Kollektive Erlösung
Vom Antrieb aus Schmerz zum Antrieb aus Liebe
Hier erreicht der Mythos seinen eigentlichen Höhepunkt.
Der Sohn, der das Gute wiederherstellt und den Platz des destruktiven Seth einnimmt, symbolisiert die gelungene Integration des Männlichen ins Weibliche.
Die Göttin steht dabei nicht nur als Modell für die einzelne Frau. Sie kann zugleich das Volk, das Kollektiv und letztlich die lebendige Erde selbst verkörpern.
Was geschieht also?
Das Weibliche integriert seine männlichen Anteile.
Nach Vergebung und Versöhnung steht die ursprüngliche Kraft der Liebe wieder auf – geboren aus jener reinen, vergebenden Liebe, die dem positiven Archetyp des Vaters zugeordnet werden kann.
Damit geschieht der entscheidende Wandel:
Der Antrieb aus Schmerz wird durch den Antrieb aus Liebe ersetzt.
Wut, Verletzung und Defizitempfinden – der „Seth“, der Schatten oder Schmerzkörper – verlieren ihre Macht.
An ihre Stelle tritt Liebe.
Und genau darin liegt die Initialzündung einer neuen Schöpfung.
[S. Die Vier der Familie und die Entstehung neuer Realität.]
Die neue Schöpfung der Liebe
Der auferweckte Osiris zeugt den Sohn und Retter.
Vater und Sohn erscheinen damit als rettendes Duo. Der Sohn trägt die schöpferische Kraft und Potenz des Vaters weiter und verkörpert eine positive Männlichkeit, deren höchste Form nicht Herrschaft, sondern Hingabe ist.
Diese Hingabe reicht symbolisch bis in den Tod.
Der Weg führt in das Reich der Toten – in die Schatten –, damit dort etwas sterben kann, was der neuen Schöpfung im Wege steht.
Im Sterben wird der Same des Neuen ausgesät.
Und aus diesem Samen wächst eine Schöpfung, die nicht mehr aus Schmerz, Angst und Mangel hervorgeht, sondern aus einer Liebe, die alles durchdringt.
So wird aus einem göttlichen Ehedrama eine Geschichte der Erlösung.
Nicht weil das Dunkle besiegt oder verdrängt wird.
Sondern weil es durchschritten, erkannt und verwandelt wird.
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Antwort auf die Frage:
Hey Siri, warum ist die Haut des Osiris grün?
Weil Osiris durch das Reich der Toten gegangen ist.
Und weil Grün nicht nur die Farbe des Todes sein muss.
Es ist auch die Farbe des Lebens, das daraus neu hervorwächst.