Der Mann – geboren aus einer Frau
Im Leib der Mutter erfährt das Ungeborene Einheit und hat alles, was es braucht: Wärme, Nahrung, Geborgenheit.
Es ist ein besonderer Umstand, dass der Mann aus dem Körper einer Frau hervorgeht. Das Männliche entsteht aus dem Weiblichen, so wie unbewusstes Leben zu Bewusstsein heranwachsen kann (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste).
Der Mutter-Sohn und Trumpf der Mutter
Für die Frau war und ist die Geburt eines Sohnes in vielen Kulturen von besonderer Bedeutung. Denn einerseits verhilft ihr dieser in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu einem besseren Status. Zudem hat sie nun einen Trumpf gegen ihren dominierenden Gatten: ihren heranwachsenden Sohn, den sie von klein auf prägen kann. Er wird heranwachsen und eines Tages stärker sein als ihr Gemahl, ja er wird eines Tages sogar dessen Thron übernehmen.
Der Orakelspruch: “Der Sohn wird den Vater töten und die Mutter heiraten.”
Mythologisch gesprochen stellt diese Konstellation einen „Fluch“ dar, der sich schicksalhaft erfüllen muss, solange das Ganze im Unbewussten bleibt. Dies kommt zum Beispiel im Orakel von zum Ausdruck. Es sagte dem Königspaar voraus, dass der Sohn seinen Vater “töten” und seine Mutter “heiraten” werde. Das Paar versuchte alles, um dies zu verhindern. Der Knabe Ödipus wurde am Fuss verletzt im Wald ausgesetzt. Doch gerade dadurch, weil Ödipus seine wahren Eltern nicht kannte, erfüllte sich das Orakel. Kennen bedeutet mehr. Kennen bedeutet auch Erkennen der destruktiven Dynamik, welche nur durch Bewusstwerdung ausgehebelt kann (s. Heilung am Licht). Darum noch einen vertieften Blick in die entsprechenden Muster:
Das Muttersöhnchen als verdorbener Despot
Abhängigkeit von der Mutter
Sozusagen mit der Muttermilch kann eine Mutter ihrem Sohn von klein auf ihre Sicht der Dinge buchstäblich “einflössen”. Mit dem Ziel, ihren Günstling bald anstelle des unliebsamen Gatten auf dem Thron zu sehen, macht die Mutter ihn zu früh zu ihrem König. Dies tut sie, indem sie ihm für nichts ihre Bewunderung und Bestätigung, Dienstleistungen und Komfort gibt.
Das gestohlene Leben des Sohnes: Missbrauch
Für nichts? Nein! Ohne es zu wissen, bezahlt er einen hohen Preis: sein Leben und sein Herz. Denn indem die Mutter ihn verwöhnt und verhätschelt, nimmt sie von ihrem Sohn männliche Energie, welche der Partner ihr ja vorenthält (wenn/weil das Paar in einer Dynamik der Macht steckt, s. Negative Paardynamik – Macht und Magie in Beziehungen). Das ist als Missbrauch zu bezeichnen (s. Missbrauch – das gestohlene Leben).
Die Schneekönigin und das erstarrte Herz
Ja mehr noch: Indem sie ihm Bewunderung, Macht und “Vollmacht” gibt, nimmt sie sein Herz! Denn sie hat selbst keine Liebe (weil sie selbst keine Liebe hat, keine Liebe zu sich selbst, sondern stattdessen Verführung lebt (weisse Magie, s. Andersens Märchen Die Schneekönigin). Darum hat er keine Liebe erfahren, sondern nur Bestätigung als Erfolgserlebnis und danach ist er nun süchtig.
Keine Seele und keinen Zugang zur Ewigkeit
Doch keine gesunde Frau wird einem solchen Mann für nichts ihr Königreich schenken. Dies kann der Mann gar nicht verstehen, denn er ist sich der ganzen Problematik völlig unbewusst. Er spürt nichts, denn sein Herz ist kalt und er weiss nicht, wer er ist, solange ihm keine Bewunderung und Bestätigung zuteilwird. Darum strebt er nur nach Erfolg und Macht. Auch hat er keinen Zugang zu seiner Seele und damit auch nicht zum Geist. Andersen drückt das in seinem Märchen so aus, dass der kleine Kay bei der Schneekönigin nicht wegkommt, solange er das Wort “EWIGKEIT” nicht schreiben kann.