Die Götter als Archetypen für menschliche Wesenszüge
Mit den Göttern bewegt man sich im Bereich der Archetypen, und eine archetypische Betrachtung ermöglicht eine seelisch-geistige Interpretation des Mythos auf einer tieferliegenden Ebene.
Auch steht der Bereich der Götter im Zusammenhang mit einer übergeordneten Ganzheit.
Gott selbst ist Einheit und Ganzheit, das A und O, Anfang und Ende, und umfasst alles.
Ganzheit ist männlich und weiblich.
Seelisch-spiritueller Zugang und die Ganzheit
Archetypische Deutung und mal wieder ein Silbenrätsel
Von der Göttin Isis ist auch der frühe Name ASHET überliefert. In diesem Namen steckt die Silbe SET, während die Silbe A für den Anfang, die MUTTER steht. Auf der anderen Seite steht Osiris, der Geliebte der Göttin. In diesem Namen stecken die Silben O und SIRI. Während das O für Ende, das Ziel, nämlich für den VATER und den Geist, steht, ist SIRI als die weibliche Seite (das männlichen Gottes) heute ja bekannt als allgegenwärtiger Ausdruck dienstfertiger Hilfsbereitschaft.
Die gegengeschlechtlichen Persönlichkeitsanteile als Weg zur Ganzheit
Ganzheit wird erreicht, indem die gegengeschlechtlichen Persönlichkeitsanteile integriert werden (s. Die Integration von Animus und Anima). Dies geschieht auf dem Weg durch die Unterwelt (wo der Held zum Beispiel seiner Mutter begegnet, wie Odysseus).
Die Götter machen es vor:
[S. Anima und Animus in der Paarbeziehung: der/die unsichtbare Dritte.]
Der mörderische Zorn der Göttin
Wenn nun also der Mythos sagt, dass Seth Osiris umgebracht hat, kann das auch so gelesen werden, dass die zornige Gattin (nicht zuletzt als Schicksalsgottheit) ihren geliebten Götter-Gatten, der sie enttäuscht hat, in die Unterwelt schickt.
[S. Maleficent als Schicksalsgöttin und Der Barbie-Film, der Irrsinn des Krieges und der Weg durch die Unterwelt.]
Dies wird auch in der sumerischen Überlieferung bereits beschrieben (s. Der Hirte wird geschlagen).
Seth, Satan und die männlichen Anteile der Frau (als Göttin)
Der Mann hat eine höllische Angst vor dem Zorn der Frau. Darum wird dann im babylonischen Gilgamesh-Epos der Spiess umgedreht, indem Gilgamesh den rasenden Himmelsstier, der den Zorn der Göttin symbolisiert, umbringt (s. Die Tötung des Himmelsstiers. So ist auch aus dem ägyptischen Gott Seth Satan geworden und aus der Göttin die Hölle.
[S. Der negative Animus als Teufel oder Schmerzkörper | Das Grosse Weibliche, das Leben selbst, in der Unterwelt und Von Frau Holle zur Hölle und die Göttin der Unterwelt.]