43

[2] C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 9/II, „Aion“, S. 21 § 22

[3] Richard Rohr (2011). Verwandlung. Was radikale Veränderung bedeutet. München: Claudius, S. 101


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