Da war ich nun also: Findelkind und ehemaliger Gärtnersgehilfe, der später zum Mundschenk aufstieg und schliesslich König wurde und das alles dank meiner “Göttin” Ishtar-Ischa, der Königstochter. Wir schliefen miteinander! Das war meine Initiation und ihre (!), denn sie war nun nicht mehr jungfräuliche Dienerin der Göttin der Liebe. und meine. Der Umstand, dass ich tatsächlich der Gärtnersjunge war, wird im weiteren Verlauf des Epos besätigt, sonst würde ich es hier nicht erwähnen (in Episode 6).
Die Initiation – das “erste Mal”
Die Shamkat-Ishchara – Ischa, Tochter des Königs!
Und dann, so schrieb ich später in meiner Legende, gewann Ishtar, die Göttin der Liebe, mich lieb. Natürlich ist für den ersten Weltherrscher nur die Göttin selbst gut genug. Aber wenn ich ehrlich sein soll,– und das will ich hier – dann ist ja wohl klar, dass es sich dabei nicht um die Göttin selbst handelte, sondern um eine ihrer irdischen Manifestationen … nämlich um meine Göttin, eben um Ischa, die Tochter des Königs Urchababa von Kish.
Ischa war ein wenig älter als ich. Sie kam immer wieder in den Garten. Als Kinder pflegten wir zusammen zu spielen, obwohl ihre Eltern das nicht gerne sahen. Ischa schlich aber immer wieder zu mir in den Garten. Wir wuchsen heran und Ischa wurde wunderschön, gross und schlank, und ich sah sie nur noch selten. Sie war nun eine Priesterin der Göttin der Liebe. Doch eines Tages sah ich sie wieder einmal im Garten spazieren – in einem ihrer strahlenden Gewänder, welche ihre hochgewachsene, Gestalt betonten. Ich wagte es gar nicht, mich ihr anzunähern, so schön war sie. Zudem war es gerade sehr heiss, weshalb ich mein Hemd ausgezogen hatte. Auch ich war gewachsen, und an dem Tag brannte die Sonne auf die verschwitzte Haut meines braungebrannten und muskulösen Oberkörpers hernieder.
Als Ischa mich erblickte, drehte sie sogleich den Kopf weg und ging schnellen Schrittes zurück zum Palast.
Eine «neue Schöpfung»
Es war nicht viel Zeit vergangen – ich war auf meiner täglichen Morgenrunde im Garten – da erblickte ich Ischa, wie sie im Schlossteich ein Bad nahm. Zu Tode erschrocken blieb ich wie angewurzelt stehen. Doch sie lächelte mich strahlend an und stieg langsam aus dem Wasser. Dabei liess sie ihr langes Haar herunterfallen, das ihren wunderschönen, nackten und vollkommenen Körper nur unzulänglich bedeckte. Langsam bewegte sie sich auf mich zu, kam immer näher, bis sich ihre Arme um meinen Nacken schlangen. Lange blickte sie in meine Augen, und es fühlte sich an, als blicke sie auf den Grund meiner Seele. Dann flüsterte sie: Komm! Mein Geliebter! Du sollst mein Erster sein!”
Aufstieg vom Gärtner zum Mundschenk des Königs
Von diesem Augenblick an kam Ischa täglich, ja manchmal mehrmals täglich in den Garten. Wir liebten uns und die Tage erschienen mir wie eine Ewigkeit im Himmel. Am sechsten Tag sagte Ischa: “Heute Nacht, Liebster, kommst du zu mir, in mein Zimmer und wir werden uns in meinem Bett lieben! Denn ich bin dein und du bist mein, das ist der Wille der Göttin!”.
Als es dunkel geworden war, klettere ich unbemerkt zu ihrem Balkon hoch und gelangte in ihr Zimmer. Doch Ischa bemühte sich nicht sonderlich, sich ruhig zu verhalten.
Um es kurz zu halten: So war es denn Ischa, die bei ihrem Vater, beim König, ein gutes Wort für mich einlegte, so in dem Stil: «Ja! Ich habe mit ihm geschlafen! Na und?!? – Wer hat mich verpetzt?!? – Mir doch egal! Ich liebe ihn und will ihn heiraten!»
Bald darauf wurde ich zum neuen Mundschenk des Königs auserkoren, und es dauerte nicht lange, bis Ischa und ich vermählt wurden.